Wissenschaft Frankreich #159 – 18/03/2009
Wissenschaft-Frankreich Nr. 159 [PDF]
- Innovation
Förderung von 91 neuen Projekten der französischen "Pôles de compétitivité" - Hochschulwesen
Reform der Universitäten: Verhandlungen gehen weiter - Doktorandenstellen
60 neue Doktorandenstellen im Bereich der Energieeffizienz und der grünen Technologien - Energie
Der französische Offshore-Windpark hat eine Glückssträhne
Solarstrom: ein Wachstum um 20% im Jahr 2008
Keine nationale Energieforschungsstrategie - Umwelt /Agrarwissenschaften
Umwelt / Agrarwissenschaften - Medizin
Entdeckung einer neuen Abwehrstrategie gegen Antibiotika - Bioethik
Die Staatliche Akademie für Medizin spricht sich gegen die Leihmutterschaft aus - Supercomputing
Intel investiert in ein französisches Forschungslabor - Automobil
Zwei Projekte des Pôle "Véhicule du futur" werden vom Staat unterstützt - Informations- und Kommunikationstechnik
Die Auswirkungen der Informations- und Kommunikationstechnik auf die Umwelt sind insgesamt "positiv" - Mechanik und musikalische Akustik
Vom künstlichen Mund zum künstlichen Musiker - Teilchenphysik
Protonenmasse: die Rechnung stimmt
Innovation
Förderung von 91 neuen Projekten der französischen "Pôles de compétitivité"
Im Rahmen der siebten Ausschreibung der Initiative "Pôles de compétitivité" wurden 91 FuE-Projekte von 53 "Pôles de compétitivité" ausgewählt, die nun über insgesamt 107 M€ vom französischen Staat verfügen werden. Die Liste dieser Vorhaben wurde am 10. März 2009 von den zehn betreffenden Ministerien bekannt gegeben.
Diese Projekte wurden aufgrund ihres Innovationspotenzials und ihrer positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft unter 190 Vorhaben ausgewählt. Neben dem Staat haben sich Gemeinden und Regionen dazu bereit erklärt, die Projekte in Höhe von insgesamt rund 67 M€ mitzufinanzieren. Des Weiteren sollen die an diesen Vorhaben beteiligten KMU zusätzlich 30 M€ direkt vom interministeriellen Einheitsfonds (FUI) erhalten.
Die 91 Projekte beschäftigen sich in erster Linie mit Fragen der IuK-Technik, des Verkehrs, der Luft- und Raumfahrt, der Energie, der Umwelt sowie der Gesundheit und der Biotechnologie.
Insgesamt konnten seit Beginn der Ausschreibungen der Initiative "Pôles de compétitivité" im Jahr 2005 bereits 645 Projekte unterstützt werden. Dies entspricht einem Gesamtfördervolumen für FuE-Ausgaben von 3,6 Milliarden Euro und einer öffentlichen Förderung von knapp 1,3 Milliarden Euro - davon mehr als 830 Millionen Euro allein vom Staat. An diesen Projekten sind insgesamt 13.000 Forscher beteiligt.
Am 27. Februar 2009 wurde die achte Ausschreibung gestartet, deren Ergebnisse Ende Juli 2009 bekannt gegeben werden sollen.
Kontakt: Pôles de compétitivité - E-Mail: contact@competitivite.gouv.fr - http://www.competitivite.gouv.fr
Quellen:
- Les Echos - 11.03.2009 und 13.03.2009
- Pressemitteilung des französischen Ministeriums für Wirtschaft, Finanzen und Arbeit - 10.03.2009
Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr
Hochschulwesen
Reform der Universitäten: Verhandlungen gehen weiter
Nach zwei Monaten harter Proteste von Stundenten und Forschern an den französischen Hochschulen hat die Regierung bei einigen Punkten Zugeständnisse gemacht bzw. Verhandlungen eingeleitet.
So werden im Zeitraum 2010-2011 schließlich keine Arbeitsplätze an den Universitäten gestrichen, kündigte Premierminister Fillon am 5. Februar 2009 an. Die Hochschulen werden somit von dem Prinzip ausgenommen, das jeder zweite in den Ruhestand gehende Beamte nicht ersetzt wird. Zu Beginn des Wintersemesters 2009 wurden bereits 900 Stellen abgebaut.
Bezüglich des Status der lehrbeauftragten Forscher hat das Ministerium eingewilligt, die entsprechende Verordnung zu ändern und mittlerweile sogar angekündigt, dass ein Kompromiss fast erreicht sei. Zu den Änderungen zählt unter anderem die verstärkte Unabhängigkeit der lehrbeauftragten Forscher und die Überarbeitung ihres nationalen Status. Um diejenigen zu beruhigen, die eine zu starke Rolle der Hochschulrektoren befürchten, wurde dem neuen Text ausdrücklich hinzugefügt, dass ein lehrbeauftragter Forscher, sollte die Universitätsleitung Änderungen der Verteilung seiner Arbeitstunden zwischen Lehre, Forschung und Verwaltungstätigkeiten vornehmen wollen, selber zustimmen muss. Zudem werden Beförderungen auf der Basis eines gewissen Gleichgewichts zwischen den Fächern einerseits und zwischen den lokalen und nationalen Ebenen andererseits erfolgen. Weitere Verhandlungen zur Frage des Studiengangs von Lehrern finden derzeit statt.
Zu einem weiteren Punkt sollen allerdings keine Verhandlungen stattfinden: Seit dem 6. März 2009 verlangt die Nationale Koordination der Universitäten - eine Versammlung von Vertretern aus Hochschulen, Forschungsorganisationen und Gewerkschaften - den Widerruf des "Gesetzes über die Freiheit und Verantwortung der Universitäten" (Loi sur les libertés et les responsabilités des universités - LRU). Diese seit Herbst 2007 ebenso von Studenten getragene Forderung stand aus Sicht der Regierung jedoch niemals auf der Tagesordnung der Verhandlungen. Das Gesetz wird von den meisten Hochschulrektoren unterstützt und wird bereits an zwanzig französischen Universitäten umgesetzt.
Quelle: Le Monde - 12.03.2009
Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr
Doktorandenstellen
60 neue Doktorandenstellen im Bereich der Energieeffizienz und der grünen Technologien
In diesem Jahr wird die ADEME (französische Organisation für Umwelt- und Energiewirtschaft) 60 Doktorandenstellen fördern. Dies erfolgt im Rahmen ihres Programms "Ausbildung durch Forschung", das auf die Schaffung und Verbreitung von neuem Wissen auf den Gebieten der Energieeffizienz, der erneuerbaren Energien sowie der grünen Technologien abzielt.
Die im Rahmen dieses Programms von der ADEME geförderten Doktoranden können an einem französischen oder europäischen Labor arbeiten. Ihre Vergütung in Höhe von 1.805 € pro Monat wird für maximal drei Jahre (inkl. Urlaub) gemeinsam von der ADEME und dem privaten oder öffentlichen Partner getragen.
Bewerbungen können bis zum 31. März 2009 unter http://thesenet.ademe.fr eingereicht werden.
Kontakt: Eliane Jallot oder Valérie Pineau - ADEME - E-Mail: theses@ademe.fr
Quelle: Pressemitteilung der ENSIC - 13.03.2009
Redakteurin: Claire Nicolas, claire.nicolas@diplomatie.gouv.fr
Energie
Der französische Offshore-Windpark hat eine Glückssträhne
Der französische Minister für Ökologie, Nachhaltigkeit und Raumplanung, Jean-Louis Borloo, hat die Präfekten der Regionen Bretagne, Pays de la Loire, Haute-Normandie, Aquitaine und Provence-Alpes-Côte d'Azur darum gebeten, umfassende Beratungen an allen Küsten vorzunehmen, mit dem Ziel, die Entwicklung der Offshore-Windenergie zu planen und voranzutreiben.
Im Rahmen des Entwicklungsplans für erneuerbare Energien, der aus der "Grenelle de l'Environnement" (Abkommen für Umweltschutz) hervorgeht, hat es sich Frankreich zum Ziel gesetzt, bis 2020 den Anteil an erneuerbaren Energien auf mindestens 23 % am gesamten Energieverbrauch zu erhöhen. Vor diesem Hintergrund sieht dieser Plan einen schnelleren Ausbau der Offshore-Windkraft vor, und zielt auf die Installierung von Anlagen mit einer Leistung von 5.000 bis 6.000 MW bis 2020 ab. Um dieses Ziel zu erreichen, hat die Regierung verschiedene Maßnahmen beschlossen, um die Entwicklung des französischen Offshore-Windparks zu erleichtern. So werden beispielsweise die Verfahren für die Errichtung deutlich vereinfacht. Des Weiteren ist für jede Meeresküste eine Beratungs- und Planungsinstanz vorgesehen, die alle Interessenvertreter versammelt und es sich zur Aufgabe macht, die günstigsten Gebiete für die Entwicklung der Offshore-Windenergie zu finden, unter Berücksichtigung der verschiedenen bestehenden Einschränkungen (Nutzung des Meeres, Radar, Stromnetz...). Die Projektträger aus der Industrie werden dazu verpflichtet, diesen Bereich zu begünstigen.
Jean-Louis Borloo hat die Präfekten darum gebeten, ihm das Planungsdokument bis zum 15. September 2009 zu unterbreiten.
Quelle: "Le parc éolien maritime français a le vent en poupe" - http://fr.news.yahoo.com/68/20090310/tsc-le-parc-olien-maritime-franais-a-le-04aaa9b.html - 10/03/2009
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Energie
Solarstrom: ein Wachstum um 20% im Jahr 2008
Nach Angaben des französischen Solarenergie-Verbandes Enerplan ist 2008 auf dem Solarstrommarkt, der hauptsächlich das Heizen von Wasser und Wohnraum umfasst, ein Wachstum von 20 % im Vergleich zum Vorjahr in Frankreich zu verzeichnen. Enerplan zufolge ist dies zwar ein bedeutender Anstieg, jedoch bleibt er weit hinter den im "Grenelle de l'Environnement" (Abkommen für Umweltschutz) gesteckten Zielen zurück.
Zur Erstellung dieser Bilanz hat Enerplan seine Mitglieder zu ihren Verkäufen von privaten solaren Warmwasserbereitungsanlagen, kombinierten Solaranlagen (Warmbrauchwasser und Wohnraumheizung) und kollektiven Warmwasser-Solaranlagen befragt.
Wie Enerplan in einer Pressemitteilung erklärte, wurden nach diesen Befragungen in Frankreich im Jahr 2008 mehr als 42.000 private solare Warmwasserbereitungsanlagen (39.000 im Jahr 2007) und 5.800 kombinierte Solaranlagen (2007 waren es 5.000) verkauft.
Des Weiteren wurden 2008 rund 57.000 m2 Kollektorfläche für kollektive Warmwasser-Solaranlagen installiert, im Vergleich zu 40.000 m2 im Jahr 2007. Somit umfasst der Solarstrommarkt in Frankreich insgesamt 313.000 m2, d.h. eine Leistung von 219,1 MWth.
Um den französischen Markt auf diesem Gebiet weiterzuentwickeln, setzt Enerplan auf das Programm "Eco-PTZ", das Anfang März von der Regierung gestartet wurde. Dieses ökologische Null-Zinsdarlehen ermöglicht die Finanzierung von Energiesparmaßnahmen: leistungsfähige Dach-, Mauer- und Fensterdämmung, Installation oder Austausch von Heizungs- oder sanitären Warmwasserbereitungsanlagen, Installation von Heizungen oder sanitären Warmwasserbereitungsanlagen auf der Basis erneuerbarer Energien. Somit kommen vermehrt die privaten solaren Warmwasserbereitungsanlagen und die kombinierten Solaranlagen zum Einsatz. "Dank dieses Null-Zinsdarlehens zur Finanzierung der Wärmesanierung von Wohnraum beträgt der Preis für eine private solare Warmwasserbereitungsanlage 25 Euro/ Monat", erklärt Enerplan und stützt sich dabei auf eine Berechnung, die das Eco-PTZ und die Steuerguthaben über 10 Jahre berücksichtigt.
Quellen:
- "Solaire thermique : +20% en 2008 en France" - http://fr.news.yahoo.com/2/20090310/tsc-solaire-thermique-20-en-2008-en-fran-c2ff8aa.html - 10/03/2009
- "Le marché du solaire thermique poursuit son développement en France" - http://www.actu-environnement.com/ae/news/marche_solaire_thermique_enerplan_6899.php4 - 10/03/2009
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Energie
Keine nationale Energieforschungsstrategie
In einem Bericht, der im Auftrag des Opecst [1] durchgeführt und am 4. März 2009 vorgelegt wurde, mahnten die Abgeordneten Christian Bataille und Claude Birraux das Fehlen einer nationalen Energieforschungsstrategie an.
"Es handelt sich hierbei eher um eine nachträgliche Synthese der (sicherlich interessanten) Teilmaßnahmen, als um eine klare Überlegung dahingehend wie diese Maßnahme durchgeführt werden sollen", so Christian Bataille. Reichlich Ideen seien vorhanden (Forschungsprogramm zum Verkehrswesen, Fonds für Demonstrationszwecke der "Ademe" [2], Pilotprojekte über Biokraftstoffe), es fehlt jedoch noch die geeignete Person für die Umsetzung. Im Rahmengesetz für Energie vom Juli 2005 wurde deutlich festgeschrieben, dass "der Minister für Energiefragen und der Forschungsminister eine Strategie für Energieforschung erarbeiten und veröffentlichen sollen", der von ihnen im Mai 2007 ausgearbeitete Bericht jedoch blieb unbemerkt. Der Abgeordnete setzt sich demzufolge dafür ein, dass die nächste Veröffentlichung (2012) solide sei und vom Ministerrat untersucht und im Amtsblatt veröffentlicht wird.
Das Opecst nutzt diesen Bericht, um einige Richtlinien auf den Weg zu bringen, insbesondere die Reformierung des Zentrums für Atomenergie (CEA) in ein Zentrum für Energie, da das CEA sich um weit mehr Bereiche als die Atomenergie kümmere. Des Weiteren könnte eine noch zu gründende "Nationale Bewertungskommission" einmal pro Jahr die Forschungsarbeiten über die neuen Energietechnologien bewerten, "so wie dies bereits auf dem Gebiet der Erforschung radioaktiver Abfälle umgesetzt wird", erklärt Christian Bataille, Begründer des Gesetzes, auf dessen Grundlage diese Bewertung eingeführt wurde.
Die Erdölindustrie wird darum ersucht, ihre Forschungsbemühungen breiter zu fächern, und die Regierung ein System einzusetzen, das eine gerechtere Zuteilung der Budgets (insbesondere die vom Französischen Erdölinstitut (IFP) verwalteten) gewährleistet, damit in erster Linie " kleinere und mittlere Unternehmen des erdölübergreifenden Sektors eher davon profitieren als bereits stark gewinnbringende Gesellschaften". Ein besonderes Augenmerk legt das Opecst ebenfalls auf die erneuerbaren Energien, insbesondere auf die Solarenergie, die Meeresenergie und die Energiespeicherung. Ein weiterer Punkt ist die CO2-Abscheidung, die "kein Vorwand für die erneute Nutzung fossiler Energieträger sein soll", und kein Grund ist, die CO2-Wiederverwertung im Industriebetrieb zu vernachlässigen, abgesehen von den öffentlichen Forschungen zur geologischen CO2-Sequestrierung. Schätzungen des Berichts zufolge werden von den 800 Millionen Euro, die für die öffentliche Energieforschung zur Verfügung stehen, 477 Mio. Euro für den Bereich Atomenergie und 106 Mio. Euro für die fossilen Energieträger aufgewendet.
- [1] Opecst: Parlamentarisches Amt für Bewertung der wissenschaftlichen und technologischen Entscheidungen (Office parlementaire d'évaluation des choix scientifiques et technologiques)
- [2] Ademe: französische Organisation für Umwelt- und Energiewirtschaft (Agence de l'Environnement et de la Maîtrise de l'Energie)
Quelle: "Il n'y a pas de stratégie nationale de recherche en matière d'énergie" - http://www.usinenouvelle.com/article/-il-n-y-a-pas-de-strategie-nationale-de-recherche-en-matiere-d-energie.160108 - 06/03/2009
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Umwelt / Agrarwissenschaften
Auf dem Weg zu einer immer innovativeren Landwirtschaft
Das Französische Institut für Agrarforschung (INRA) und fünf Landwirtschaftsinstitute [1] werden künftig im Rahmen eines ehrgeizigen und langfristig angelegten FuE-Projektes zusammenarbeiten, mit dem Ziel, Produktionssysteme zum wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Feldbau zu entwickeln bzw. zu verbessern.
Die Betreiber des GC-HP2E-Projektes [2], das sich in das aktuelle Grenelle de l'environnement (Abkommen für Umwelt) einfügt, zielen auf die allmähliche Konvergenz zwischen den verschiedenen Leistungstypen (wirtschaftlich, sozial, ökologisch) ab, die mit den unterschiedlichen nachhaltigen Produktionssystemen konkurrieren. Das Projekt behandelt unter anderem die Anforderungen an das Umwelt-Management, die Befriedigung der Marktnachfragen, die Wettbewerbsfähigkeit und die Sicherheit von Lebensmitteln. Die Aufgabe der am GC-HP2E-Projekt beteiligten Institute besteht darin, innovative und nachhaltige Produktionssysteme auf verschiedenen Ebenen (Parzelle, Bauernhof, Wassereinzugsgebiet, größere Landabschnitte, etc.) zu konzipieren.
Anlässlich des Starts des GC-HP2E-Projekt wurde eine wissenschaftliche Interessengemeinschaft (GIS) gegründet. Die GIS will eine kooperativere Arbeitsweise zwischen Forschung und Entwicklung fördern. Dabei geht es nicht allein um eine verstärkte Kooperation zwischen den verschiedenen Mitgliedern, sondern auch um die Erarbeitung und Umsetzung gemeinsamer Strategien.
Die Arbeit der GIS konzentriert sich auf 4 Schwerpunktbereiche:
- die Funktionsweise von agronomisch-ökologischen Systemen,
- die Steuerung dieser agronomisch-ökologischen Systeme,
- der Einfluss externer Faktoren und Zwänge auf wirtschaftliche, wissenschaftliche, technologische und soziologische Mechanismen,
- der Einsatz von Leistungsindikatoren in den Bereichen Umwelt, Wirtschaft und Nachhaltigkeit.
[1] ARVALIS (Institut für Pflanzen), CETIOM
(technisches Zentrum für Forschung und Entwicklung
von Ölsaatenproduktion), ITB (technisches Institut
für Zuckerrübenanbau), ITL (technisches Institut für
Leinen) und UNIP (Verband für eiweißreiche Pflanzen)
[2] Systèmes de grande culture à hautes performances
économiques et environnementales (Produktionssysteme
zum wirtschaftlichen und umweltfreundlichen
Feldbau)
Quelle: Pressemitteilung des Französischen Instituts für Agrarforschung (INRA) - 24.02.2009
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
Medizin
Entdeckung einer neuen Abwehrstrategie gegen Antibiotika
Dank ihrer großen Anpassungsfähigkeiten werden Bakterien immer resistenter gegenüber Antibiotika. Französische Forscher des Inserm, der Universität Descartes in Paris, des CNRS, des Instituts Cochin, des INRA und des Pasteur-Instituts haben herausgefunden, dass eine Strategie der Bakterien darin besteht, die im menschlichen Blut enthaltenen Fettsäuren für ihr eigenes Wachstum zu nutzen. Diese Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science vom 5. März 2009 [1] veröffentlicht.
Die Forscher konnten aufzeigen, das die für den Menschen hoch krankheitserregenden Gram-positiven Bakterien (Streptokokken, Enterokokken und Staphylokokken) diese Fettsäuren nutzen, um ihre eigene Membran zu bilden. Auf diese Weise können sie die Wirkung der Antibiotika umgehen, die darauf abzielen, die Bildung der eigenen Fettsäuren zu verhindern. Diese Fettsäuren sind die Hauptbestandteile der bakteriellen Membran und deren Biosynthese ist notwendig für das Überleben der bakteriellen Zellen. Aus diesem Grund sind die an der Fettsäuren-Biosynthese beteiligten Enzyme ein potenzielles Ziel bei der Entwicklung von Antibiotika.
Diese Antibiotika können in vitro das Wachstum solcher Bakterien verhindern. Dies trifft jedoch leider nicht mehr zu, sobald sich die mutierten Streptokokken in einem Medium mit menschlichem Serum befinden, welches ihnen die für die bakterielle Membran notwendigen Fettsäuren liefert. Werden diese Streptokokken in Tiermodelle eingespritzt, ist deren Virulenz normal. Diese Ergebnisse zeigen die Fähigkeit der Bakterien, das menschliche Blut zu nutzen, und somit die Wirkung der Antibiotika zu umgehen.
[1] "Type II fatty acid synthesis is not a suitable antibiotic target for Gram-positive pathogens" - Sophie Brinster, Gilles Lamberet, Bart Staels, Patrick Trieu-Cuot, Alexandra Gruss & Claire Poyart
Kontakte:
- Claire Poyart - Institut Cochin Unité Inserm 567, Université Paris Descartes - Tel: +33 1 58 41 15 60 - Email: claire.poyart@cch.aphp.fr
- Alexandra Gruss - Unité INRA U888 - Tel: +33 1 34 65 21 68 - Email: Alexandra.gruss@jouy.inra.fr
- Patrick Trieu-Cuot - Unité de Biologie des Bactéries à Gram-positif, Institut Pasteur - Tel: +33 1 44 38 95 92 - Email: patrick.trieu-cuot@pasteur.fr
Quelle: Pressemitteilung des CNRS - 04.03.2009 - http://www2.cnrs.fr/presse/communique/1548.htm
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Bioethik
Die Staatliche Akademie für Medizin spricht sich gegen die Leihmutterschaft aus
Im Rahmen der Überarbeitung der Bioethikgesetze organisiert die französische Regierung eine umfangreiche Kommunikationskampagne. Eines der zu überarbeitenden Gesetze betrifft die Frage der Leihmütter. In diesem Zusammenhang hat sich die Staatliche Akademie für Medizin [1] am 10. März 2009 gegen die Praxis der Leihmutterschaft ausgesprochen.
Vor anderthalb Jahren gründete die Akademie eine interne Arbeitsgruppe zum Thema Leihmutterschaft. Dieser Arbeitsgruppe zufolge stellt der Bruch zwischen Schwangerschaft und Abstammung die legalen, anthropologischen und sozialen Grundlagen der Mutterschaft in Frage, und ruft somit legitime ethische Vorbehalte hervor.
Die bereits 1991 vom Kassationshof verbotene Leihmutterschaft ist auch in den Bioethikgesetzen von 1994 verankert. Damals fand dieses Verbot eine breite Zustimmung, was heute jedoch nicht mehr der Fall ist. Die Befürworter der Leihmutterschaft betonen, dass sie in Belgien und in den Niederländen toleriert und in Großbritannien, Griechenland, Kanada und in den USA sogar zugelassen wird [2]. Die öffentliche Meinung hat sich ebenfalls geändert: laut einer Ipsos [3] Meinungsumfrage von Dezember 2008 sind 61 % der Franzosen für die Leihmutterschaft.
Bereits im Juni 2008 hatte sich eine Arbeitsgruppe des Senats, unter der Leitung von Michèle André (PS), für eine Legalisierung der Leihmutterschaft ausgesprochen. In den kommenden Wochen soll dem Senat ein von dieser Arbeit inspirierter Gesetzentwurf vorgelegt werden. Die Leihmutterschaft soll dem Entwurf zufolge nur für heterosexuelle Paare möglich sein: die entweder verheiratet sind oder seit mindestens 2 Jahren zusammenleben, bei denen die Frau körperlich nicht in der Lage ist, eine Schwangerschaft bis zum Ende zu führen und wenn einer der beiden Partner das genetische Elternteil des Nachkommens ist. Zudem soll die Leihmutter bereits ein Kind zur Welt gehabt haben, darf nicht das Kind ihrer eigenen Tochter austragen und darf nicht die genetische Mutter sein. Um finanziellen Missbrauch zu vermeiden, soll jegliche Vergütung der Leihmutter durch das Gesetz verboten werden. Allein eine "vernünftige Entschädigung" für die Kosten, die von der Sozialversicherung nicht übernommen werden, wird in Betracht gezogen.
Die Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot (UMP), die mit der Verfassung des Gesetzentwurfes beauftragt wurde, hat sich kürzlich gegen die Leihmutterschaft ausgesprochen.
- [1] Infomaterial zur Staatlichen Akademie für Medizin (auf Englisch): http://www.academie-medecine.fr/histoire_statuts_et_missions.cfm
- [2] Das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht hat eine Übersichtstabelle herausgebracht: http://www.cueno.de/medr/show_all.asp
- [3] IPSOS ist ein international tätiges Marktforschungsunternehmen. Es handelt sich hierbei um die IPSOS Public Affairs, eines der größten französischen Umfrage-Institut.
Quelle:
- Pressemitteilung des CNRS - 04.03.2009
- "L'Académie nationale de médecine hostile à la pratique des mères porteuses", Le Monde - 11.03.2009
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Supercomputing
Intel investiert in ein französisches Forschungslabor
Das französische Forschungszentrum CEA, das französische Hochleistungsrechenzentrum Genci [1], die Universität Versailles Saint-Quentin-en-Yvelines (UVSQ) und das Unternehmen Intel werden gemeinsam ein Labor im Plateau von Saclay (Essonne, im Süden von Paris) errichten, mit dem Ziel, neue Hochleistungsrechentechnologien zu entwickeln. Das Projekt mit dem Namen Ex@tec basiert auf einem Public Private Partnership-Modell (PPP) und ist auf 5 Jahre angelegt. Ziel ist die Erforschung der zukünftigen Höchstleistungstechnologie Exascale, die sich auf "exaflopische" Systeme bezieht. Solche Systeme könnten in Kürze eine Trillion (1018) Rechenoperationen pro Sekunde durchführen. Diese Technologie geht über das Projekt TERA des CEA hinaus, das bis 2010 den ersten europäischen Supercomputer herausbringen wird.
Am 5. März 2009 wurde Intels Investition in die französische Forschung im Anschluss an ein Treffen zwischen dem französischen Präsidenten und Intels Aufsichtsratsvorsitzenden Craig Barrett offiziell bekannt gegeben. Ein Grund für das Interesse Intels an diesem Projekt liegt auch darin begründet, dass es die eigenen Multicore-Prozessoren zum Einsatz bringen kann. Die Forscher der UVSQ werden diese analysieren und deren Leistung optimieren. Die Aufgabe des CEA wird darin bestehen, die neue Architektur des Hochleistungsrechnens HPC zu definieren und zu integrieren, während das Genci für die Softwareaspekte zuständig sein wird.
[1] die Einrichtung für Hochleistungsrechnen Genci ist eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts, die zu 50 % vom französischen Staat, jeweils zu 20 % von den Forschungszentren CNRS und CEA und zu 10 % von Universitäten finanziert wird.
Kontakte:
Quellen:
- Super-calculateurs : Intel investit dans un laboratoire de recherche français, Usine-nouvelle - 09.03.2009
- Technologies pour le calcul haute performance, CEA - 05.03.2009
Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr
Automobil
Zwei Projekte des Pôle "Véhicule du futur" werden vom Staat unterstützt
Die Regierung hat die Unterstützung von 91 Projekten aus 53 "Pôles de compétitivité" angekündigt, die in Zukunft eine Gesamtsumme von 107 M€ vom französischen Staat erhalten werden. Darunter wurden zwei Projekte vom Pôle "Véhicule du futur" (Zukunftsfahrzeug) eingereicht:
Das Projekt TRAX wird vom internationalen Unternehmen Phénix International in Gray (70) koordiniert, und führt ein Konsortium von Unternehmen und universitäre Labore der Region zusammen. TRAX wurde vom interministeriellen Einheitsfond (FUI) ausgewählt und wird vom regionalen Innovationsfond (FRI, d.h. Gebietskörperschaften der Region Franche-Comté und OSEO (1)) mitfinanziert. Mit einem Budget von 5 Millionen Euro zielt das Projekt TRAX auf die Entwicklung neuer Generationen von leistungsfähigeren und kostengünstigeren Elektromotoren ab, die in Elektro- und Hybridantrieben von Fahrzeugen Anwendung finden sollen. Die gesamte Motorenpalette wird über Leistungen zwischen 10 und 60 kW verfügen.
Das zweite ausgewählte Projekt des Pôle "Véhicule du futur", F-CITY, zielt auf städtische und ländliche umweltfreundliche Mobilitätslösungen ab. Das Projekt, für das Gesamtkosten in Höhe von 6,8 Millionen Euro veranschlagt wurden, wird von den Gebietskörperschaften des Pôles und OSEO finanziert und vom Unternehmen FAM Automobiles in Etupes koordiniert. Weitere Partner des Projekts sind KMU's und Forschungslabore. Die geplanten Lösungen basieren auf der Zusammenstellung von funktionalen Modulen (Fahrzeug-Innenraum, GMP-Modul mit Energie, Telematik und damit verbundene Dienstleistungen) und bilden eine leistungsfähige Antwort auf die neuen Anforderungen an Automobile im städtischen Bereich. Der Projektentwurf stützt sich auf einen innovativen Ansatz, durch den eine Umsetzung des kompletten Projekts innerhalb von zwei Jahren möglich sein dürfte.
Beide Projekte bestätigen die entschlossene Zielsetzung des Pôles "Véhicule du futur" im Bereich der Fahrzeuge und der Technologien für die städtische und ländliche Mobilität: die Entwicklung neuer Mobilitätslösungen, die den Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung entsprechen, sowohl hinsichtlich des gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs als auch in der gesamten Mobilitätskette. "Véhicule du futur" verfolgt in seiner Tätigkeit zwei Hauptziele:
- städtische oder ländliche Fahrzeuge, die gleichzeitig verschiedene Faktoren berücksichtigen: die umweltgerechte Gestaltung, die Herstellung und Nutzung (einschließlich Energieverbrauch), Recycling, etc.
- Organisation der Mobilität zur Minimierung der Auswirkungen auf die Umwelt (Intermodalität, usw.)
Das Ziel des Pôles besteht darin, Lösungen für Probleme zu finden, die mit der nachhaltigen Entwicklung zusammenhängen, um somit die Initiativen großer Automobilhersteller zu ergänzen und den nationalen und europäischen Projekten PREDIT bzw. dem "Grünbuch zur Mobilität in der Stadt" zu entsprechen.
1 - OSEO - Förderungsagentur für Innovation
Kontakt: http://www.vehiculedufutur.com
Quelle: Les projets F-CITY et TRAX trouvent leur financement - 13.03.2009
Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr
Informations- und Kommunikationstechnik
Die Auswirkungen der Informations- und Kommunikationstechnik auf die Umwelt sind insgesamt "positiv"
Dies ist eines der Ergebnisse im neuen Bericht über die Informationstechnik und die nachhaltige Entwicklung, der im März 2009 dem französischen Umweltminister Jean-Louis Borloo und der französischen Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde übergeben wurde.
Computer, Server und Handys verschmutzen die Umwelt. Sie tragen mit insgesamt 2 % zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Wenn wir nichts tun, um diesem Trend entgegenzuwirken, wird dieser Anteil noch weiter ansteigern. Allerdings erwähnen die Autoren des Berichts [1] auch, dass eine wichtige Herausforderung dieser Technologie darin besteht, die "restlichen 98 % der Emissionen" zu senken.
Der Bericht stellt außerdem fest, dass die IKT bereits eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Hilfssystemen bei Umwelt-Entscheidungen spielen. Sie helfen uns unser "Verhalten bei der Verwaltung und bei der nachhaltigen Nutzung von natürlichen Ressourcen" anzupassen. Weitere Vorteile: die IKT erleichtern die Entwicklung von intelligenten Verkehrsmitteln, tragen zur Verringerung des Stromverbrauchs von Haushaltsgeräten oder zu einer optimierten Verwaltung von Beleuchtung, Heizung und Klimaanlagen bei.
Des Weiteren geht dieser Bericht auf die zahlreichen Herausforderungen ein, die es zu bewältigen gilt, um die Auswirkungen der Informationstechnologien auf die Umwelt zu begrenzen. Die Kontrolle des Stromverbrauchs spielt hierbei eine wichtige Rolle. In Frankreich liegt dieser Verbrauch bei 55 bzw. 60 TWh pro Jahr, d.h. 13,5 % des Stromverbrauchs für Endanwendungen. Von Vorteil wäre auch ein verantwortungsvollerer Umgang mit den verwendeten natürlichen Ressourcen bei der Konzeption von Anlagen und der Ausbau der Telearbeit und der Video-Konferenzen. Diese Maßnahmen laufen in Frankreich allmählich an und ermöglichen so den täglichen Arbeitsweg der Arbeitnehmer zu reduzieren.
Kontakt: [1] Der Bericht über die Informationstechnik und die nachhaltige Entwicklung ist unter der folgenden Adresse verfügbar: http://www.telecom.gouv.fr/fonds_documentaire/rapports/09/090311rapport-ticdd.pdf
Quelle: Usine Nouvelle - L'impact des TIC sur l'environnement est " globalement positif " - 13.03.2009
Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr
Mechanik und musikalische Akustik
Vom künstlichen Mund zum künstlichen Musiker
Christophe Vergez und Didier Ferrand, Forscher im Labor für Mechanik und Akustik der Universität Aix-Marseille, haben ein System für einen künstlichen Mund (Mundsimulator) entwickelt, mit dem es möglich ist, die Momente des Ansatzes (Fähigkeit der Tonerzeugung durch Anblasen) und des Tonausklanges zu studieren, die für die Ausdruckskraft der Blasinstrumente charakteristisch sind.
Ziel dieses Systems ist es, das Instrumentenspiel einerseits so getreu wie möglich zu analysieren und nachzuahmen und anderseits die dynamischen (Übergangs-) Spielphasen zu analysieren. Das System berechnet und simuliert zu diesem Zwecke die physischen Vorgänge des Musikermundes. Der Simulator besteht aus einem Windkasten für die Atemproduktion und aus einer mechanischen Schnittstelle für die Lippenimitation. Diese Schnittstelle wird an das gespielte Instrument angepasst (Schwingung für die Blechblasinstrumente und Zusammenpressen für die Holzblasinstrumente). Eine Funktion des Systems besteht darin, die Kontrollparameter des Instrumentalisten festzulegen (Atemvariation, Atemströmung, Druck, Festigkeit der Lippen, Aufbau des Vokaltrakts usw.).
Ein solcher Simulator ist für Experimente weitaus praktikabler als ein lebender Musiker: Disponibilität des Musikers, ständiges Wiederholen der eintönigen, mühseligen Aufgabe, etc. Er ermöglicht es den Forschern ebenfalls, ihre Aufmerksamkeit auf den wichtigsten Bestandteil der Tonproduktion zu lenken und so die Anzahl der Parameter zu begrenzen, die bei den Messungen berücksichtigt werden müssen (üblicher Vorgang in der Physik).
Die Entwicklung dieses künstlichen Mundes bietet verschiedene Anwendungsmöglichkeiten: von der Validierung und Verbesserung physischer Modelle der Tonproduktion durch Blasinstrumente, bis hin zur Entwicklung neuer Musikinstrumente. Bislang erfolgte die Untersuchung von Blasinstrumenten hauptsächlich durch die Analyse des statischen Zustandes. Mit dem künstlichen Mund wird es möglich, die Übergänge, die für den musikalischen Ausdruck eine wesentliche Rolle spielen, eingehend zu untersuchen!
Die ersten Anwendungen des künstlichen Mundes haben den Beweis erbracht, dass ein erhöhter Munddruck eine kontinuierliche Timbrevariation zur Folge hat und dass sich dieses Timbre bei einigen besonderen Frequenzwerten durch Tontrennungen ergibt. Der Vergleich der durchgeführten Messungen am künstlichen Mund mit denen des Modells ermöglicht die Qualitätsbestimmung des letztgenannten.
Neben der Anwendung des künstlichen Mundes zur Untersuchung der Übergänge von Tonansatz und Tonausklang, ist es mit diesem Simulator ebenfalls möglich durch das Einbringen neuer Techniken über den einfachen Imitationszweck des richtigen Spieles des Instrumentalisten hinauszugehen, um z. B. ein Decrescendo durch immer stärkeres Blasen zu erzeugen, wie dies bei der Klarinette der Fall ist.
Schließlich werden die Forscherteams des LMA und des Instituts für Forschung und Koordination im Bereich musikalischer Akustik (IRCAM) im Rahmen des Projektes "Konsonanten" gemeinsam an der Verwirklichung eines Musikroboters arbeiten, mit dem Ziel, das komplexe Spiel des Musikers besser zu analysieren und dessen Geheimnisse zu ergründen (Hilfestellung im Bereich Pädagogik und Instrumentalausführung).
Kontakte:
- LMA - http://www.lma.cnrs-mrs.fr
- IRCAM - http://www.ircam.fr
- Christophe Vergez - Tel: +33 491 164 163 E-Mail: vergez@lma.cnrs-mrs.fr
- Didier Ferrand - Tel: +33 491 164 072 - E-Mail: ferrand@lma.cnrs-mrs.fr
Quelle: Fachzeitung " Pour la science ", n°373 (Sonderausgabe), pp. 64-68, 11/2008
Redakteur: Julien Bouasria, julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
Teilchenphysik
Protonenmasse: die Rechnung stimmt
Einem deutsch-französischen Team für Physik-Grundlagenforschung, auf französischer Seite unter der Leitung von Laurent Lellouch (Zentrum für theoretische Physik des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) und der Universität von Aix-Marseille) und auf deutscher Seite unter Zoltan Fodor (Forschungszentrum Jülich), ist es - mit einer Fehlerspanne von nur wenigen Prozent - gelungen, die Masse von Protonen und anderen zusammengesetzten Quark-Teilchen genau zu bestimmen. Eine derartige Rechengenauigkeit ist bisher noch nie erreicht worden!
So wie sich der Atomkern aus Nukleonen zusammensetzt, d.h. aus Protonen und Neutronen, setzen sich die Protonen und Neutronen ihrerseits aus Quarks zusammen. Genauer gesagt, ein Proton besteht aus u-Quarks und d-Quarks, jedoch entspricht die Masse eines Protons nicht einfach der Summe der Massen der beiden Quark-Arten. Fast die gesamte Masse entspricht der Energie, die bei den Interaktionen zwischen Quarks freigesetzt wird. Die Untersuchung dieser Interaktionen müsste demzufolge die Protonenmasse liefern.
Die für die Errechnung der Protonenmasse verwendete Technik basiert auf der Quantenchromodynamik. Mit ihrer Hilfe sollen, durch Aufstellung von Gleichungen, die starken Interaktionen zwischen den Quarks beschrieben werden (von Gluonen (Teilchen ohne Masse) übertragene Restinteraktionen).
Diese Gleichungen konnten bislang noch nicht gelöst werden. Dem Forscherteam um Z. Fodor und L. Lellouch ist es dennoch gelungen, durch umfangreiche digitale Berechnungen auf Großrechnern und erprobte Methoden, die alle durch die Chromodynamik vorhergesehenen Auswirkungen berücksichtigen, die Protonenmasse mit einer noch nie da gewesenen Genauigkeit zu ermitteln.
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Quelle: Fachzeitschrift " Science ", vol. 322, Seiten 1224-1227, 2008
Redakteur: Julien Bouasria, julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr
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