Wissenschaft Frankreich #153 – 3/12/2008
Wissenschaft-Frankreich Nr. 153 [PDF]
- Forschungspolitik
CNRS-Verwaltungsrat vollzieht entscheidenden Schritt auf dem Wege zur Reform seiner Organisation
Deutsch-französische Ausschreibung: Carnot-Institute und Fraunhofer Gesellschaft
Die Alzheimer-Stiftung ist offiziell gestartet
Regierung gibt grünes Licht zur Gründung einer nationalen Frühwarnzentrale für das westliche Mittelmeer
Öffentliche Debatten zur Reform des Bioethik-Gesetzes - Meeresforschung
Der Meeresspiegel steigt weiter, nur die Ursachen des Anstiegs variieren... - Energie
Umweltminister Borloo stellt nationalen Plan zur Förderung der erneuerbaren Energien vor
Ein virtuelles Labor für intelligente Energienetzwerke - Umwelt
Ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung in Frankreich - Polarforschung
Frankreich richtet ein wissenschaftliches Observatorium für die Arktis ein - Automobil
Malus für umweltschädliche Fahrzeuge - Luftfahrt
Neuer Hochleistungswindkanal am Puy de Dôme
Forschungspolitik
CNRS-Verwaltungsrat vollzieht entscheidenden Schritt auf dem Wege zur Reform seiner Organisation
Der Verwaltungsrat stimmte - einer Empfehlung des "Conseil scientifique" vom 18.11.2008 folgend - der Umstrukturierung des CNRS in neun Institute und drei Schwerpunkteinheiten zu. Zusätzlich wurde die Gründung eines zehnten Instituts für IuK-Technologien angeregt.
Die Institute werden die doppelte Funktion haben, selbst Forschung zu betreiben und Forschungsmittel zu vergeben. Für die im (am 01.07.2008 vom Verwaltungsrat angenommenen) strategischen Plan verankerten Querschnittsbereiche:
- Herkunft und Beherrschung der Materie
- Nanowissenschaften und Nanotechnologien
- nachhaltige Entwicklung im Dienste des Menschen
- Vernetzung der Gesellschaft.
werden innerhalb der Generaldirektion des CNRS drei Schwerpunkteinheiten gebildet. Diese sollen auf die wissenschaftliche Integration der Querschnittsfragen in die jeweils betroffenen Teilbereiche der Forschung hinwirken.
Die Umsetzung erfolgt mit Wirkung vom 1. Trimester 2009.
Weiterhin traf der CNRS-Verwaltungsrat folgende Entscheidungen:
- die Annahme des Jahresbudgets 2009 des CNRS (+ 4,6 %)
- die zusätzliche Schaffung von 300 Forscherstellen sowie von 90 CNRS-Lehrstühlen, die für die Dauer von 5 Jahren (verlängerungsfähig) die Entsendung von Hochschullehrern aus dem universitärem Bereich zum CNRS ermöglichen.
Forschungsministerin Valérie Pécresse begrüßte die Entscheidungen des Verwaltungsrats ausdrücklich.
Kontakt: Julien Guillaume, Responsable Presse - Espace Presse CNRS - Tel: +33 144 964 635
Quelle: Internationale Kooperation - 01.12.2008
Redakteurin: Pauline Medori, pauline.medori@diplomatie.gouv.fr
Forschungspolitik
Deutsch-französische Ausschreibung: Carnot-Institute und Fraunhofer Gesellschaft
Das Bundesminiterium für Bildung und Forschung (BMBF) und die französische Forschungsagentur (ANR) starten eine gemeinsame Ausschreibung für deutsch-französische Projekte. Diese Ausschreibung umfasst Projekte zur anwendungsbezogenen Gemeinschaftsforschung zwischen Carnot-Instituten und der Fraunhofer Gesellschaft. Die am 12.11.2008 veröffentlichte Projektausschreibung bezieht sich auf folgende Bereiche:
- Energie
- Umwelt
- Gesundheit
- zivile Sicherheit / Sicherheitsforschung
- Informations- und Kommunikationstechnologien
- Verkehr.
Projektanträge müssen bis zum 30.1.2009 eingereicht werden.
Die Ausschreibung beruht auf einem zwischen dem BMBF und der ANR anlässlich des 3. Forums zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation (Februar 2008) vereinbarten Memorandum. Das auf drei Jahre angelegte Memorandum regelt die anteilige Finanzierung der Projekte zwischen den Beteiligten.
Kontakt: Presse der Fraunhofer Gesellschaft - Tel. +49 89 1205-1300
Quelle: Internationale Kooperation - 24.11.2008
Redakteurin: Pauline Médori, pauline.medori@diplomatie.gouv.fr
Forschungspolitik
Die Alzheimer-Stiftung ist offiziell gestartet
Unter Vorsitz von Philippe Lagayette fand am 7. November 2008 die erste Sitzung des Verwaltungsrates der für die wissenschaftliche Kooperation zuständigen Stiftung im Bereich Alzheimer-Erkrankung und verwandte Krankheiten - der sogenannten Alzheimer-Stiftung - statt.
Die bereits zu Beginn der Umsetzung des "Alzheimer-Plans 2008 - 2012" vom französischen Staatspräsidenten Sarkozy angekündigte Alzheimer-Stiftung wurde ins Leben gerufen, um den Bereich Forschung des Alzheimer-Plans zu leiten. Ziel der Stiftung ist es, ein noch nie da gewesenes Forschungsangebot auf dem Gebiet Alzheimer und verwandte Krankheiten zu unterbreiten. Die Hauptaufgabe der Stiftung besteht darin, die Forschung um eine flexible und reaktionsfähige Struktur zu beleben und zu koordinieren. Zu diesem Zweck will die eng mit dem Französischen Institut für Gesundheitswesen und medizinische Forschung (Inserm) und der Hochschule für öffentliches Gesundheitswesen (Ehesp) verbundene Alzheimer-Stiftung öffentliche und private Partner zusammenführen.
"Durch den engen, im Rahmen der Stiftung angeregten Austausch zwischen Akademikern und privaten Einrichtungen wird der Schaffung von Wissen und Innovationen ein neuer Impuls gegeben. Mit Hilfe des Engagements dieser Akteure sowie der aktiven Teilnahme des Vereinswesens wird die französische Alzheimer-Forschung auf internationaler Ebene zunehmend eine wichtige Rolle spielen können", so Philippe Amouyel, Vorsitzender der Alzheimer-Stiftung.
Der Grundstein für die Schaffung dieser Stiftung für wissenschaftliche Kooperation wurde im April 2006 im Rahmen des neuen Forschungsrahmengesetzes gelegt. "Infolge eines steten Bemühens um Transparenz und Aktionsfähigkeit wurde die Gründung einer solchen Stiftung für wissenschaftliche Kooperation beschlossen, mit dem Ziel, die Vorhaben aus dem Forschungsplan umzusetzen ", erklärt Lagayette. Die Alzheimer-Stiftung hat einen internationalen Wissenschaftsrat, unter der Leitung von Prof. Joël Ménard, eingesetzt.
Der von der Alzheimer-Stiftung eingesetzte Verwaltungsrat umfasst:
- 3 öffentliche Einrichtungen: das Inserm, die Ehesp und die Nationale Solidaritätskasse für Autonomie.
- 6 qualifizierte Persönlichkeiten: den Vorsitzenden Philippe Lagayette, die Vizevorsitzende Florence Lustman, die Präsidentin der "Association France-Alzheimer" Arlette Meyrieux, die Professorin Françoise Forette, den Professor Didier Houssin und Herrn Gilles Bloch.
- 3 private Unternehmen: Servier, Sanofi-Aventis France und Merck Sharp & Dohme-Chibret (MSD).
Kontakt: Philippe Amouyel - Tel: +33 686 432334 - E-Mail: philippe.amouyel@pasteur-lille.fr
Quelle: Pressemitteilung des Französischen Instituts für Gesundheitswesen und medizinische Forschung - 13.11.2008
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
Forschungspolitik
Regierung gibt grünes Licht zur Gründung einer nationalen Frühwarnzentrale für das westliche Mittelmeer
Ein Frühwarnsystem im Nord-Ost-Atlantik und im Mittelmeer ist ein Teilschritt in Richtung der Vorhaben der Union für das Mittelmeer. Im Budget des französischen Innenministeriums ist im Rahmen des Haushaltsblocks "Zivile Sicherheit" ("Mission sécurité civile") ein Betrag von 2,9 Millionen Euro in Form von Verpflichtungsermächtigungen zuzüglich 1,25 Millionen Euro Kassenmittel für den Aufbau eines regionalen Tsunami-Warnsystems für die Region um den Nord-Ost-Atlantik und das Mittelmeer veranschlagt.
Diese Beträge stellen jedoch - so Senator Roland Courteau, Berichterstatter eines OPECST1-Berichts (Dezember 2007) betreffend die "Katastrophenvorsorge gegenüber Tsunamis an den Küsten Frankreichs " - erst die Hälfte der auf 6 Millionen Euro geschätzten Investitionskosten (insbesondere für die notwendigen Infrastrukturen) dar. Hinzukämen - so Roland Courteau - noch etwa 3 Millionen Euro an jährlichen Betriebskosten.
Wegen der noch bestehenden Finanzierungslücken drängen die französischen Wissenschaftler auf eine Finanzierung des Vorhabens im Rahmen des EU-Programms INTERREG. Roland Courteau beklagt laut einem Kommuniqué des Senats vom 18.11.2008 das Fehlen einer strategischen Gesamtkonzeption seitens der französischen Regierung in der Behandlung der Tsunami-Risiken. Hinzu kämen auch die Lücken in der Sensibilisierung der potentiell betroffenen Bevölkerung, insbesondere in den überseeischen Departements (Karibik) und Gebieten. Sie sei eine der wesentlichen Aspekte einer nationalen Politik der Katastrophenvorsorge gegenüber Tsunamis.
1) OPECST - Parlamentarisches Amt für die Bewertung der wissenschaftlichen und technologischen Entscheidungen
Kontakt: Senator Roland Courteau, roland.courteau@wanadoo.fr
Quelle: Kooperation international - 28.11.2008
Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr
Forschungspolitik
Öffentliche Debatten zur Reform des Bioethik-Gesetzes
Das am 6.8.2004 verabschiedete französische Bioethik-Gesetz sieht bereits nach 5 Jahren eine Überprüfung des Gesetzes vor. Zu diesem Zweck hat die Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot-Narquin am 26.11.2008, anlässlich der Ministerratstagung, die Einrichtung eines Lenkungsausschusses unter der Leitung des UMP-Abgeordneten Jean Léonetti angekündigt. Ziel des bereits nominierten Lenkungsausschusses ist es, im ersten Halbjahr 2009 öffentliche, bürgernahe Debatten über Bioethik - die sogenannten Generalstände der Bioethik - durchzuführen.
Das bis 2011 gültige Bioethik-Gesetz regelt schwierige ethische Fragenstellungen, wie z.B. bezüglich der Stammzellenforschung, der künstlichen Befruchtung, der Nicht-Kommerzialisierung von Lebewesen, der Nichtverfügbarkeit des menschlichen Körpers, der Unentgeltlichkeit sowie der Anonymität von Organspenden. Die Regierung machte deutlich, dass die alle 5 Jahre stattfindende Reform des Bioethik-Gesetzes die wissenschaftlichen und medizinischen Fortschritte zu berücksichtigen habe.
"Bioethische Fragen dürfen nicht allein von Gutachtern beantwortet werden, sie gehen jeden Bürger etwas an", erklärt die Gesundheitsministerin. Der UMP-Abgeordnete Léonetti bestätigt: "Ich will Debatten, bei denen sowohl mit falschen Ängsten als auch mit falschen Hoffnungen, hervorgerufen von der Bioethik, aufgeräumt wird." Der Lenkungsausschuss, der die Methode und den Umfang der kommenden Debatten festlegen wird, vereint sowohl wissenschaftliche als auch politische Persönlichkeiten:
- Jean Léonetti (Vorsitzender): Arzt, UMP-Abgeordneter und Berichterstatter im Rahmen des Informationsauftrages der Französischen Nationalversammlung zur Revision der Bioethik-Gesetze.
- Sadek Beloucif: Arzt und Vorsitzender des Orientierungsausschusses für die Französische Agence de la biomédecine.
- Alain Claeys: PS-Abgeordneter und Vorsitzender des Französischen Parlamentarischen Amtes für die Bewertung der wissenschaftlichen und technologischen Entscheidungen.
- Claudine Esper: Medizinrechtsprofessorin und Mitglied des Orientierungsausschusses für die Französische Agence de la biomédecine.
- Marie-Thérèse Hermange: UMP-Senatorin und Mitglied des Französischen Ethikkomitees.
- Suzanne Rameix: Philosophieprofessorin und Leiterin der Abteilung für medizinische Ethik an der Universität Paris XII.
Kontakt: Französisches Ministerium für Gesundheit, Jugend, Sport und Vereinswesen
Quellen:
- Pressemitteilung des Französischen Ministeriums für Gesundheit, Jugend, Sport und Vereinswesen - 27.11.2008
- Pressemitteilung auf dem Internetportal des Premierministers - 26.11.2008
- Lois de bioéthique : des Etats généraux ouverts aux citoyens, Le Monde - 26.11.2008
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
Meeresforschung
Der Meeresspiegel steigt weiter, nur die Ursachen des Anstiegs variieren...
Das beschleunigte Abschmelzen der Gletscher sowie der Polkappen ist die wesentliche Ursache des zwischen 2003 und 2008 beobachteten Meeresspiegelanstiegs. Zu diesem Schluss kamen Forscher des LEGOS [1] und des CLS, einem Institut des CNES [2]. Damit relativieren sie den Einfluss der Dichteänderung auf den Meeresspiegel in diesem Zeitraum. Für ihre Studie nutzten die Forscher Daten des französisch-amerikanischen Satelliten Jason-1, der beiden Satelliten des GRACE-Projekts (Gravity Recovery and Climate Experiment) zur genauen Bestimmung des Gravitationsfeldes der Erde sowie der weltweit verteilten Bojen des ARGO-Netzes. Zwischen 1993 und 2003 stieg der globale Meeresspiegel ziemlich konstant um 3 mm/Jahr. Dies ging deutlich aus den sehr genauen Messungen der französisch-amerikanischen Satelliten Topex/Poseidon und Jason-1 hervor. Zudem zeigte der 2007 veröffentlichte IPCC-Bericht, dass dieser Anstieg zu mehr als 50 % (ca. 1,5 mm/Jahr) auf die Ausdehnung, d.h. die Dichteänderungen (sog. sterische Änderungen), des sich erwärmenden Meereswassers und nur zu einem geringen Teil (ca. 1,2 mm/Jahr) auf den Massenverlust der Gletscher und der Polkappen zurückzuführen ist.
Seit 2003 hat sich die Lage verändert. Der Meeresspiegel steigt zwar noch immer relativ schnell an, allerdings scheint die Erwärmung der Ozeane eine Pause einzulegen, wodurch ihr Beitrag zum Meeresspiegelanstieg im Zeitraum 2003-2008 nur noch 0,4 mm/Jahr betrug. Die thermische Ausdehnung konnte mit Hilfe zweier voneinander unabhängiger Methoden errechnet werden:
- zum einen erstellt das Bojennetz Argo weltweit Profile der Temperatur und des Salzgehalts. Die Integration aller gültigen Daten für die ersten 900 Meter Tiefe des Meeres seit 2003 ergibt einen Beitrag der sterischen Meeresspiegeländerungen von etwa 0,4 mm/Jahr;
- zum anderen wurde der Unterschied zwischen dem durch die Höhenmesser von Topex/Poseidon und Jason-1 gemessenen Meeresspiegelanstieg und der durch GRACE beobachteten Zunahme der Wassermengen im Ozean ermittelt. Dieses anhand der Satellitendaten errechnete Ergebnis weist auf einen sterischen Beitrag von 0,3 mm/Jahr hin.
Somit wurde der seit 2003 beobachtete Meeresspiegelanstieg in erster Linie durch die Zunahme der sich zusätzlich im Ozean befindlichen Wassermassen verursacht. Die Änderungen der Wassertemperatur und somit der Wasserdichte spielten in diesem Zeitraum nur eine zweitrangige Rolle. Der Massengewinn kommt einem jährlichen Anstieg der Meere um 1,9 mm gleich. Diese zusätzliche Masse kommt aus den schmelzenden kontinentalen Eisvorräten. Dank der GRACE-Daten konnten die Massenschwankungen der beiden Polkappen errechnet werden. Somit konnte gezeigt werden, dass sie einen jährlichen Anstieg des Meeresspiegels um 1 mm verursachen. Des Weiteren weisen die jüngsten Schätzungen der Glaziologen auf einen Beitrag der Gletscher von 1,1 mm/Jahr hin.
Somit sind die Massenverluste der kontinentalen Eisvorräte die Ursache für die Massenerhöhung der Ozeane und tragen zu 80% dazu bei, dass der Meeresspiegel ansteigt. Angesichts des beschleunigten Schmelzens der Gletscher und der Polkappen ist ein Anstieg von 4 mm/Jahr in den kommenden Jahren nicht auszuschließen, wenn die sterischen Änderungen ihr Niveau aus den 90er Jahren wieder erreichen würden.
[1] LEGOS: Labor für Geophysik, Ozeanographie und
Fernerkundung
[2] CNES: Französisches
Raumfahrtforschungszentrum
Kontakt: Anny Cazenave - CNES - Tel: +33 561 332 922 - E-Mail: anny.cazenave@cnes.de
Quelle: Pressemitteilung des CNRS - 18.11.2008
Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr
Energie
Umweltminister Borloo stellt nationalen Plan zur Förderung der erneuerbaren Energien vor
Anlässlich der "Woche der erneuerbaren Energien" hat der französische Umweltminister Jean-Louis Borloo am 17. November 2008 den nationalen Plan zur Entwicklung der erneuerbaren Energien vorgestellt. Mit diesem Programm sollen die Ziele des Grenelle de l'Environnement (Abkommen für Umweltschutz, siehe WF152) erreicht werden: 2020 soll der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch mindestens 23% betragen, was einer Erhöhung der Energieproduktion aus erneuerbaren Energiequellen von 20 Millionen Tonnen Rohöleinheiten entspricht. Der Plan sieht 50 konkrete Maßnahmen vor, die alle Branchen betreffen: Bio-, Solar- und Windenergie, Geothermie, Wasserkraft, Offshore-Anlagen...
Unter diesen Maßnahmen, die durch verschiedene Gesetze umgesetzt werden sollen, können folgende Punkte besonders hervorgehoben werden:
-
Solarenergie: Bis 2011 soll in jeder französischen Region mindestens ein Solarkraftwerk gebaut werden. Die Ausschreibung soll noch 2008 gestartet werden. Insgesamt soll somit eine Leistung von 300 MW entstehen, was ungefähr der Kapazität von zwei Atomkraftwerken entspricht. Des Weiteren soll die Integration von Photovoltaik-Anlagen in Gebäuden durch Steuerermäßigungen und eine Vereinfachung der genehmigungsrechtlichen Verfahren begünstigt werden. Zudem soll eine Einspeisevergütung von 45c€/kWh für Strom aus Photovoltaik-Anlagen, die an Gewerbegebäuden angebracht sind, eingeführt werden.
-
Windenergie: Der Plan sieht vor, dass Frankreich 2020 über insgesamt 8.000 Windräder verfügt, d.h. 6.000 mehr als heute. Jedoch soll auch die räumliche Planung der Windparks unter Einbeziehung der Anwohner verbessert werden, um die negativen Auswirkungen auf das Landschaftsbild in Grenzen zu halten. Die 2006 beschlossene Einspeisevergütung (8,2c€/kWh) soll unverändert bleiben. Die Entwicklung der Offshore-Windenergie soll durch den Abbau von aufwendigen Prozeduren ebenso begünstigt werden.
-
Erneuerbare Wärme: Ein Fonds für erneuerbare Wärme soll ab 2009 eingerichtet werden. Sein Ziel ist es, den Bau von Wärmeanlagen zu fördern, die erneuerbare Energiequellen, wie etwa Biomasse (Holz, Abfälle) oder Geothermie nutzen. Der mit einer Milliarde Euro dotierte Fonds soll Investitionsprojekte in Wohnhäusern sowie im Gewerbe- und Dienstsleistungssektor unterstützen und zudem ermöglichen, dass der Preis der aus erneuerbaren Quellen erzeugten Wärme unter dem der Wärme aus klassischen Quellen liegt.
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Forschung: Die Forschung zum Thema erneuerbare Energien soll stärker als je zuvor gefördert werden. Insgesamt stellt die Regierung eine Milliarde Euro Fördergelder zusätzlich für die Forschung zur nachhaltigen Entwicklung zur Verfügung. Davon sollen 400 Millionen Euro in einen Fonds für industrielle Demonstrationsvorhaben fließen. 2009 sollen für solche Vorhaben Ausschreibungen im Bereich der Solarenergie und später der Offshore-Energie gestartet werden.
Dem Plan wird eine große wirtschaftliche Bedeutung beigemessen: "Erneuerbare Energien könnten 2012 ein jährliches Marktvolumen von 24 Milliarden Euro und 120.000 Arbeitsstellen darstellen", so Borloo.
Quellen:
- Pressemitteilung des Ministeriums für Ökologie, Energie, Nachhaltigkeit und Raumordnung - 17.11.2008
- "Borloo présente son plan pour les énergies renouvelables", Le Monde - 17.11.2008
- "Borloo pousse le photovoltaïque et encadre l'éolien", La Tribune - 19.11.2008
Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr
Energie
Ein virtuelles Labor für intelligente Energienetzwerke
EDF und das amerikanische Unternehmen IBM haben am 21. November 2008 eine Forschungszusammenarbeit "für die nachhaltige Entwicklung von Energie" angekündigt.
Diese Zusammenarbeit zwischen amerikanischen Forschern in den USA und Franzosen aus der Nähe von Paris erfolgt auf der Basis eines virtuellen Labors mit Hilfe eines sich in Montpellier befindlichen Supercomputers. Dieses Projekt ermöglicht es EDF die Leistungsfähigkeit seiner Kraftwerke zu optimieren. IBM ist daran interessiert, die Kapazitäten seiner Systeme, Software-Produkte und Anwendungen zu verbessern, die mit der Energieerzeugung, intelligenten Versorgungsnetzen und Wassermanagementlösungen verbunden sind. Laut IBM-Energieforschungsdirektor Ron Ambrioso zielt dieses Projekt darauf ab, "die Prozesse der Energieerzeugung besser zu verstehen, die Kühlwassersysteme für Kraftwerke zu optimieren sowie die von Sensoren gelieferten Informationen und das Kontrollsystem zu verbessern. Und schließlich diese Informationen in Modelle zu integrieren, um so die Effizienz von Energienetzen zu erhöhen".
Die schnelle Verwendung von Daten aus dem Netz und eine Integration in Modelle dank der Hochleistungssoftware sollten nicht nur eine schnellere Analyse, sondern auch eine Reaktion in Echtzeit ermöglichen. Es geht darum, dem dynamischen Verhalten des Netzes, auf individueller Ebene als auch entlang der gesamten Versorgungskette, reaktionsfähig gegenübertreten zu können, insbesondere da die heutigen dezentralisierten erneuerbaren Ressourcen, wie Solarenergie oder Windkraft, vom Klima abhängen.
Diese Kooperation gilt als Grundstein für den Bau von intelligenten Gebäuden und elektrischen Fahrzeugen, die die Energieversorgung von morgen bestimmen werden.
Quelle: Un laboratoire virtuel IBM-EDF pour des " réseaux énergétiques intelligents " - 21.11.2008
Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr
Umwelt
Ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung in Frankreich
Ende Oktober 2008 hat das französische Parlament den Artikel 36 des "Grenelle 1-Gesetzentwurfs" zur Regelung der Lichtverschmutzung verabschiedet. Der Artikel legt fest, dass künstliche Lichtemissionen, "die gefährlich sind oder bei Menschen, Fauna, Flora oder Ökosystemen übermäßige Schäden anrichten, zu Energieverschwendung führen oder die Beobachtung des Nachthimmels verhindern" mit vorbeugenden, abschaffenden oder begrenzenden Maßnahmen geahndet werden.
Die französische Staatssekretärin für Umwelt Nathalie Kosciusko-Morizet, die diesen Artikel in die Wege geleitet hatte, erinnerte noch einmal daran, dass es nicht unbedingt darum ginge, die Beleuchtung zu reduzieren, sondern zu verbessern. Zahlreiche aktuelle Studien bestätigen die Rechtmäßigkeit solcher Maßnahmen. Eine effizientere Nutzung könnte die Kosten halbieren ohne die Sicherheit zu verringern.
Verschiedene Länder (z.B. Deutschland, Tschechien, Großbritannien, Liechtenstein, usw.) haben bereits seit einigen Jahren Regelungen oder gar Gesetze gegen Lichtverschmutzung aufgestellt. In Deutschland beispielsweise stellt die Licht-Richtlinie im Bundes-Immissionsschutzgesetz bezüglich der Immissionen durch Licht eine Regelung dar und ist in den einzelnen deutschen Bundesländern übergreifend vereinheitlicht.
Quellen: "Enfin une loi contre la
pollution lumineuse ", http://www.futura-sciences.com
- 09.11.2008
Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr
Polarforschung
Frankreich richtet ein wissenschaftliches Observatorium für die Arktis ein
Am 20. November 2008 kündigte die französische Forschungsministerin Valérie Pécresse die Gründung eines Observatoriums für die Arktis an. Damit schließt sie sich den Schlussfolgerungen des Berichts ("Ein Observatorium für die Arktis: eine wissenschaftliche Antwort auf die gesellschaftlichen Herausforderungen") von Senator Christian Gaudin an. Mit der Durchführung des Projekts wurde die Präsidentin des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS), Catherine Bréchignac, persönlich beauftragt.
Mit diesem Observatorium soll eine geschlossene internationale Wissenschaftsgemeinschaft entstehen und somit der Datenaustausch begünstigt werden. Arbeitsmethoden sollen entwickelt und Mittel gefunden werden, um den Herausforderungen bezüglich der Arktis gerecht zu werden. Weitere Ziele sind:
- ein verbesserter Zugang der Wissenschaftler zur Forschungsinfrastruktur,
- eine Harmonisierung und eine auf lange Sicht angelegte Umsetzung der getroffenen Maßnahmen,
- die Koordinierung der logistischen Aspekte sowie der Forschungsaktivitäten,
- die Förderung der Multidisziplinarität durch die Integration der Weltraum-, Lebens- und Sozialwissenschaften.
Wie die Ministerin betonte, steht auch die Gründung des Observatoriums als Symbol für das historische Engagement Frankreichs bei der Erforschung der Arktis und der Antarktis, was besonders im Laufe des Internationalen Polarjahrs und der französischen EU-Ratspräsidentschaft deutlich zum Ausdruck kam.
In der Antarktis betreibt Frankreich die Dumont-d'Urville-Station an der Küste und teilt sich mit Italien die 1.100 km von der Küste entfernte Concordia-Station. Außerdem besitzt Frankreich mehrere Stationen auf den französischen subantarktischen Inseln Kerguelen und Crozet.
Quelle: Pressemitteilung der
französischen Regierung - 20.11.2008
http://www.premier-ministre.gouv.fr/chantiers/enseignement_superieur_845/recherche_858/creation_un_observatoire_scientifique_61681.html
Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr
Automobil
Malus für umweltschädliche Fahrzeuge
In den Finanzberichtigungsgesetzentwurf vom 19. November 2008 wurde ein Malus für die umweltschädlichsten Fahrzeuge ("projet de loi de finances rectificative" - collectif budgétaire) miteinbezogen. Halter von Fahrzeugen mit einem CO2-Ausstoß von mehr als 250 Gramm pro Kilometer zahlen künftig 160 Euro pro Jahr. Betroffen sind die Kfz-Eigentümer, die ihre Fahrzeuge nach dem 1. Januar 2009 kaufen oder zum ersten Mal anmelden. Die zukünftige jährliche Berechnung zählt zu den Verpflichtungen, die im Rahmen des "Grenelle de l'Environnement" (Abkommen zum Umweltschutz) beschlossen wurden und betrifft, so Umweltminister Jean-Louis Borloo, 0,9% der Fahrzeuge in Frankreich.
Das Bonus-Malus-System beim Kauf eines Fahrzeugs wird folgendermaßen berechnet:
- Bonus für Autos, die maximal 130 g CO2/km emittieren: je schwächer die Emissionen, desto höher der Bonus;
- Malus für Neufahrzeuge, die mehr als 160 g CO2/km emittieren: der Preis steigt parallel zum Emissionsausstoß.
Des Weiteren wird den Autokäufern ein Superbonus gewährt, die beim Kauf eines neuen, Bonus-tauglichen Fahrzeugs gleichzeitig ein über 15 Jahre altes Fahrzeug verschrotten lassen.
Das aktuelle System wird schrittweise durch die Herabsetzung der Bonusgrenzwerte für den CO2-Ausstoß verschärft (um 5g CO2/km alle zwei Jahre). Auf diese Weise können die Autohersteller ihre Produktionsanlagen kontinuierlich anpassen.
Quellen:
- " Annualisation du malus pour les voitures les plus polluantes ", http://fr.news.yahoo.com/2/20081119/tsc-annualisation-du-malus-pour-les-voit-c2ff8aa.html - 19.11.2008
- http://www.ecologie.gouv.fr/IMG/pdf/bonus-malus.pdf
Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr
Luftfahrt
Neuer Hochleistungswindkanal am Puy de Dôme
Das Observatorium, das seit 1869 am Puy de Dôme der Erforschung der Atmosphäre, der Luftqualität und allgemeiner der Klimaforschung in der Nähe von Clermont-Ferrand dient, wird derzeit umgebaut und in Kürze einen neuen Windkanal bereitstellen, dessen Realisierung bereits abgeschlossen ist. Die neue Anlage wird es den Forschern ermöglichen, die Wolken unter natürlichen Bedingungen zu analysieren und wird somit auch von Interesse für die Luftfahrtindustrie sein. Auf 1465 Meter Höhe ist der Puy de Dôme ein strategischer Ort zur Beobachtung von Wolken, die sich entweder unter Einfluss maritimer Strömung aus dem Westen oder verunreinigter Strömung aus dem Nord-Nordwesten bilden. Diese Strömungen sind verantwortlich für unterschiedliche Wetter- und Umweltmuster. Darüber hinaus befindet sich der Vulkan weit abgelegen von den typischen umweltbelastenden Quellen, wodurch beste Voraussetzungen gegeben sind, um Forschungsarbeiten zu den Eigenschaften der Atmosphäre durchzuführen.
Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten finden sowohl Anwendungen im wissenschaftlichen Bereich (Luftproben, Tests und Überprüfung von Prototypen für die Luftfahrt, usw.), als auch im industriellen Sektor (Vereisungsbedingungen, usw.). Der Industrie wird mit dieser Plattform die Möglichkeit gegeben, in einer natürlichen Wolkenumgebung und zu geringeren Kosten als in industriellen Windkanälen zu arbeiten. Die vorhandenen industriellen Windkanäle am Prüfzentrum für Triebwerke (CEPr - Centre d'essais des propulseurs) in Saclay, bei der ONERA in Modane oder im Unternehmen AUXITROL in Bourges können Wolkenbedingungen nur simulieren, indem sie ähnliche Eigenschaften von Wasserwolken durch Wassereinspritzsysteme nachstellen.
Kontakte:
- Jean-François Gayet, LAMP/OPGC - j.f.gayet@opgc.univ-bpclermont.fr
- Marie Russias, OPGC - m.russias@opgc.univ-clermont.fr
Quelle: " Une soufflerie haute performance au sommet du Puy de Dôme " - http://www.insu.cnrs.fr/a2725,soufflerie-haute-performance-sommet-puy-dome.html - 18.11.2008
Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr
Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr
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Adresse: Pariser Platz 5
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http://www.ambafrance-at.org/spip.php?article989
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