Wissenschaft Frankreich #151 – 15/10/2008

Wissenschaft-Frankreich Nr. 151 [PDF]

 


 

Forschungspolitik

Bildungs- und Forschungshaushalt für 2009-2011 jährlich um 1,8 Milliarden Euro aufgestockt

In Frankreich stellt der Haushalt für Bildung und Forschung eine Priorität des nationalen Haushalts dar. Für den Zeitraum 2009-2011 wird das Ministerium für Hochschulbildung und Forschung zum bereits bestehenden Budget jährlich 1,8 Milliarden Euro hinzufügen. Davon entfallen 1 Milliarde Euro pro Jahr zusätzlich auf das Hochschulwesen und 800 Millionen Euro pro Jahr auf die Forschung. Diese Erhöhung ist ebenfalls ein Ausdruck des Willens des französischen Präsidenten, aus dem Wissen einen Eckpfeiler für nachhaltiges Wachstum und soziale Entwicklung zu machen. Die Erhöhung des Finanz- und Steuerbudgets soll 2009 6,5 % und 2009-2011 fast 17 % erreichen (+ 1.035 M€ in 2009, + 761 M€ in 2010 und + 768 M€ in 2011).

Dieser auf drei Jahre ausgelegte Haushalt bildet eine einmalige und nachhaltige Ausgabe der französischen Regierung zur mittelfristigen Umsetzung einer Strategie, die sich durch folgende fünf Prioritäten auszeichnet:

  • die Attraktivität der Laufbahnen in der Hochschulbildung und Forschung verstärken
  • der Erfolg der Studenten
  • die Bildung autonomer und starker Hochschulen
  • die Förderung der privaten Forschung
  • die Begleitung der öffentlichen Forschung hin zu einer Exzellenzstrategie.

Die Pressemappe finden Sie in französischer Sprache als pdf-Datei unter: http://media.education.gouv.fr/file/2008/38/4/Presentation_budget_2009_35384.pdf.

Kontakt: Pressestelle, Ministère de l'enseignement supérieur et de la recherche - Tel: +33 155 558 432 - http://www.enseignementsup-recherche.gouv.fr/pid20001/accueil.html

Quelle: Ministerium für Hochschulbildung und Forschung - 26.09.2008

Redakteurin: Pauline Medori, pauline.medori@diplomatie.gouv.fr

 


 

Schaffung eines neuen "Doktoranden-Vertrages"

Beim Treffen des Europäischen Forschungsrates (ERC) in Paris hat die französische Bildungs- und Forschungsministerin Valérie Pécresse darauf hingewiesen, dass der Doktortitel das wichtigste Diplom innerhalb des Forschungssystems sei und dass seine Anerkennung verbessert werden müsse.

In diesem Zusammenhang hat Frau Pécresse die Schaffung eines neuen einzigartigen "Doktoranden-Vertrages" für Hochschulen und Forschungseinrichtungen angekündigt. Dieser Vertrag wird für die Dauer von drei Jahren unterzeichnet und kann aus speziellen Gründen, wie eine Mutterschaft oder ein Krankheitsurlaub, um ein Jahr verlängert werden. Des Weiteren sichert dieser Vertrag alle sozialen Garantien eines richtigen Arbeitsvertrages (entsprechend dem öffentlichen Recht). Der Doktorand erhält dadurch vor allem das Recht auf Weiterbildungsmöglichkeiten, die zur Erfüllung seiner Doktorandentätigkeit notwendig sind, wie beispielsweise die Vorbereitung seiner Doktorarbeit oder die ihm in diesem Zusammenhang übertragenen Aufgaben.

Dieser Vertrag sieht außerdem vor, dass der Doktorand sein Gehalt verhandeln kann, indem ein Grundgehalt festgelegt wird, aber keine Grenze nach oben hin abgesteckt ist. "Die Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden auf diese Weise konkurrenzfähiger und attraktiver im Wettbewerb um die besten Köpfe, und dies sogar beim Anwerben von Doktoranden", so die Ministerin am 7. Oktober beim europäischen Treffen.

Kontakt: Pressestelle, Ministère de l'enseignement supérieur et de la recherche - Tel: +33 155 558 432 - http://www.enseignementsup-recherche.gouv.fr/pid20001/accueil.html

Quellen:

  • Ministerium für Hochschulbildung und Forschung - 07.10.2008
  • AFP - 07.10.2008

Redakteurin: Pauline Medori, pauline.medori@diplomatie.gouv.fr

 


 

Kompetenznetze

Grünes Licht für die 2. Phase der Politik der französischen Pôles de compétitivité

In einer Grundsatzansprache anlässlich seines Besuchs des Pôle de compétitivité Minalogic in Grenoble stellte der Premierminister Francois Fillon im Einzelnen die "Version 2.0." der Politik der französischen Kompetenznetze - Pôles de compétitivité - vor.

Zu den Neuheiten gehört u.a. die Einführung von dreijährigen ergebnisorientierten Verträgen für diejenigen Pôles, die als Ergebnis einer von der Boston Consulting Group im Auftrage der Regierung durchgeführten Evaluierung als erfolgreich eingestuft worden waren. Francois Fillon bezeichnete die Pôles de compétitivité als "Speerspitze" der französischen Industriepolitik. Die Regierung habe beschlossen, für die Cluster die einschlägigen Haushaltsmittel im Verlaufe der nächsten drei Jahre auf 1,5 Milliarden Euro festzusetzen; der größte Teil dieser Summe soll auf FuE-Projekte entfallen.

In den nächsten drei Jahren soll kein weiteres Kompetenznetz in die Liste der Pôles de compétitivité aufgenommen werden. Hiervon ausgenommen ist der Sektor der Umwelttechnologien, in dem bisher noch kein Pôle de compétitivité besteht. Diejenigen Cluster, die als Ergebnis der durchgeführten Evaluierung ihr Ziel noch nicht erreicht haben, wird noch ein Jahr eingeräumt, um dieses zu erreichen.

Die Förderinstrumente, die sich bisher schon bewährt haben, werden ausgebaut:

  • Die französische Forschungsagentur (Agence nationale de la recherche - ANR) wird das Bonussystem für Projekte der Gemeinschaftsforschung, die aus Pôles de compétitivité hervorgegangen sind, beibehalten.
  • Die Förderungsagentur für Innovation "OSEO Innovation" wird ihr Bonussystem für Zuwendungen an KMU, die innerhalb des Bereiches "F&E" eines Kompetenznetzes an Projekten der Gemeinschaftsforschung teilnehmen, beibehalten und ausbauen.

Neu ist auch die Ankündigung des Premierministers, die Kompetenznetze darin zu unterstützen, für Projekte der Gemeinschaftsforschung technologische Plattformen oder geteilte Anlagen einzurichten. Ein Teil der dem Interministeriellen Einheitsfond zur Verfügung stehenden Mittel wird für derartige Vorhaben reserviert. Demächst wird zwischen der Regierung und der Depositenkasse eine Vereinbarung abgeschlossen, um diese an die Finanzierung von Plattformen heranzuführen. Es ist weiterhin vorgesehen, auch die Risiko-Kapitalgesellschaften und das Netz der "Business angel" stärker für die Pôles de compétitivité zu sensibilisieren.

Kontakt: Pôles de compétitivité - E-Mail: contact@competitivite.gouv.fr - http://www.competitivite.gouv.fr

Quelle: Kooperation internationale - 01.10.2008

Redakteurin: Pauline Medori, pauline.medori@diplomatie.gouv.fr

 


 

Kernenergie

Neuer Ausschuss für Koordination im Ausbildungsbereich Nuklearwissenschaft und Kerntechnik

Um der steigenden Nachfrage nach qualifizierten Kräften im Kernkraftbereich nachzukommen, hat das französische Forschungsministerium einen Koordinierungsausschuss für die entsprechenden Studiengänge eingerichtet.

Der Ausschuss setzt sich aus Vertretern von Unternehmen dieses Sektors, von Hochschulinstituten und von Forschungseinrichtungen (u.a. CEA) zusammen. Ziel ist es, ein Gleichgewicht zwischen dem Bildungsangebot, der Zahl der Studenten dieses Studiengangs und die Nachfrage nach qualifiziertem Personal zu schaffen.

Zu den Aufgaben des Komitees zählen unter anderem:

  • Die Schaffung einer partnerschaftlichen Struktur für Koordination und Bündelung der Angebote für berufliche Weiterbildungen, unter Mitwirkung der Universitäten und Unternehmen und mit Unterstützung des französischen Instituts für Nuklearwissenschaft und Kerntechnik (INSTN, zugehörig zum CEA)
  • Die Einrichtung von Fernstudien und Schulungen für Dozenten, auf Englisch und Französisch, um die Verbreitung des Studiengangs der Nuklearwissenschaft und Kerntechnik zu unterstützen, dies soll in Zusammenarbeit mit der Agentur "Agence France nucléaire international" (Afni) geschehen
  • Die Schaffung eines gemeinsamen internationalen Masters im Bereich der Kernenergie, der akademische Einrichtungen und französische Kernindustrieunternehmen vernetzen wird (z.B. EDF, Suez, Areva, CEA, Supelec, Ecole Centrale, ...)

Den Vorsitz des Ausschusses wird der Hochkommissar für Atomenergie, Bernard Bigot, einnehmen. Erstes Ziel des Komitees wird es sein, die Studenten zu motivieren, sich intensiver in diese Fachrichtung einzubringen. Nach Angaben des französischen Forschungsministeriums wird die Nachfrage nach dem Studiengang "Bac+5 et plus" (5 Jahre Studium nach dem Abitur oder mehr) bis 2010 auf 1.200 Plätze pro Jahr geschätzt (davon 200 Ausländer im Rahmen der Austauschverträge) im Vergleich zu den 300 Absolventen im Jahr 2008.

Quelle: "Un comité de coordination pour les formations aux sciences et techniques nucléaires", CEA - 09.10.2008

Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr

 


 

Energie

Das Französische Zentrum für Atomenergie verstärkt die Produktion von radioaktiven Elementen für medizinische Zwecke

Als Reaktion auf den Mangel an radioaktiven Elementen, die bei Szintigraphien [1] verwendet werden, hat das Französische Zentrum für Atomenergie (CEA) die Produktion von Technetium-99m [2] mit Hilfe des Forschungsatomreaktors "Osiris" verstärkt. Diese Maßnahme sichert die Versorgung europäischer Krankenhäuser mit diesem Radioelement ab.

Der "Osiris" Forschungsatomreaktor, der sich auf dem CEA-Gelände Saclay befindet, ist gegenwärtig die einzige europäische sich in Betrieb befindliche Einrichtung, die sich der Produktion von radioaktiven Stoffen für medizinische Verwendungszwecke widmet.

Ende August 2008 wurde der Forschungsatomreaktor im niederländischen Petten aus Sicherheitsgründen von der Europäischen Kommission abgeschaltet, da Gasblasen im Primärkühlkreislauf des Reaktors aufgetaucht sind. Der Pettener Forschungsatomreaktor deckt normalerweise 60 Prozent des Bedarfs an Radionukliden für die Nuklearmedizin in Europa ab. Nur zwei weitere europäische Einrichtungen sind in der Lage, Technetium-99m zu produzieren: der belgische BR-2 Reaktor und Osiris. Unglücklicherweise musste auch der BR-2-Reaktor wegen des unerwünschten Austritts von Jod-131 in die Umwelt abgeschaltet werden. Zunächst wurden Kanada und Südafrika darum gebeten, vorübergehend eine Mindestversorgung zu gewährleisten.

Um den temporären Mangel, der die europäischen Krankenhäuser regelrecht lahm legte, zu beheben, wurde das CEA Mitte September vom niederländischen Radioisotopenhersteller für medizinische Anwendungen - dem Unternehmen COVIDIEN in Petten - ersucht, Technetium-99m zu produzieren. Anfang Oktober wurden die ersten von Osiris hergestellten Technetium-99m Muster in die Niederlande verschickt. Dank dieser Mobilisierung von französischen, niederländischen und belgischen Akteuren sowie ihren Aufsichtbehörden könnte die übliche Menge an Technetium-99m ab Mitte Oktober wieder an europäische Krankenhäuser geliefert werden.

[1] Technetium ist ein künstliches radioaktives Element, das bei mehr als 80 Prozent der Szintigraphien verwendet wird. Diese Technik wird z.B. in der Krebsforschung, bei Infektionskrankheiten sowie bei Knochenbrüchen angewandt. In Europa werden jährlich 8 Millionen Szintigraphien durchgeführt, 1,5 Millionen davon allein in Frankreich.
[2] Das Technetium-Produktionsverfahren erfolgt in 3 Schritten:

  • Bestrahlung der "Uranziele" im Reaktor
  • Transport und Entnahme der Uranziele zur Extraktion von Molybdän-99 (Spaltprodukt des Urans)
  • Transport und Konditionierung von Molybdän-99 in Technetium-99m-Generatoren, Lieferung an Krankenhäuser.
    Die Produktion und die Lieferung dauert insgesamt 10 Tage.

Kontakt: Service Information-média, CEA Saclay, F91191 Gif sur Yvette Cedex - Tel: +33 164 502 011

Quellen:

  • Pressemitteilung des Französischen Zentrums für Atomenergie - 06.10.2008
  • Artikel der Stuttgarter Zeitung "Der Nuklearmedizin gehen die Strahlenmedikamente aus" - 06.10.2008

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

 


 

Medizin

Die bewiesene Rolle des Succinats bei der Angiogenese

Die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) im Laufe des Lebens ist unentbehrlich für zahlreiche physiologische Vorgänge. In manchen Fällen spielt sie jedoch auch eine Rolle bei Erkrankungen. In Zusammenarbeit mit Quebecer Forschern hat kürzlich ein Forschungsteam des Französischen Instituts für Gesundheitswesen und medizinische Forschung (INSERM) herausgefunden, dass das Succinat, ein energetisches Zwischenprodukt des Citratzyklus, die Bildung neuer Blutgefäße im Zentralnervensystem anregt. Dieser wissenschaftliche Durchbruch könnte dazu benutzt werden, die Vaskularisierung (Gefäßbildung) beschädigter Gewebe (wie z.B. nach einem Schlaganfall) wieder anzuregen. Ihre Ergebnisse wurden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Nature Medizin" veröffentlicht [1].

Die Bildung neuer Blutgefäße, die sogenannte Angiogenese, trägt nicht nur dazu bei, die Gewebe des Organismus mit Blut zu versorgen, sondern diese auch, wenn nötig, zu reparieren (z.B. im Falle einer Ischämie). Unter Ischämie versteht man die Unterversorgung eines Gewebes oder eines Organs mit Sauerstoff, was zu einer Beeinträchtigung des Organismus führt. Um den Blutstrom zu normalisieren, reagiert der Organismus mit der Bildung neuer Blutgefäße.

Bei manchen Pathologien, wie z.B. der Tumorbildung, vaskulären Missbildungen oder diabetischer Retinopathie, tritt Angiogenese gleichfalls auf. Im Falle einer diabetischen Retinopathie werden die Netzhautgefäße wegen des durch Diabetes verursachten hohen Zuckerspiegels allmählich beeinträchtigt. Als Antwort auf die Retinaischämie bildet der Organismus kleine wild wuchernde Ersatzgefäße. Dies führt zur Retinablutung und sogar zur Erblindung.

Der Mangel an Sauerstoff unterbricht zum Teil die Reaktionen des Citratzyklus. Das Succinat, eines während des Zyklus synthetisierten Zwischenprodukts, häuft sich im Organismus an. Die französischen Forscher haben nachgewiesen, dass das Succinat durch einen Rezeptor, den sogenannten GRP91, die Angiogenese auslöst. Der vom Succinat aktivierte GPR91-Rezeptor löst eine Neovaskularisierung aus, die mit der Gefäßbildung bei der diabetischen Retinopathie vergleichbar ist.

Die Ganglienzellen (spezifische Retinaneuronen) regen die Bildung des GPR91-Rezeptors an. Nach der Aktivierung des Rezeptors produzieren diese Zellen pro-angiogenetische Faktoren, die eine Reihe von biologischen Vorgängen auslösen, die wiederum zur Bildung neuer Blutgefäße führen.

"Da die Netzhaut ein besonderer Teil des Zentralnervensystems ist, könnte sich die Wirkung des GPR91-Rezeptors auf die Netzhaut auf das gesamte Gehirn ausweiten. In den Neuronen könnte der auf Succinat basierende Ischämie-Detektionsmechanismus z.B. als therapeutisches Ziel verwendet werden, um die Revaskularisierung ischämischer Gewebe zu modulieren", schlussfolgern die Forscher.

[1] Eine Zusammenfassung des Artikels finden Sie unter: http://www.nature.com/nm/journal/v14/n10/abs/nm.1873.html

Kontakt: Florian Sennlaub, INSERM-Einheit 872, Centre de Recherche des Cordeliers - Tel: +33 140 467 863 - E-Mail: florian.sennlaub@inserm.fr

Quelle: Pressemitteilung des Französischen Instituts für Gesundheitswesen und medizinische Forschung (INSERM) - 07.10.2008

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

 


 

Genetik

Eine physikalische Karte des größten Weizen-Chromosoms

Einem internationalen Forscherteam unter der Leitung von Forschern des französischen Instituts für Agrarforschung (INRA [1]) ist es gelungen, die erste physikalische Karte eines Weizen-Chromosoms zu erstellen. Die Bedeutung dieses Erfolgs ist umso größer, als die Sequenzierung des Weizens und seine großskalige molekulare Untersuchung aufgrund der Größe (17 Milliarden Basenpaare, d.h. fünfmal soviel wie beim Menschen und 40-mal soviel wie beim Reis) und der Komplexität seines Genoms bisher als quasi unmöglich galt. Diese Arbeit ebnet zudem den Weg zur kompletten Sequenzierung des Weizens.

Weizen (Triticum aestivum L.) ist das Grundnahrungsmittel für 35 % der Weltbevölkerung und besitzt somit eine erhebliche wirtschaftliche und soziale Bedeutung. Jedoch sind die Verfahren zur Erforschung seines Genoms weit weniger entwickelt als bei anderen Getreidearten, wie z.B. Mais, Reis oder Hirse. Somit sind die Fortschritte in der Züchtung weiterhin zu gering angesichts der Herausforderungen, denen sich die Landwirtschaft stellen muss.

Physikalische Karten stellen den ersten notwendigen Schritt auf dem Weg zur Sequenzierung eines Genoms dar. Die Forscher des INRA und ihre Kollegen haben sich auf das größte Chromosom des Weizens konzentriert, das 3B Chromosom, das bereits allein mehr als 1 Milliarde Basenpaare aufweist. Die dabei erstellte physikalische Karte besteht aus einer Reihe von 1036 DNA-Sequenzengruppen. Diese sogenannten "Contigs", deren Reihenfolge dank 1443 genetischer Marker bewiesen wurde, ermöglichen es, die Struktur des 3B Chromosoms zu bestimmen. Bevor die Forscher zu diesem Ergebnis kamen, sahen sie sich mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert, die mit den besonderen Eigenschaften des Weizen-Genoms zusammenhängen. Weizen ist beispielsweise hexaploid (6 Chromosomensätze, insgesamt 42 Chromosomen), beinhaltet zahlreiche Wiederholungssequenzen und weist eine begrenzte Variabilität unter den angebauten Sorten auf.

Physikalische Karten sind ein wertvolles Instrument, um interessante Gene schnell lokalisieren und neue genetische Marker entwickeln zu können. Sie erlauben die Erkundung der Genombereiche, die für agrarwirtschaftlich bedeutende Eigenschaften, wie z.B. Ertrag, Qualität und Stressresistenz kodieren. Als erste praktische Anwendung ihrer Arbeit haben die Forscher wichtige Gene auf der physikalischen Karte des Chromosoms 3B orten können, u.a. ein Gen, das die Widerstandsfähigkeit des Weizens gegenüber Schwarzrostpilzen bestimmt.

Diese Studie wurde im Rahmen eines Pilotprojekts des internationalen Konsortiums zur Sequenzierung des Weizen-Genoms [2] durchgeführt. Sie beweist, dass es möglich ist, physikalische Karten auch von großen und komplexen Genomen zu erstellen. Zunächst werden diese Karten als Modell für die Anfertigung von Karten anderer Weizen-Chromosome und als Basis für die künftige Sequenzierung des 3B Chromosoms dienen. Des Weiteren bilden diese Ergebnisse einen bedeutenden Meilenstein in der Analyse des Genoms anderer Pflanzenarten, die bisher als unmöglich galt.

[1] Zusammenarbeit der INRA-Zentren in Clermont-Ferrand, Toulouse und Versailles
[2] International Wheat Genom Sequencing Consortium (IWGSC): http://www.wheatgenome.org.

Kontakte:

Quelle: Pressemitteilung des INRA - 02.10.2008

Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr

 


 

Lebensmittelbiologie

Simulation der Herstellung von Eiscreme: auf dem Weg zu neuen Innovationen...

Forscher des französischen Zentrums für Landmaschinenwesen, Agrartechnik, Gewässer und Forstwesen (CEMAGREF) haben einen Simulator der Größe eines Joghurtbechers entwickelt, der es ermöglicht, das Verhalten einer industriellen Eiscremeproduktionseinrichtung nachzuahmen.

Im Laufe ihrer industriellen Herstellung erlebt die Eiscreme zahlreiche Konsistenzveränderungen. Zuerst wird die flüssige oder halbflüssige Ausgangssubstanz in einen Wärmetauscher gefüllt, über dessen innere Fläche die Messer eines Rotors laufen. Dort wird diese Substanz plötzlichen und raschen Temperaturänderungen sowie mechanischen Schubspannungen unterworfen, die zu Änderungen ihrer Qualität bzw. Viskosität führen. Somit verändert sich die Konsistenz des Produktes von einer ursprünglich flüssigen, Kondensmilch-ähnlichen Substanz zu einer Substanz, die viel zähflüssiger ist, wie z.B. italienische Eiscreme.

Diese Wandlung wird durch die Bildung einer Vielzahl von Eiskristallen verursacht, die zur Folge haben, dass die Flüssigkeit innerhalb des Geräts nach und nach eine ganz andere Fließeigenschaft aufweist, als am Anfang des Prozesses. Diese Änderungen, die ebenfalls zeit- und ortsabhängig sind, beeinflussen wiederum die Temperatur im Gerät. Somit verändert sich die Viskosität des Produkts fortwährend. Jedoch sind diese Mechanismen noch weitgehend unbekannt, können nur wenig beeinflusst werden und sind für die Industrie hinderlich bei der Entwicklung von neuen Produkten mit innovativen Konsistenzen.

Der von den Forschern des Cemagref entwickelte, nur 100ml-große Simulator ermöglicht es, das Verhalten eines industriellen Geräts nachzuahmen, das Flüssigkeitsvolumen von mehr als 500 Liter pro Stunde bearbeiten kann. Mit einem solchen Simulationsgerät können alle Temperaturänderungsgeschwindigkeiten sowie alle Schubspannungskräfte ausprobiert und untersucht werden, denen die Produkte unter industriellen Bedingungen unterworfen werden können.

Dank dieses kleinen Prototyps wird es nun möglich, die Entwicklung des Strömungsverhaltens unter extremen Bedingungen in Abhängigkeit von verschiedenen Parametern wie Zeit, Durchfluss, Druck, Temperatur, Geschwindigkeit des Rotors, usw. zu kennzeichnen und vorauszusagen. Die im Labor durchgeführte Simulation der Prozesse, die unter industriellen Bedingungen auftreten, ebnet neue Wege für die Industrie, da sie viele verschiedene Produktzusammensetzungen innerhalb kurzer Zeit und gegen einen begrenzten finanziellen Aufwand testen kann.

Ein anderer Simulator, der, auf dem selben Prinzip basierend, der Untersuchung des Kochens und der Abkühlung von Milchnachspeisen dient, ist bereits in Betrieb und wurde 2005 patentiert. Bei diesem Projekt ist Danone der industrielle Partner.

Kontakt: Graciela Alvarez - Cemagref - Tel: +33 140 966 017 - E-Mail: graciela.alvarez@cemagref.fr

Quelle: Pressemitteilung des Cemagref - 02.10.2008 http://www.cemagref.fr/Informations/Presse/InfMedia/im88/im88_rech2.htm

Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr

 


 

Mobilität

Intelligente Autos des INRIA

Während der Mobilitätswoche in La Rochelle, die vom 18. bis zum 28. September 2008 stattfand, stellte das französische Forschungsinstitut für Informatik und Automatik (INRIA) der breiten Öffentlichkeit verschiedene internationale Projekte zum Auto der Zukunft vor. Diese innovativen Fahrzeuge interagieren, weichen sich gegenseitig aus, spüren Hindernisse auf und fahren unbemannt hintereinanderher. In Kooperation mit dem Centre Ricerche Fiat (CRF) wurden Fahrzeugprototypen - kleine elektrische und automatische Stadtautos - vorgestellt und den Besuchern zur Verfügung gestellt. Diese neuen Produkte werden im Rahmen des europäischen Projekts CityMobil, das von der Europäischen Kommission finanziert wird, bewertet.

Zukunftsvisionen gehen heute davon aus, dass 2050 mehr als 90% des Automobilverkehrs (sowohl Güter-, als auch Personenverkehr) ohne Fahrer stattfinden könnten. Da der aktuelle Prozentsatz jedoch nahezu gen Null tendiert, müsste der Aufschwung in den nächsten 20 Jahren erheblich sein. Aus diesem Grund unterstützt die europäische Kommission zahlreiche Vorhaben im Bereich des Personennahverkehrs. Im Projekt CityMobil werden beispielsweise öffentliche und private Partner zusammengebracht (Industrielle, Berater, Städte, Forschungseinrichtungen und Universitäten), die bereits Erfahrungen im Bereich Innovation der Transportsysteme gesammelt haben und den gemeinsamen Wunsch nach Kooperation zur Erreichung gemeinsamer Ziele hegen. Bis 2011 wollen die Projektbeteiligten Vertretern aus Politik und Öffentlichkeit die Kapazitäten neuer Mobilitätskonzepte aufzeigen. Zu diesem Zweck sind verschiedene Demonstrationen unter realen Bedingungen in mehreren europäischen Städten geplant: Heathrow Flughafen (England), Rom (Italien) und Castellón (Spanien).

Seit fast 20 Jahren beschäftigt sich ein INRIA-Team mit den sog. Cybercars. 1991 wurde das Projekt bewilligt, neue komplett automatisierte Fahrzeuge zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund wurden 1993 auch Kooperationen mit den Unternehmen Renault, EDF, Dassault Electronique, INRETS, Véolia Transport (Projekt "Praxitèle" für automatische Taxis) begonnen. Die ersten Cybercars wurden bereits 1996 vorgestellt. Das INRIA ist seit 40 Jahren auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologien spezialisiert. Angesichts der aktuellen und zukünftigen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen plant das Institut für den Zeitraum 2008-2012 aus dem digital Engineering, u.a. den intelligenten Bordsystemen (für Autos, Flugzeuge usw.), einen Schwerpunkt zu machen. Die Stadt und Gemeinde La Rochelle interessiert sich seit 1980 für solche Fahrzeuge, insbesondere für Elektroautos. 1998 wurde die Liselec-Initiative, ein System für Car-Sharing mit 50 Fahrzeugen, ins Leben gerufen. Diese soll dazu dienen, die Akzeptanz der Einwohner dieser Region für ein solches Konzept zu untersuchen.

Kontakt: Clémentine Duguay, INRIA - Tel: +33 140 415 611 - http://www.inria.fr

Quelle: "Déplacements en ville, des solutions durables et innovantes grandeur nature à La Rochelle", INRIA - 16.09.2008

Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr

 


 

Informations - und Kommunikationstechnologien

CREMANT: Neue Forschungseinrichtung für Antennen

Am 30. September 2008 wurde die Gründung des CREMANT-Zentrums offiziell vom CNRS (1), der Universität Nizza-Sophia Antipolis und Orange Labs (2) bestätigt. Diese neue Einrichtung beschäftigt sich mit dem Thema Antennen.

In der Tat greifen Antennen immer mehr in unsere Umgebung ein, wie zum Beispiel im Rahmen der neuen drahtlosen Technologien, der Antennen auf Chips oder der Sensoren für gesundheitliche Anwendungen. In den kommenden Jahren werden Antennen mit neuen Eigenschaften entwickelt. Die Eröffnung des CREMANT-Zentrums fügt sich in diesen Kontext ein und ermöglicht es, die Kompetenzen der Forscher des LEAT (3) und der Ingenieure des FuE-Zentrums der France Télécom-Orange zu bündeln. Das langfristige Ziel dieser Gründung ist die Schaffung eines europaweit tätig werdenden Wissenschaftszentrums.

Die Forschungsprojekte konzentrieren sich auf 5 Forschungsbereiche:

  • Elektromagnetische Simulation und Modelle
  • Verkleinerung und Integration von Antennen auf Chips
  • Multisensoren -und Multiantennen-Systeme
  • Künstliche Werkstoffe für Antennen
  • e-Gesundheit

[1] CNRS: Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung - http://www.cnrs.fr
[2] Orange Labs: Forschungslaboratorien des französischen Telefonbetreibers Orange
[3] LEAT: Labor für Elektronik, Antennen und Telekommunikation - http://www.elec.unice.fr

Kontakte:

Quelle: Pressemitteilung des CNRS - 30.09.2008

Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr

 


 

Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr

 


 

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