Wissenschaft Frankreich #154 – 17/12/2008

Wissenschaft-Frankreich Nr. 154 [PDF]

 


 

Forschung

Rat "Wettbewerbsfähigkeit" (Forschung): die wichtigsten Ergebnisse

Diese Sitzung des Rats für "Wettbewerbsfähigkeit" unter Leitung der französischen Ministerin für Hochschule und Forschung, Valérie Pécresse, ermöglichte im Rahmen des Ljubljana-Prozesses Fortschritte bei wesentlichen Fragen zum Europäischen Forschungsraum (EFR). Der Rat verabschiedete eine "Vision 2020" für den EFR und präzisierte die Umrisse des Verfahrens für den gemeinsamen Fahrplan im Forschungsbereich, dessen Ziel es ist, besser auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse zu reagieren. Des Weiteren bot dieses Treffen Gelegenheit zur Definition der Leitlinien für die zukünftige Entwicklung des GMES-Programms. Diese "Vision 2020" ist das Ergebnis der intensiven Beratungen, die beim informellen Treffen am 17./18. Juli 2008 in Versailles zwischen den Mitgliedstaaten begonnen hatten. Dieser Gründungstext macht aus dem EFR einen Raum der Begegnung und der Freiheit für Wissenschaftler und zielt darauf ab, die Rahmenbedingungen für die Bewegungsfreiheit von Forschern und den freien Verkehr an Forschungsarbeiten in einem Europa ohne Grenzen zu schaffen, um den Wissensaustausch zu fördern. Der Europäische Forschungsraum stützt sich auf zwei weitere Grundpfeiler: das Humankapital und die Infrastrukturen.

Die Mitgliedstaaten präzisierten ferner das Verfahren für den gemeinsamen Fahrplan im Forschungsbereich. Sie verpflichten sich dazu, eine gemeinsame und konzertierte Antwort auf die gesellschaftlichen Fragestellungen von allgemeinem Interesse zu erarbeiten, insbesondere, um die Effizienz der öffentlichen Finanzierung für Forschung und Entwicklung in Europa zu erhöhen. In diesem Zusammenhang schlagen sie vor, die in Versailles herausgearbeiteten Herausforderungen (die Nahrungskrise und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft und auf unseren Umgang mit den Ökosystemen, der Klimawandel, der die Entwicklung und Nutzung neuer Energien erfordert, der Übergang zur Wissensgesellschaft und die Überalterung der europäischen Bevölkerung) gemeinsam anzugehen. Die schrittweise Umsetzung des gemeinsamen Fahrplans wird im kommenden Jahr erfolgen, angefangen bei der Bekämpfung von neurodegenerativen Erkrankungen wie zum Beispiel Alzheimer. Valérie Pécresse begrüßte die Schaffung einer "Europäischen Partnerschaft für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit". Diese Partnerschaft, die die EU-Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission umfasst, soll ermöglichen, dass die EU (nach Beratung in diesem Gremium) in Gesprächen mit Drittstaaten oder in Diskussionen innerhalb internationaler Institutionen häufiger mit einer Stimme spricht und gemeinsame Prioritäten definiert, um die Zusammenarbeit besser zu organisieren und gegebenenfalls gemeinsame Initiativen zu starten. Anschließend äußerte die Ministerin den Wunsch, den Stand der beim Treffen des Rats für "Wettbewerbsfähigkeit am 26. September 2008 begonnenen Arbeiten zur "Europäischen Partnerschaft für Forscher" zu analysieren. In diesem Zusammenhang präsentierten die Minister Portugals und Luxemburgs, José Mariano Gago und François Biltgen, die Ergebnisse der ihnen von Valérie Pécresse und Xavier Bertrand anvertrauten Mission zur Erarbeitung von Möglichkeiten zur Beschleunigung der Umsetzung dieser Partnerschaft.

Der Rat setzte seine Prüfung eines Richtlinienvorschlags über den Rechtsstatus der Forschungsinfrastrukturen von europäischem Interesse fort. Diese Vorlage hat zum Ziel, mittels eines einheitlichen Rechtsrahmens die Schaffung neuer Forschungsinfrastrukturen in Europa zu erleichtern und die Umsetzung der ESFRI-Roadmap (European Strategy Forum on Research Infrastructures) zu beschleunigen.

Der Rat verabschiedete Schlussfolgerungen zur europäischen Strategie für die Seefahrts- und Meeresforschung.

Schließlich drückten die Minister ihre Zufriedenheit mit dem Bericht über den aktuellen Stand des GMES-Programms (Global Monitoring for Environment and Security - globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung) aus und regten die Kommission zur Fortsetzung ihrer Bemühungen an, daraus ein unumgängliches Instrument der Politik für nachhaltige Entwicklung und Sicherheit in der EU zu machen. Im Anschluss an die Debatten, welche beim informellen Treffen der für die Raumfahrt zuständigen Minister am 21. und 22. Juli 2008 in Kourou abgehalten worden waren, wurden die "Leitlinien von Kourou" durch die Schlussfolgerungen des Rats hervorgehoben. Das Ziel dieser Leitlinien ist es, eine Reihe von Prinzipien, die auf die GMES anwendbar sind, fest zu etablieren, wie zum Beispiel die Begrifflichkeiten "öffentliches Gut", "Partnerschaft" und "offener Zugang". Der Rat unterstrich auch, dass es für die EU notwendig sei, die Kontinuität der GMES-Systeme zu gewährleisten. Er erwartet von der Europäischen Kommission, dass sie im Laufe des Jahres 2009 Gesetzesvorschläge macht und eine Haushaltsschätzung durchführt, um den Fortbestand des GMES-Programms zu sichern.

Diese Schlussfolgerungen stellen eine bedeutende Etappe bei der Entwicklung der GMES dar und spiegeln die Entscheidung des Ministerrates der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) vom 25. und 26. November 2008 wider, die laufenden oder im Entwicklungsstadium befindlichen Überwachungsmissionen der Erde aus dem Weltraum durch den Start des zweiten Segments des "Sentinels"-Programms, die Weltraum-Komponente des GMES-Programms, zu ergänzen.

Kontakt: Karen Bornaghi, ministère de la Recherche et de l'enseignement supérieur - Tel: +33 1 5555 8432 - E-Mail: karen.bornaghi@recherche.gouv.fr

Quelle: http://www.ue2008.fr/PFUE/lang/de/accueil

Redakteure:

 


 

Lebenswissenschaften

"BioVision" - Forum der Lebenswissenschaften im März 2009 in Lyon

Das Life-Sciences-Forum "BioVision" findet vom 8. bis zum 11. März 2009 in Lyon (Frankreich) zum 6. Mal statt. Dieses Forum wird alle zwei Jahre von der Fondation Scientifique de Lyon (wissenschaftliche Stiftung der Stadt Lyon) veranstaltet. Dabei treffen sich Wissenschaftler der Grundlagen- und angewandten Forschung mit Vertretern der Industrie, der Politik und der Zivilgesellschaft mit dem Ziel, eine Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu schlagen.

Seit dem ersten Forum 1999 haben bereits Tausende Fachleute aus der ganzen Welt an BioVision teilgenommen. 2007 haben sich die Teilnehmer mit dem Beitrag beschäftigt, den die Lebenswissenschaften zur Erreichung der UN-Millenniumsziele (Millennium Development Goals - MDG) leisten können. Sechs dieser Ziele sind unmittelbar mit den Lebenswissenschaften verbunden. Zudem wird in zwanzig Jahren mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in urbanen Gebieten wohnen. Dabei wird ein großer Teil der Städte knapp oder mehr als 10 Millionen Einwohner beherbergen und somit in die Kategorie der Megastädte fallen. Die mit Wasserversorgung und -entsorgung, mit Lebensmittelversorgung und ansteckenden Krankheiten verbundenen Herausforderungen werden in diesen Megacities umso akuter werden.

Aus diesem Grund wird sich BioVision 2009 dem Thema "Lebenswissenschaften und Stadt" widmen. Im Mittelpunkt des diesjährigen Forums wird die Problematik des Übergangs zu einer überwiegend urbanen globalen Bevölkerung stehen. Bis 2050 wird die Weltbevölkerung auf 9 Milliarden Menschen anwachsen, davon werden 6,5 Milliarden in urbanen Gebieten leben. Angesichts der sich daraus ergebenden Bevölkerungsdichte, der Probleme der Wasserknappheit und des Mangels an Sanitäranlagen müssen neue urbane Modelle gefunden werden.

Indem es sich mit möglichen Lösungen aus dem Bereich der Lebenswissenschaften und seiner Anwendungen beschäftigt, soll BioVision dazu beitragen, diesen Herausforderungen zu begegnen. Aufgeworfen werden unter anderem folgende Fragen: Wie können Fortschritte in den verschiedenen Bereichen der Lebenswissenschaften diesen urbanen Übergang vereinfachen? Wie können sie dazu beitragen, die Wasser- und Lebensmittelversorgung, die Sicherung der Gesundheit am besten zu gestalten, die Zerstörung von Ökosystemen und die Luftverschmutzung zu vermeiden und mit dem Klimawandel besser umzugehen?

Des Weiteren bietet BioVision die Gelegenheit, die neuesten Ergebnisse aus den Lebenswissenschaften und ihren Anwendungen, einschließlich der Stammzellen und der RNA-Biologie, vorzustellen und zu debattieren.

Die Anmeldung zum Forum erfolgt unter folgender Adresse: http://www.biovision.org/registration.html

Kontakt: Céline Dumanoir - E-Mail: celine.dumanoir@biovision.org

Quelle: Internetseite von Biovision, http://www.biovision.org - 09.12.2008

Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr

 


 

Meeresforschung

Gründung eines europäischen Zentrums für biologische Meeresressourcen

Das "European Strategy Forum on Research Infrastructures" (ESFRI) hat am 9./10. Dezember 2008 das EMBRC-Projekt (Europäisches Zentrum für marine biologische Ressourcen) als eines von insgesamt zehn zukünftigen europäischen Großforschungsprojekten ausgewählt, die in den kommenden 20 Jahren den Herausforderungen der Forschung begegnen sollen.

Diese neue Infrastruktur wird Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, die Zusammensetzung, das Verhalten sowie die Vielfalt mariner Organismen mit neuesten Techniken zu untersuchen. Somit sollen neue Konzepte zum Verständnis der Evolution und der Anpassung der Meeresorganismen an die Umweltveränderungen entwickelt werden.Das Programm wird durch die zoologische Station "Anton Dohrn" in Neapel koordiniert und bezieht insgesamt acht Partner ein, darunter drei französische Forschungslabore [1]: die biologische Station in Roscoff (Bretagne), das Labor für Ozeanographie in Villefranche-sur-mer und das Labor für biologische Ozeanographie in Banyuls (beide an der Mittelmeerküste).

Mit der Auswahl des EMBRC-Projekts wird die biologische Meeresforschung als wichtige wissenschaftliche, soziale und wirtschaftliche Herausforderung klar herausgestellt. Die marine Umwelt weist eine einzigartige Biodiversität auf. Eine verbesserte Kenntnis dieser Vielfalt würde neue Perspektiven in zahlreichen Bereichen im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung eröffnen: neue Ressourcen für die Biotechnologie, die Biomedizin, Optimierung des Artenschutzes....

Das Europäische Zentrum für marine biologische Ressourcen wird die Anwendung von Züchtungsmethoden von für die Forschung interessanten Organismen ermöglichen. Das durch die neue Struktur zur Verfügung gestellte technologische und wissenschaftliche Expertenwissen soll ein umfangreicheres Verständnis der Biologie der Meeresorganismen erlauben. Die neue Einrichtung soll die Anwendung von Genomik, molekularen Methoden und der Systembiologie beschleunigen. Auch europäische Forscher aus anderen Forschungseinrichtungen und Universitäten, die dort nicht über marine Modellorganismen verfügen, sollen einen freien Zugang zum neuen Zentrum genießen. Ein erheblicher Vorteil dieses Netzwerks ist, dass es die Gesamtheit der europäischen Meeresökosysteme abdeckt und die Erforschung einer breiten Vielfalt an Meeresorganismen ermöglicht.

Die Vernetzung der Forschungseinrichtungen, die marine Organismen erforschen, hat schon im Rahmen des 6. EU-Forschungsrahmenprogramms enge wissenschaftliche Kooperationen ermöglicht, die nun im 7. RP (2007-2013) fortgesetzt werden. Das EMBRC-Projekt stellt eine neue Etappe auf dem Weg zu einer paneuropäischen Einrichtung für Forschung, Bildung und Wissenstransfer im meeresbiologischen Bereich dar, die im Rahmen des 8. Rahmenprogramms vollzogen werden soll. In einer ersten Phase soll das Projekt das Engagement der EU-Mitglieder zum Aufbau der neuen Einrichtung anregen. Die acht Partnerstationen sollen an (genehmigungs-)rechtlichen Fragen arbeiten und die Verbindung zu den zuständigen Ministerien herstellen. Auf lange Sicht soll das EMBRC jedoch zu einer erstrangigen Infrastruktur für die europäische Forschung bzw. für die Erkundung, die Aufwertung und die Nutzung der biologischen Meeresressourcen ausgebaut werden.

[1] gemeinsame Labore des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) und der Pierre-und-Marie-Curie-Universität (UPMC)

Kontakt: Priscilla Dacher - CNRS - Tel: +33 144 964 606 - E-Mail : priscilla.dacher@cnrs-dir.fr - http://www.embrc.eu

Quelle: Pressemitteilung des CNRS - 09.12.2008

Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr

 


 

Medizin

Der genetische Zusammenhang zwischen dem zirkadianen Rhythmus und der Diabetes mellitus 2

Mutationen des Gens, das für den Melatoninrezeptor 2 (MT2) kodiert, führen sowohl zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel als auch zu einem erhöhten Diabetes-Risiko. Zu diesem Ergebnis kamen kürzlich Forscher um Prof. Philippe Forguel [1] in Kooperation mit Kollegen aus Großbritannien, Dänemark und Finnland. Für die Studie wurden 23.000 Probanden in Frankreich, Dänemark und Finnland untersucht. Die Ergebnisse bewiesen den Zusammenhang zwischen der Regulation des zirkadianen Rhythmus [2] durch Melatonin und der Diabetes mellitus 2.

Das Melatonin gehört zu den ältesten gebildeten Hormonen. Dieses Hormon findet man sowohl bei Tieren als auch bei bestimmten Pflanzen und Pilzen. Melatonin spielt bei zahlreichen physiologischen Funktionen (wie z.B. der Schlafförderung, dem Schlaf-Wach-Rhythmus, dem zirkadianen Rhythmus, der Blutdruck-Regulation, der Aktivität des Immunsystems, der Entgiftung von freien Radikalen, der Abgrenzung der Knochen zueinander, usw.) eine Rolle. Bei Menschen wird das Melatonin von der Zirbeldrüse (Epiphyse) produziert. Die Melatoninproduktion wird durch das auf die Netzhaut (Retina) auftreffende Licht gesteuert. Den MT2-Rezeptor findet man in der Retina, im Sehnerv, im Zwischenhirn und in den Insulin-produzierenden Pankreaszellen.

Die biologischen Rhythmen haben einen großen Einfluss auf die Gesundheit des Menschen. Zahlreiche Hormone, darunter das Melatonin, sind an der Regulierung der zirkadianen Rhythmen beteiligt. Diese Hormone steuern, unter anderem, die Schlafdauer und -qualität sowie die Stimmung. Werden diese Rhythmen gestört, führt dies zu einer anormalen Insulinproduktion. Die Forscher konnten somit nachweisen, dass diese Störungen mitverantwortlich sind für Fettleibigkeit. Bei Diabetikern, die oft an Depressionen leiden, treten diese psychischen Symptome manchmal sogar auf, noch bevor die Zuckerkrankheit ausbricht. Der molekulare Zusammenhang zwischen all diesen Erkrankungen war bislang unbekannt.

Den Ergebnissen der Studie zufolge wird der Blutzucker sehr stark von einer kleinen Anzahl von Genen gesteuert. Sie beweist des Weiteren, dass Probanden mit verschiedenen Mutationen dieser Gene Blutzucker des prädiabetischen Typs aufweisen, was das Risiko erhöht, in den kommenden Jahren an Diabetes und/oder Herz- und Gefäßerkrankungen zu leiden.

Nach einer systematischen Analyse des für Diabetes-Erkrankungen des Typs 2 verantwortlichen Genoms im Jahr 2007 haben die französischen Forscher, gemeinsam mit ihren Kollegen des Imperial Colleges London, im Jahr 2008 herausgefunden, dass das Gen eines Enzyms zur Regulierung des Glukosestoffwechsels (Glukose-6-Phosphatase) den Blutzucker deutlich beeinflussen kann. Durch ihre Forschungsarbeiten konnten sie nachweisen, dass das Melatonin einen großen Einfluss auf den Zusammenhang zwischen Diabetes und Depression ausübt. Diese Entdeckung könnte zu innovativen Therapien führen und damit den menschlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Volkskrankheit Diabetes mellitus 2 besser entgegenwirken.

  • [1] Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung, Universität Lille, Pasteur-Institut Lille und Imperial College London
  • [2] Unter zirkadianen Rhythmen versteht man die endogenen (inneren) Rhythmen, die eine Periodenlänge von circa 24 Stunden haben.

Kontakt: Philippe Froguel - Tel: +33 320877 954 oder +44 207 594 65 20 - E-Mail: philippe.froguel@good.ibl.fr oder p.froguel@imperial.ac.uk

Quelle:Pressemitteilung des Französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung - 08.12.2008

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

 


 

Medizin

Eine schnellere Alzheimer-Diagnose, bis zu 10 Jahre vor Ausbruch der Demenz

Die Ergebnisse einer bei 3.800 Franzosen durchgeführten Studie lassen vermuten, dass eine Alzheimer-Frühdiagnose bis zu mehr als 10 Jahren vor Feststellung des Demenzstadiums möglich wäre. Die von Prof. Jean-Marc Orgogozo und Prof. Jean-François Dartigues geleitete Studie wurde am 8. Dezember 2008 in der amerikanischen Fachzeitschrift Annals of Neurology veröffentlicht.

Im Rahmen der Studie wurden 3777 65-jährige Probanden alle ein bis drei Jahre untersucht. Im Laufe der auf insgesamt 14 Jahre angelegten Studie haben die Forscher des Französischen Instituts für Gesundheitswesen und medizinische Forschung (INSERM) durch neuropsychologische Tests herausgefunden, dass 350 Probanden, die während der Zeit an Alzheimer-Demenz erkrankten, bereits 10 bis 13 Jahre vor ihrer Alzheimerdiagnose durchschnittlich schlechtere Resultate aufwiesen als Probanden, bei denen sich bislang keine Demenz entwickelt hatte.

Die Alzheimer-Betroffenen klagen normalerweise bereits 8 bis 10 Jahre vor der Diagnose über Gedächtnisstörungen und depressive Gefühle. Des Weiteren haben sie 5,5 bis 6,5 Jahre vor der Diagnose schon Schwierigkeiten, komplexere Aufgaben (wie z.B. Telefonieren, mit Geld oder mit den Transportmitteln umgehen, Medikamente einnehmen) zu erledigen. "Die in der Studie beschriebenen Störungen treten durchschnittlich 6 bis 12 Jahre vor der eigentlichen Alzheimerdiagnose auf, das heißt 3 bis 9 Jahre bevor heute die Krankheit festgestellt werden kann", erklärt Prof. Orgogozo. Es geht hierbei um "den ersten überzeugenden umfassenden Nachweis einer langen stillen Evolution der Erkrankung", so Orgogozo.

"Sobald ein Test sich als zuverlässig herausgestellt hat - vielleicht in 2-3 Jahren - könnten wir mit Therapieversuchen bei den Menschen beginnen, die bislang keine Symptome aufweisen, d.h. noch vor dem einschränkenden Demenzstadium", sagt Orgogozo.

Nach Meinung von Prof. Orgogozo würde eine Behandlung im Frühstadium der Erkrankung die Erfolgschancen erhöhen, denn zurzeit "existiert noch keine Therapie, um die Alzheimer-Krankheit wirklich zu hemmen oder deren Voranschreiten zu bremsen".

Kontakt: Prof. Dr. Jean-Marc Orgogozo - Service de Neurologie, CHU Pellegrin Bordeaux, Place Amélie-Raba-Léon, F33076 Bordeaux Cedex - Tel: +33 556 796004, Fax: +33 556 796 025 - E-Mail: jean-marc.orgogozo@chu-bordeaux.fr

Quelle: Artikel der Französischen Nachrichtagentur AFP - 11.12.2008

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

 


 

Verkehr

Chronopost erweitert seine elektrische Fahrzeugflotte

Nach einer erfolgreichen Versuchsreihe in Montpellier hat Chronopost beschlossen, seine Flotte von elektrischen Fahrzeugen auch in Marseille, Paris und in Toulouse zu testen. Die von Goupil gelieferten Fahrzeuge werden für den städtischen Verkehr genutzt. In Montpellier haben die Tests bereits im Juli 2006 begonnen und wurden für die Lieferung von Kleinpaketen und anderen Sendungen eingesetzt.

Das elektrische Fahrzeug ist kompakt und leicht zu lenken und entspricht somit dem städtischen Bereich und dem Verkehr in Fußgängerzonen. Das Fahrzeug kann Paketmengen von bis zu 2,5m3 transportieren, was die Anzahl der Nachladungen verringert und deutliche Zeiteinsparungen für den Fahrer bedeutet. Die Ergebnisse des Projekts sind eine verbesserte Produktivität, mehr Komfort für den Fahrer und eine emissionsfreie Lieferung.

Die in der Lot-et-Garonne angesiedelte KMU Goupil Industrie, ist mit 2.000 Fahrzeugen und fast 400 Kunden in Frankreich und weltweit der europäische Marktführer auf dem Gebiet der elektrischen Nutzfahrzeuge.

Quelle: " Chronopost étend sa flotte de véhicules électriques " - 10.12.2008

Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr

 


 

Verkehr

AGV-Zug wurde auf einer TGV-Strecke gestestet

Ein AGV-Zug ("Automotrice à Grande Vitesse", Hochgeschwindigkeits-Triebwagenzug), welcher der nächsten Generation von Schnellzügen des französischen Unternehmens Alstom entspricht, wurde auf der TGV-Strecke in Ostfrankreich getestet. Der Zug wurde über mehrere Nächte getestet und erreicht inzwischen eine Spitzengeschwindigkeit von 342 km/h.

Im April 2007 kam der Prototyp V150 der AGV auf einen Geschwindigkeitsrekord von 547,8 km/h. Der größte Unterschied zum derzeit betriebenen TGV ("Train à Grande Vitesse", Hochgeschwindigkeitszug) liegt im Antrieb: es gibt keine Lokomotiven mehr (ein TGV hat an jedem Ende eine) und die Motoren befinden sich direkt unter den Waggons, so dass der Zug motorbetrieben wird.

Der Hersteller, Alstom, hat die Prüfphase in kompletter Konfiguration begonnen. Zunächst wurden die Räder auf einer Schienenstrecke in der Tschechischen Republik getestet und im Dezember wurde dann der komplette Zug auf dem Schienennetz der LGV ("Ligne à Grande Vitesse", Hochgeschwindigkeitsstrecke) in Osteuropa geprüft. Auf der Strecke zwischen Paris und Straßburg wurde der AGV zunächst bei niedriger Geschwindigkeit getestet. Anschließend wurde die Geschwindigkeit erhöht und die Techniker führten mehr als tausend direkte Messungen durch. Mit Hilfe einer Gruppe von 60 Ingenieuren, zwei Laboratorien und 4.000 Sensoren an Bord konnten die Daten des Zugs bis zu einer Geschwindigkeit von 342 km/h gemessen werden.

Gemessen wurde unter anderem der Lärm in der Umgebung und innerhalb der Waggons sowie die aerodynamischen Effekte, wie z.B. Druckwellen bei der Durchfahrt von Tunneln oder anderer Strukturen in Schienennähe. Ein weiteres Problem was es zu lösen gilt: die Passagiere werden noch zu sehr durchgeschüttelt. Den Angaben der französischen Energieagentur ADEME zufolge, entspricht der AGV mit seinen sehr geringen Treibhausgasemissionen (2,2 Gramm/km/Passagier) den gesetzten Nachhaltigkeitszielen. Er stößt 13 Mal weniger CO2 aus als ein Bus (30 g), 50 Mal weniger als ein KFZ (115 g) und 70 Mal weniger als ein Flugzeug (153 g) (siehe ADEME Referenzdaten für CO2-Quoten/Kw.h zur Stromerzeugung in Frankreich).

Während der Tests im Dezember sollte die erwartete Betriebsgeschwindigkeit von 360 km/h ebenfalls erreicht werden. Anschließend wird der AGV zum Versuchszentrum nach Velim geschickt, wo der Zug weiteren Tests unterzogen wird. Die ersten Züge werden in Italien fahren, da der italienische Eisenbahnbetreiber NTV (Nuovo Trasporto Viaggiatori) 25 Züge bestellt hat und sie bereits 2009 auf die Schienen bringen will. Die französische Eisenbahngesellschaft SNCF wird voraussichtlich erst 2014 mit AGV ausgestattet.

Quellen:

  • "L'AGV testée à 340 km/h sur les rails du TGV", Futura-Sciences - 09.12.2008
  • "L'AGV débute ses tests à 360 km/h", http://www.webtrains.net - 09.12.2008

Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr

 


 

Verkehr

Zehn französische Straßenverkehrsunternehmen verpflichten sich, ihren CO2-Ausstoß zu verringern

Am 16. Dezember 2008 unterzeichneten Daniel Bursaux, Generaldirektor für Infrastrukturen, Verkehrswesen und des Meeres, und Chantal Jouanno, Präsidentin der französischen Energieagentur Ademe gemeinsam mit 10 Verkehrsunternehmen eine freiwillige Verpflichtungserklärung für die Verminderung des CO2-Ausstoßes.

Die Unterzeichner sind Alloin, Chronopost, Geodis, LRE Transports Vialon, Norbert Dentressangle, Premat, Rouch Intermodal, Sogep, Transalliance und Veynat Transports. Die Erklärung bezieht sich auf etwa 16.000 LKWs in Frankreich und 18.000 Fahrer. Dieser 3 Jahres-Aktionsplan sieht eine Verringerung des CO2-Ausstoßes um etwa 90.000 Tonnen und Einsparungen von mehr als 20 Millionen Liter Diesel vor. Diese Erklärung fügt sich in die nationale Umsetzung des Vorhabens "Ziel CO2 - die Transporteure legen sich fest" ein, mit dem die Ziele des "Grenelle de l'environnement" (Umweltabkommen) umgesetzt werden sollen, d.h. den CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 % zu reduzieren.

Quelle: "Dix entreprises de transport routier françaises s'engagent à réduire leurs émissions de CO2", Maxisciences - 16.12.2008

Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr

 


 

Nanotechnologien

Nanotechnologien: Maxi-Kredite

In den nächsten 5 Jahren will der Staat seine Investitionen in die Forschung auf dem Gebiet der Nanotechnologien von 175 auf 350 Millionen Euro erhöhen. Zum Abschluss der ersten "Europäischen Konferenz für Innovation" hat der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy die Verdoppelung der finanziellen Förderung in diesem Bereich angekündigt. Er hat ebenfalls die Einrichtung von "Integrationszentren für Nanotechnologien" angesprochen. In Kooperation mit Unternehmen ist es das Ziel dieser Forschungszentren Technologien zu entwickeln, Patente zu beantragen und neue Produkte zu schaffen.

Frankreich möchte in der Forschung auf diesem Gebiet eine Spitzenposition einnehmen. "Frankreich wird eine bedeutende Strategie für Innovationen im Bereich der Nanotechnologien entwickeln. Es wird von Clustern in Saclay, Paris-Süd, Grenoble und Toulouse unterstützt." Herr Sarkozy führte seine Rede weiter: "Ich möchte, dass Frankreich an der Spitze bei den Nanotechnologien steht, insbesondere was die Erforschung ihrer Auswirkungen auf die Gesundheit angeht, die im Rahmen des "Grenelle de l'environnement" (Abkommen zum Umweltschutz) gefördert wird".

Quelle: Science.gouv.fr - Le portail de la science - 10.12.2008
http://www.science.gouv.fr/fr/actualites/bdd/res/2993/nanotechnologies-maxi-credits/

Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr

 


 

Informations -und Kommunikationstechnologien

Mit dem Handy bezahlen: die Tests gehen weiter

Die größten französischen Mobilfunkanbieter (Orange, SFR und Bouygues Telecom) und verschiedene Handelsketten (Auchan, Castorama, Carrefour, Fnac, Intermarché, Leroy Merlin, usw.) haben am 2. Dezember 2008 die Bildung einer Arbeitsgruppe angekündigt, die sich mit dem Thema "Bezahlen mit dem Handy" beschäftigen wird. Das Projekt erhielt den Namen Ergosum (Ergonomie des services sur mobile - Ergonomie für Mobilfunkdienste) und wird Tests in natürlicher Umgebung durchführen.

Das Prinzip beruht auf der NFC-Technologie (Near Field Communication - ein ähnliches Datenaustauschsystem wie Bluetooth). In der Praxis handelt es sich dabei um ein mit einem NFC-Chip ausgerüsteten Handy, das Daten mit einem spezifischen Lesegerät austauscht. Durch das Vorbeiziehen des Handys am Lesegerät werden die Einkäufe direkt bezahlt. Nach einer Bestätigung wird das Konto des Kunden direkt mit dem entsprechenden Betrag belastet.

In Japan ist diese Technologie bereits sehr erfolgreich. Mehr als 42 Millionen Japaner nutzen schon ein NFC-Handy. Im Vergleich zu Japan hat Europa in diesem Bereich einen großen Nachholbedarf. Aus diesem Grund wurden mehrere Initiativen gestartet, um die Entwicklung dieser Technologie voranzutreiben.

Seit 2007 gibt es in Frankreich diverse Versuchsreihen: zum Beispiel im öffentlichen Verkehr und im Handel in Paris, Straßburg, Caen und in der Bretagne. 90% der Kunden waren damit zufrieden und haben dieses Konzept mit den Worten "praktisch, schnell und einfach zu benutzen" bewertet.

Im Rahmen dieser neuen Initiative sind auch verschiedene Versuche in Frankreich vorgesehen. Bereits 2009 sind Tests in den Unternehmen geplant, die an dieser Initiative teilnehmen. Die Kunden können ganz einfach mit dem Handy bezahlen. Bis 2011, so das Jupiter-Research-Beratungsbüro, wird der Umsatz dieser Transaktionen mit dem Handy 22 Milliarden Dollar erreichen.

Quelle: Futura Science - 04.12.2008

Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr

 


 

Informations -und Kommunikationstechnologien

" E-inclusion " EU-Ministerkonferenz (30. Nov. - 2. Dez. 2008)

Diese Abschlusskonferenz der Initiative " E-inclusions : be part of it ! ", die mit einer Konferenzreihe in Riga (2006) und in Lissabon (2007) begonnen hatte, wurde von der Europäischen Kommission und der österreichischen Regierung, in Zusammenarbeit mit der französischen EU-Ratspräsidentschaft vom 30. November bis 2. Dezember 2008 in Wien organisiert.

Bei der Abschlussplenarsitzung legte der Vertreter der Delegation für Internetnutzung, Bernard Benhamou, die französische Sicht zu den Anforderungen dar, die die digitale Integration mit sich bringt. Des Weiteren erläuterte er die Antworten des Staates auf die Herausforderungen und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass Europa seine Aktionen zu diesem Thema weiterentwickeln werde.

Bernard Benhamou unterstrich somit nicht nur den technischen Aspekt der digitalen Integration, sondern vor allem auch den politischen, zumal durch den Internetzugang Ungerechtigkeiten entstehen könnten. Frankreich arbeitet in diesem Zusammenhang an der Umsetzung des Planes " digitales Frankreich 2012", bei dem die ältere Bevölkerung mit geringem Einkommen angesprochen wird.

Der französische Vertreter wies darauf hin, dass die Konferenz im Rahmen einer bedeutenden europäischen Dynamik erfolgte (Konferenz über die weltweite digitale Solidarität in Lyon, Konferenz über das Internet der Zukunft in Nizza) und vertrat die Auffassung, dass Europa durchaus in der Lage sei, beim Ausbau des Internets der Zukunft eine Spitzenposition einzunehmen, insbesondere im Bereich des mobilen Internets, das, verbunden mit dem europäischen Kulturerbe, eine Grundlage für die Entwicklung von weltweit einzigartigen Dienstleistungen bilden könnte. Dieses ehrgeizige Ziel entspräche überdies den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anforderungen, wobei angenommen wird, dass es zu einer geringeren Verlagerung von Arbeitsplätzen kommen werde.

Schließlich wies Bernard Benhamou auf die einstimmige Annahme eines Textes der Ministerdelegationen zum Thema digitale Integration hin: " Die Schlussfolgerungen der e-inclusion-EU-Ministerkonferenz in Wien unter französischem Vorsitz " (2. Dezember 2008).

Die Schlussfolgerungen der französischen Präsidentschaft

Das Dokument weist auf die Notwendigkeit hin - in einem schwierigen wirtschaftlichen Kontext - die schwächeren Bevölkerungsschichten zu unterstützen. In diesem Zusammenhang nimmt die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) einen wichtigen Platz ein. Eine gemeinsame Aktion im Bereich der digitalen Integration könnte neue, hochqualitative Arbeitsplätze schaffen. Die digitale Integration trägt dazu bei, die wichtigste Stütze Europas, das Humankapital, zu stärken. Der Text gemahnt auch das europäische Parlament, die europäische Kommission und die EU-Mitgliedstaaten hinsichtlich der Verbreitung des Hochgeschwindigkeitsinternets für die gesamte europäische Gemeinschaft an ihre Pflichten. Dabei sollen die internationalen Standards beim Zugang zu Internetseiten und die Ausbildung zu digitalen Kompetenzen gewährleistet werden.

Kontakt: Hedwige Cornet, Delegation für Internetnutzung - Tel.: +33 1 5555 4831 - E-mail: hedwige.cornet@recherche.gouv.fr

Quelle: " E-inclusion " EU-Ministerkonferenz, Wien, 30.11.2008 - 02.11.2008

Redakteure:

 


 

Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr

 


 

KONTAKT

Französische Botschaft in Deutschland

Abteilung für Wissenschaft und Technologie
Adresse: Pariser Platz 5
D-10117 BERLIN
Tel: +49 30 590 03 92 50
Fax: +49 30 590 03 92 65
E-Mail: sciencetech@botschaft-frankreich.de
http://ww.wissenschaft-frankreich.de

Französische Botschaft in Österreich

Abteilung für Wissenschaft und Technologie
Adresse: Währinger Strasse 30
A-1090 Wien
Tel: +43 15 027 5324
E-Mail: mathieu.girerd@diplomatie.gouv.fr
http://www.ambafrance-at.org/spip.php?article989

ANMELDUNG

Sie können das Informationsblatt Wissenschaft-Frankreich ganz einfach abonnieren, indem Sie eine E-Mail an folgende Adresse senden: sciencetech@botschaft-frankreich.de