Energiearmut: neun Maßnahmen zugunsten der Ärmsten




In Frankreich leben 2 Millionen Haushalte in schlecht oder wenig beheizten Wohnungen, und fast 10% der französischen Bevölkerung ist von einer Energiearmut betroffen. Aus diesem Grund hat die Staatssekretärin für Nachhaltigkeit, Valérie Létard, den Präsidenten des strategischen Ausschusses für Gebäudeplanung des "Grenelle Environnement" (Umweltabkommen), Philippe Pelletier, darum gebeten, Vorschläge zur Reduzierung der Energierechnung für die schwächsten Haushalte zu unterbreiten.

Der am 6. Januar 2010 veröffentlichte Bericht befürwortet einen Plan von fast 4 Milliarden Euro für die nächsten 10 Jahre, der es den Ärmsten ermöglichen soll, ihre Heizungs- und Stromrechnungen bezahlen zu können.
Der Bericht schlägt eine Definition der Energiearmut als Kombination aus 3 Faktoren vor: geringes Einkommen, schlechte thermische Qualität der Wohnungen und Schwierigkeiten, die Energierechnungen zu bezahlen.
Heute geben ungefähr 3,4 Millionen Haushalte mehr als 10% ihres Einkommens für die Energierechnung aus, was sie in die Energiearmut treibt: 87% von ihnen leben in Privatwohnungen, 70 % gehören zu den 25% der Bevölkerung mit dem schwächsten Einkommen, 62% sind selbst die Wohnungseigentümer und 55% sind älter als 60 Jahre.

Außerdem heizen 300.000 Haushalte aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage nicht mehr oder nur unzureichend ihre Wohnung. Die Energiearmut betrifft vor allem ländliche Gebiete und Kleinstädte und hat verheerende Auswirkungen auf die Umwelt (Vergiftungen, Feuchtigkeit, Schimmel), das soziale Leben (Stress, Rückzug) und die Gesundheit (Atemwegserkrankungen, überhöhtes Sterblichkeitsrisiko im Winter). Die aktuellen Hilfsmaßnahmen für Haushalte, wie Sozialtarife für Strom und Gas, Solidaritätsfonds für Wohnungen oder nicht-staatliche Hilfsmaßnahmen sind unzureichend und unkoordoniert. Darüber hinaus sind Hilfen für Bauarbeiten (zinslose Darlehen, persönliche Kleinstkredite, Steuergutschriften für Nachhaltigkeit) den einkommensschwächsten Familien nicht zugänglich.

Deshalb schlägt der Bericht neun Maßnahmen in Höhe von 3,975 Milliarden Euro vor, wovon 1,7 Milliarden Euro zu Lasten des Staates und 353 Millionen Euro zu Lasten der Gebietskörperschaften gehen. In diesem Plan werden außerdem folgende Vorschläge unterbreitet: Aufnahme des Prinzips der Bekämpfung der Energiearmut in das Gesetz, um einen Handlungsrahmen festzusetzen; Eintrag der thermischen Leistung in die Gesetzestexte zur Gesundheitsschädlichkeit und Würdelosigkeit, um Energieverluste zu vermeiden und Verbindung zu Maßnahmenpaketen im Bereich Gesundheit (PNSE/PRSE - nationaler / regionaler Plan für Gesundheit und Umwelt) zu berücksichtigen. Auf lokaler Ebene werden fünf Maßnahmen empfohlen, um den Kampf gegen die Energiearmut in den Unterkünften der Ärmsten in die Aktionspläne der Departements zu integrieren. Diese Maßnahmen könnten die Anzahl der gegenwärtig bearbeiteten Wohnsituationen mehr als verdreißigfachen.

Die französische Präventionspolitik zur Energiearmut, in der die französische Organisation für Umwelt- und Energiewirtschaft (Ademe, [1]) eine aktive Rolle spielt, berücksichtigt 2 komplementäre Aspekte: Veränderung des Energieverbrauchsverhaltens und Bereitstellung leistungsfähiger technischer Lösungen, mit dem Ziel, die Experten für Sozialarbeit und die Wohnungs- oder Energieexperten näher zusammenzubringen.

[1] Mit ihrem Programm "Energieeinsparungen in Wohnungen und Kampf gegen Ausgrenzung" agiert die Ademe in den Gemeinden auf 3 Ebenen: Sensibilisierung der Öffentlichkeit (Informationsinstrumente, Ausbildung von Wohnberatern), Sanierungsmaßnahmen (Energieflusserfassung, Programmbegleitung), begleitende Maßnahmen bei der Durchführung (Beihilfe für Sanierungs- und Dämmarbeiten).

Zusätzliche Informationen:

Kontakt:
Didier Chérel - Abteilung Bau und Stadtplanung, Ademe - Sophia-Antipolis - 500 route des Lucioles, 06560 VALBONNE - Tél: +33 4 93 95 79 01 - Fax: +33 4 93 65 31 96 -
Email: didier.cherel@ademe.fr

Quelle:
"Précarité énergétique : 9 mesures à l'étude en faveur des plus démunis" - - 07.01.2010

Redakteurin:
Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr