Wissenschaft Frankreich #147 – 20/08/2008

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Forschungspolitik

Ab dem 1. Januar 2009 werden 20 französische Hochschule autonom arbeiten

Die französische Bildungs- und Forschungsministerin Valérie Pecresse hat am 24. Juli 2008 die offizielle Liste der Hochschulen ausgerufen, die ab Januar 2009 autonom tätig sein werden. Das Forschungs- und Bildungsministerium hat sich dafür entschieden, 20 von 85 Universitäten in ganz Frankreich eine finanzielle und administrative Autonomie ab dem kommenden Jahr zuzusprechen.

Die künftig autonom arbeitenden Hochschulen sind:

Universität Aix Marseille 2 (fächerübergreifend), Cergy-Pontoise (fächerübergreifend), Clermont-Ferrand 1 (fächerübergreifend), Corte (fächerübergreifend), ges (fächerübergreifend), Lyon 1 (fächerübergreifend), Marne la Vallée (fächerübergreifend), Montpellier 1 (fächerübergreifend), Mulhouse (fächerübergreifend), Nancy 1 (Naturwissenschaften), Paris 5 (fächerübergreifend), Paris 6 (Naturwissenschaften), Paris 7 (fächerübergreifend), La Rochelle (fächerübergreifend), Saint-Etienne (fächerübergreifend), Strassburg 1 (Naturwissenschaften), Strassburg 2 (Geistes- und Sozialwissenschaften), Strassburg 3 (Jura), Toulouse 1 (Geistes- und Sozialwissenschaften, Jura, Wirtschaft), Troyes (Technologien).

Vier Kriterien wurden für die Auswahl der Universitäten festgelegt: die Finanz- und Rechnungsführung, die Personalverwaltung, die Verwaltung der Informationssysteme und die Immobilienverwaltung.

Der Staat begleitet diese Umstellung mit drei Maßnahmen:

  • Jede dieser 20 Hochschulen erhält vom Ministerium 250.000 Euro, um die Mehrkosten für die Umsetzung eines neuen Organisationsverfahrens abzudecken.
  • Das Forschungsministerium hat ebenfalls einen Bildungsplan für die Hochschulführungskräfte erarbeitet. Dieser Plan ist mit 1 Million Euro dotiert und wendet sich an die 1.500 Hochschulbeamten. Er dient als Unterstützung bei der Einführung ins Management, in die Personalverwaltung, in die Informationssysteme, usw..
  • Des Weiteren sieht das Ministerium vor, einen Plan zur "Neuqualifizierung von Stellen" auszuarbeiten. Ziel ist es, die Betreuung an den Universitäten aufzuwerten: 650 Stellen sollen höher eingestuft werden.

Am 10. August 2007 wurde in Frankreich das "Gesetz über die Freiheit und Verantwortung der Universitäten" ("Loi sur les libertés et responsabilités des universités" - LRU) beschlossen. Es sieht vor, dass in 5 Jahren alle Hochschulen in Frankreich eigenständig über ihre Finanzen und ihr Personal entscheiden können. Bereits nach einem Jahr waren deutliche Signale der Umsetzung des Gesetzes sichtbar: alle Universitäten hatten einen neuen Aufsichtsrat gewählt, 65 % der Aufsichtsräte wurden neu zusammengestellt - davon 1 bis 2 Vertreter aus der Wirtschaft, ein Viertel der Präsidenten wurde zum ersten Mal gewählt, usw.

Die graphische Darstellung der 20 zukünftig autonomen Hochschulen finden Sie unter dieser Adresse: http://media.education.gouv.fr/file/2008/41/4/carte-nouveau-paysage-universitaire_32414.pdf

Kontakt: Ministère de l'enseignement supérieur et de la recherche (Ministerium für Hochschulwesen und Forschung) - http://www.enseignementsup-recherche.gouv.fr

Quellen:

  • Le Monde - 24/07/2008
  • Les Echos - 25/07/2008

Redakteurin: Pauline Medori, pauline.medori@diplomatie.gouv.fr

 


 

Französische EU-Ratspräsidentschaft

Ergebnisse des Treffens der zuständigen Minister für Raumfahrt

Unter Vorsitz der französischen Ministerin für Hochschule und Forschung, Valérie Pecresse, kamen vom 20.-22. Juli 2008 die für Raumfahrt zuständigen Minister der EU-Mitgliedstaaten in Kourou (Guyana) zusammen. Aus den konstruktiven Diskussionen während des Treffens ergaben sich für die französische Ratspräsidentschaft folgende Ergebnisse:

1) Die für Raumfahrt zuständigen Minister der EU-Mitgliedstaaten wünschen sich, dass die Europäische Union ein globaler Akteur der europäischen Raumfahrtpolitik wird. Dazu gehört:

  • das Festlegen von Leitlinien und Zukunftsvisionen, insbesondere im Bereich der Erforschung
  • die Umsetzung von Weltraumprojekten im Dienste der Bürger, wie z. B. das Satellitensystem Galileo oder das Programm zur globalen Umwelt- und Sicherheitsüberwachung GMES
  • der Europäischen Union international ein stärkeres Gewicht verleihen
  • die Zusammenarbeit Europas mit den Entwicklungsländern, insbesondere Afrika, im Bereich der Raumfahrt zu verstärken.

2) Neben der Europäischen Raumfahrtorganisation (ESA), deren Zuständigkeit im Bereich der Technologie- und Wissenschaftsprogramme unbestritten ist, benötigt die europäische Raumfahrtpolitik eine stärkere politische Führung, um sich den Herausforderungen der Alltagsnützlichkeit, der Autonomie Europas, der Finanzierbarkeit und der internationalen Beziehungen zu stellen.

3) Um ihrer Rolle vollständig gerecht werden zu können, muss die Europäische Union über spezifische Finanzinstrumente und Finanzierungsmechanismen für ihre Raumfahrtpolitik verfügen. Die nächsten Haushalte der Europäischen Union müssen folglich ausreichend Mittel hierfür vorsehen.

4) Vor diesem Hintergrund streben die für Raumfahrt zuständigen Minister der EU-Mitgliedstaaten folgende Ziele an:

  • die Stärkung des Programms zur globalen Umwelt- und Sicherheitsüberwachung GMES durch die Gewährleistung der Kontinuität der gelieferten Daten, hauptsächlich mittels einer langfristigen Finanzierung durch die Europäische Union
  • die Förderung der Entwicklung neuer Raumfahrtanwendungen. Dieser Sektor soll von der Öffnung und Harmonisierung des europäischen Markts im Rahmen der EU-Initiative "Pilotmärkte" profitieren.
  • die Optimierung der Nutzung der im All gesammelten Daten zum Klimawandel durch eine verbesserte Zusammenarbeit der europäischen Forschungszentren. Dies soll auf der Basis einer von der Kommission zu erstellenden Studie geschehen.
  • die Gewährleistung der dauerhaften Nutzbarkeit der Dienstleistungen, die durch die Schaffung eines europäischen Systems zur Überwachung des Weltraums ermöglicht wurden.

5) Hinsichtlich der Erforschung des Sonnensystems kamen die Minister zu folgenden Schlüssen:

  • Forschungsprogramme sollen nur in einem weltweiten Rahmen durchgeführt werden, der allen Nationen eine Teilnahme ermöglicht
  • Eine Zusammenstellung der aktuell bestehenden und der notwendigerweise zu schaffenden Zuständigkeiten ist unerlässlich, um festlegen zu können, in welcher Form die Europäische Union an globalen Forschungsprogrammen teilnehmen kann.
  • Bis zum Ende des Jahres soll eine Konferenz organisiert werden, auf der zu erörtern ist, in welcher Form die Europäische Union an einem globalen Forschungsprogramm teilnehmen könnte.

Angesichts der konstruktiven Diskussionen äußerten die für Raumfahrt zuständigen Minister der EU-Mitgliedstaaten abschließend den Wunsch, solche Treffen häufiger abzuhalten.

Kontakte:

Quelle: http://www.ue2008.fr - 22/07/2008

 


 

Französische EU-Ratspräsidentschaft

Informelles Treffen der verantwortlichen Minister für Wettbewerbsfähigkeit: Abschließende Mitteilung

Die französische Ministerin für Hochschule und Forschung, Valérie Pécresse, hatte im Rahmen der französischen EU-Präsidentschaft die EU-Bildungsminister/innen in den Räumen der Handelshochschule HEC in Jouy-en-Josas zu einer ersten informellen Tagung zum Thema "Wettbewerb" eingeladen.

Diese Veranstaltung bot die Gelegenheit, Überlegungen zur "Vision 2020" für den Europäischen Forschungsraum (EFR) anzustellen, deren Ergebnisse dem Ministerrat zum Thema "EU-Forschung im globalen Wettbewerb" im Dezember 2008 im Rahmen des Ljubljana-Prozesses vorgelegt werden sollen. Der unter der slowenischen EU-Präsidentschaft im April 2008 lancierte Ljubljana-Prozess hat zum Ziel, den Europäischen Forschungsraum durch die Definition der "Vision 2020" während der französischen EU-Präsidentschaft zu verstärken und seine Governance im Laufe der beiden nachfolgenden EU-Präsidentschaften durch die Tschechei und Schweden zu beschließen.

Eines der Hauptziele der gegenwärtigen Umgestaltung des europäischen Forschungsraums besteht darin, eine stärkere Koordinierung zwischen den nationalen Forschungstätigkeiten im Rahmen der EU zu bewirken und diese Tätigkeiten effizienter zu gestalten, um den Wissensstand zu steigern.

Die zunächst in themenbezogenen Workshops tagenden EU-Minister/innen konzentrierten ihre Überlegungen auf die Zukunft der europäischen Forschung angesichts der vier großen Herausforderungen: Ernährungskrise und Konsequenzen für die Landwirtschaft sowie die Verwaltung der Ökosysteme, Klimawandel und die Notwendigkeit neuer Energiequellen, Übergang zur Wissensgesellschaft und Überalterung der europäischen Gesellschaft.

Auf der Grundlage der Arbeiten der Minister/innen konnten zunächst die gemeinsamen Themen identifiziert werden, für die eine wirksame Koordinierung der europäischen Forschung auf folgenden Gebieten relativ schnell erreicht werden könnte:

  • Anpassung der landwirtschaftlichen Techniken an den Klimawandel und die Bedürfnisse bzgl. der Lebensmittelsicherheit, Umsetzung des SET-Plans (europäischer Strategieplan für Energietechniken) und der damit verbundenen sechs industriellen Initiativen,
  • Technische Beherrschung der Informationstechnik, Entwicklungen und zukünftige Internet-Nutzung unter Einhaltung des Respekts der Privatsphäre,
  • Verallgemeinerung der nationalen Alzheimer-Pläne und deren Koordination auf europäischer Ebene für Ringversuche auf breiter Basis zur Vorbeugung gegen diese Krankheit.

Diese und andere Themen werden für die Beschlüsse über die unter dem Gesichtspunkt der "Vision 2020" für den Europäischen Forschungsraum bis Ende 2008 zu ergreifenden Strategien behandelt.

Aus den Arbeiten der Minister/innen ergab sich auch die dringende Notwendigkeit, den Europäischen Forschungsraum mit Instrumenten zu versehen, die zur Gewährleistung seiner Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich sind. In diesem Sinne äußerten die Minister/innen folgende Wünsche:

  • die Beschleunigung der Übernahme eines Rechtsprechungssystems für Patente und der Schaffung von EU-Patenten, wobei sich die Präsidentschaftstroika verpflichtet hat, intensiv darauf hinzuarbeiten,
  • die Förderung einer effizienten Zusammenarbeit auf jeder Ebene zwischen Bildung, Forschung und Innovation, wobei auch öffentliche und private Sektoren so oft wie möglich einbezogen werden,
  • die Verbesserung der Förderung der europaweiten Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Forschung,
  • die Gewährleistung der Koordinierung der öffentlichen Ressourcen (Humanressourcen, Infrastrukturen, Budgets…), die auf regionaler, nationaler und gemeinschaftlicher Ebene mobilisierbar sind, indem die gemeinsame Programmgestaltung unterstützt wird.

Diese Arbeiten haben letztendlich zur Ausarbeitung von Schwerpunkten beigetragen, die die Grundlage der "Vision 2020" des Europäischen Forschungsraums bilden können. Diese wurden von Valérie Pécresse in vier Eckpfeilern dieser Vision zusammengefasst:

  • Bekräftigung des erklärten Ziels des Europäischen Forschungsraums, an allen Fronten der Forschung vertreten zu sein,
  • Organisation der Governance des Europäischen Forschungsraums, die sowohl strategisch ist, den Erwartungen der Mitbürger entspricht und die europäischen Werte vertritt,
  • Verstärkte Mobilisierung der Ressourcen im Europäischen Forschungsraum (Humanressourcen, forschungsspezifische Infrastrukturen, …) und Förderung der Wissensvermittlung,
  • Verstärkung der Synergien zwischen den gemeinschaftlichen und zwischenstaatlichen Instanzen des Europäischen Forschungsraums.

Kontakte:

Quelle: Ministerium für Hochschule und Forschung - 18/07/2008

 


 

Agrarwissenschaft und Umwelt

Wie kann der Methanausstoß von Kühen reduziert werden?

Ein Forschungsteam des französischen Instituts für Agrarforschung (INRA) arbeitet derzeit an der Entwicklung einer Möglichkeit, um den Methanausstoß von Kühen zu senken. In ihrer Arbeit geht es darum, das Futtermittel mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren anzureichern.

Das Methan bildet sich während der Gärung von Futtermitteln im Pansen der Kühe und anderer Wiederkäuer. Im Durchschnitt gehen 7 % der vom Tier aufgenommenen Energie durch diese Gasbildung verloren. Des Weiteren ist Methan ein starkes Treibhausgas. Laut einer Studie der FAO (Food and Agriculture Organization) gehen weltweit 18 % der gesamten Treibhausgasemissionen auf die Tierhaltung zurück. Um die Treibhausgasbilanz der Landwirtschaft zu verbessern, geht es also unter anderem darum, die Methanbildung bei Kühen einzugrenzen. Dabei könnte die positive Auswirkung auf die Umwelt schon nach kurzer Zeit spürbar werden, da die Lebensdauer des Methans in der Atmosphäre nur ca. 12 Jahre beträgt, während Kohlendioxid und Lachgas bis 120 Jahre in der Atmosphäre verbleiben können.

Derzeit werden weltweit mehrere Ansatzmöglichkeiten untersucht, um die durch das Wiederkauen verursachten Methanemissionen zu senken. Die Biotechnologien eröffnen dabei interessante Lösungswege. Sie ermöglichen eine Veränderung des mikrobiellen Ökosystems im Pansen: die Züchtung von Pansenmikroorganismen durch Beseitigung der Protozoen oder Inokulation von exogenen Bakterienstämmen, Impfung gegen methanproduzierende Mikroorganismen... Interessante Alternativen wären auch neue Futtermittelzusatzstoffe (Pflanzenextrakte, Karbonsäure...). Allerdings werden diese theoretisch vielversprechenden Ansätze nur noch im Labor getestet - meistens in vitro und unter Bedingungen, die der Praxis nicht entsprechen.

Die INRA-Station in Clermond-Ferrand-Theix ist das einzige Labor in ganz Frankreich, in dem quantitative Messungen des bei der Verdauung ausgestoßenen Methans von Wiederkäuern durchgeführt werden. Im Laufe mehrerer Versuche an Milchkühen konnte gezeigt werden, dass eine Zufuhr von 6 % Fett aus Leinkorn die Methanbildung um 27 bis 37 % verringerte. Dabei blieb die Leistung der Tiere entweder unverändert oder ging nur leicht zurück. Aufgrund ihres hohen Anteils an Linolensäure kann sich die Aufnahme von Leinkörnern zudem positiv auf die Nährwertzusammensetzung der Milch auswirken.

Eine Bestätigung dieser vielversprechenden Ergebnisse bei einer größeren Anzahl von Tieren, kombiniert mit einer systematischen Überwachung ihrer Leistungen, ist allerdings noch erforderlich. Des Weiteren soll während einer gesamten Laktationsperiode langfristig untersucht werden, ob der positive Einfluss des Leinöls auf die Methanbildung dauerhaft ist. Letztendlich sollen auch die wirtschaftlichen Kosten, mögliche soziale Auswirkungen sowie die Umweltbilanz bei der Einführung dieser Leinölzufuhr auf Bauernhöfen untersucht werden.

Kontakte:

Quelle: Pressemitteilung des INRA - 11/07/2008

Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr

 


 

Pflanzenbiologie

Forscher entdecken die Rolle eines neuen Hormons bei der Verzweigung von Pflanzen

Ein internationales Team von Forschern des französischen Instituts für Agrarforschung (INRA), des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) und der University of Queensland (Australien) ist es in Zusammenarbeit mit der Universität Wageningen in den Niederlanden gelungen, ein neues Pflanzenhormon zu identifizieren, das der Verzweigung von Pflanzen entgegenwirkt und somit das Wachstum von Seitenzweigen unterdrückt.

Vor etwa 10 Jahren hatten dieselben Forscher des INRA und der University of Queensland herausgefunden, dass ein mobiler, sich von anderen Pflanzenhormonen unterscheidender Botenstoff die Verzweigung der Pflanzen verhinderte, indem er die Weiterentwicklung der Seitenknospen stoppte.

Jetzt wurde dieser Botenstoff, ein neues Pflanzenhormon, der Familie der Strigolactonen zugeordnet. Um die Wirkungsweise dieses Stoffes zu verstehen, untersuchten die Forscher hyperverzweigte mutierte Pflanzen, die keine Strigolactonen produzieren. Strigolactonen weisen die üblichen Eigenschaften der Pflanzenhormone auf: sie wirken sehr gezielt, sind schon in sehr niedrigen Konzentrationen wirksam und können innerhalb der Pflanze über längere Strecken transportiert werden.

Bekannt war den Forschern bereits, dass Strigolactonen von den Pflanzenwurzeln gebildet und in die Rhizosphäre ausgeschwitzt werden, um Pilze anzulocken und somit die Entwicklung von symbiotischen endotrophen Mykorrhizen zu fördern. Des Weiteren spielen Strigolactonen eine bedeutende Rolle beim Auslösen der Keimung von Parasitenpflanzensamen wie z. B. Striga oder Sommerwurz. Diese Pflanzen verursachen immer größere Schäden in unseren Regionen.

Die Entdeckung der Kontrollfunktion der Strigolactonen bei der Verzweigung von Pflanzen ebnet den Weg für Anwendungen im Gartenbau und in der Forst- und Landwirtschaft, da die Struktur der Pflanzen bzw. der Verzweigungsgrad den Ertrag und die Qualität der Produktion wesentlich beeinflussen. So könnten diese natürlichen Stoffe bei Kulturpflanzen genutzt werden, um die verzweigte Struktur der Pflanzen zu modifizieren. Im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzenhormonen verursacht die Anwendung von Strigolactonen bei den oberirdischen Organen der Pflanzen keine anderen Störungen als Veränderungen in der Verzweigung.

Kontakt: Catherine Rameau - Department für Genetik und Pflanzenzüchtung, INRA, Versailles - Tel: +33 130 833 289 - E-Mail: catherine.rameau@versailles.inra.fr

Quelle: Pressemitteilung des INRA - 11/08/2008

Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr

 


 

Medizin

Ein Virus, das andere Viren befallen kann

Forscher des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) [1] haben einen neuen Virustypen entdeckt, den Virophagen (Virenfresser). Das erste Virus dieser neuen biologischen Einheit - "Sputnik" - wurde kürzlich von der Forschergruppe um Prof. Didier Raoult entdeckt. Sputnik befällt sehr große Viren wie das "Mimivirus".

Als Virus wird ein Parasit bezeichnet, der eine geeignete Wirtszelle zur Vermehrung und Ausbreitung benötigt. Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und sind deshalb auf den Stoffwechsel der Wirtszelle angewiesen. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass Viren nur Zellen von Eukaryoten (Pflanzen, Tiere, Menschen, Pilze) und Prokaryoten (Bakterien und Archaeen) befallen. Die Entdeckung des kleinen Sputnik-Virus, die in der Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift "Nature" vom 7. August 2008 [2] veröffentlicht wurde, wiederspricht jedoch dem gegenwärtigen Erkenntnisstand.

Das größte bekannte Virus, das Mimivirus (von "mimicking microbes"), wurde 2003 von dem selben Forschungsteam in Marseille entdeckt. Das Mimivirus infiziert Amöben und bringt es mit einem Durchmesser von 400 nm auf die Größe eines kleinen Bakteriums. In den Mimiviren entdeckten die Forscher nun allerdings ein kleines Virus von 50 nm Größe. So können sich Viren also auch mit anderen Viren anstecken. In Anlehnung an sogenannte Bakteriophagen - Viren, welche Bakterien infizieren - nannte Prof. Didier Raoul den neuen Typus Virophagen. Die Mikrobiologen gingen zunächst davon aus, dass die Virophage mit einem Satelliten-Virus - unselbstständige Viren, die für ihre Replikation ein oder sogar mehrere Helferviren benötigen - vergleichbar ist. Aus diesem Grund gaben sie dem Virus den Namen "Sputnik". Schließlich konnten sie jedoch nachweisen, dass Sputnik ein eigenständiger Virus ist.

Existiert Sputnik allein in einer Amöbe, so ist es nicht in der Lage sich zu vermehren. Befindet es sich aber in einem Mimivirus, das bereits eine Amöbe befällt, wird Sputnik vermehrt. Das kleine Virus klinkt sich in die Maschinerie ein, mit der das Mimivirus sich von der Wirtszelle vermehren lässt, und folglich vervielfältigt sich Sputnik parallel zum Mimivirus. Als Wirt leidet das Mimivirus unter der Replikation von Sputnik. Der Parasit behindert die Vermehrung des Wirtsvirus. Des Weiteren weisen die infizierten Mimiviren Deformationen auf. Manchmal werden sogar leere Mimiviren gefunden, die nur Sputnik-Viren enthalten.

Die Analyse des Sputnik-Erbgutes bewies, dass die Virophage nicht nur seine eigenen Gene mit dem Wirtsvirus austauschen kann, sondern auch, dass Sputnik in der Lage ist, Gene von anderen Viren in die Mimiviren einzubringen. So stießen die Mikrobiologen auf eine sehr ungewöhnliche genetische Zusammensetzung des Sputnik-Erbgutes: ein Gen eines Archaeen-Virus, zwei den Bakteriophagen ähnliche Gene und Gene von Mimiviren. Als Virus-Parasit ermöglicht Sputnik also den lateralen Gentransfert zwischen großen Viren.

[1] Abteilung für Infektionskrankheiten und auftauchende Tropenerkrankungen (CNRS / Universität de la Méditérannée in Marseille)
[2] The virophage, a unique parasite of the giant Mimivirus - Nature - 7. August 2008

Kontakt: Prof. Didier Raoult - Tel: +33 491 324 375 - E-Mail: didier.raoult@medecine.univ-mrs.fr

Quelle: Pressemitteilung des CNRS - 06/08/2008
http://www2.cnrs.fr/presse/communique/1393.htm

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

 


 

Medizin

Schwermetalle zur Krebsbehandlung?

Biologen des Forschungsinstituts für Technologie und Lebenswissenschaften und Chemiker der Pariser Universität Pierre und Marie Curie (UPMC) haben gemeinsam die Wirkungsweise einer neuen Molekülklasse, der sogenannten Polyoxometallate, identifiziert. Die im Wesentlichen aus Metallen und Sauerstoff bestehenden Moleküle können spezifisch und wirksam die Proteinkinase CK2 hemmen. Da dieses Enzym bei zahlreichen Krebserkrankungen hyperaktiv wird, gewinnt die Erforschung von CK2 zunehmend an Bedeutung.

Die Proteinkinase CK2, die zu den phosphorylierenden Enzymen gehört, spielt eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle der Zellproliferation. Die Funktionsstörung dieser Enzyme ist in zahlreiche Krebserkrankungen involviert. Aus diesem Grund wurden die Moleküle, die in der Lage sind, die Aktivität der phosphorylierenden Enzyme zu hemmen, in den vergangenen Jahren zunehmend untersucht. Die bisher bekannten Hemmstoffe für CK2 sind organische Verbindungen, die durch Anhaften an katalytische aktive Bereiche der Proteinkinase CK2 die Enzymaktivität neutralisieren.

Im Rahmen ihrer Zusammenarbeit haben die Forscher nun eine neue Klasse von Hemmstoffen für CK2 entdeckt. Es handelt sich hierbei um Polyoxometallate (POM), anorganische Moleküle, die im Wesentlichen aus Metallen (insbesondere Wolfram und Molybdan) und Sauerstoff bestehen und sich bisher als die wirksamsten Hemmstoffe für CK2 erwiesen. Sie wirken bereits in geringer Konzentration (nmol). Des Weiteren haben die Forscher herausgefunden, dass sich die Wirkungsweise der POM, obwohl sie bis heute noch nicht vollständig geklärt ist, vollständig von der Wirkungsweise der organischen Verbindungen unterscheidet: die POM heften sich nicht an die katalytischen aktiven Bereiche des Enzyms.

Diese Resultate eröffnen zahlreiche neue Perspektiven für die Erforschung von CK2 Enzymen. Als nächstes werden sich die Forscher unter anderem der Untersuchung der Hemmungsmechanismen der POM-Moleküle widmen. Längerfristig sollen diese Ergebnisse zu neuartigen Ansätzen bei der Entwicklung zukünftiger Arzneimittel gegen Krebs führen.

Kontakt: Dr. Bernold Hasenknopf - Tel: +33 633 116 078 - E-Mail: bernold.hasenknopf@upmc.fr

Quelle: Pressemitteilung des CNRS - 23/07/2008
http://www2.cnrs.fr/presse/communique/1387.htm

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

 


 

Energie

400 Mio. Euro Fördermittel für die Forschung im Bereich neue Energietechnik

Am 28. Juli 2008 kündigte die französische Regierung an, dass für die nächsten 4 Jahre 400 Mio. Euro zur Förderung von Demonstrationsprojekten im Bereich der neuen Energietechnologien zur Verfügung stehen. Diese Fördermittel werden von der nationalen Energieagentur Ademe zugeteilt.

In den Bereichen Verkehr, Energie und Gebäude werden folgende Vorhaben gefördert:

  • Verkehr: Entwicklung von Prototypen von CO2-emmissionsarmen Fahrzeugen (Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge)
  • Im Energiesektor werden flächendeckend Demonstrationsprojekte durchgeführt, u. a. für die Entwicklung von Technologien zur Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid, zur Erzeugung von Biokraftstoffen der 2. und 3. Generation und für die Entwicklung von neuen Erneuerbaren-Energietechniken (z.B. Meeresenergie).
  • Im Gebäudebereich wird die Tauglichkeit von Innovationen demonstriert, u. a. Integrationslösungen für innovative Produkte und Techniken.

Die Notwendigkeit dieser öffentlichen Unterstützung wurde im Rahmen des "Grenelle de l'environnement" (Abkommen zum Umweltschutz) anerkannt. Anlässlich der Bekanntgabe der Schlussfolgerungen dieser nationalen Debatte hatte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy im Oktober 2007 erklärt: "im Laufe der nächsten vier Jahre werden wir 1 Mrd. Euro in die zukunftsweisenden Energie- und Antriebstechniken, in die Biodiversität und in die Umwelttechnik investieren. Für jeden in die Atomenergie investierten Euro wird auch ein Euro für die Erforschung umweltschonender Techniken aufgebracht."

Das Ziel besteht nicht nur darin, Frankreich zu einem erstklassigen Forschungsstandort im Bereich der neuen Energietechniken zu machen, sondern auch zu einem führenden Industriestandort in Europa.

Kontakt: Kabinett des Umweltministers Jean-Louis BORLOO - Tel: +33 140 817 236

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Wirtschaft, Finanzen und Beschäftigung - 8/07/2008
http://www.minefe.gouv.fr/discours-presse/discours-communiques_finances.php?type=communique&id=1801&rub=1

Redakteur: Arnaud Bertrand, arnaud.bertrand@diplomatie.gouv.fr

 


 

Werkstofftechnik

Erklärung der Eigenschaften von Lithium-Ionen -Batterien

Lithium-Ionen Batterien werden als die Energiespeicher der Zukunft betrachtet. Physikalische Eigenschaften sind dennoch zu klären, wie beispielsweise warum Eisen- und Lithiumphosphat Strom leiten, obwohl sie selbst isolierend sind. Chemiker des Instituts für Chemie der kondensierten Materie aus Bordeaux (ICMCB) (CNRS / Universität von Bordeaux / ENSCPB) und des CEA-Liten (Innovationslabor für Technologien der erneuerbaren Energien und der Nanomaterialien) haben im Rahmen einer Zusammenarbeit dieses Paradoxon aufklären können. Das von ihnen entwickelte Modell "Domino cascade processus", welches sie auch experimentell geprüft haben, zeigt, dass lokale Spannungen im Material die elektronische und ionische Leitung ermöglichen, indem diese sich nach und nach im Material ausbreiten und so den Betrieb der Batterie gewährleisten.

Diese Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Erforschung neuer Elektrodenmaterialien und erlauben, die Funktionsweise des Elektro-Autos der Zukunft zu verstehen. Lithium-Ionen Batterien, die 3 bis 4 Mal mehr Energie pro Masseneinheit einsparen können, haben bereits den Markt der tragbaren Systeme (Computer, Handy, Walkmann) erobert. Die Werkstoffe, die zur Herstellung von Pluselektroden genutzt werden, verfügen zwar über ausgezeichnete Eigenschaften, sind jedoch in ihrer Anschaffung noch zu kostspielig, um bei großen Fahrzeugen (elektrisch oder Hybrid der 2. Generation) eingesetzt werden zu können. Das Material der Zukunft für solche Anwendungen ist das Eisen- und Lithiumphosphat: es ist ökologisch, preiswert und wärmebeständig, was für die Sicherheit von großer Bedeutung ist. Diese beispielhaften Eigenschaften könnten dafür sorgen, dass dieses Material künftig zur Herstellung von Lithium-Batterien für die Elektro-Autos der Zukunft verwendet wird. Während sie die Zyklen der Ladung und Entladung der Batterien beobachteten, haben die Forscher festgestellt, dass eine Leitung nur dann möglich ist, wenn sich an der Schnittstelle zwischen dem sich entladenden und dem sich ladenden Material Spannungen aufbauen. Im Bereich der Schnittstelle ist die Leitungsgeschwindigkeit der Ionen und Elektronen besonders hoch. Mikroskopische Messungen haben die Theorie der französischen Forscher bestätigt. Dieser bisher unveröffentlichte Prozess, vergleichbar mit einer Welle, die das Kristall abfegt, erklärt warum zwei isolierende Werkstoffe trotzdem Lithium-Ionen Batterien betreiben können.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten wurden in der Zeitschrift "Nature Materials" veröffentlicht.

Kontakte:

Quelle: "Voitures électriques : des batteries au lithium désormais performantes", CEA-CNRS - 02/07/2008

Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr

 


 

Supercomputing

CEA und Bull unterzeichnen einen Kooperationsvertrag für einen Petaflop-Computer

Der zwischen dem CEA und dem französischen Unternehmen Bull unterzeichnete Vertrag sieht zwei Phasen der Umsetzung vor:

  • eine erste FuE-Phase soll dazu dienen, die zur Herstellung dieses Supercomputers notwendigen Technologien zu validieren, welche gleichzeitig großen Einfluss auf Innovationen in der Industrie und der Gesellschaft haben werden,
  • die zweite Phase umfasst den Erwerb und den Aufbau des ersten Systems der Petaflop-Klasse namens TERA 100 durch das CEA.

Um den Anforderungen des Simulationsprogramms zu entsprechen, zeichnet sich der Supercomputer einerseits durch seine Fähigkeit aus, ein großes Spektrum an Anwendungen abdecken zu können - dank einer genauen Abstimmung zwischen Rechenleistung und Datenfluss - und andererseits durch seine Fehlertoleranz. Als universelles Hochleistungssystem wird Tera 100 auf der Grundlage quelloffener Software und X86 kompatibler Prozessoren entwickelt.

Der Entwicklung von Tera 100 geht eine umfangreiche Arbeit im FuE-Bereich voraus. Hierfür werden das Unternehmen Bull und das CEA ihre jeweiligen Kompetenzen bündeln: Bull wird u.a. sein Know-How bei der Entwicklung und Herstellung von Höchstleistungsservern und bei der Softwareentwicklung zum Betrieb komplexer IT-Systeme einbringen. Das CEA trägt in erster Linie mit seinen Erfahrungen auf den Gebieten der Systemanforderungen, der Computerarchitektur, der Softwareentwicklung und der Infrastrukturen großer Rechenzentren bei. Mehrere Hundert hochqualifizierte Ingenieure und Forscher werden an diesem Projekt mitarbeiten.

Technologien mit Petaflop-Leistungen gehören zu den größten Herausforderungen für die universitäre Forschung, die Wirtschaft und die Industrie. Die digitale Hochleistungssimulation ist heute eine wichtige Voraussetzung für die Modellierung und Simulation, insbesondere in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Energie, Klimaforschung, Naturwissenschaften, Finanzen, Informationsverarbeitung, nachhaltige Entwicklung und bei den Maßnahmen zur Energieeinsparung. Die Hochleistungsrechner sind heutzutage zu einem unverzichtbaren Instrument bei der Entwicklung und Simulation geworden und bilden somit einen Garanten für Wettbewerbsfähigkeit in der Forschung und der Wirtschaft.

Tera 100 soll das erste europäische Hochleistungsrechensystem werden, dass die Rechenleistung von einem Petaflop überschreitet.

Kontakte:

Quelle: "Le CEA et Bull signent un contrat de collaboration pour la conception et l'acquisition d'un supercalculateur pétaflopique", CEA - 28/07/2008

Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr

 


 

Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr

 


 

KONTAKT

Französische Botschaft in Deutschland

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Französische Botschaft in Österreich

Abteilung für Wissenschaft und Technologie
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http://www.ambafrance-at.org/spip.php?article989

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