Forschungsallianzen

 

Das französische Ministerium für Bildung und Forschung verfügt derzeit über vier thematische Allianzen in den prioritären Bereichen, die in der französischen Forschungs- und Innovationsstrategie festgeschrieben wurden:

 

  • AVIESAN – Französische Allianz für Lebenswissenschaften und Gesundheitswesen (gegründet 8. April 2009)

 

  • ANCRE – Allianz zur Koordinierung der Energieforschung (gegründet 17. Juli 2009)

 

  • ALLISTENE – Allianz für Digitaltechnologien und -wissenschaften (gegründet 17. Dezember 2009)

 

  • ALLENVI – Allianz für Umweltforschung (gegründet 9. Februar 2010)

 

  • ATHENAAllianz für Menschlichkeit, Geistes- und Sozialwissenschaften (gegründet 22. Juni 2010)

 

Diese im Rahmen der Reform des französischen Forschungssystems gegründeten Allianzen zeugen vom Willen der Regierung, durch bessere Koordinierung und einer verstärkten Partnerschaft zwischen den verschiedenen Akteuren der Forschung (Hochschulen, extra-universitäre Institute, Privatwirtschaft), dieser eine neue Dynamik zu verleihen. Die Aufgabe der einzelnen Allianzen besteht darin, der Regierung und den Finanzierungseinrichtungen eine koordinierte Programmplanung zu den wichtigsten Aktionen im Bereich Wissenschaft und Technologie vorzulegen. Dadurch soll eine größere Sichtbarkeit auf europäischer und internationaler Ebene erreicht werden.

Die AVIESAN-Allianz im Überblick

 

Im April 2009 haben acht Akteure der französischen Forschung – CNRS, INSERM, CEA, INRA, INRIA, IRD, Pasteur Institut und die Konferenz der Universitätspräsidenten (CPU) – die nationale Allianz für Lebens- und Gesundheitswissenschaften AVIESAN gegründet und damit einen wichtigen Schritt zur verbesserten Koordination der französischen Lebens- und Gesundheitswissenschaften vollzogen. Die von der  französischen Regierung geführte Reform des Forschungssystems stärkt die Position der französischen Forschung in diesem Bereich durch eine konzertierte Programmgestaltung.

 

Weltweit an 5. Stelle im Bereich der wissenschaftlichen Produktion in den Lebens- und Gesundheitswissenschaften verfügt Frankreich auf diesem Gebiet unbestritten über eine Spitzenforschung. Dennoch benötigt das Land eine noch effektivere Koordinierung, sei sie strategischer, wissenschaftlicher oder operationeller Natur. Vor diesem Hintergrund haben die wichtigsten institutionellen Akteure eine erstmalige Übereinstimmung erzielt und zusammen gemeinsame Ziele definiert, was den wissenschaftlichen Inhalt, die Beziehungen zwischen den Einrichtungen, die Laborführung, die Aufwertung der Ergebnisse, die Forschungsinfrastrukturen, die technologischen Plattformen bzw. die europäische und internationale Kooperationspolitik betrifft.

 

Die Umsetzung dieser Ziele wird innerhalb von zehn einrichtungsübergreifenden thematischen Instituten (ITMO) erfolgen (die vollständige Liste s.u.). Diese Institute, wahre Speerspitzen der französischen Forschung in den Lebens- und Gesundheitswissenschaften, sind weder als Operateure tätig, noch als Fördermittel-Anstalten. Ihre Aufgabe besteht in der Ausarbeitung einer Strategie und der nationalen Programmkoordinierung in Kooperation mit den wissenschaftlichen Vertretern aller beteiligten Einrichtungen.

 

Innerhalb der nationalen Allianz wird die gemeinsame Erarbeitung des wissenschaftlichen Programms und das gemeinsame Vorgehen von einem Koordinierungsrat abgesichert, der sich aus den Direktoren der beteiligten Einrichtungen, den Direktoren der zehn ITMO und einer ständigen Vertretung der CPU zusammensetzt.

 

Die zehn einrichtungsübergreifende thematische Institute (ITMO) sind:

      1. Molekulare und strukturelle Basen bei Lebewesen
      2. Zellbiologie, Entwicklung und Evolution
      3. Genetik, Genomik und Bioinformatik
      4. Neurowissenschaften, kognitive Wissenschaften, Neurologie und Psychiatrie
      5. Mikrobiologie und Infektionskrankheiten
      6. Krebs
      7. Kreislauf, Stoffwechsel und Ernährung
      8. Immunologie, Hämatologie und Pneumologie
      9. Gesundheitswesen
      10. Gesundheitstechnologien.

 

 

Weniger als ein Jahr nach der Gründung der Allianz wurde am 17. Februar 2010 ein Partnerschaftsabkommen zwischen Sanofi-Aventis und AVIESAN unterzeichnet. Ziel dieser Partnerschaft ist es, gemeinsam den Erkenntnisstand im Bereich der Lebenswissenschaften und Gesundheit auszubauen, zur Exzellenz und Stärkung der französischen Forschung beizutragen und ehrgeizige Projekte zu den Schwerpunktthemen des Alterns, der immun-entzündlichen Krankheiten, der Infektionskrankheiten sowie der regenerativen Medizin durchzuführen. Um die Kreativität zu fördern, werden die Bildung gemeinsamer Forschungsteams, die Schaffung gemeinsamer Laboratorien und technologischer Plattformen sowie die Gründung gemeinsamer Forschungszentren in Betracht gezogen.

 

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Die ANCRE-Allianz im Überblick

 

ANCRE wurde im Juli 2009 auf Initiative des CEA, des IFP (französisches Erdölinstitut) und des CNRS als Gründungsmitglieder gestartet. Ihnen haben sich bis heute 15 weitere öffentliche Forschungseinrichtungen des Energiesektors angeschlossen (Liste s.u.). Ihre Aufgabe besteht darin, die F&E-Programmplanung im Rahmen der vom Staat festgelegten Politik vorzuschlagen, Partnerschaften und Synergien zwischen den öffentlichen und privaten Partnern (Forschungseinrichtungen, Universitäten, Grandes Ecoles – französische Elitehochschulen, Unternehmen) zu unterstützen und die wissenschaftlichen, technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hindernisse aufzuspüren, die die industriellen Entwicklungen im Energiebereich hemmen.

 

Die ANCRE-Allianz bündelt die 18 folgenden Forschungseinrichtungen:

      • CEA: Zentrum für Atomenergie und alternative Energien
      • IFP: französisches Erdölinstitut
      • CNRS: Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung
      • ANDRA : Französische Behörde für die Entsorgung radioaktiver Abfälle
      • BRGM: Organisation für geologische- und Bergwerksforschung
      • CDEFI: Direktorenkonferenz der Ingenieurhochschulen
      • CEMAGREF: Französisches Zentrum für Landmaschinenwesen, Agrartechnik, Gewässer und Forstwesen
      • CIRAD: Zentrum für internationale Zusammenarbeit in der Agrarforschung für Drittländer
      • CPU: Hochschulrektorenkonferenz
      • CSTB: Wissenschaftliches und technisches Zentrum für Bauwesen
      • IFREMER: Französisches Forschungsinstitut zur Nutzung der Meere
      • INERIS: Französisches Institut für Industrie und Umweltrisiken
      • INRA: Französisches Zentrum für Agrarforschung
      • INRETS: Französisches Forschungsinstitut für Verkehr und Verkehrssicherheit
      • INRIA: Nationales Forschungsinstitut für Informatik und Automatik
      • IRD: Forschungsinstitut für Entwicklung
      • IRSN: Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit
      • ONERA: Französisches Forschungszentrum für Luft- und Raumfahrt

 

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Die Allistene-Allianz im Überblick

 

Im Dezember 2009 wurde eine neue Allianz zwischen sechs Schlüsselakteuren der französischen Forschung gegründet. Zu ihnen gehören:

 

      • die Direktorenkonferenz der Ingenieurschulen (CDEFI)
      • das Zentrum für Atomenergie und alternative Energien (CEA)
      • das Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS)
      • die Hochschulrektorenkonferenz (CPU)
      • das Forschungsinstitut für Informatik und Automatik (INRIA)
      • das Institut Télécom.

 

Die Allianz hat zum Ziel, ihre Aktivitäten besser zu koordinieren und Partnerschaften auszubauen. Die Aufgaben der ALLISTENE sind:

 

      • die Programmkoordinierung
      • die Ausarbeitung nationaler Programme
      • die Stärkung der Partnerschaften und Synergien zwischen allen Beteiligten (einschließlich der Industrie) auf der Grundlage der nationalen Prioritäten und Programme
      • das Hineintragen der nationalen Prioritäten und Programme in die verschiedenen einschlägigen europäischen Initiativen
      • die Koordinierung der Innovationspolitik und der wirtschaftlichen Verwertung von Forschungsergebnissen der an einer Partnerschaft beteiligten Akteure
      • Erarbeitung eines Vorschlags für eine nationale IKT-Politik unter Berücksichtigung der Querbezüge zu anderen Disziplinen, den in Betracht kommenden Industriezweigen (Software; Elektronik; Telekommunikation) und den anderen Allianzen.

 

Die Allianz hat an der Definition der nationalen Forschungsstrategie im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien mitgewirkt und sie ist mitverantwortlich für die verbesserte Koordinierung zwischen den wichtigsten Einrichtungen dieses Sektors: dem CNRS und dem CEA.

 

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Die AllEnvi-Allianz im Überblick

Am 9. Februar 2010 haben sich 12 französische Forschungseinrichtungen zu einer Allianz für “Wasser, Klima, Ernährung und Gebiete” – AllEnvi – zusammengeschlossen. Ziel der AllEnvi-Allianz ist es, zur wissenschaftlichen und technologischen Weiterentwicklung Frankreichs, aber auch der Europäischen Union auf dem Gebiet der Umweltwissenschaft beizutragen.

 

Die AllEnvi bündelt die 12 folgenden Forschungseinrichtungen:

      • BRGM: Organisation für geologische- und Bergwerksforschung
      • CEA: Behörde für Atomenergie und alternative Energien
      • CEMAGREF: Französisches Zentrum für Landmaschinenwesen, Agrartechnik, Gewässer und Forstwesen
      • CIRAD: Zentrum für internationale Zusammenarbeit in der Agrarforschung für Drittländer
      • CNRS: Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung
      • CPU: Hochschulrektorenkonferenz
      • IFREMER: Französisches Forschungsinstitut zur Nutzung der Meere
      • INRA: Französisches Zentrum für Agrarforschung
      • IRD: Forschungsinstitut für Entwicklung
      • LCPC: Zentrallaboratorium für Brücken- und Straßenbau (ENPC)
      • Météo France: Französischer Wetterdienst
      • MNHN: Nationales Naturkundemuseum

Die AllEnvi-Allianz soll eine bessere Synergie zwischen den verschiedenen Akteuren für die Forschungsthemen “Wasser, Klima, Ernährung und Gebiete” in Frankreich ermöglichen. Lediglich mit einer starken und koordinierten Forschung könnte die Menschheit die Herausforderungen in den Bereichen Klima, Umwelt und Energie meistern.

 

Die Schwerpunkte der neu gegründeten Allianz sind:

      • Beobachtung und Erforschung der Umwelt sowie deren Modellierung auf allen Ebenen und für große Zeiträume;
      • systemische Forschung mit der Studie der Lebensprozesse und deren Wechselwirkung mit dem Umfeld und den Aktivitäten des Menschen;
      • Innovation und Engineering in den Bereichen Wasser, biologische Vielfalt, Ernährung, Landwirtschaft, Meer und Raumplanung;
      • eine bessere Berücksichtigung von naturbedingten Risiken und Umweltentwicklung;
      • Ausbildung und Weitergabe des Wissens.

 

Zur Erarbeitung einer gemeinsamen wissenschaftlichen Programmgestaltung werden thematische Querschnittsarbeitsgruppen eingerichtet. Vorgesehen ist auch die Teilnahme von anderen Mitgliedern an der AllEnvi-Allianz, z.B. von in diesen Bereichen tätigen staatlichen Behörden. An der Leitung der AllEnvi-Allianz sind alle zwölf Organisationen beteiligt.

 

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Die Athena-Allianz im Überblick

Die Allianz wurde am 22. Juni 2010 von vier Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen:

 

  • CNRS – Zentrum für wissenschaftliche Forschung
  • CGE – Konferenz der französischen Elitehochschulen
  • CPU – französische Hochschulrektorenkonferenz
  • INED – französisches Institut für demographische Studien

 

ATHENA hat ein neunköpfiges Direktorium, dessen Präsident und Vizepräsident alle zwei Jahre unter den je zwei Vertretern des CNRS und der CPU ausgewählt werden.

 

Aufgabe der Allianz ist es, entscheidend zur Entwicklung des Hochschulwesens und der wissenschaftlichen Forschung im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften beizutragen. Sie soll des Weiteren an der Erarbeitung von Konzepten zur Konsolidierung der wissenschaftlichen Qualität mitwirken (Institut universitaire de France, Exzellenzlehrstühle, Institute für Spitzenforschung, Zentrum für Humanwissenschaften, etc.) und Vorschläge zur Entwicklung von Schnittstellen und Kooperationen zwischen Forschungsakteuren im Bereich Forschungsinfrastrukturen und Großgeräte (Bibliotheken, Infrastruktur) unterbreiten.

 

Weitere Aufgaben sind die Erarbeitung von Strategien zur Verbreitung und Internationalisierung der Geistes- und Sozialwissenschaften (französische Auslandsschulen, Netzwerk von französischen Forschungsinstituten im Ausland etc.), die Mitwirkung an der mittel- und langfristigen Programmplanung für die Forschung und die Beteiligung an der wissenschaftlichen Zukunftsforschung.

 

Durch ATHENA können die Forschungsstrategien der Hochschuleinrichtungen und der Forschungseinrichtungen (z.B. des CNRS, das eine strukturierende Rolle in der Forschung einnimmt) aufeinander abgestimmt werden.

 

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