Wissenschaft Frankreich #148 – 3/09/2008

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Forschungspolitik

Die Regierung will Forschungsprioritäten festlegen

Die französische Bildungs- und Forschungsministerin, Valérie Pécresse, hat am 21. August 2008 dem Ministerrat ein Strategiepapier zur Definition der nationalen Prioritäten im Bereich Forschung und Innovation vorgelegt. Sie betonte, dass es sich nicht mehr allein darum handelt, dass die Regierung das Forschungssystem reformieren will, wie sie dies bereits seit sechzehn Monaten mit dem "Gesetz über die Freiheit und Verantwortung der Universitäten" (siehe Wissenschaft-Frankreich Nr. 147 [1]) und der Umstrukturierung der Forschungseinrichtungen getan hat. Sondern das das Forschungsministerium vor allem darauf abzielt, den Fahrplan der Regierung im Bereich Forschung und Innovation für den Zeitraum 2009-2012 festzulegen.

"Die französische Forschung, die sich durch eine hohe Qualität auszeichnet, leidet unter einer Wissenschaftspolitik, die sich zu sehr auf die einzelnen Themen nacheinander fokussiert (Aids, Krebs, Umwelt,...) und dabei den Blick auf das Ganze verliert", sagte die Ministerin. "Aus diesem Grund brauchen wir ein Ziel, dem die Forscher über mehrere Jahre folgen können".

Den Beispielen Deutschlands, Großbritanniens, Japans und Finnlands folgend, hat Valérie Pécresse eine Methode und einen Zeitplan ausgearbeitet. In den kommenden sechs Monaten werden sich Persönlichkeiten der Wissenschaft, der Forschung, der Wirtschaft und der Verbände gemeinsam beraten, um die Prioritäten der F&E festzulegen. Aus diesen Beratungen soll ein Rahmenpapier hervorgehen, das anschließend dem Ministerrat zur Abstimmung vorgelegt wird. Die ersten Gespräche finden im Oktober 2008 statt und werden bis zum März 2009 in regelmäßigen Abständen wiederholt. Danach sollen diese Besprechungen alle vier Jahre stattfinden.

Zunächst wird ein Gremium von etwa zehn bedeutenden Persönlichkeiten gewählt. Seine Aufgabe wird es sein, die großen Herausforderungen Frankreichs zu identifizieren:

  • Gesellschaftliche Herausforderungen, wie das Altern, die Ernährung, die Wasserressourcen,...
  • Wissenschaftliche Herausforderungen, z.B. in den Bereichen Biologie, Physik, Geisteswissenschaften,...
  • Technologische Herausforderungen, wie bspw. in den Bio- und Nanotechnologien, IuK Technologien,...
  • Strukturelle Herausforderungen, wie der Technologietransfer, Partnerschaften, europäische Kooperationen.

Verschiedene Arbeitsgruppen werden anschließend die Forschungleitlinien festlegen, die sich den entsprechenden Herausforderungen widmen. Schließlich wird der oberste Rat für Forschung und Technologie (Haut Conseil pour la Science et la Technologie) seine Meinung zu den unterbreiteten Vorschlägen abgeben.

Kontakte:

Quelle: Le Monde - 21.08.2008

Redakteurin: Pauline Medori, pauline.medori@diplomatie.gouv.fr

 


 

Kompetenznetze

Mehr als 100 F&E-Projekte für den französischen Pôle de compétitivité System@tic

Im Rahmen der 6. Projektausschreibung des Interministeriellen Einheitsfonds, deren Ergebnisse Ende Juli bekannt gegeben worden sind, wurden insgesamt acht Projekte des französischen Kompetenznetzes "System@tic Paris-Région" für eine Finanzierung ausgewählt. Damit liegt die Gesamtzahl der F&E-Projekte des Kompetenznetzes System@tic jetzt bei 101, was einem Gesamtfördervolumen von 572 Millionen Euro entspricht, davon 220 Millionen aus staatlichen Mitteln. Ein Merkmal dieser Ausschreibung ist die Beteiligung der KMU. Beispielsweise werden vier der acht ausgewählten Projekte von System@tic von KMU getragen (Egylis, Open Wide, Simpoe und Wallix). Diese wiederum werden zu 36 % von staatlichen Fonds finanziert, im Vergleich zu 7 % bei der letzten Projektausschreibung im Jahr 2005.

Ein weiterer Grund zur Freude für die Kompetenznetzmanager ist die Errichtung neuer Demonstrations- und Austauschplattformen. Die erste in Saclay angesiedelte Plattform, NEPTUNE, ist bereits vollständig finanziert und wird den Bereich der mobilen Bandbreiten untersuchen. NEPTUNE steht Unternehmen, Herstellern, lokalen Gemeinden und Hochschulen zur Verfügung, damit diese ihre neuen Technologie-Produkte und Dienstleistungen testen können, bevor sie mit ihnen kommerziell ähnliche Netzwerke eröffnen. Im Rahmen der 7. Projektausschreibung des Interministeriellen Einheitsfonds sollen weitere technologische Plattformen folgen. Die 7. Projektausschreibung wird im September gestartet.

Kontakt: Pôle System@tic Paris-Région - E-Mail: contact@systematic-paris-region.org http://www.systematic-paris-region.org/fr/t_1_Accueil.html

Quellen:
* BE France 213 - ADIT - 05.08.2008
* Les Echos - 07.08.2008

Redakteurin: Pauline Medori, pauline.medori@diplomatie.gouv.fr

 


 

Mikrobiologie

Ein neues Forschungsnetz in der Mikrobiologie nimmt seine Arbeit auf

Beim französischen Institut für Agrarforschung (INRA) wurde kürzlich ein neues Forschungsnetz gegründet. Das MICALIS getaufte Netzwerk soll alle mikrobiologischen Forschungsthemen abdecken, von der mikrobiellen Zelle über die Flora im menschlichen Verdauungstrakt bis hin zu den biologischen Verfahren der Lebensmittelverarbeitung. Ziel ist es, die Gesundheit des Menschen effizienter zu schützen.

MICALIS wird südlich von Paris angesiedelt sein und sich somit auf bereits vor Ort ansässige Forschungseinrichtungen stützen können. Unter anderem befinden sich dort schon große INRA-Zentren (Versailles-Grignon, Jouy-en-Josas). Insgesamt werden 110 Forscher, Ingenieure und Professoren im Forschungsnetzwerk MICALIS tätig sein. Sie arbeiten im Rahmen von 12 Forschungseinheiten zusammen, die zum Teil nur beim INRA angesiedelt sind, oder in denen das INRA mit einer Hochschule oder einem anderen Forschungsinstitut zusammenarbeitet.

MICALIS wird über ein interessantes biologisches Material verfügen. Beispielsweise wird in Jouy-en-Josas eine weltweit einzigartige Tierhaltungsanlage betrieben, in der Nagetiere gezüchtet werden, ohne jemals mit Bakterien der Umwelt in Berührung zu kommen, und die folglich mit einer bestimmten Flora kolonisiert werden können. Somit kann die zeitliche Entwicklung der eingenommenen Mikroorganismen verfolgt und deren Auswirkungen auf die Physiologie der Tiere bewertet werden. Des Weiteren verfügt das INRA über vier Sammlungen von Mikroorganismen, die für die Weiterführung der Forschungsarbeiten im Bereich der Lebensmittelmikrobiologie notwendig sind (Milchsäurebakterien, Reifungsflora, potentiell gesundheitsschädliche Lebensmittelmikroorganismen...). Des Weiteren besitzt das INRA eine Sammlung von Darmbakterien sowie eine Metagenom-Datenbank von menschlichen Darmfloren.

Ziel der im Rahmen von MICALIS durchgeführten Forschungsarbeiten ist es, die Ernährung zu verbessern und die menschliche Gesundheit besser zu schützen. Dabei geht es unter anderem darum, Mikroorganismen zu identifizieren, die einen positiven Einfluss auf die menschliche Gesundheit haben. Anschließend sollen ihre Wechselwirkungen mit dem Menschen, insbesondere mit der Darmflora untersucht werden und zwar im Hinblick auf die prophylaktische Ernährung und die Schaffung eines integrierten Wissens über die menschliche Ernährungsphysiologie. Darüber hinaus zielen diese Forschungsarbeiten darauf ab, dem mikrobiologischen Risiko in Lebensmitteln vorzubeugen, indem Virulenzmarker identifiziert und die Faktoren der Pathogenese sowie die Überlebensmechanismen der gefährlichen Mikroorganismen während der Lebensmittelverarbeitung und -versorgung besser verstanden werden.

Kontakt: Evelyne Lhoste - INRA-Zentrum Jouy-en-Josas - Tel: +33 134 652 003 - E-Mail: evelyne.lhoste@jouy.inra.fr

Quelle: BE France 214, ADIT - 14.08.2008 http://www.bulletins-electroniques.com/actualites/55685.htm

Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr

 


 

Meeresforschung

Erklärungen für das Massensterben von Austern an der französischen Küste

Seit Mai 2008 werden anormale Sterblichkeitsraten bei Pazifischen Felsenaustern (Crassostrea gigas) in Frankreich registriert. C. gigas scheint die einzige Muschelart zu sein, die von diesem Massensterben betroffen ist. Dabei sterben hauptsächlich Jungaustern. Die ermittelten Sterblichkeitsraten für Jungtiere sind besonders hoch und können an manchen Orten 80% bis 100% erreichen.

Die sozioökonomischen Folgen dieses Massensterbens sind erheblich. Zurzeit sind vor allem die Züchter betroffen, die Saat- und Jungaustern produzieren und verkaufen (sogenannte "Austernbabybauern"). Die Folgen der Krise werden ab 2009 für mehrere Jahre jedoch auch für andere Austernzüchter spürbar.

Im französischen Forschungsinstitut zur Nutzung der Meere (IFREMER) werden eine Reihe von Forschungsarbeiten durchgeführt, um den Ursachen des Phänomens auf den Grund zu gehen. Erste Ergebnisse der Analysen und der ersten Experimente deuten auf eine Rolle des Herpesvirus OsHV-1, eines in Frankreich schon bekannten pathogenen Organismus der Auster, hin. Die Forscher wollen sich jedoch nicht mit dieser Hypothese als einziger Erklärung abfinden, auch wenn dieses Virus mittlerweile in allen Zuchtbetrieben aufgetaucht ist.

Inzwischen wurde auch eine Bakterie, "Vibrio splendidus", entdeckt, die die Austern schwächt und somit die Infektion durch das Virus begünstigt haben könnte. Des Weiteren könnten die besonderen Wetterbedingungen des Jahres 2008 (milder Winter, warmer und regnerischer Frühling) für eine überdurchschnittliche Überlebensrate im Winter und eine stärkere Ausbreitung dieser Pathogene im Frühjahr gesorgt haben. Zudem haben diese Wetterbedingungen die Entwicklung des Phytoplanktons gefördert und zur physiologischen Schwächung der Austern beigetragen (abgekürzte winterliche Erholungszeit, verbunden mit einer frühzeitlichen Nutzung der Reserven, starkes Wachstum im Frühling und somit rasche Reifung der Austern).

Die Forschungsarbeiten am IFREMER werden weitergeführt, insbesondere im Bereich der Pathologie, um sicherzustellen, dass kein anderes Virus das Massensterben der Austern verursacht hat. Ziel der Untersuchungen ist es auch, die Faktoren der Entwicklung von OsHV-1 und die Rolle der Umweltbedingungen besser zu verstehen. Dabei sollen die Wetterbedingungen 2008 genauer untersucht und ein nationales Beobachtungssystem aufgebaut werden, um solchen Phänomenen besser vorbeugen zu können.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis wurde von der französischen Lebensmittelaufsichtsbehörde (AFSSA) mitgeteilt, die erklärte, dass die vermarkteten erwachsenen Austern trotz eines Virusbefalls für den Menschen zum Verzehr geeignet sind.

Kontakt: Patrick Soletchnik - IFREMER - E-Mail: Patrick.Soletchnik@ifremer.fr

Quelle: Pressemitteilung des IFREMER - 20.08.2008 http://wwz.ifremer.fr/institut/actualites/mortalites_d_huitres_en_2008

Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr

 


 

Medizin

Ein Gen verantwortlich für die Nebenwirkungen einer Cholesterintherapie

Wissenschaftler des Französischen Zentrums für Genotypisierung in Evry haben zusammen mit Kollegen der Oxford Universität (Großbritannien) eine Genvariante identifiziert, die in direktem Zusammenhang mit der Entstehung unerwünschter Nebenwirkungen bei einer hochwirksamen Cholesterintherapie steht. Laut der Studie kommt diese genetische Variante bei 15 Prozent der Bevölkerung vor.

Als Statine werden Lipidsenker (zur Senkung der Blutfette) bezeichnet, die u.a. die Produktion von LDL-Cholesterin (das "schlechte" Cholesterin) hemmen. Leider führt die effiziente hochdosierte Statin-Cholesterintherapie in seltenen Fällen zu Muskelschädigungen (Myopathien) sowie anderen Nebenwirkungen. Für die Studie untersuchten die Forscher die Genome von 85 Probanden, die an einer Statin-Therapie teilnahmen und an Myopathien litten, und von 90 Probanden, die ebenfalls an einer Statin-Therapie teilnahmen, jedoch keine Symptome aufwiesen. Die im Rahmen dieser Studie untersuchten Personen waren Teilnehmer der SEARCH Studie, die 12.000 Patienten umfasste. Die Probanden dieser Studie wurden täglich mit 80 mg Simvastatin - einem Statin-Typ - behandelt. Die Genetiker fanden nicht nur heraus, dass eine bestimmte Variante des SLCO1B1-Gens an der Entstehung der bei der Simvastatin-Therapie verursachten Komplikationen beteiligt ist - sondern auch, dass diese genetische Variante die LDL-Cholesterin-Senkung der Simvastatin-Therapie negativ beeinflusst.

Das SLCO1B1-Gen befindet sich auf dem Chromosom 12 und kodiert für ein Eiweiß, das die zirkulierenden pharmazeutischen Moleküle - wie Statine - vom Herzen zur Leber transportiert, wo sie anschließend ausgeschieden werden. Befindet sich die identifizierte Variante auf dem Chromosom 12, verringert sich die Wirkung des Eiweißes. Somit kommt es zur schlechteren Ausscheidung der Arzneimittel über die Leber und die Moleküle sammeln sich im Blut an. Dies führt häufig zu relativ schweren Komplikationen, die sich je nach Anzahl dieser genetischen Variante im Genom unterscheiden. Diese genetische Variante wird entweder von der Mutter oder vom Vater oder von Beiden vererbt. Laut der Studie ist bei einem Patienten, der mit einer hohen Dosis von Simvastatin behandelt wird und nur ein Exemplar dieser Variante in sich trägt, das Risiko eine Myopathie zu entwickeln 4 Mal größer als bei Patienten, die diese Variante nicht aufweisen. War der Proband Träger von zwei Exemplaren dieser Variante, erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung um das 17fache. Erhielten diese Patienten täglich 80 mg Simvastatin, so stieg das Risiko eine Myopathie zu entwickeln weiter (18 % der Probanden waren betroffen).

Rund zwei Drittel der Myopathien, die Patienten mit hoher Dosis von Simvastatin entwickeln, können zudem auf diese Variante zurückgeführt werden. Das Risiko erhöht sich, wenn es zu Wechselwirkungen mit anderen Behandlungsmaßnahmen kommt. Bei niedrig konzentrierten Simvastatin-Therapien sinkt zwar das Risiko für die Ausbildung einer Myopathie, jedoch bleibt das Risiko für Patienten mit dieser Variante des SLCO1B1-Gens deutlich höher.

Diese Ergebnisse haben einen wichtigen medizinischen Einfluss auf die Verschreibung von Statinen, die in der Vergangenheit immer weiter zugenommen hat. Nach Aussagen der Wissenschaftler wäre es notwendig, einen Diagnosetest für diese genetische Variante zu entwickeln, um die Entstehung solcher Komplikationen zu vermeiden.

Kontakt: Französisches Zentrum für Genotypisierung - Tel: +33 160 878 344 - E-Mail: cng-enquiries@cng.fr

Quelle: Pressemitteilung des französischen Zentrums für Atomenergie (CEA) - 25.08.2008

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

 


 

Medizin

Wer hören will, muss sehen

Forscher des Zentrums für Hirnforschung in Toulouse haben kürzlich bewiesen, dass die primäre Sehrinde - der Teil der Großhirnrinde, zu dem die von der Retina aufgenommene visuelle Information zuerst geleitet wird - von einem Klang beeinflusst werden kann. Diese Entdeckung verschafft den Wissenschaftlern neue Erkenntnisse darüber, welche Neuro-Mechanismen im Falle des Verlustes einer sensorischen Funktion (z.B. Sehen, Hören) an der funktionellen Reorganisation des Zentralnervensystems beteiligt sind. Die Ergebnisse wurden am 12. August 2008 in der Online-Fachzeitschrift BMC Neuroscience veröffentlicht.

Erhält das Gehirn eine Information, wird diese in einer bestimmten Reihenfolge verarbeitet. Die sensorischen Stimuli werden zunächst in den primären Sinnesfeldern verarbeitet, bevor sie zu den spezifischeren Sinnesfeldern weitergeleitet werden. Bislang gingen die Forscher davon aus, dass die Sinnesverarbeitung in ganz unterschiedlichen Bereichen des Großhirns - je nach angesprochenem Sinn - stattfindet. Das Forschungsteam um Dr. Pascal Barone hat folglich die multisensorischen Wechselwirkungen bereits ab den Frühstadien der kortikalen Informationsverarbeitung erforscht, um diese Theorie zu überprüfen. Ihre Ergebnisse brachten die bisherigen Erkenntnisse durcheinander.

Die Wissenschaftler haben die Verhaltensreaktionen und die neuronalen Reaktionen von Affen auf visuelle und auditorische Stimuli sowie auf beide zugleich untersucht. Auf der Verhaltensebene fand die Forschergruppe heraus, dass die Affen schneller in Richtung des optischen Reizes blickten, wenn ein Ton hinzugefügt wurde. Auf neuronaler Ebene führte die gleichzeitige visuelle und auditorische Stimulation zu einer 5 % - 10 % schnelleren Reaktion der Neuronen, die sich im primären Sehfeld in der Hirnrinde befinden. Damit weist die Gruppe um Dr. Pascal Barone nach, dass die Neuronen eines primären Sinnesfeldes die Information einer anderen Sinnesmodalität integrieren können. Durch heteromodale Verbindungen wird der Informationstransfer zwischen primären Sinnesfeldern ermöglicht, vermutet Dr. Pascal Barone.

Diese Entdeckung könnte Aufschluss darüber geben, wie Patienten, die eine sensorische Funktion verloren haben, erhöhte Fähigkeiten in den übrigen Sinnesfeldern entwickeln.

Kontakt: Pascal Barone - Tel: +33 562 172 831 - E-Mail: pascal.barone@cerco.ups-tlse.fr

Quelle: Pressemitteilung des Französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) - 12.08.2008

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

 


 

Photovoltaik

Administrative Erleichterung bei der Inbetriebnahme von Kleinanlagen zur Stromerzeugung

Das französische Ministerium für Umwelt, Energie, Nachhaltige Entwicklung und Raumordnung (MEEDDAT) hat ein Internet-Portal freigeschaltet, das es Einzelpersonen und Unternehmen künftig ermöglicht, ihren Antrag für die Inbetriebnahme von kleinen Solar- und Windenergieanlagen Online einzureichen .

Laut Gesetz sollen seit 2000 die Kleinanlagen zur Stromerzeugung bei dem für Energie zuständigen Ministerium eingereicht werden. Durch das Modernisierungsvorhaben zielt die Regierung im Rahmen des "Grenelle de l'environnement" auf eine Vereinfachung und eine Beschleunigung der administrativen Vorgänge ab. Bislang war es notwendig, die Antragsformulare per Post zuzusenden. Durch das Online-Portal soll dies künftig vermieden und eine sofortige Empfangsbestätigung ermöglicht werden. Ziel dieser Maßnahme ist es, die Arbeit der Verwaltung effizienter zu gestalten.

Die Zahl der Anträge nimmt seit einigen Jahren exponentiell zu: im Jahr 2006 waren es noch 150 Anträge pro Monat, im Jahr 2007 stieg sie schon auf 550 und seit Anfang 2008 sind bereits über 1.800 Anträge monatlich eingegangen.

Kontakt: Benoît Papayre - Hôtel de Roquelaure - 246, boulevard Saint-Germain - 75007 Paris - Tel: +33 140 817 236 - http://www.developpement-durable.gouv.fr

Quelle: Pressemitteilung des MEEDDAT - 05.08.2008

Redakteur: Arnaud Bertrand, arnaud.bertrand@diplomatie.gouv.fr

 


 

Photovoltaik

"EDF Énergies Nouvelles" nimmt das Großprojekt eines Photovoltaik-Kraftwerks am östlichen Rand der Camargue in Angriff

EDF will auf einer Fläche von 267 ha schrittweise eine Kapazität von 90 MW installieren. Bei dem am Rande der Camargue vorgesehenen Standort handelt es sich um Flächen, die bisher zur Salzgewinnung genutzt wurden. Das Unternehmen (Groupe Salin) will die Salzproduktion von derzeit jährlich 770.000 Tonnen auf künftig 340.0000 Tonnen reduzieren. Für diese nur fast halb so große Produktion werden dann statt bisher 13.000 ha schätzungsweise nur noch 5.000 ha benötigt. Von den 13.000 ha sollen 6.000 ha einer umweltgerechten Nutzung zugeführt und 2.000 ha an das "Conservatoire du littoral" (Amt für Küstenschutz) abgetreten werden.

Eines der Hauptprobleme für das Großprojekt (Gesamtinvestitionsvolumen: 320 Mio. Euro) besteht in der noch ungelösten Frage, ob und unter welchen Bedingungen der Netzeigentümer (RTE) bereit sein wird, mehr als 15 MW in sein eigenes zwangsläufig auszubauendes Stromnetz einzuspeisen.

EDF Énergies Nouvelles nimmt bis Ende 2008 in der Nähe von Narbonne auf einer Fläche von 22 ha ein Photovoltaik-Kraftwerk mit einer Leistung von 7 MW in Betrieb.

Le Figaro-Économie vom 12.8.2008 berichtet unter der Überschrift "Solarenergie hält Einzug in die Camargue " weiter, dass die Unternehmensgruppe "Solaire Direct" zusammen mit der "Caisse des dépôts" ihrerseits in den Alpes-de-Haute-Provence" mit einem Investitionsvolumen von 140 Mio. Euro auf einer Fläche von 80 ha den Bau von 5 Solar-Parks mit insgesamt 32 MW plant ("Projet au Poet").

Die genannten Projekte fügen sich in die französischen Planungsüberlegungen (2006) ein, bis zum Jahr 2010 durch Solarenergie eine Kapazität von 150 bis 160 MW und bis zum Jahr 2015 von 500 MW zu erreichen. Derzeit beträgt die aktuelle Leistung nur 35 MW.

Kontakt: Dr. Hermann Schmitz-Wenzel - DFGWT, Deutsch-Französische Gesellschaft für Wissenschaft und Technologie e. V. - Ubierstr. 26a, 53173 Bonn - Tel: +49 228 357 453, Fax: +49 228 365 026 - E-Mail: hermann.schmitz-wenzel@t-online.de

Quellen:
* Internationale Kooperation, BMBF - 20.08.2008
* Le Figaro - Économie - 12.05.2008

Redakteur: Arnaud Bertrand, arnaud.bertrand@diplomatie.gouv.fr

 


 

Astronomie

Erste Beobachtungen des GLAST-Satelliten

Konzipiert wurde der Satellit GLAST (Fermi Gamma-Ray Space Telescope) zur Detektierung von hochenergetischen Gammastrahlen-Quellen im All. Der Satellit und seine Instrumente wurden im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen Forschungsteams des französischen Instituts für wissenschaftliche Forschung (IN2P3 und INSU-CNRS) und der Atomenergiebehörde CEA entwickelt. Die ersten von ihm aufgenommenen Aufnahmen sind sehr vielversprechend.

In den zwei Monaten nach dem Start von GLAST am 11. Juni 2008 haben die Wissenschaftler die beiden sich an Bord befindlichen Instrumente getestet und kalibriert: das LAT (Large Area Telescope) und der GBM (GLAST Burst Monitor). Das Team des LAT veröffentlichte am 26. August 2008 eine Ansicht des gesamten Himmels. Zu erkennen ist das leuchtende Gas der Milchstraße, blinkende Pulsare und eine leuchtend helle Galaxie in mehreren Milliarden Lichtjahren Entfernung. Dieses Bild entstand aus mehreren Beobachtungsdaten, die in insgesamt 95 Stunden gewonnen wurden. Ein ähnliches Bild war vom GLAST-Vorgänger CGRO (Compton Gamma Ray Observatory), der von der NASA entwickelt wurde, aufgenommen worden. Zur Entstehung dieser Aufnahme waren mehrere Jahre nötig.

Das LAT sucht alle drei Stunden den gesamten Himmel ab, wenn er im Scan-Modus arbeitet. Diese kontinuierlichen Aufnahmen ermöglichen die Überwachung der Aktivität von schnellen variablen Quellen. Das Instrument erkennt die Photonen, die eine Energie von 20 MeV bis 300 GeV aufweisen. Der oberste Energiebereich wurde bislang nur unzureichend erforscht und entspricht einer Energie, die 5 Millionen mal höher ist, als die X-Strahlen in der Medizin.

Das zweite Instrument des Satelliten, der GBM, konnte im Laufe der ersten Monate bereits 31 Gammastrahlen- Ausbrüche beobachten. Diese energiereichen Explosionen entstehen durch den Tod eines sehr massereichen Sterns in einer Supernovaexplosion oder durch den Zusammenstoß zwischen Neutronensternen. Der GBM reagiert auf Gammastrahlen mit niedrigerer Energie (8 keV bis 30 MeV) als das LAT.

Kontakte:
* http://www.cea.fr
* http://www.insu.cnrs.fr
* http://www.in2p3.fr

Quelle: Pressemitteilung des CEA - 28.08.2008 http://www.cea.fr/le_cea/actualites/premiere_lumiere_du_satellite_glast-5572

Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr

 


 

Kooperation

Zusatzvertrag zwischen Frankreich, Japan und den USA im Bereich der Schnellneutronenreaktoren

Nachdem am 31. Januar 2008 ein Memorandum of Understanding (MoU) zwischen dem CEA, der JAEA (Japan Atomic Energy Agency) und dem DOE (United States Department of Energy) zum Abschluss gebracht wurde, beschlossen die Unterzeichner am 26. August 2008 einen Zusatzvertrag zur Fortsetzung der FuE-Zusammenarbeit im Bereich der Natrium-Schnellneutronenreaktoren (RNR-Na) zu unterschreiben.

Der gegenwärtige Entwurf für die 4. Generation von Schnellneutronenreaktoren soll eine optimale Ausnutzung der Kernbrennstoffressourcen erzielen. Mit Hilfe dieser Reaktoren soll die Versorgung mit diesen Brennstoffen, die am Ende ihrer "Karriere" stehen, optimiert werden, indem sie die bei der Abtrennung bzw. Kernumwandlung entstandenen Produkte verwenden. Solche Reaktoren sollen ab 2040 in Betrieb gehen.

Frankreich, Japan und die Vereinigten Staaten führen jeweils eigene nationale Programme für die Erzeugung von Prototypen durch. Im Rahmen des MoU haben sich die 3 Staaten darauf geeinigt, ihre Programme aufeinander abzustimmen, um doppelte Arbeit zu vermeiden und ihre Programme gegenseitig zu ergänzen.

Die wichtigsten Ziele der Kooperation sind der Entwurf und die Festlegung von gehobenen Standards, die bei diesen Reaktoren Verwendung finden sollen, sowie die Identifizierung von gemeinsamen Sicherheitsregeln und Schlüsselinnovationstechniken, die die Bau-, Betriebs- und Wartungskosten senken. Somit werden Erkenntnisse in relevanten Bereichen (Reaktorleistung und -klasse, Brennstoffe, Zeitpläne, usw.) ausgetauscht. Im Zusatzvertrag ist sowohl die Beteiligung des japanischen Brutreaktors Monju festgelegt, als auch die Einbindung des Bereichs des Brennstoffzyklus. "Dieses MoU drückt den Wunsch Frankreichs aus, die internationale Kooperation zu fördern, wodurch die Vergemeinschaftung der Versuchsanlagen und die Festlegung internationaler Sicherheitsstandards ermöglicht werden soll", so CEA-Generaldirektor Alain Bugat.

Derzeitige Kooperationen zwischen Frankreich, Japan und den Vereinigten Staaten beruhen einerseits auf der GNEP-Partnerschaft (Global Nuclear Energy Partnership), mit deren Hilfe die Kernenergie weltweit einen neuen Aufschwung erfahren soll, zeitgleich aber auch die Sicherheit und Nichtverbreitung garantiert. Des Weiteren arbeiten sie gemeinsam an FuE-Programmen im Rahmen des 4. GIF (Generation International Forum) an den Nuklearsystemen der Zukunft.

Kontakte:
* Generation International Forum: http://www.gen-4.org
* Global Nuclear Energy Partnership: http://www.gnep.energy.gov

Quelle: "Réacteurs à neutrons rapides de quatrième génération : la coopération entre la France, le Japon et les Etats-Unis se resserre", CEA - 26.08.2008

Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr

 


 

Informations- und Kommunikationstechnologien

Konferenz über die neuen Dienste und Netzwerke der Informationsgesellschaft, des Internets und der Medien

Anknüpfend an die europäische Strategie zur Förderung der digitalen Wirtschaft und der Informationsgesellschaft veranstaltet die französische Ratspräsidentschaft am 9. September 2008 in Paris eine "i-2010"-Konferenz.

Die Konferenz "i-2010" zielt darauf ab, die Entwicklung von zukunftsträchtigen Infrastrukturen und Dienstleistungen zu beschleunigen, indem die Überlegungen, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen, vertieft werden. Folgende Themen stehen auf der Tagesordnung:

  • das Internet der Zukunft: die europäische Strategie für Forschung und Entwicklung, Darstellung der zukunftsträchtigen und -fähigen Entwicklungen im Bereich des Internets und Empfehlungen;
  • Fester Breitbandinternetzugang: Austausch bewährter Praktiken in der Frage der Bedingungen für eine Verlegungskostenreduzierung, die Rolle der Gebietskörperschaften usw.
  • Mobiler Breitbandinternetzugang: Frequenzanforderungen, Normung, Darstellung der Dienstleistungen des mobilen Internets;
  • sichere mobile Dienste: Hemmnisse für eine paneuropäische Dienstentwicklung, Interoperabilität, Sicherheit und Vertrauen;
  • die Sicherheit der Informationssysteme: Sicherheit bei Zahlungsverfahren und Widerstandsfähigkeit der Netze.

An der Konferenz werden der französische Staatssekretär für Zukunftsfragen, Evaluierung der öffentlichen Politiken und die Entwicklung der digitalen Wirtschaft, Eric Besson, und der französische Regierungssprecher und Staatssekretär für Industrie und Verbraucherfragen, Luc Châtel, teilnehmen.

Die Initiative "i-2010" stellt den strategischen Rahmen der Europäischen Kommission zur Festlegung der politischen Ausrichtungen zu Informationsgesellschaft, Internet und Medien dar.

Die Förderung von Informationsgesellschaft und Informationstechnologien ist Bestandteil der Strategie von Lissabon. Mit der Initiative "i-2010" greift die EU auf kohärente Weise sämtliche Initiativen auf, die zur Informationsgesellschaft beitragen. In ihrer Mitteilung von 2005 setzt die Kommission drei Schwerpunkte:

  • Schaffung eines einheitlichen Informationsraumes;
  • Verstärkung von Innovation und Investition im Bereich der Forschung über Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT);
  • Aufbau einer auf Eingliederung beruhenden Informations- und Mediengesellschaft mit hochwertigen öffentlichen Diensten und verbesserter Lebensqualität.

Quelle: http://ue2008.fr - 31.08.2008

 


 

Messtechnik

Wenn Beugung und Tomographie verknüpft werden

Wie lässt sich lokal die Zusammensetzung und die Verteilung der Phasen von heterogenen Materialien (wie z.B. Zement, Legierungen, Nano-Bauteilen, Knochen oder Erzprodukten) bestimmen?

2008-09-04-15-58-29
Copyright : CNRS / Jean-Louis Hodeau

Physiker des ESRF (European Synchrotron Radiation Facility) und des CNRS haben kürzlich bestätigt, dass es möglich ist, die Tomographie mit hoher Raumauflösung mit den Möglichkeiten der quantitativen Analyse durch Röntgenstrahlen zu verbinden. Diese "Beugungs- und Tomographie"-Technik kann gleichzeitig mit der Absorptionstomographie oder der Fluoreszenztomographie gekoppelt werden, was zu einer "multimodalen", zerstörungsfreien Analyse führt, die verschiedene Anwendungsmöglichkeiten in zahlreichen Bereichen wie den Werkstoffwissenschaften, der Chemie, der Geologie, den Umweltwissenschaften und der Medizin, der Paläontologie oder auch bei Erbgutmaterialien findet.

Die "Beugungs- und Tomographie"-Methode beruht prinzipiell auf der Datenverarbeitung umfangreicher Messungen, die während der Beleuchtung der Probe mit einem mikrometrischen Röntgenstrahl aufgenommen werden. Diese Daten werden zunächst kombiniert, um ein direktes Bild zu erhalten, dass gleichzeitig die Raumaufteilung jeder Phase (amorph oder kristallin) im Inneren des Materials anzeigt. Sobald die elementaren Bereiche aufgezeichnet sind, ermöglicht eine umgekehrte Analyse die gebeugten und gestreuten Diagramme für jede Phase herauszufiltern. Diese selektive und zerstörungsfreie Strukturanalyse hat eine Messgenauigkeit von weniger als 0,1% Massenverhältnis.

Um die Möglichkeiten dieser Methode zu demonstrieren, haben die Forscher die lokale Struktur und Zusammensetzung eines polykristallinen Pulvers analysiert, dass Quarz-Chalzedon und Eisenpigmente enthielt. Sie erhielten Bilder von etwa zehn Mikrometer großen Elementarkörnern und konnten so anschließend die Zusammensetzung jedes einzelnen bestimmen. Es gelang ihnen ebenfalls die bei einer Hochdruckumwandlung von Fullerenmolekülen (Kohlenstoff C60) in kristalline bzw. amorphe Diamanten entstandenen Produkte voneinander zu unterscheiden und zu beobachten.

Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten wurden am 1. Juni 2008 in der Zeitschrift Nature Materials veröffentlicht.

Kontakte: *Jean-Louis Hodeau, Forschungsdirektor - E-Mail: hodeau@grenoble.cnrs.fr *Jean-Michel Courty, Abteilung für Mathematik, Physik, Planet und Universum des CNRS - E-Mail: jean-michel.courty@cnrs-dir.fr

Quelle: "Sonder la composition de matériaux hétérogènes en associant la diffraction à la tomographie", CNRS - 21.07.2008

Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr

 


 

Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr

 


 

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Französische Botschaft in Deutschland

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Französische Botschaft in Österreich

Abteilung für Wissenschaft und Technologie
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E-Mail: mathieu.girerd@diplomatie.gouv.fr
http://www.ambafrance-at.org/spip.php?article989

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