Wissenschaft Frankreich #167 – 12/08/2009
Wissenschaft-Frankreich Nr. 167 [PDF]
- Forschungspolitik
109 Millionen Euro vom französischen Staat fließen in 93 Projekte der "Pôles de compétitivité" - Energie
Gründung einer Allianz im Energiebereich
Windenergie-Projekte in Frankreich im Aufwind
Frankreich investiert in den Solarenergiebereich
Masttiere liefern uns auch bald Strom - Klimaforschung
Das rasante Abschmelzen des größten französischen Gletschers - Biologie
Die erstaunliche Wirkung von Cannabis auf die Morphin-Abhängigkeit
Der Mechanismus, der das Schicksal der Blutstammzellen kontrolliert
Ein Antioxidations-Enzym zum Schutz der Spermien - Transport
Das STEEM-Projekt von Alstom und der RATP - Materialien
Eine Tarnkappe als Erdbebenschutz - Informations -und Kommunikationstechnik
16 Millionen Euro für den Ausbau der Digitaltechnik in Universitäten
Forschungspolitik
109 Millionen Euro vom französischen Staat fließen in 93 Projekte der "Pôles de compétitivité"
Die Ergebnisse der 8. Projektausschreibung des interministeriellen Einheitsfonds der französischen Regierung wurden bekannt gegeben: 48 Pôles de compétitivité, die an 93 Projekten beteiligt sind, erhalten eine staatliche Unterstützung in Höhe von 109 Millionen Euro. Die territorialen Gebietskörperschaften haben angekündigt, sich mit 62 Millionen Euro an der Finanzierung der bewilligten Projekte zu beteiligen. In die Projekte eingebundene Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) erhalten 30 Millionen Euro.
Seit 2005 wurden insgesamt 738 von den Pôles de compétitivité vorgeschlagene FuE-Projekte mit einem Gesamtvolumen von fast 4 Milliarden Euro gefördert, davon 1,47 Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln (946 Millionen Euro allein vom Staat). 14.000 Forscher sind in diese Projekte eingebunden.
Einige Beispiele für ausgewählte FuE-Projekte im Rahmen der 8. Projektausschreibung des interministeriellen Einheitsfonds der französischen Regierung:
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Gesundheit und Biotechnologien:
Expand Id (Lyonbiopôle), Ziel: breitere Anwendung der intradermalen Impfung
AD-INOV (Nutrition santé Longévité), Ziel: Entwicklung innovativer Biomoleküle zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit
Affinspi (Cancer-Bio-Santé), Ziel: Entwicklung eines neuen Bio-Markers zur Verbesserung der Krebs-Diagnose -
Umwelt:
Hydroguard (Risques), Ziel: optimiertes Management der Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen von Naturkatastrophen
Smartmesh (System@tic Paris Région), Ziel: autonome Überwachung sensibler Orte (Raffinerien, Wasseraufbereitungsanlagen, etc.)
Smart Adhésive (Plastipolis), Ziel: Entwicklung neuer schadstoffarmer Klebstoffe -
Finanzindustrie:
C2R (Finance Innovation), Ziel: Erarbeitung einer internen Standardkontrolle zur Ermittlung der Risiken für Banken -
Luftfahrt:
U2MI (Aérospace Valley), Ziel: Optimierung der Instrumente zur Bearbeitung von Materialien im Bereich Luftfahrt
Innolub (Astech, Aérospace Valley und Viaméca), Ziel: Entwicklung neuer Beschichtungen zur Verzögerung der Rissbildung in Flugzeugteilen -
Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrien:
Roquefort'in (Agrimip Innovation), Ziel: verbesserte Nutzung der genetischen Charakteristika im Schaffleischsektor
Vege-Aqua (Aquimer, Mer Bretagne und Mer Paca), Ziel: verbesserte Anpassung der Spezies (Forellen, Goldbrassen, Seebarsch) an eine Ernährung auf der Basis nachwachsender Rohstoffe, Garant für eine nachhaltige Entwicklung der Aquakultur -
Informations -und Kommunikationstechnik:
HD3D◊ (Cap Digital), Ziel: Entwicklung eines übergreifenden integrierten Managementprogramms für die Produktion von Multimedia-Inhalten
IVP (Minalogic), Ziel: Entwicklung eines automatischen Prüfverfahrens für elektronische Karten von bislang unübertroffener Qualität
Pac Id (Solutions communicantes sécurisées), Ziel: Entwicklung einer innovativen Lösung zur Rückverfolgbarkeit von Textilwaren -
Verkehr:
Rufex (Advancity), Ziel: Entwicklung neuer Technologien zur Sanierung der Fundamente von Eisenbahnstrecken
Ribeg (Mov'eo), Ziel: Entwicklung eines neuen Produktionsverfahrens zur Herstellung von Scheibenwischern, die die Aspekte der Einsparung, der höheren Leistung und der nachhaltigen Entwicklung vereinen
Quellen: Pôles de compétitivité -
29.07.2009
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http://www.competitivite.gouv.fr/spip.php?article581
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http://www.competitivite.gouv.fr/spip.php?article582
Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr
Energie
Gründung einer Allianz im Energiebereich
Das CEA, das CNRS und das IFP [1] gründen eine Allianz im Energiebereich (ANCRE [2]), deren Aufgaben darin bestehen, eine gemeinsame Forschungs- und Entwicklungspolitik vorzuschlagen und Partnerschaften zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen, Universitäten und Unternehmen zu fördern. Diese Allianz wurde am 30.07.2009 von Jean-Louis BORLOO, Staats- und Umweltminister, zuständig für grüne Technologien und Klimaverhandlungen, Valérie PECRESSE, Forschungsministerin, und Chantal JOUANNO, Staatssekretärin für Ökologie, bekannt gegeben. Diese Allianz zielt auf eine verbesserte Koordinierung und eine effizientere Forschung der staatlichen Einrichtungen im Energiesektor ab. Sie wird an der Umsetzung der französischen F&E Strategie auf diesem Sektor und an den Arbeiten der europäischen Allianz für die Energieforschung (EERA, [3]) mitwirken.
Herr Borloo und Frau Pécresse erinnerten daran, dass das Energieorientierungsgesetz vom 13. Juli 2005 die Schlussfolgerungen des "Grenelle de l'environnement" (Abkommen für Umweltschutz, Herbst 2007) und das am 23. Juli 2009 vom Parlament angenommene Gesetz "Grenelle 1" die Vordringlichkeit der Energieforschung herausgestellt hätten. Des Weiteren ist die Priorität der Energie- und Umweltforschung durch den am 8. Juli 2009 von Forschungsministerin Pécresse veröffentlichten "Generalbericht zur nationalen Strategie für Forschung und Innovation" bestätigt worden.
Die Energieforschung ist für Frankreich von großer Bedeutung, sowohl was die Schaffung von Arbeitsplätzen und das wirtschaftliche Wachstum angeht, als auch hinsichtlich der Klimaproblematik. Die neue Organisation für Energieforschung stützt sich auf:
- die Ausarbeitung einer nationalen Energieforschungsstrategie, die einem strategischen Ausschuss unterbreitet und anschließend vom Energie- und vom Forschungsminister verabschiedet wird ;
- die Ausarbeitung von "strategischen Fahrplänen", die Forschungsprioritäten für jeden Sektor festlegen; die ADEME [4] wird, im Auftrag des strategischen Ausschusses, die Ausarbeitung dieser Fahrpläne für neue Energietechnologien leiten.
Die ANCRE wird folgende Aufgaben haben:
- Ausarbeitung einer für alle Mitglieder einheitlichen F&E-Politik im Rahmen der vom Staat festgelegten nationalen Energiepolitik ;
- Förderung und Stärkung der Partnerschaften und Synergien zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen, Universitäten und Unternehmen entsprechend ihrer jeweiligen Ziele ;
- Identifizierung der wissenschaftlichen, technologischen, wirtschaftlichen und sozialen Hürden, die die industriellen Entwicklungen im Energiebereich bremsen.
Neben den 3 Gründungsmitgliedern von ANCRE (CEA, CNRS und IFP) gehören der Allianz etwa ein Dutzend staatlicher Einrichtungen [5] als assoziierte Mitglieder an, deren Aktivitäten Berührungspunkte mit Fragen der Energie haben.
Kontakte:
[1] - CEA: Zentrum für Atomenergie - http://www.cea.fr
- CNRS: Französisches Zentrum für wissenschaftliche
Forschung - http://www.cnrs.fr
- IFP: Französisches Erdölinstitut - http://www.ifp.fr
- [2] ANCRE: nationale Allianz zur Koordinierung der
Energieforschung
- [3] EERA: European Energy Research Alliance
- [4] ADEME: Französische Organisation für Umwelt-
und Energiewirtschaft
- [5] Darunter die Universitäten, vertreten durch die
"Konferenz der Universitätspräsidenten"(CPU). - Büro
von Jean-Louis BORLOO - Tel.: +33 1 40 81 72 36
- Büro von Valérie PÉCRESSE - Tel.: +33 1 55 55 84 32
- Büro von Chantal JOUANNO - Tel.: +33 1 40 81 79
55
Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt, Energie, nachhaltige Entwicklung und Meeresfragen - http://www.developpement-durable.gouv.fr/article.php3?id_article=5552 - 30.07.2009
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Energie
Windenergie-Projekte in Frankreich im Aufwind
Frankreich wird für die europäische Windindustrie immer attraktiver, auch weil sie in zahlreichen anderen Ländern bereits an ihre Grenzen stößt. Vestas, weltweit führender Hersteller von Windenergielösungen, präsentierte im März 2009 in Marseille seine neue Windanlage, die selbst bei einer geringen Windgeschwindigkeit von nur 3 m/s eine Rekordleistung von 3MW erreichen kann. Sie soll im Mai 2010 auf den Markt kommen. "Mit diesem an schwache und mittlere Windgeschwindigkeiten - vorherrschend in Frankreich - angepassten Produkt, zielen wir auf mindestens 30% des Marktes ab", erklärt Nicolas Wolff, Generaldirektor von Vestas Frankreich.
Die Ankündigung des französischen Aktionsplans für Windenergie hat viele potenzielle Investoren angezogen. "Frankreich zeichnet sich als erfolgversprechendster Markt in Europa ab", so Arthouros Zervos, Vorsitzender der einflussreichen European Wind Energy Association (EWEA, [1]). Es gibt tatsächlich viel zu tun in Frankreich: Ende 2008 erzeugte Frankreich nur 3.404 MW Windenergie. Das im Rahmen des "Grenelle de l'Environnement" [2] beschlossene Programm sieht vor, diese Leistung bis 2020 auf 25.000 MW zu steigern. Um dieses Ziel zu erreichen, muss Frankreich insgesamt 8.000 Windturbinen errichten. Bei 2,5 Millionen Euro pro Turbine zeigen sich zahlreiche Marktführer [3] interessiert.
Ein technologischer Wettlauf hat somit unter den Windmarktführern begonnen, was die Leistung, die Produktionskapazitäten und die Zuverlässigkeit der Windanlagen betrifft. Vestas hat beispielsweise im Jahr 2008 fast 120 Millionen Euro in die Forschung und mehr als 1 Milliarde Euro (bei einem Umsatz von 6 Milliarden Euro) in seine Fabriken in Europa, den USA und China investiert. Innerhalb von nur wenigen Jahren hat sich die Qualität der Windanlagen deutlich erhöht. "Die Wartung der Turbinen ist wesentlich einfacher geworden und sie erreichen somit eine Verfügbarkeitsquote von mehr als 95%", erläutert Arthouros Zervos. Ein weiteres Augenmerk der Ingenieure liegt auch auf dem Wirkungsgrad der Maschinen, ihrer Anpassung an die verschiedenen Windgegebenheiten und ihrem Standort. Die Leistungen werden dementsprechend immer besser: der günstigste Preis pro erzeugter Kilowattstunde liegt zwischen 6,5 bis 7 Cent, was preiswerter ist, als der von EDF [4] garantierte Ankaufspreis in Frankreich (8,2 Cent/KWh).
Zu den technischen Problemen kommen jedoch auch
noch die administrativen hinzu: Lärm,
Landschaftsverunstaltung, Avifauna, Stadtplanung,
Zivilluftfahrt, Störung der Radarsysteme, usw. Um
eine Genehmigung für den Bau einer Windkraftanlage zu
bekommen, müssen oft bis zu 20 Behörden überzeugt
werden und es können bis zu 4 Jahre vergehen, bevor
eine Anlage in Betrieb geht.
Die Gegner der Windenergie führen auch die
Energieineffizienz einer solchen Stromerzeugungsform
an. "Windanlagen erzeugen nur während 20 bis 30% der
Zeit Strom, und auch wenn das für 2020 gesetzte Ziel
von 15.000 Windanlagen erreicht würde, würden diese
nur 10 % des französischen Energiebedarfs decken, was
keine Alternative zur Kernenergie oder zu
Wärmekraftwerken darstellt", argumentiert Yves
Vérilhac, ehemaliger Direktor des Parks des "Mont des
Ardèches". Die Windkraftgegner streben ein Moratorium
gegen den willkürlichen Neubau von Windanlagen in
Frankreich an, der im Widerspruch zur nachhaltigen
Entwicklung, dem Naturschutz und der harmonischen
Stadtplanung steht. "Dennoch befürworten 70 % der
Franzosen die erneuerbaren Energien", so André
Antolini, Vorsitzender des französischen Verbandes
für erneuerbare Energien (SER, [5]). Baubewilligungen
für 4.000 MW wurden den Unternehmern in Frankreich
bereits bewilligt. "Sobald ein Standort ausgewählt
wird, müssen noch Befürchtungen ausgeräumt und ein
Konsens mit zahlreichen Akteuren (Behörden,
Vertretern, Eigentümern, Anrainern, Ökoverbänden,
Jägern, usw.) erzielt werden. Wir organisieren
Debatten [...], schreiben Sachverständigenberichte
und bieten manchmal Gegenangebote", erklärt Eric
Neumand, Leiter des Entwicklungsteams bei Nordex.
Kontakte:
- [1] Weitere Informationen über EWEA: http://www.ewea.org/
- [2] Grenelle de l'environnement: Abkommen für
Umweltschutz - 23% der genutzten Energie (Strom und
Wärme) müssen 2020 auf der Grundlage erneuerbarer
Energien erzeugt werden.
- [3] Weltweit führende Hersteller von
Windenergielösungen: Vestas, GE Wind Energy, Gamesa,
Enercon, Nordex, EADS Astrium
- [4] EDF: Electricité de France, weitere
Informationen (auf Französisch oder Englisch):
http://www.edf.fr
- [5] Weitere Informationen über SER:
Quellen:
- Les Echos,
http://www.lesechos.fr/pme/tendances-innovation/4846274-des-projets-en-rafales-pour-l-industrie-eolienne.htm
- 23/07/2009
- Le Point,
http://www.lepoint.fr/actualites/2009-08-01/lancement-d-une-petition-nationale-contre-les-eoliennes/1037/0/366327
- 01/08/2009
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Energie
Frankreich investiert in den Solarenergiebereich
Bei der Eröffnung einer von EDF Energies Nouvelles (EDF EN, [1]) und dem amerikanischen Solarmodulhersteller First Solar finanzierten Solarmodulfabrik am 23. Juli 2009, bestätigte der Minister für Ökologie und Energie, Jean-Louis Borloo, erneut das ehrgeizige Ziel der französischen Regierung, Frankreich zum Weltmarktführer im Bereich der erneuerbaren Energien zu machen. Diese Investitionen sollen zu einer wettbewerbsfähigen Erzeugung von Solarstrom führen, wobei er ebenfalls die Bedeutung der Entwicklung anderer Energiebereiche (Windkraft, Biomasse, Erdwärme...) betonte.
Er wies darauf hin, dass "ausländische Investitionen in Frankreich gut sind, die Entwicklung der eigenen Technologien in Frankreich jedoch noch besser". Viele bedeutende Forschungszentren (CEA, CNRS, IFP, BRGM, usw. [2]) schlossen sich zu diesem Zweck 2006 innerhalb des französischen Instituts für Solarenergie (INES, [3]) zusammen. Herr Borloo wandte sich in diesem Zusammenhang mit der Bitte an EDF, den französischen Sektor der gebäudeintegrierten Solaranlagen, der von den Unternehmen Photowatt und Tenesol (einer gemeinsamen Tochtergesellschaft von EDF und Total) angeführt wird, zu unterstützen. Was die "internationale Strategie" zur Förderung der nichtfossilen Energien betrifft, so hängt diese von der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (Irena, [4]) ab, deren Hauptsitz in Masdar City (Abu Dhabi) liegt und die von der Französin Hélène Pelosse, ehemalige Mitarbeiterin von Herr Borloo, geleitet wird. Diese politischen und industriellen Initiativen gehen Hand in Hand mit der vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy am 9. Juni 2009 [5] während seiner INES-Besichtigung erläuterten Strategie. Frankreich, das seine Politik fast vollständig auf die Kernenergie ausgerichtet und die anderen Energieformen auf das Notwendigste reduziert hatte, muss seinen Rückstand nun wieder aufholen.
Ziel dieses Projektes von EDF und First Solar ist der Bau einer Produktionseinheit, die mittels der Dünnschichttechnik Solarmodule mit einer Anfangsleistung von 100 MW pro Jahr herstellen wird. Durch die neue Fertigungsstrecke sollen 300 Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf 90 Millionen Euro und entfällt zu jeweils 50 % auf die Partner. Mike Ahearn, Vorstandsvorsitzender von First Solar, und Pâris Mouratoglou, Generaldirektor von EDF EN, begrüßen die Initiative des französischen Staates, der die notwendigen Voraussetzungen zur Umsetzung dieses Projektes geschaffen hat: Vorgabe künftiger Leistungen (5.400 MW im Jahr 2020) und Garantie für die Unternehmer, das der Stromeinspeisungstarifs von EDF so lange stabil bleibt, bis die Branche auch ohne Subventionen auskommen kann.
Herr Mouratoglou ist davon überzeugt, dass
Frankreich, dank seiner Bevölkerung, seiner
Technologien und der Sonneneinstrahlungsdauer die
wichtigsten Voraussetzungen erfüllt, um zu einem
"bedeutenden Markt" aufzusteigen. Dafür ist es
notwendig, die vollständige Bandbreite des Sektors
abzudecken, d.h. von der Modulherstellung bis hin zur
Stromerzeugung selbst. Die Länder, die massiv in die
Solarenergie investieren (Deutschland, Vereinigten
Staaten, China, usw.), haben damit einen wirklichen
nationalen Industriezweig geschaffen. Und die
Verbraucher werden es bestimmt zu schätzen wissen,
dass ihre Solaranlagen zum Teil im eigenen Land
herstellt werden, was Zehntausende neuer
Arbeitsplätze schafft.
"Die Kosten sind der einzige Faktor, der die
Entwicklung der Photovoltaik gebremst hat. Der
Industrie ist es dennoch gelungen, diese schnell zu
verringern", so eine Studie der Unternehmensberatung
A. T. Kearney im Auftrag des europäischen Verbands
für die Photovoltaikindustrie (EPIA). Die Autoren
vertreten die Meinung, dass "technische Forschritte
neue Kostenreduzierungen ermöglichen werden". Ihrer
Meinung nach könnten im Jahr 2020 bereits 57 % bis 76
% des Solarstroms ohne Subventionen produziert
werden.
Kontakte:
- [1] EDF EN: Electricité de France Energies
Nouvelles - weitere Informationen (auf Französisch):
http://www.edf.fr
[2] - CEA: Zentrum für Atomenergie - http://www.cea.fr ;
- CNRS: Französisches Zentrum für wissenschaftliche
Forschung - http://www.cnrs.fr ;
- IFP: Französisches Erdölinstitut - http://www.ifp.fr ;
- BRGM: Organisation für Geologie- und
Bergwerksforschung - http://www.brgm.fr ;
- [3] Weitere Informationen über das INES (auf
Französisch/Englisch) - http://www.ines-solaire.com/
- [4] Weitere Informationen über Irena (auf Englisch)
- http://www.irena.org/
- [5]
"Staatspräsident Nicolas Sarkozy wünscht massive
Investitionen in die erneuerbaren Energien" - WF
165 - 24.06.209
Quelle: Le Monde, http://www.lemonde.fr/planete/article/2009/07/23/energie-la-france-se-met-a-croire-a-la-filiere-solaire_1221999_3244.html - 23.07.2009
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Energie
Masttiere liefern uns auch bald Strom
Im französischen Departement Dordogne ist die Energie-Revolution der Stopfleber zu verdanken! Der in der Dordogne angesiedelte experimentelle Zucht- und Mastbetrieb "La Ferme de l'oie", der 6.000 Gänse besitzt, hat in die Errichtung einer Stromerzeugungsanlage investiert, die sich derzeit in der Fertigstellungsphase befindet. Die Anlage ist weltweit einzigartig, insofern, als das sie aus den Exkrementen der Wasservögel Strom erzeugt. Ab September soll die Anlage in Betrieb gehen.
Das Prinzip der Anlage ist einfach: Gülle und Stallmist (Dung) werden innerhalb sowie außerhalb des Betriebs eingesammelt und anschließend in einem sogenannten "Verdauungsapparat" verarbeitet. Dieser 100m3 große Edelstahltank, der täglich mit 3m3 beladen wird, kann daraus ca. 400m3 Methan pro Monat gewinnen und so ein Stromaggregat kontinuierlich mit 25 kWh versorgen. Die erzeugte Energie ist mehr als ausreichend, um die Ställe der Junggänse zu beheizen. 40 Prozent des erzeugten Stroms werden sogar vom französischen Energiekonzern EDF abgekauft. Die Betreiber von La Ferme de l'oie wünschen sich, dass diese Initiative als Beispiel dient und dass vielleicht sogar andere landwirtschaftliche Sektoren diese aufgreifen.
Mit 78 Prozent der Weltproduktion ist Frankreich der Marktführer auf dem Gebiet der Stopfleber. Von diesem System der Eigenversorgung mit erneuerbarer Energie könnten auch andere - vor allem mittelständische Betriebe - dieses Sektors profitieren, so Jean-Pierre Dubois, Agraringenieur und technischer Leiter der Ferme de l'oie. Ein mittelständischer Zucht- und Mastbetrieb wie La Ferme de l'oie zählt jährlich ca. 6.000 Gänse, darunter 1.500 zu mästende Tiere. Bei Enten können es sogar doppelt so viele sein. Für kleine Betriebe wäre dieser Prozess hingegen nicht rentabel.
Insgesamt 270.000 Euro wurden in die Entwicklung und Errichtung der Stromerzeugungsanlage investiert, 80 Prozent davon wurden aus europäischen, nationalen und lokalen öffentlichen Mitteln sowie durch die französische Organisation für Umwelt- und Energiewirtschaft (ADEME) finanziert. Nach Schätzungen der Investoren müssten die Investitionen nach 6 Jahren getilgt sein.
Quelle: "Des milliers de palmipèdes du Périgord produiront bientôt du foie gras et de l'électricité" - Le Monde - 31.07.2009
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
Klimaforschung
Das rasante Abschmelzen des größten französischen Gletschers
Ca. 12.000 Kilometer von den französischen Alpen entfernt, beherbergen die Kerguelen-Inseln [1] den größten französischen Gletscher, den Cook-Gletscher, der im Jahr 1963 eine Gesamtoberfläche von ca. 500km2 aufwies. Durch den Vergleich historischer Informationen mit aktuellen Satellitendaten konnten die Glaziologen am Forschungslabor für Geophysik und räumliche Ozeanographie [2] feststellen, dass der Gletscher nicht nur schnell, sondern immer schneller schmilzt. Seine Oberfläche schrumpfte im Laufe der letzten 40 Jahre jährlich um ca. 1,5 Meter. Die Gletscheroberfläche hat sich somit um 20 Prozent verringert. Seit 1991 ist außerdem ein doppelt so schneller Rückgang zu verzeichnen.
Titel: Karte des Kerguelen-Archipels
im südlichen Indischen Ozean
Credit: © American Geophysical Union
2009 / CNRS
Der Kerguelen-Archipel liegt im südlichen Indischen Ozean. Zahlreiche Gletscher bedecken die höchsten Gebiete der Inselgruppe. Frühere Studien bewiesen einen (zwischen 1800 bis 1965) zunächst langsamen Rückgang des Ampère-Gletschers (ein Gletscher des Cook-Gletschers), der sich später jedoch beschleunigte. Seit 1974 wurden keine In-situ-Untersuchungen mehr am Cook-Gletscher durchgeführt. Jedoch wurden von 1996 bis 2006 Messungen aus dem All vorgenommen, die es den Wissenschaftlern ermöglichten, Daten aus diesem schwer zugänglichen Gebiet zu sammeln.
Die Glaziologen des Labors für Geophysik und räumliche Ozeanographie begannen ihre Studie mit der Erarbeitung einer umfassenden Aufstellung aller Gletscher auf dem Kerguelen-Archipel. Dafür nutzten die Forscher eine Karte, die 1967 vom französischen Institut für Geographie erstellt wurde. Damals bedeckten die Gletscher noch eine Fläche von ca. 700 km2, davon allein 500 km2 vom Cook-Gletscher. Mit Hilfe der Satteliten Spot und Landsar wurde diese Aufstellung in den Jahren 1991, 2001 und 2003 aktualisiert. Dadurch konnten die Wissenschaftler den Rückgang des Gletschers quantifizieren: 1991 bedeckte der Gletscher noch eine Fläche von 448 km2, 2003 hatte er sich bereits auf 403 km2 reduziert. Innerhalb von 40 Jahren verlor der Gletscher sogar 20 Prozent seiner Fläche. Zudem ist seit 1991 ein doppelt so schneller Rückgang zu beobachten. Die Massenbilanz des Gletschers ergab, dass die unteren Gletscherzungen um 300 bis 400 Meter zurückgingen, während sich die Gletscherdicke in höheren Regionen kaum veränderte. Durchschnittlich liegt der seit 1963 gemessene Gletscherdickenverlust bei 1,5 Meter pro Jahr. Im Vergleich zu anderen Gletschern ist der Verlust besonders groß und besorgniserregend.
Titel: 3D-Bild vom Lapparent Nunatak
[3], das vom Satelliten Spot-5 aufgenommen wurde. Der
Verlust an Eisdicke wird berechnet, indem die
Eispositionen für die Jahre 1963 und 2001 verglichen
werden.
Credit: © CNES 2003 / Spot Image /
CNRS /Bearbeitung des Bildes E. Berthier (LEGOS,
[5])
Der Rückgang des Cook-Gletschers ist nicht nur auf die aktuelle Erderwärmung zurückzuführen, da die Gletscher auf den Kerguelen-Inseln sich schon in den 60er Jahren zurückzogen. Ein Teil dieses Rückgangs lässt sich dadurch erklären, dass diese Gletscher relativ spät auf die natürliche Erderwärmung nach der Kleinen Eiszeit [4] reagiert haben. Allerdings ist die Beschleunigung des Eisrückgangs höchstwahrscheinlich auf die seit den 80er Jahren beobachteten höheren Temperaturen und niedrigeren Niederschläge zurückzuführen. Dieses Phänomen hat folglich auch anthropogene Ursachen.
Diese Studie wurde in der Fachzeitschrift Journal of Geophysical Research veröffentlicht [6].
- [1] http://de.wikipedia.org/wiki/Kerguelen
- [2] Laboratoire d'études en géophysique et océanographie spatiale (Université Paul Sabatier, CNRS, CNES, IRD)
- [3] Nunatak bezeichnet in der Glaziologie einen isolierten, über die Oberfläche von Gletschern und Inlandeismassen aufragenden Felsen oder Berg
- [4] Die Kleine Eiszeit war eine Periode relativ kühlen Klimas vom Anfang des 15. bis in das 19. Jahrhundert hinein.
- [5] http://www.legos.obs-mip.fr/fr/equipes/glacio/
- [6] Berthier E., Lebris R., Mabileau L., Testut L., & Rémy F. Ice wastage on the Kerguelen Islands (49S, 69E) between 1963 and 2006. Journal of Geophysical Research-Earth Surface, 114, doi: 10.1029/2008JF001192, 2009.
- Eine Computeranimation des Gletscherrückgangs : http://etienne.berthier.free.fr/Berthier_et_al_JGR_2009.htm
Kontakt: Etienne Berthier - Tel: +33 561 332 966 - E-Mail: etienne.berthier@legos.obs-mip.fr
Quelle: Pressemitteilung des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) - 22.07.2009
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
Biologie
Die erstaunliche Wirkung von Cannabis auf die Morphin-Abhängigkeit
THC ist der Hauptwirkstoff der Hanfpflanze. Wird dieser in Ratten injiziert, die seit der Geburt von ihren Müttern getrennt sind, verlieren diese Jungtiere ihre Abhängigkeit von Opiaten (Morphin, Heroin). Diese Ergebnisse von Valérie Daugé und ihrer Arbeitsgruppe des Labors für Physiopathologie der ZNS-Krankheiten (UPMC / CNRS / Inserm) wurden in der Fachzeitschrift Neuropsychopharmacology vom 24. Juni 2009 veröffentlicht [1]. Sie könnten zur Entwicklung therapeutischer Alternativen von Ersatztherapien führen.
Zur Untersuchung der psychischen Erkrankungen haben die Neurobiologen Tiermodelle entwickelt, wie zum Beispiel das Model der Trennung Mutter/Neugeborenes. Bei diesem Model werden die Ratten täglich mehrere Stunden von ihren Müttern getrennt, was später zu einer langfristigen Hirnfunktionsstörung führen kann. Die Arbeitsgruppe um Valérie Daugé hat die Auswirkungen dieser Trennung, verbunden mit THC-Injektionen, auf das Verhalten gegenüber Opiaten analysiert.
Zuvor hatten die Forscher bereits gezeigt, dass die von ihren Müttern getrennten Jungratten besonders empfänglich für Morphin und Heroin waren, und schnell abhängig wurden. Während ihrer "Jugendzeit" (zwischen 35 und 48 Tage nach der Geburt) wurde die verabreichte THC-Dosis (5 oder 10 mg/kg) regelmäßig erhöht. Die Forscher haben später den Morphin-Konsum im Erwachsenenalter gemessen und dabei festgestellt, dass die Tiere kein typisches morphinabhängiges Verhalten mehr entwickelten, wie es sonst zu beobachten war.
Diese Tiermodelle sollen es den Forschern ermöglichen, sich ein besseres Bild von den Auswirkungen der postnatalen Bedingungen auf die Neurobiologie und das Verhalten der Menschen zu verschaffen. In diesem Zusammenhang bilden die gewonnenen Ergebnisse die Grundlage für die Entwicklung neuer Therapien zur Behandlung von Entzugserscheinungen und zum Unterdrücken der Drogenabhängigkeit.
[1] Adolescent Exposure to Chronic Delta-9-Tetrahydrocannabinol Blocks Opiate Dependence in Maternally Deprived Rats - Morel, Giros & Daugé - Neuropsychopharmacology - 24.06.2009
Kontakt: Valérie Daugé - Labor für Physiopathologie der ZNS-Krankheiten (UPMC / CNRS / Inserm) - Tel: +33 1 44 27 61 09 - E-Mail: valerie.dauge@snv.jussieu.fr
Quelle: Pressemitteilung des CNRS - 03.07.2009
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Biologie
Der Mechanismus, der das Schicksal der Blutstammzellen kontrolliert
Blutstammzellen besitzen die Fähigkeit, alle Zelltypen des Blutes zu generieren. Jedoch sind die Mechanismen, die zu der einen oder der anderen Differenzierung führen, noch nicht bekannt. Die CNRS-Inserm Arbeitsgruppe um Michael Sieweke vom Zentrum für Immunologie in Marseille-Luminy hat die Faktoren entdeckt, die den Zelltypus bestimmen. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden in der Fachzeitschrift Cell vom 24. Juli 2009 veröffentlicht [1].
Die Forscher des Zentrums für Immunologie haben mit Blutstammzellen von Mäusen gearbeitet und die Entwicklung bestimmter Zellen, der so genannten Myeloblasten, analysiert. Myeloblasten sind Vorläuferzellen einer bestimmten Population weißer Blutkörperchen, die gegen Mikroben kämpfen, indem sie diese "essen", Toxine ausschütten oder andere spezialisierte Immunzellen alarmieren. Bislang gingen die Forscher davon aus, dass die Richtung der Stammzellen-Differenzierung aleatorisch sei. Die Arbeitsgruppe um Sieweke konnte aufzeigen, dass das Zusammenwirken zweier Proteine für diese Myeloblasten entscheidend ist. Eines der beiden Proteine befindet sich in der Zelle (Transkriptionsfaktor) und das zweite außerhalb der Zelle (Zytokin).
Titel: Mikroskop-Aufnahme einer
Blutstammzelle (in gelb) in einem Milzschnitt
Credit: © Frédéric Mourcin
Transkriptionsfaktoren sind wie Schalter, die die Gene ein- und ausschalten. Die Kombination ihrer aktiven (oder eingeschalteten) Gene bestimmt also die Identität einer Zelle. Aus diesem Grund gingen die Forscher bereits davon aus, dass die Transkriptionsfaktoren bei der Differenzierungsrichtung eine Rolle spielen. Bekannt war auch, dass Blutzellen nur in einer Umgebung mit bestimmten Zytokinen, sozusagen zellspezifischen Hormonen, überleben können. Sie nahmen jedoch an, dass der Einfluss dieser Zytokine sich auf das Überleben und die Vermehrung beschränken würde, und sich nicht auf die Differenzierung ausdehnt. Die Arbeitsgruppe aus Marseille hat nun gezeigt, dass ein bestimmtes Zytokin (M-CSF) die Stammzellen zur Myeloblastenbildung anregt, jedoch nur, wenn die Menge des Transkriptionsfaktors MafB im Inneren der Zellen gering ist. Diese Ergebnisse könnten dazu beitragen, die Mechanismen von Leukämieerkrankungen besser zu verstehen, bei denen anormale Stammzellen "unentschlossen" bleiben und nicht auf Therapien reagieren.
[1] "MAFB Restricts M-CSF Dependent Myeloid Commitment Divisions of Hematopoietic Stem Cells", Sarrazin, Mossadegh-Keller, Fukao, Aziz, Mourcin, Vanhille, Kelly-Modis, Kastner, Chan, Duprez, Otto & Sieweke - Cell - 24/07/2009
Kontakt: Dr. Michael Sieweke - Tel: +33 4 91 26 94 38 - E-Mail: sieweke@ciml.univ-mrs.fr
Quelle: Pressemitteilung des CNRS - 23.07.2009
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Biologie
Ein Antioxidations-Enzym zum Schutz der Spermien
Die Arbeitsgruppe GReD "Genetik, Reproduktion und Entwicklung" (CNRS UMR 6246/ Inserm Gruppe 931/ Universitäten 1 und 2 von Clermont-Ferrand) hat das Protein GPx5 identifiziert, welches die unreifen Spermien außerhalb des Hodens schützt. Die Forscher um Joël Drevet haben den Zusammenhang zwischen dem post-testikulären oxidativen Stress und der DNA-Degradation der männlichen Gameten in der Fachzeitschrift The Journal of Clinical Investigation vom Juli 2009 beschrieben [1].
Spermien werden in den Hoden produziert, und reifen dann außerhalb der Hoden, in den Nebenhoden (Epididymis), heran, wo sie ihre Fruchtbarkeit erwerben. Während dieses Reifeprozesses ist das Sperma besonders empfindlich gegenüber oxidativem Stress und wird in dieser Zeit vom Protein GPx5 geschützt. Dieses Antioxidationsprotein wird vom Epithelgewebe der Nebenhoden produziert.
Die Untersuchung zeigt, dass die Spermien männlicher Mäuse, die kein GPx5 haben, morphologisch normal sind, und durchaus in der Lage eine Eizelle zu befruchten. Werden diese jedoch mit weiblichen Wildtyp-Mäusen gekreuzt, kommt es zu einer ungewöhnlich hohen Anzahl an Fehlentwicklungen, Fehlgeburten und zu einer erhöhten perinatalen Sterblichkeitsrate. Analysen des Spermiums von männlichen Mäusen ohne GPx5 konnten aufzeigen, dass die DNA nicht mehr kompakt ist und sogar teilweise zerstückelt.
Sollten diese Ergebnisse auch auf den Menschen zutreffen, könnten unterschiedliche Anwendungen für die Diagnose und die Behandlung der post-testikulären Unfruchtbarkeit in Erwägung gezogen werden. Bei der künstlichen Befruchtung könnten die Samen während des Auftauens und vor der künstlichen Insemination besser geschützt, und der Grad der DNA-Fragmentierung des Spermas besser durch die Technologien der künstlichen Befruchtung berücksichtigt werden.
[1] "Epididymis seleno-independent glutathione peroxidase 5 maintains sperm DNA integrity in mice", Chabory, Damon, Lenoir, Kauselmann, Kern, Zevnik, Garrel, Saez, Cadet, Henry-Berger, Schoor, Gottwald, Habenicht, Drevet & Vernet - Journal of Clinical Investigation - 07/2009
Kontakt: Joel Drevet - Tel: +33 4 73 40 74 13 - E-Mail: joel.drevet@univ-bpclermont.fr
Quelle: Pressemitteilung des Inserm - 30.07.2009
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Transport
Das STEEM-Projekt von Alstom und der RATP
Die Unabhängige Pariser Personentransportverwaltung RATP und Alstom Transport werden ein Jahr lang neue, in einen Zug der T3- Tramlinie in Paris eingebaute Energiespeicher testen. Das innovative System wird im Rahmen des Projekts STEEM (" Système de Tramway à Efficacité Energétique Maximisée ") erprobt. Es ermöglicht den Betrieb der Straßenbahn ohne Fahrleitung (Oberleitung) und sorgt damit für eine bessere Stadtintegration, eine höhere Energieeffizienz und Infrastruktureinsparungen.
Die Straßenbahn ist das umweltfreundlichste Transportmittel und wird von der Bevölkerung immer stärker angenommen. Für den Schienenverkehr stellt sie den zukunftsfähigsten Markt dar. Aus diesem Grund setzt Alstom verstärkt auf die Erforschung und Entwicklung von Lösungen, die sich harmonisch in das Stadtbild integrieren lassen. Die "kabellosen" Lösungen stellen im Vergleich zur klassischen Stromversorgung einen technologischen Durchbruch dar.
Diese Technik wird ein Jahr lang im kommerziellen Betrieb auf einem der 21 Citadis-Züge [1] der T3-Straßenbahnlinie in Paris erprobt. Das STEEM-Projekt wird vom PREDIT-Programm anerkannt und von der französischen Energieagentur Ademe finanziell unterstützt.
Die RATP setzt in ihrer Arbeit von jeher auf energiesparende Lösungen. Der gesamte Schienenfahrzeugpark, die "Métro" (Pariser Untergrundbahn), der "RER" (Pariser Schnellbahn) und die Tramway (Straßenbahn), ist mit Systemen ausgestattet, die eine Rückgewinnung der Energie während der Bremsphase ermöglichen.
[1] Citadis ist der Name einer Familie von niederflurigen Straßenbahnfahrzeugen und Zweisystemstadtbahnen des Schienenfahrzeugherstellers Alstom.
Kontakte:
- Cécile Dodat, Alstom Transport - Tel: +33 6 72 59
83 70 - E-Mail: cecile.dodat@transport.alstom.com
- Myriam Gosselin RATP - Tel: +33 01.58.78.36.64 -
E-Mail: myriam.gosselin@ratp.fr
Quelle: Pressemitteilung der RATP - 01.07.2009
Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr
Materialien
Eine Tarnkappe als Erdbebenschutz
Ein Gebäude wird erdbebensicher gemacht, in dem man es "unsichtbar" werden lässt: das ist die Idee von Forschern des französischen Instituts Fresnel in Marseille (CNRS, Universität Paul-Cézanne, Ecole centrale, Universität der Provence in Zusammenarbeit mit der Universität Liverpool Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Physical Review Letters vom 10. Juli 2009 veröffentlicht.
Das erste im Jahr 2006 vom britischen Physiker Sir John Pendry vom Londoner Imperial College durchgeführte Experiment mit einer Tarnkappe zeigte, dass es mithilfe eines Schirms aus geeignetem Material möglich ist, Lichtstrahlen zu beugen, um sie von ihrer Flugbahn abzulenken, wobei die Lichtstrahlen jedoch im unsichtbaren Wellenlängenbereich bleiben. Später gelang es anderen Forschergruppen Wellen durch Nanostrukturen auch im sichtbaren Wellenlängenbereich zu bremsen.
Auf diesem Prinzip basieren die Arbeiten der französischen Forscher: sie übertrugen es von elektromagnetischen Wellen auf seismische Wellen. Stefan Enoch, einer der Autoren, beschreibt, dass sie eine Versuchsvorrichtung entwickelten, die aus einem flexiblen Film besteht, auf dem ein Zylinder von 1 cm Höhe und 50 cm Durchmesser fixiert wurde. Dieser Zylinder stellt die zu tarnende, d.h. die zu sichernde, Zone dar. Die auf diesen Film übertragenen Vibrationen simulieren die seismischen Wellen.
Eine Tarnkappe besteht gewöhnlich aus Metamaterialien, das heißt Materialien, die als solches in der Natur nicht vorkommen, und deswegen künstlich hergestellt werden müssen. Sie weisen bestimmte Eigenschaften auf. In diesem Fall haben die Forscher sechs verschiedene plastische Polymere benutzt, die sie in einer bestimmten Reihenfolge und in Form von zehn konzentrischen Ringen rund um den Zylinder angeordnet haben. Das Ziel bestand darin, die Wellen "blind" zu machen, so dass sie die sensible Zone umgehen, in dem sie einer Tangente folgen. Je höher die Anzahl der plastischen Ringe, desto größer wird die umgangene Zone. Mit 40 konzentrischen Ringen war es beispielsweise möglich, Wellen aus dem Frequenzbereich von 50-1000 Hz umzuleiten. Jedoch wird auf diese Weise das zu sichernde Objekt nicht perfekt getarnt. Diese Methode eignet sich nicht für Druckwellen (Längswellen) und Querwellen (Transversalwellen), die sich bei einem Erdbeben im Erdmantel ausbreiten. Sie funktioniert jedoch bei Biegewellen, die sich auf der Oberfläche oder in der Oberflächenschicht des Bodens ausbreiten: diese Wellen verursachen generell die meisten Schäden, da sie die Fundamente der Gebäude waagerecht erschüttern.
Das Ziel der Forschergruppe besteht nun darin, von diesem Modell ausgehend Schutzeinrichtungen für Wohnhäuser, Schulen oder Krankenhäuser zu bauen. Dies erfordert allerdings noch weitere Forschungsarbeiten in Kooperation mit Experten anderer Fachrichtungen: Geologen könnten das Verhalten der Erdkruste einbeziehen, die sich wesentlich komplexer verhält als ein einfacher Film, und Architekten könnten dieses System anschließend in die Fundamente einbauen.
Quelle: Une cape d'invisibilité, parade antisismique, Le Monde - 17.07.2009
Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr
Informations -und Kommunikationstechnik
16 Millionen Euro für den Ausbau der Digitaltechnik in Universitäten
Die französische Bildungs- und Forschungsministerin Valérie Pécresse hat am 20. Juli 2009 die Maßnahmen vorgestellt, die im Rahmen des Paktes zur Digitalisierung von Universitäten "Wifi, Podcast, digitales Arbeitsumfeld für alle" durchgeführt werden. Die Ministerin kündigte an, dass die Regierung 16 Millionen Euro zur Verfügung stellt, um die Universitätsgelände vollständig mit Wifi abzudecken und um die Entwicklung von Anlagen voranzutreiben, die für die Verbreitung von Kursen und Unterrichtsmaterialien im Podcast -Format erforderlich sind.
In diesem Zusammenhang erklärte sie, dass 10 Millionen Euro in den Wifi-Programmteil investiert werden, um die Zahl der vorhandenen Anschlüsse zu verdoppeln und somit allen Studenten einen Zugang zu ihren digitalen Arbeitsplätzen (Environnement Numérique de Travail - 80% der Universitäten verfügen über einen ENT) von jedem Punkt der Universität aus (Bibliotheken, Bildungseinrichtungen, Mensa...) zu ermöglichen und ihnen einen kostenlosen Breitband-Internet-Zugang zur Verfügung zu stellen.
Anschließend stellte die Ministerin den Podcast-Progammteil vor, in den 6 Millionen Euro fließen werden (das entspricht einer Investition von 30.000 bis 150.000 Euro pro Universität, in Abhängigkeit von ihrer Größe, ihrem Projekt, der Anzahl der betroffenen Studenten, der bereits vorhandenen Ausrüstung und der ausgewählten Podcast-Lösungen). Das Abhalten von Kursen im Podcast-Format gestattet ein individuelles Lerntempo oder auch das Nachholen eines Kurses. Der Podcast-Programmteil ermöglicht des Weiteren:
- die Ausstattung aller Universitäten (Hörsäle, Kursräume) mit professionellen und automatisierten Tonaufnahmegeräten;
- die Weiterbildung von Lehrern für die Handhabung dieser Geräte.
Zum Abschluss wies die Ministerin darauf hin, dass diese Finanzierung einen allgemeinen Zugang zu digitaler Technik in den Universitäten ermöglicht, was eine wesentliche Voraussetzung für den Erwerb von Kompetenzen, für die Chancengleichheit und für den Erfolg der Studenten darstellt.
Quelle: Ministère de l'enseignement supérieur et de la recherche - 20.07.2009
Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr
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