Wissenschaft Frankreich #156 – 4/02/2009

Wissenschaft-Frankreich Nr. 156 [PDF]

 


 

Veranstaltung

Die Technologien für die digitale Identität: Deutsch-französische Expertentagung am 23. März 2009 in der französischen Botschaft in Berlin

Die Problematik der digitalen Identifikation gehört zu den größten Herausforderungen der Industrie und der Gesellschaft von heute. Die Technologien der elektronischen Identifizierung revolutionieren das tägliche Leben durch die neuen Einsatzmöglichkeiten von Ausweispapieren. Elektronische Pässe, der sichere Zugang zu Dienstleistungen des E-Government, der Zugang zu Krankenversicherungen, Transaktionen im Internet, Telemarketing...., dies alles sind neue Dienstleistungen, die in naher Zukunft immer wichtiger werden. Besonders entscheidend bei der digitalen Identität ist es, diese immer mehr der menschlichen Identität anzupassen und die Herausforderungen der Integration, der Sicherheit und der Authentifizierung, die seine Nutzung zum Erfolg führen werden, zu meistern.

Die Französische Botschaft in Deutschland und VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, Mitglied des Netzwerkes Enterprise Europe Network, organisieren gemeinsam am 23. März 2009 eine deutsch-französische Expertentagung zum Thema der digitalen Identität.

Ziel dieser Veranstaltung ist es, die politischen und technologischen Aspekte, die mit der digitalen Identität zusammenhängen, in Frankreich, Deutschland und ganz Europa darzulegen.

Es geht darum, in einem Dialog zwischen Wissenschaftlern und Vertretern der Politik und der Wirtschaft, Fragen nach der Definition der digitalen Identität zu beantworten, nach den dabei auftretenden Problemen zu fragen, die Einsatzmöglichkeiten sowie die wissenschaftlichen Entwicklungen in diesem Bereich zu beleuchten. Die Grenzen und Risiken dieser Technologien werden ebenfalls eine Rolle spielen.

Die Sicherheit der Dokumente, die Authentifizierung, die Biometrie, die Kontrolle über den physischen und logischen Zugang, die Kryptographie, die RFID oder auch die Verfahren des E-Government werden im Rahmen der vier folgenden Tagungsrunden untersucht und erörtert:

  • Die technologischen Neuheiten in Frankreich, Deutschland und Europa im Bereich der digitalen Identität
  • Kompatibilität von Informationssystemen
  • Sicherheitssysteme und -instrumente
  • Digitale Identität - Anwendungen

Das Programm und das Anmeldeformular finden Sie auf der Veranstaltungs-Website http://www.e-identify-df.de

Kontakte:

Redakteurinnen:

 


 

Innovation

Mehr als 500 FuE-Projekte wurden in der ersten Phase der Initiative "Pôles de compétitivité" gefördert

Die Bilanz über die erste Phase (2006-2008) der Initiative der französischen "Pôles de compétitivité" fiel sehr positiv aus. In diesem Zeitraum wurden sechs Projektausschreibungen im Rahmen des interministeriellen Einheitsfonds (FUI) gestartet. Insgesamt konnten auf diese Weise:

  • 1.120 FuE-Projekte begutachtet werden, die einen finanziellen Gesamtaufwand von 3 Milliarden Euro für FuE-Arbeiten darstellten,
  • 535 Projekte ausgewählt und mit Mitteln des FUI gefördert werden,
  • 688 M€ Fördermittel für diese Projekte bewilligt werden, die noch durch 383 M€ aus vorgesehenen Ko-Finanzierungen von Gemeinden und Regionen ergänzt werden sollen.

Somit hat die erste Phase der Initiative "Pôles de compétitivité" eines ihrer ursprünglichen Hauptziele erreicht: die Förderung und Begleitung kooperativer FuE-Aktivitäten von verschiedenen Akteuren innerhalb der Pôles.

Die Förderungsagentur für Innovation (OSEO) sowie die französische Forschungsagentur (ANR - Agence Nationale de la Recherche) haben die Innovation und die FuE in den Pôles ebenfalls unterstützt. In den Jahren 2006 und 2007 haben sie 1.345 Projekte für eine Gesamtsumme von 773 Millionen Euro finanziert.

Kontakt: Pôles de compétitivité - E-Mail: contact@competitivite.gouv.fr - http://www.competitivite.gouv.fr

Quelle: La lettre des pôles de compétitivité - 21.01.2009

Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr

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Innovations- und Forschungspolitik

Staatspräsident Sarkozy startet nationale Strategie zur Forschung und Innovation

Am 22. Januar 2009 gab Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy den offiziellen Startschuss für die nationale Strategie zur Forschung und Innovation (SNRI) [1]. Im Laufe des Jahres 2009 sollen verschiedene Maßnahmen getroffen werden, um die Zusammenarbeit der vier tragenden Hauptakteure der Strategie - öffentliche Forschungseinrichtungen, Universitäten, Forschungsförderer und Unternehmen - zu verstärken.

Die Reform der bedeutendsten Forschungseinrichtungen, wie des CNRS, mit einer Neugestaltung zur Gründung von thematischen Instituten, wurde bereits ziemlich weit vorangetrieben. Zudem soll die Schaffung eines nationalen Instituts für Lebenswissenschaften und Gesundheit zum Leitbild der Gestaltung der neuen Strategie werden. Schließlich soll die neue Organisation zur Abschaffung der sogenannten Unités Mixtes de Recherche (gemischte Forschungsgruppen) führen, in denen die öffentlichen Forschungseinrichtungen und die Universitäten bisher zusammenarbeiteten, deren Ansatz aber mittlerweile überholt ist.

Des Weiteren soll die neue Strategie auch zu einer Überarbeitung des Patentierungssystems führen. Angestrebt wird eine Vereinfachung der Miteigentümerschaft von Patenten, die von mehreren Forschungseinrichtungen gemeinsam eingereicht werden. Das aktuelle System hemmt den Transfer in die Industrie erheblich. Wünschenswert wäre die Schaffung einer Struktur des privaten Rechts in jedem großen Forschungscluster, die für die Patentenverwaltung zuständig ist. Dort sollten die Fragen der Patentierung durch Experten aus diesem Bereich bearbeitet werden, was bisher nicht unbedingt der Fall ist. Die Einrichtung, die die Forschungsarbeiten durchführt, sollte auch alleiniger Eigentümer des Patents werden und dies allein nutzen dürfen.

Ein weiterer Punkt der Strategie ist die Reform der französischen Forschungsagentur (ANR). Unter anderem soll mehr Freiraum für riskante Projekte von Spitzenforschern gewährleistet werden. Des Weiteren sollen die Modalitäten des Zugangs zu steuerlichen Forschungsförderungsmöglichkeiten überarbeitet werden. In erster Linie sollten junge innovative Unternehmen von diesen Änderungen profitieren.

Im Rahmen der neuen Strategie wird der oberste Rat für Forschung und Technologie (HCST) eine neue Rolle einnehmen: er wird dem Premierminister und nicht mehr dem Präsidenten unterstellt und wird über zusätzliche Mittel verfügen, um an der Umsetzung der SNRI effizienter mitwirken zu können.

Die Leitlinien, die die Ziele für die kommenden vier Jahre festlegen, sollen im Mai 2009 vom Ministerkabinett beschlossen werden. Bis dahin soll zwischen den Forschungsakteuren ein breitangelegter offener Dialog zu diesem Thema stattfinden. Neun Arbeitsgruppen, bestehend aus Wissenschaftlern, Unternehmern, Abgeordneten und anderen Interessenvertretern, werden Zwischenberichte vorlegen, die Online auf die Internetseite des Ministeriums gestellt werden, damit die interessierten Bürger sie bewerten und mit Anregungen bereichern können.

[1] Siehe auch Wissenschaft-Frankreich Nr. 148 und 149

Kontakt: http://www.enseignementsup-recherche.gouv.fr/pid20797/strategie-nationale-de-la-recherche-et-de-l-innovation.html

Quellen:

  • Les Echos - 22.01.2009
  • L'Usine nouvelle - 19/01/2009
  • AFP - 22/01/2009

Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr

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Energie

Die ASN entzieht EDF vorläufig die Zulassung für die Messung der Radioaktivität im Umfeld seiner Kernkraftwerke

Um die Überwachung der Atomkraft in Frankreich auszuweiten, hat die Behörde für nukleare Sicherheit (ASN), mit Wirkung zum 1. Januar 2009, ein Zulassungsverfahren für Laboratorien zur Pflicht gemacht, in dessen Rahmen die Radioaktivität im Umfeld der Einrichtungen gemessen wird. Zu diesem Zweck hat die ASN eine pluralistisch zusammengesetzte Zulassungskommission (Verwaltungen, Verbände, Vertreter von Laboratorien, IRSN (Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit), qualifizierte Sachverständige) eingesetzt, deren Aufgabe darin besteht, Stellungnahmen über die technische Qualität der Anträge der Messlaboratorien zu formulieren.

In diesem Zusammenhang hatte die Zulassungskommission im zweiten Halbjahr 2008 die Zulassungsanträge von EDF-Laboratorien untersucht und dabei unterschiedliche Methoden bei der Messung der Radioaktivität im Umfeld der Laboratorien festgestellt. Nach der ablehnenden Stellungnahme der Zulassungskommission lehnte die ASN ihrerseits am 16. Dezember 2008 neue Zulassungsanträge des EDF ab und erklärte die bereits bestehenden Zulassungen für unwirksam.

Aufgrund dieser Entscheidungen sind die EDF-Laboratorien nicht bzw. nicht mehr dazu berechtigt, Messungen von Tritium und der Beta-Radioaktivität in der Luft und im Wasser im Umfeld der von EDF betriebenen Kernkraftwerke vorzunehmen. Die ASN hat EDF dazu aufgefordert, sofort ein Programm mit Korrekturmaßnahmen einzuleiten, das am 1. Februar 2009 starten soll. Solange die ASN gegenüber EDF keine neuen Zulassungen ausgesprochen hat, muss EDF für seine jeweiligen Standorte (58 Kernkraftwerke an 19 Standorten in Betrieb) Subunternehmer mit der Durchführung der rechtlich vorgeschriebenen Radioaktivitätsmessungen beauftragen. Diese betriebsfremden Laboratorien müssen ihrerseits im Besitz einer Zulassung sein.

Die ASN überwacht strengstens die Radioaktivität in der Umwelt. Sie wird ab Februar vor Ort Inspektionen durchführen, um sich zu vergewissern, dass alle auferlegten Korrektivmaßnahmen umgesetzt werden. Die Ablehnung und Aussetzung der Zulassungen für die EDF-Laboratorien bezüglich der Messungen der Radioaktivität in ihrer Umgebung gehen nicht mit einer Unterbrechung der Überwachung der Radioaktivität in der Umgebung von Kernkraftwerken einher. Die ASN Behörde erinnert daran, dass das IRSN auf dem gesamten französischen Gebiet Messungen, insbesondere auch im Umfeld von Kernkraftwerken, durchführt.

Quellen:

  • Informationsblatt: "L'ASN est vigilante sur la surveillance de la radioactivité dans l'environnement" * 13.1.2009
  • "Radioactivité: les mesures d'EDF ne sont pas fiables", Le Figaro - 13.1.2009

Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr

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Bilanz für 2008: der Stromverbrauch der französischen Haushalte steigt weiter an

Der für 2008 vom französischen Stromnetz-Betreiber (RTE) veröffentlichten Bilanz zufolge ist der Stromverbrauch in den französischen Haushalten auch im letzten Jahr weiter angestiegen.

Unter Berücksichtigung von Klimaschwankungen und dem Einfluss des "Schaltjahres", konnte dennoch festgestellt werden, dass der Stromverbrauch in Frankreich im Jahr 2008 (im Vergleich zu 2007) um 1,2 Prozent angewachsen ist. Er erreichte in den letzten 12 Monaten 486,1 TWh (Terawattstunden).

Dieser Anstieg ist zunächst auf die Kunden mit Anschluss auf Niederspannung (Haushalte, berufliche Tätigkeiten, öffentlicher Dienst, Straßenbeleuchtung) zurückzuführen. Im Vergleich zu 2007 ist besonders dieser Bedarf deutlich gestiegen: ungefähr +3 Prozent (unter Berücksichtigung der Klimaschwankungen), gegenüber +2 Prozent im Vorjahr.

Betrachtet man den Bruttowert, so kann selbst von einem Anstieg um +6 Prozent für 2008 ausgegangen werden. Diese deutliche Steigerung ist auch auf den Einfluss des Wetters im Jahr 2008 zurückzuführen, denn die Durchschnittstemperatur lag 2008 unter der des Vorjahres.

Im Gegensatz dazu sank der Verbrauch der Großindustrie (der Energiesektor ausgeschlossen) um 2,6 Prozent. Dieser Rückgang bestätigt die abnehmende Tendenz, die bereits während der letzten 3 Jahre zu beobachten war, da der Verbrauch aller wichtigen Industriekunden, die unmittelbar an das RTE-Netz angeschlossen sind, 2005 um 3,2 Prozent, 2006 um 1,0 Prozent und 2007 um 1.4 Prozent fiel.

Quelle: "Bilan 2008: la consommation d'électricité des ménages français continue d'augmenter", MaxiSciences - 22.01.2009

Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr

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Medizin

Rauchentzug: die Wirksamkeit von Nikotinersatzpräparaten ist umstritten

Das Nikotin gilt im Allgemeinen als wichtigste Komponente für die Suchteigenschaften des Tabaks. Ein von Dr. Jean-Pol Tassin geleitetes Forschungsteam am Collège de France hat nun nachgewiesen, dass das Nikotin nicht allein für die Rauchsucht verantwortlich ist. Die Suchtwirkung des Nikotins erfolgt lediglich in Kombination mit anderen Tabakstoffen. Aus diesem Grund sind die für den Rauchentzug angebotenen Nikotinersatzpräparate langfristig unwirksam, so die Wissenschaftler.

Seit zwei Jahren versuchen die Forscher um Dr. Tassin den Rauschgiftsuchtmechanismus zu entschlüsseln. Sie haben herausgefunden, dass Drogen wie Kokain, Amphetamine, Morphin oder Alkohol zwei Neuronengruppen voneinander trennen. Die sogenannten noradrenergen und serotoninergen Nervenzellen setzen jeweils Noradrenalin und Serotonin [1] frei. Die erste Neuronengruppe regelt die Wirkung von äußeren Einflüsse, die zweite steuert die inneren Impulse. In der Regel sind beide Gruppen so miteinander verbunden, dass eine gegenseitige Kontrolle entsteht. Bei Süchtigen jedoch bricht das neuronale Gleichgewicht zusammen und sie können ihr Verlangen nicht mehr zügeln.

Die französischen Forscher haben herausgefunden, dass das Nikotin, im Gegensatz zu anderen Rauschgiften, nicht zur Abkopplung beider Neuronengruppen führt. Um zu verstehen, warum Tabak trotz allem über ein stark süchtigmachendes Potential verfügt, haben die Wissenschaftler die anderen Tabakstoffe untersucht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Wechselwirkung zwischen dem Nikotin und den MAOI (Monoaminooxidase-Inhibitoren) verantwortlich für die Abkopplung ist. Die MAOI zerstören den natürlichen Schutz der serotoninergen Nervenzellen gegenüber Nikotin: den serotoninergen 5-HT1A Rezeptor. Die Nikotin-Auswirkung auf die Freisetzung von Serotonin ist so stark, dass im Bruchteil von Sekunden eine sogenannte "Retro-Kontrolle" ausgelöst wird, welche die Serotonin-Freisetzung unmitteilbar blockiert. Ohne den Schutz des 5-HT1A Rezeptors lösen sich die vom Nikotin stark angeregten serotoninergen Neuronen von der anderen Neuronengruppe. Dies verursacht den Suchtprozess.

Nach Meinung der Wissenschaftler ist dies der Grund, weshalb die meisten aktuell angewandten Rauchentzugstherapien scheitern. Die Nikotinkaugummis und -pflaster sind am Anfang der Behandlung wirksam, das heißt, solange die Wirkung der IMAO andauern. Einige Wochen nach dem Entzugsbeginn sind im Organismus keine MAOI mehr zu finden. Der natürliche Schutz des 5-HT1A-Rezeptors wird wieder aktiv. Das Nikotin allein genügt dann nicht mehr als Ersatzprodukt.

Diese Entdeckung könnte zur Entwicklung neuer Therapieansätze bezüglich des Rauchentzugs beitragen. Des Weiteren stellt sie die Wirksamkeit der derzeitigen Tabakersatzpräparate in Frage. Ferner lässt sich nun besser verstehen, warum in 80 Prozent der Fälle die mit Nikotinkaugummis und -pflaster behandelten Patienten bereits nach ein paar Wochen wieder rückfällig werden. Ein neues Arzneimittel auf der Basis von Nikotin und Stoffen, die den natürlichen Schutz des 5-HT1A-Rezeptors blockieren, wäre als Tabakersatz wirksamer.

[1] Das Noradrenalin trägt zur Aufmerksamkeits-, Emotions-, Schlaf-, Traum- sowie Lernprozessregulation bei. Das Serotonin spielt eine Rolle bei der Temperatur-, Schlaf-, Schmerz-, Stimmungs- und Appetitregulierung.

Kontakt: Jean Pol Tassin - Collège de France - Tel: +33 144 271 231 - E-Mail: jean-pol.tassin@college-de-france.fr

Quelle: Pressemitteilung des Französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung - 23.01.2009

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

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Aufbau des französischen Zentrums für humane Papillomaviren

Mehr als 40 verschiedene Typen humaner Papillomaviren (HPV) können die menschlichen Schleimhäute befallen. Ziel des kürzlich gegründeten Zentrums für humane Papillomaviren (CNR-HPV - Centre national de référence des papillomavirus humains) ist es, ein Netzwerk zwischen den verschiedenen Einrichtungen aufzubauen, die sich mit virologischen Untersuchungen beschäftigen. Somit könnte z.B. das CNR-HPV die Infizierung von geimpften bzw. nicht geimpften Frauen mit Papillomaviren beobachten.

Da bereits eine vorbeugende Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs auf den Markt gebracht wurde, sollen es die vom CRN-HPV durchgeführten Untersuchungen ermöglichen, das eventuelle Auftreten neuer Virusgenotypen oder -varianten, die aus den Impfungen selbst hervorgegangen sein könnten, zu identifizieren. Epidemiologische Untersuchungen an nicht geimpften bzw. immungeschwächten Frauen (z.B. durch AIDS-Infektionen bzw. nach Transplantationen) sollen es außerdem ermöglichen, die Häufigkeit und die Art der HPV im Genitalbereich abzuschätzen.

Die Aufgaben des CNR-HPV bestehen in der Erstellung von Gutachten, der Beobachtung der Aktivitäten, der Alarmierung der Behörden, dem Angebot von Weiterbildungen sowie einer technischen Unterstützung für Laboratorien. Des Weiteren wird das CNR-HPV damit beauftragt, die Wirksamkeit der voraussichtlich neu auf den Markt kommenden Diagnosetests zu bewerten. Eine weitere Herausforderung besteht in der Entwicklung neuer Virus-Genotyping-Techniken zur Analyse von Antikörpern, um eine bessere Betreuung geimpfter Personen zu gewährleisten. Diese Arbeiten werden dem Französischen Institut für Gesundheitsüberwachung dienliche Daten zur Bewertung der Impfpolitik liefern. Sie würden ebenfalls dazu beitragen, die neuen Genotypen zu bestimmen, bevor sie in die HPV-Impfungen der zweiten Generation eingebracht werden.

Das CNR-HPV wird von Dr. Michel Fabre, Direktor der Einheit "Genetik, Papillomavirus und Krebs" des Pasteur-Institutes und Dr. Isabelle Heard, Ärztin am Pariser Pitié-Salpêtrière Krankenhaus, geleitet.

Kontakt: Marion Doucet - Presseabteilung des Pasteur-Instituts - Tel: +33 145 688 928 - E-Mail: marion.doucet@pasteur.fr

Quelle: Pressemitteilung des Pasteur-Instituts - 21.01.2009

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

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Entwicklungsbiologie der Pflanzen

Wie die Pflanzen ihre Form erhalten

Zu den wichtigsten Aufgaben der Entwicklungsbiologie zählt es, Aufschluss darüber zu geben, wie genetisch regulierende Netzwerke und die Form von mehrzelligen Lebewesen zusammenhängen. Zum einen kontrollieren die Gene indirekt den Aufbau der Gewebe, indem sie die chemischen und mechanischen Eigenschaften der Einzelzellen bestimmen. Zum anderen können aber auch die Gewebeeigenschaften die Expression eines Gens beeinflussen. Die Herausforderung besteht nun also darin, diese Interaktion zwischen Genen und Formen zu entschlüsseln.

Am 12. Dezember 2008 wurden in der Fachzeitschrift Science grundlegende Ergebnisse für die Entwicklungsbiologie der Pflanzen veröffentlicht. Die französischen, amerikanischen und schwedischen Autoren gehören zu einer Arbeitsgruppe, die von Forschern des INRA (1) in Lyon, in Zusammenarbeit mit der ENS Lyon, dem CNRS und der Universität Claude Bernard Lyon I, geleitet wird. Mit Hilfe von Computer-Modellen, die durch zahlreiche Experimente bestätigt wurden, konnten die Forscher nachweisen, dass die Mikrotubuli - wichtigste Bestandteile des Zytoskeletts der Zellen - sich parallel zur Richtung der physischen Kräfte ausrichten. Diese Mikrotubuli kontrollieren somit die Form der Einzelzellen und beeinflussen dadurch die Entwicklung der gesamten Pflanze. Umgekehrt beeinflussen die durch das Wachstum neu entstandenen Kräfte wiederum die Organisation der Mikrotubuli.

Allgemeiner betrachtet ist diese Arbeit Teil eines aktuellen Paradigmenwechsels in der Entwicklungsbiologie: die embryonale Entwicklung wird nicht mehr nur als genetisch gesteuerter Prozess betrachtet, sondern vielmehr als Ergebnis einer komplexen Interaktion zwischen verschiedenen Ebenen. Neben den physischen Kräften spielt zum Beispiel auch das Streckungshormon Auxin eine fundamentale Rolle bei der Ausbildung der Pflanzenorgane.

Diese Ergebnisse einer engen Zusammenarbeit von Biologen, Physikern und Spezialisten der Computer-Modellierung sind viel versprechend und eröffnen neue Wege in der dynamischen Modellierung im Bereich der Pflanzenbiologie zum besseren Verständnis der Morphogenese.

(1) INRA - Französisches Institut für Agrarforschung (2) CNRS - Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung (3) ENS (école normale supérieure) - französische Elitehochschule für das höhere Lehramt

Kontakte:

  • Jan Traas - UMR Reproduction et développement des plantes INRA-CNRS-ENS Lyon-Univ. Claude Bernard Lyon I - Tel: +33 472 728 614 / 8601 oder +33 633 586 269 -E-Mail: jan.traas@ens-lyon.fr
  • Olivier Hamant - UMR Reproduction et développement des plantes INRA-CNRS-ENS Lyon-Univ. Claude Bernard Lyon I - Tel: +334 727 289 81 / 86 13 - E-Mail: olivier.hamant@ens-lyon.fr

Quelle: Pressemitteilung des CNRS - 12.12.2008

Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr

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Verkehr

Das SNCF leistet einen 700 Millionen Euro-Beitrag zur Konjunktur

Das französische Bahnunternehmen SNCF gibt 700 Millionen Euro zur Unterstützung der Umsetzung des Konjunkturprogramms frei. Am 4. Dezember 2008 hatte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy eine Summe von 26 Milliarden Euro angekündigt und in diesem Zusammenhang die öffentlichen Unternehmen aufgerufen, zur Überwindung der Wirtschaftskrise beizutragen.

Das Unternehmen hat in diesem Rahmen ein zweijähriges Programm geplant, das drei Ziele verfolgt:

  • Ausbau der Infrastrukturen: das SNCF will die Erneuerung seines Streckennetzes und die Sanierung der Bahnhöfe beschleunigen;
  • Modernisierung der Züge: 15 neue Züge sollen bereits 2009 geliefert werden, d.h. vier mehr als geplant;
  • Die regionalen TER ("Train Express Regional) und der Transilien (Transport der Region Ile-de-France) sollen ebenfalls von diesem Zuschuss profitieren.

Zusätzlich wird das SNCF im Jahr 2009 neue Sozialmaßnahmen einleiten: 8.000 neue Mitarbeiter werden eingestellt, davon 4.500 direkt im Bahnbetrieb. Zwischen 1.000 und 1.500 dieser neu eingestellten Eisenbahner werden unmittelbar aus den Branchen stammen, in denen es zahlreiche Entlassungen aufgrund der Wirtschaftskrise gab, insbesondere aus dem Automobilsektor.

Quelle: "700 millions d'euros pour la relance", SNCF - 13.01.2009

Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr

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Verkehr

Gemeinschaftsunternehmen von Veolia und der RATP für Stadtverkehr in Asien

Die Unternehmen Veolia Transport und RATP Développement [1] haben ein Joint-Venture gebildet, um gemeinsam ihren Platz in Asien auszubauen, vor allem in China, Südkorea und Indien. Die Geschäftspartner schätzen den Markt, der den Betrieb und den Ausbau der Beförderung auf dem Landweg (Stadt- und Stadtrandverkehr) umfasst, auf mehrere Hundert Milliarden Euro.

Veolia Environnement und RATP Développement besitzen jeweils zur Hälfte die Anteile des neuen Unternehmens. Dieses Projekt ist auf 20 Jahre angelegt und für das Jahr 2013 wird ein Umsatz von 500 Millionen Euro erwartet. Veolia Transport bringt seine gesamten bestehenden Verträge und Filialen in China, Südkorea und Indien in die Gesellschaft ein, was einem jährlichen Umsatz von 100 Millionen Euro entspricht. Innerhalb der drei nächsten Jahre wird Veolia Transport den Vorsitz über das Unternehmen haben und RATP Développement übernimmt die Geschäftsführung.

[1] RATP Développement ("RATP Entwicklung") ist eine Filiale der RATP ("Öffentliches Transportwesen in Paris"), die 95 Prozent der Anteile besitzt.

Quelle:"Coentreprise entre Veolia et RATP pour les transports urbains en Asie", http://www.usinenouvelle.com - 21.01.2009

Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr

 


 

Großgeräte

Mehr Geld für Großgeräte in Frankreich

Die französische Forschungsministerin Valérie Pécresse und der für die Umsetzung des Konjunkturpaketes verantwortliche Minister Patrick Devedjian kündigten am 27. Januar 2009 an, dass das vorhergesehene Budget 2009 für die sogenannten Großgeräte ("Très grandes infrastructures", TGI) innerhalb des Konjunkturpakets um 17 Prozent erhöht wurde. Statt der bislang geplanten 273 Millionen Euro werden demnach 319 Millionen Euro für die TGI bereitgestellt.

Während ihres Besuches des Synchrotrons "Soleil" haben sie den Teil des Konjunkturpakets vorgestellt, der die Ausstattung der Laboranlagen in großen Infrastrukturen deutlich vorantreiben wird, welche wiederum für die Qualität der Forschung unerlässlich sind. Darüber hinaus betonte Patrick Devedjian, dass die Investitionen in die Hochschulbildung und Forschung besonders relevant seien und sich insgesamt auf 730 Millionen Euro beliefen. Mit diesem Geld sollen in erster Linie die Hochschulen und Forschungszentren saniert und die Umsetzung der Staat-Regionen-Verträge beschleunigt werden, wobei ein besonderes Augenmerk auf die Studentenunterkünfte gelegt wird.

Die Minister wiesen darauf hin, dass diese Finanzierung den französischen und europäischen Forschern (sowohl in privaten, als auch öffentlichen Einrichtungen) die Möglichkeit eröffnet, noch schneller über noch leistungsfähigere Anlagen verfügen zu können, um ihre Forschungsarbeiten zu verbessern. Sie betonten, dass auch High-Tech-Unternehmen, die diese Großanlagen entwickeln, davon profitieren, ebenso wie Unternehmen, die Bauvorhaben bzw. Ausbauvorhaben planen.

Die Großgeräte, deren Weiterentwicklung durch das Konjunkturpaket gefördert wird:

  • 7,8 Millionen Euro für Hochleistungsrechner, um Frankreichs Position zu erhalten;
  • 10,3 Millionen Euro für Infrastrukturen zur Grundlagenforschung, die zur Erforschung der Materie dienen (Synchrotron Soleil 6 Millionen Euro);
  • 5 Millionen Euro für das ITER-Projekt zur Kernfusion;
  • 2 Millionen Euro für das Neurospin-Zentrum für Gehirn-Screening;
  • 4,7 Millionen Euro für die Meeresforschungsflotte;
  • 14,2 Millionen Euro für verschiedene Infrastrukturen, die der gesamten wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung stehen;
  • 2 Millionen Euro für Computertools, die der Forschung dienen.

In diesem Zusammenhang nannten die Minister 3 Gründe für diese finanzielle Unterstützung: erstens dient sie der Forschung und den Forschern, zweitens profitieren High-Tech-Unternehmen von ihr und drittens unterstützt sie die Baubranche.

Kontakte:

  • Bénédicte Constans (Kabinett von Patrick Devedjian) - Tel: +33 142 755 493
  • Karen Bornaghi (Kabinett von Valérie Pécresse) - Tel: +33 155 558 530

Quellen:

  • "Augmentation de 17% du budget 2009 consacré aux grandes infrastructures de recherche", http://www.enseignementsup-recherche.gouv.fr - 27.01.2009
  • "Les grandes infrastructures bénéficient du plan de relance", AFP - 27.01.2009

Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr

 


 

Optoelektronik

Hochleistungslaser : das neue Institut für Laser und Plasma

Das Institut für Laser und Plasma (ILP) wurde am 16. Januar 2009 in Aquitaine eingeweiht. Seine Aufgabe besteht darin, die Forschung im Bereich Hochleistungslaser und Plasma anzuregen und zu organisieren. Das ILP ist eine nationale Struktur mit 4 Mitgliedern: das französische Zentrum für Atomenergie (CEA), die Universität 1 Bordeaux, das französische Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) und die Ecole Polytechnique. Das oberste Ziel des ILP ist es, große Laseranlagen einer breiten Wissenschaftlergemeinschaft zur Verfügung zu stellen.

Das ILP nimmt Forscher auf, die an Experimenten mit Lasern zur zivilen Nutzung teilnehmen. Diese Experimente werden an Geräten des CEA CESTA (Studienzentrum für Wissenschaft und Technik von Aquitaine) durchgeführt. Somit wirkt das ILP an der Entwicklung des großen Technologie-Clusters mit, zu dessen wichtigsten Projekten der zukünftige LMJ (Laser Megajoule) und sein Prototyp LIL (integrierte Laserstrecke) zählen.

Mit diesen außergewöhnlichen "Laserketten" besitzt Aquitaine Großgeräte für die Forschung, die weltweit nahezu einmalig sind. Der LMJ, der sich derzeit noch beim CEA CESTA im Bau befindet, wird über das stärkste Laser-Potenzial in ganz Europa verfügen.

Quelle: Pressemitteilung des CEA - http://www.cea.fr/le_cea/actualites/inauguration_de_l_institut_lasers_et_plasmas-15856 - 16.01.2009

Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr

 


 

Astronomie

Mars: das Eis war fast perfekt

Unter der Leitung des Labors für Planetologie in Grenoble hat ein internationales Forscherteam das Vorhandensein großer Wassereismassen auf dem Mars bestätigt. Das Eis besitzt einen sehr hohen Reinheitsgrad (95%) und die Unreinheiten sind allein auf den Polkappenrand konzentriert. Diese Ergebnisse sind wichtig, um eine vergleichende Planetologie zwischen den Kappen der Erde und des Mars zu entwickeln.

Die Polschichtablagerungen - auch Polkappen genannt - stellen das größte Wasserreservoir des Mars dar. Das Gesamtvolumen beträgt 2 bis 3 Millionen km3. Die physischen Eigenschaften dieses Eises sowie die räumlichen Variationen sind größtenteils unbekannt.

140.000 Messpunkte wurden mit Hilfe des Subsurface-Radars SHARAD (an Bord der Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter, NASA) in der Region von Gemina Lingula analysiert, die ein Viertel der Gesamtfläche der nördlichen Polkappe ausmacht. Anhand der Ergebnisse konnten die Forscher Karten erstellen, die die dielektrischen Eigenschaften der Eismasse aufzeigen. Der plötzliche Abfall der Dielektrizitätskonstante, der im Nord-Westen von Gemina Lingula beobachtet wurde, ließe sich durch den Anstieg von ca. 250m ab der Basis der Polkappe erklären. Dieses Phänomen weist auf eine darunterliegende geologische Einheit hin.

Diese Studie ist ein weiterer Beweis für die Existenz von gefrorenem Wasser auf dem Mars und bestätigt somit die wichtige Rolle des Eises bei der Evolution des Planeten.

Quelle: "Das französische Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) - http://www.science.gouv.fr/fr/actualites/bdd/res/3029/mars-la-glace-etait-presque-parfaite - 21.01.2009

Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr

 


 

Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr

 


 

KONTAKT

Französische Botschaft in Deutschland

Abteilung für Wissenschaft und Technologie
Adresse: Pariser Platz 5
D-10117 BERLIN
Tel: +49 30 590 03 92 50
Fax: +49 30 590 03 92 65
E-Mail: sciencetech@botschaft-frankreich.de
http://ww.wissenschaft-frankreich.de

Französische Botschaft in Österreich

Abteilung für Wissenschaft und Technologie
Adresse: Währinger Strasse 30
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Tel: +43 15 027 5324
E-Mail: mathieu.girerd@diplomatie.gouv.fr
http://www.ambafrance-at.org/spip.php?article989

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