Wissenschaft Frankreich #169 – 9/09/2009
Wissenschaft-Frankreich Nr. 169 [PDF]
- Forschungspolitik
Die Französische Forschungsagentur (ANR) legt ihren Jahresbericht 2008 vor - Umweltpolitik
Frankreich will eine neue Umwelt- und Wirtschaftsschutzzone im Mittelmeer schaffen - Erneuerbare Energie / Nachhaltige Technologien
Meeresenergien" und "Stromnetze und intelligente elektrische Systeme" - Solartechnologien
Photovoltaische Module: das Solarzellenpanel wird leichter - Biologie
Die Macht des Planktons - Medizinische Forschung
10 Millionen Euro staatlicher Förderung für ein Programm zur Entwicklung von Biomarkern im Bereich Onkologie
Woher kommen die Stimmen, die Schizophrene hören?
Forschungspolitik
Die Französische Forschungsagentur (ANR) legt ihren Jahresbericht 2008 vor
Der 216 Seiten umfassende Bericht [1] der ANR verbindet die Bilanz ihrer Tätigkeit in 2008 teilweise mit einem Rückblick auf ihre Förderpolitik seit 2005 und in einigen Förderbereichen mit einem Ausblick auf die nächsten Jahre. Der Bericht stellt auch die von der ANR geförderte Verbundforschung (Instituts Carnot) und die "Pôles de compétitivité" (Kompetenznetze) dar.
Im Jahr 2008 standen der ANR 839 Millionen Euro an Haushaltsmitteln zur Verfügung. Davon entfielen 494 Millionen Euro an Fördermitteln auf die sechs großen ANR-Förderschwerpunkte:
- Biologie und Gesundheit (122,7 Millionen Euro)
- Ökosysteme und nachhaltige Entwicklung (60,2 Millionen Euro)
- Nachhaltige Energie und Umwelt (104 Millionen Euro)
- Ingenieurwesen, Verfahrenstechnik und Sicherheit (47,7 Millionen Euro)
- Informations- und Kommunikationstechnologien und -wissenschaften (142,8 Millionen Euro)
- Human- und Sozialwissenschaften (16,6 Millionen Euro)
Hinzukam, wie schon in den Vorjahren, der Förderbereich "nicht themenspezifisch" (164,8 Millionen Euro). Die ANR startete im Jahre 2008 fünfzig Projektaufrufe, davon 18 vollständig neue und 12 neu konzipierte, die jedoch auf schon bestehenden Bereichen aufbauten. 12 Projektaufrufe waren "international geöffnet".
In seinem Editorial weist Jacques Stern, der Vorsitzende des ANR-Verwaltungsrates, als wichtige Neuerung auf die Schaffung eines Rates für Prospektive hin. Er hebt weiter als wichtiges Faktum des Jahres 2008 hervor, dass dem ANR seitens AFNOR für die Qualität der Ausgestaltung seiner Projektselektion die Zertifizierung ISO 9001 zuerkannt worden sei.
In der "Allgemeinen Einführung" des ANR-Jahresberichts (Seiten 5 - 14) sind u.a. dargestellt:
- die Art und die Anzahl der ANR-Projektaufrufe
- das Mandat und der Vorsitz der acht sektoralen Wissenschaftlichen Komitees sowie die Zusammensetzung des Rats für Prospektive
- der Prozentsatz der in die Projektevaluierung eingebundenen Experten u.a. aus anderen Ländern und der Industrie
- die Anzahl der positiv bewerteten Projektvorschläge nach Förderschwerpunkten
- die Durchschnittshöhe der auf die einzelnen Projekte entfallenden Förderbeträge
- die prozentuale Aufschlüsselung der ANR-Fördermittel auf der Empfängerseite und nach Regionen. Auf die Universitäten entfielen in 2008 24,5 % der Gesamtfördermittel der ANR, auf die Grundlagenforschung 65,6 %.
Im Jahre 2008 wurden bei der ANR 6013 Projektvorschläge eingereicht; das entspricht gegenüber dem Jahr 2007 einer Steigerung von 4,1 %. Der Prozentsatz der positiv bewerteten Projektvorschläge lag je nach Förderbereich zwischen 21,5 % und 26,6 %.
Kontakt: [1] Der Bericht ist auf Französisch unter der folgenden Adresse verfügbar: http://www.agence-nationale-recherche.fr/documents/uploaded/2009/ANR-RA2008.pdf
Quelle: Kooperation-International - 31.08.2009
Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr
Umweltpolitik
Frankreich will eine neue Umwelt- und Wirtschaftsschutzzone im Mittelmeer schaffen
Mit rund 11 Millionen Quadratkilometern verfügt Frankreich über das zweitgrößte Meeresgebiet der Welt nach dem der USA. Nun will Frankreich, so Umweltminister Jean-Louis Borloo am 24. August 2009, eine Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) an seiner Mittelmeerküste schaffen, um Fischbestände zu bewahren. Die AWZ soll sich über 70 Seemeilen vor den französischen Küsten erstrecken.
Am 24. August 2009 wurde ein Gebiet von 70 Seemeilen (entspricht 130 Kilometern) vor der Küste zur Ausschließlichen Wirtschaftszone erklärt. Prinzipiell gilt das Hoheitsrecht von Küstenstaaten nur bis zu zwölf Seemeilen vor der Küste. Jedoch können gemäß dem 1982 verabschiedeten Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen sogenannte Ausschließliche Wirtschaftszonen ausgerufen bzw. beantragt werden. Diese können sich über bis zu 200 Seemeilen (370 Kilometer) vor den Küsten eines Landes erstrecken.
Durch die Bewilligung einer AWZ im Mittelmeer hätte Frankreich die Möglichkeit, ein ökologisch geschütztes Gebiet zu schaffen. Somit könnten die französischen Behörden zielgerichteter gegen die Meeresverschmutzung vorgehen, da innerhalb der AZW der Fischfang sowie die Gewinnung von Bodenschätzen besser kontrolliert werden können.
"Wir ändern unsere Politik, weil Schiffe aus aller Welt an die Küste Frankreichs kommen, um sich die natürlichen Ressourcen ohne jegliche Kontrolle - abgesehen von den Hoheitsgewässern Frankreichs - anzueignen. Und das geht so nicht weiter.", sagte Borloo. Im Falle der Bewilligung einer AWZ wäre Frankreich in der Lage, sowohl die Fangtätigkeit als auch die Meeresbodennutzung selber zu regeln.
Bisher haben nur sehr wenige Länder Ausschließliche Wirtschaftszonen im Mittelmeer ausgerufen. Sollte sich dies jedoch ändern und alle Länder eine solche Zone verlangen, gäbe es bald keinen Meeresabschnitt mehr, der nicht unter staatlicher Kontrolle stünde. Borloo wünscht sich jetzt, dass sich andere Länder ein Beispiel an Frankreich nehmen und, dass die Mittelmeerstaaten im Rahmen der Union für den Mittelmeerraum bald solche AWZ bei der UNO beantragen. Dies würde einen umfassenden Schutz des Mittelmeers ermöglichen.
Quelle: "La France va créer une nouvelle zone de protection en Méditerranée" - AFP/Le Monde - 24.08.2009
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
Erneuerbare Energie / Nachhaltige Technologien
Meeresenergien" und "Stromnetze und intelligente elektrische Systeme"
Um die Spitzenlastzeiten im Stromverbrauch besser kontrollieren zu können und die Entwicklung der erneuerbaren Energien zu beschleunigen, hat die Agentur für Umwelt und Energie (ADEME) zwei neue Aufrufe zur Interessensbekundung im Bereich Meeresenergien und der intelligenten, elektrischen Systeme gestartet. Diese Aufrufe werden vom "Forschungsdemonstrationsfond" finanziert, der im Rahmen des Abkommens für Umweltschutz ("grenelle de l'environnement") eingerichtet wurde.
Die Meeresenergien
Der französische Minister für Umwelt, Energiewirtschaft und nachhaltige Entwicklung, Jean-Louis Borloo, hat beim Treffen des " Grenelle de la mer " (Programm zum Schutz des Meeres) darauf hingewiesen, dass die Energiestrategie Frankreichs verstärkt auf die erneuerbaren Meeresenergien ausgerichtet werden müsse. Derzeit werden in Frankreich nur ca. 0,5 % der produzierten Energie durch Meeresenergie gewonnen (ı durch Kernenergie). Die im Rahmen der nationalen Strategie für Forschung und Innovation geleisteten Arbeiten konnten jedoch das unermessliche Potential der erneuerbaren Meeresenergien aufzeigen und die Notwendigkeit unterstreichen, die technischen Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet auszubauen, um die nachhaltige Nutzung der Meere zu verbessern. Mit seinen 5500 km Küstenlänge und seinen 11 Millionen km◊ Hoheitsgewässern (die Überseedepartements mitgerechnet), verfügt Frankreich, hinter den Vereinigten Staaten, über die besten natürlichen Voraussetzungen.
Um die technologischen Möglichkeiten, die im Zeitraum 2020-2030 umgesetzt werden könnten (dieses Ziel hat sich der Forschungsdemonstrationsfond gesetzt), besser einschätzen zu können, konzentrieren sich die Aufrufe zur Interessensbekundung im Bereich Meeresenergien auf 4 Schlüsselkategorien:
- die Gezeitenkraftwerke (Energie der Meeresströmungen)
- die Offshore Windenergieanlagen (Energie der Meereswinde)
- die Wellenkraftwerke (Energie der Wellen und der Brandung)
- die Wärmeenergie der Meere (Energie, die mit dem Transfer der thermischen Strömungen im Wasser zusammenhängen)
Die zukünftigen Forschungsdemonstratoren müssen die spezifischen Merkmale dieser Technologien, die mit den Meeresenergien verbundenen Ziele, die Gewässervielfalt und die Nutzungsbedingungen berücksichtigen, um die mit der Entwicklung der Meeresenergien verbundenen technischen Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen (Planung und Serienherstellung, elektrische Planung, Installation im Meer, Verankerung, etc.).
Es gilt jedoch auch anderen Problemen zu begegnen, wie z. B.:
- der Integration von Demonstrationsprojekten in eine bereits vorhandene lokale Küstenwirtschaft, insbesondere mit dem Ziel einer Diversifizierung der dortigen Wirtschaftsaktivitäten.
- den Konflikten, die mit der Nutzung der Küstenumgebung durch verschiedene Akteure (z. B. Fischer, Touristen, Lokalbevölkerung, Seefahrer) einhergehen.
- der Sicherheit der Menschen und Güter, die auf oder in unmittelbarer Nähe des Forschungsdemonstrators arbeiten.
- der Evaluierung und der Umgang mit den Umweltauswirkungen, die mit der Installation des Demonstrators in den Meeres- und Küstengebieten in Zusammenhang stehen.
Die Abgabefrist für die Aufrufe zur Interessensbekundung im Bereich Meeresenergien endet am 15. Oktober 2009.
Netzwerke und intelligente elektrische Systeme
Die Entwicklungen in der Energieproduktion und dem Konsumverhalten zwingen zu einem Umdenken in Bezug auf die Netzwerke, mittels derer die Energie transportiert wird. Angesichts der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energiequellen müssen die Stromnetze einer unregelmäßigen Energieeinspeisung und der Veränderung des Konsumverhaltens angepasst werden. In vielen Ländern wird das Thema der intelligenten Stromsysteme und Stromnetze, die erneuerbare Energien und den Umgang mit Energie integrieren, als prioritär für die Forschung und die Demonstration erachtet.
Die Aufrufe zur Interessensbekundung im Bereich der "Netzwerke und intelligenten elektrischen Systeme, die die erneuerbaren Energien und den Umgang mit Energie integrieren", zielen ab auf:
- die Untersuchung der Bedingungen zur massiven Einspeisung erneuerbarer Energien in die Stromnetze bei gleichbleibender Strommenge und bei Aufrechterhaltung der Sicherheit des elektrischen Systems.
- die Bewertung neuer Produkte und Serviceleistungen, die mit der Ausweitung der intelligenten Systeme verbunden sind. Dies ermöglicht eine Anpassung an die Spitzenzeiten bezüglich Angebot und Nachfrage entsprechend der Entwicklung des Konsumverhaltens.
Die Entwicklung neuer technischer Lösungen ist entscheidend um:
- die Einspeisung des durch Unternehmen und Einzelpersonen vertriebenen Stroms zu erleichtern, insbesondere des Stroms, der auf der Basis erneuerbarer Ressourcen produziert wurde
- die Steuerung der Nachfrage und der unregelmäßigen Stromproduktion zu optimieren, um so das Zurückgreifen auf CO◊ ausstoßende Produktionsverfahren zu beschränken und das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage zu gewährleisten.
- die Entwicklung der Netze vorauszusehen (z.B. durch den Einsatz von Elektroautos).
Intelligente Zähler ermöglichen eine Verringerung des Stromverbrauchs (Pilotstudien haben gezeigt, dass der Stromverbrauch in den Haushalten um 5 % bis 15 % reduziert werden konnte), sie erhöhen die operationelle Wirksamkeit des Stromnetzes, verbessern die Servicequalität und erlauben eine genauere und einfachere Abrechnung.
Der von Minister Borloo am 3. Juni d.J. vorgestellte Fahrplan im Energiebereich hat die Notwendigkeit aufgezeigt, die Anstrengungen zu intensivieren, die zu einer verbesserten Steuerung des Energiebedarfs in Spitzenzeiten beitragen. Jean-Louis Borloo fordert daher die Akteure auf, Innovationen zu präsentieren (Geräte, die ein genaueres Ablesen und eine Analyse des Stromverbrauchs ermöglichen, "Box" zur Fernsteuerung des Verbrauchs, usw.), die insbesondere in den Versorgungsgebieten getestet werden könnten, in denen die ERDF verbesserte Zähler installiert.
Die Bewerbungsfrist für den Aufruf zur Interessensbekundung im Bereich "Netzwerke und intelligente elektrische Systeme" endet am 30. November 2009.
Kontakt:Relations de presse de l'ADEME, Golin Harris - Cécile Lardillon, Delphine Launois, Stéphanie Laurent - E-Mail: - Tel.: + 33 140 415 501
Quelle:Pressemitteilung der ADEME - 02.09.2009
Redakteur: Julien Bouasria, julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
Solartechnologien
Photovoltaische Module: das Solarzellenpanel wird leichter
Gemeinsam mit den Gesellschaften Apollon Solar und Vincent Industries entwickelt das LITEN [1] einen neuen Typus photovoltaischer harz- und lötfreier Module. Induzierter Vorteil: eine Kostenersparnis ohne Leistungsveränderung.
Obwohl auf dem Gebiet der Solarenergie eine gezielte Politik betrieben wird, bleiben die Kosten für Photovoltaikanlagen hoch. So rentiert sich bei einem Einfamilienhaus eine Solarenergieanlage bestenfalls erst nach sechs Jahren. Das wichtigste Forschungsziel bei der Entwicklung von Solarenergiemodulen bleibt daher die Senkung der Herstellungskosten.
Die herkömmlichen Module bestehen aus einer Aufschichtung diverser Elemente. "Die photovoltaischen Zellen sind mit einem PVC-Äthyl-Acetat-Harz umgeben, welches eine höhere Widerstandsfähigkeit des Solarzellenpanels gewährleistet, das Eindringen von Feuchtigkeit verhindert und gleichzeitig die zufriedenstellenden optischen und elektrischen Eigenschaften beibehält", sagt Eric Pilat, Forscher am LITEN. PVC-Äthyl-Acetat-Harz ist jedoch ein teures Material, das Löten notwendig macht - ebenfalls sehr kostenintensiv -, um die Zellen miteinander zu verbinden. Es stellt sich auch das Problem des Materialrecyclings. Und schließlich ist es UV-durchlässig und macht das Anbringen von Filtern notwendig, die einen Teil des Sonnenspektrums absorbieren, welches die Gesamtleistung der Zelle verändert. Daher besteht vonseiten der Gesellschaft Apollon Solar Interesse daran, das System, dessen Entwicklung vom LITEN weitergeführt wird, patentieren zu lassen.
Die Idee besteht darin, das PVC-Äthyl-Acetat-Harz durch eine einfache Dichtung zu ersetzen und im Inneren einen Druckabfall zu erzeugen, um die elektrischen Kontakte herzustellen. Die Polyisobutylen-Dichtung leitet sich von jenen Dichtungen ab, die bei Doppelverglasungen verwendet werden. "Das Prinzip ist ähnlich dem eines Gurkenglases: die Dichtung wird angebracht, es wird verschlossen, es wird ein Druckabfall geschaffen und es ist dicht!" Ein von Vincent Industries hergestellter Prototyp wurde im Januar 2009 vom CEA [2] erworben, mit dem Ziel, ein widerstandsfähiges, direkt auf die Industrie übertragbares Verfahren zu erhalten. Die Forscher haben die Widerstandsfähigkeit der Polyisobutylen-Dichtung optimiert, um die Risken der Zellbeschädigung in der Unterdrucksetzungsphase zu vermindern und gleichzeitig eine optimale Dichte zu gewährleisten. Damit die Zellen dem Druck standhalten, war es notwendig, die Kupferlamellen, auf die sie aufgebracht werden, genau zu positionieren, um Abschereffekte zu vermeiden. "Aus diesem Grund wurde ein Elastomerpolster hinzugefügt, das die Abscherwirkung, der die Zelle ausgesetzt ist, vermindert". Die Dichtungsanbringung wurde mit einem Harzhersteller optimiert, um eine Blasenbildung zu vermeiden, die seine gute Substratadhäsion verändern könnte. Parallel dazu wird eine Forschungsbank entwickelt, um anhand eines Modells die Dichtungsdichte zu studieren und eventuell zu verbessern. Die Forschungsteams des CEA versuchen ebenfalls, die Leistungen der Anlage zu optimieren, insbesondere, um den Energieverlust durch Reflexion des Sonnenspektrums zu kompensieren, das mit dem fehlenden Einkapselmaterial zusammenhängt: eine Antireflexschicht zur Verbesserung der optischen Eigenschaften des Moduls befindet sich derzeit in der Entwicklung.
Kürzlich wurde eine Solaranlage mit 2000 Watt installiert. Sie soll auf dem Gelände des INES [3] in Chambéry auf Sonneneinstrahlung getestet werden. Die ersten Resultate sind vielversprechend, mit Ergebnissen von 12,5 %.
[1] LITEN: Innovationslabor für erneuerbare
Energietechnologien und Nanomaterialien:
www-liten.cea.fr
[2] CEA: Atomenergiebehörde: www.cea.fr [3] INES:
französisches Institut für Solarenergie:
www.ines-solaire.com
Kontakt:Eric Pilat, Expert - E-Mail: relation.entreprises@cea.fr - Tel: + 33 438 785 050
Quelle:CEA Techno(s) Nr. 93 - Sept. 2009
Redakteur: Julien Bouasria, julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
Biologie
Die Macht des Planktons
Französische Wissenschaftler der Institute für Meeresbiologie (Roscoff) und für Ozeanographie (Villefranche sur Mer) haben jetzt in Zusammenarbeit mit Forschern aus den USA (Rutgers University) und Kanada (Ottawa University) die ungeahnte Vielfalt einer Planktonart, die zur Gruppe der Haptophyta [1] gehört, entdeckt. Dabei haben die Meeresbiologen festgestellt, dass diese marinen photosynthetischen Mikroorganismen zu den größten Produzenten organischer Substanzen gehören.
Mehr als die Hälfte der weltweit vorkommenden organischen Substanzen werden im Meer durch die Photosynthese von Phytoplankton gewonnen. Diese Mikroorganismen sind am Kohlenstoffkreislauf beteiligt, indem sie durch Sonnenlicht organische Substanzen produzieren.
Die Wissenschaftler haben nun herausgefunden, warum ein blaues photosynthetisches Pigment [2], das 19'-hexanoyloxyfucoxanthin, überall im Salzwasser zu finden ist. Anhand genetischer Protokolle ist es den Biologen gelungen, eine Vielzahl von Mikroorganismen zu identifizieren, die dieses Pigment in sich tragen - einzellige Eukaryoten (Protista), die zur Gruppe der Haptophyta gehören. Diese Protista verfügen über eine besonders hohe anatomische und physiologische Plastizität. Genau genommen sind Protista weder Bakterien, noch Viren, noch Pflanzen oder Tiere. Berechnungen zufolge kommen in nur wenigen Litern tropischen Meerwassers mehr als 1.000 genetisch unterschiedliche Spezies von Haptophyta vor, die 2 bis 8 Mikrometer groß sind.
Der Grund, weshalb diese kleinen Haptophyta so viel Biomasse herstellen können und eine so große biologische Vielfalt darstellen, liegt in ihrer abwechslungsreichen Ernährung begründet. Sie ernähren sich nicht nur von Sonnenlicht (dank der Photosynthese), sondern auch von bakterieller Beute, organischen Substanzen oder sogar kleineren Protista, die 1 bis 2 Mikrometer groß sind.
Zum Verständnis des Einflusses von Lebewesen auf den Klimawandel ist es notwendig, den Reichtum und die Funktionsweise der Biodiversität von Plankton zu untersuchen. Zu diesem Zweck wird das CNRS-Institut für Meeresbiologie in Roscoff in Kürze Studien über Protista durchführen, wie z.B. die BioMarKs-Studie (Biodiversity of Marine euKaryotes) an den europäischen Küsten oder die wissenschaftliche Expedition Taran-Oceans an Bord eines Segelschiffs.
Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht [3].
[1] Haptophyta sind einzellige Organismen, die ein
fadenförmiges Anhängsel namens Haptomena besitzen.
[2] Als photosynthetisches Pigment bezeichnet man ein
farbiges Molekül, das die für die Photosynthese
notwendigen Lichtstrahlungen absorbieren bzw.
umwandeln kann.
[3] Liu H., Probert I., Uitz J., Claustre H.,
Aris-Brosou S., Frada M., Not F., de Vargas C. 2009.
Extreme diversity in noncalcifying haptophytes
explains a major pigment paradox in open oceans.
Proceedings of the National Academy of Sciences of
the United States of America (PNAS published online
before print July 21, 2009,
doi:10.1073/pnas.0905841106).
Kontakt: Colombran Vargas - Tel: +33 298 292 528 - E-Mail: vargas@sb-roscoff.fr
Quelle: Pressemitteilung des Französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung - 23.07.2009
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
Medizinische Forschung
10 Millionen Euro staatlicher Förderung für ein Programm zur Entwicklung von Biomarkern im Bereich Onkologie
Oncodesign, ein Biotechnologie-Unternehmen im Bereich Onkologie, hat am 6. August 2009 angekündigt, dass OSEO [1] ihr Forschungsprogramm IMAkinib zur Entwicklung von Biomarkern im Bereich Onkologie zu 40 % finanzieren wird. Die Gesamtkosten von IMAkinib belaufen sich auf 24,7 Millionen Euro für 8 Jahre, davon werden 10,3 Millionen von OSEO übernommen. Das Unternehmen Oncodesign, Koordinator des Projektes, wird mit 2 Industriepartnern zusammenarbeiten: Guerbet für die Herstellung des Radiopharmakons (Tracer) und die klinischen Versuche mit Biomarkern, und Ariana Pharmaceuticals für die Analyse der chemischen und biologischen Daten.
Tracer sind mit einem radioaktiven Fluor (F18) markierte Diagnostikmoleküle, die mit einem Scanner eine Bildgebung der Antwort von Patienten auf eine Anti-Krebs-Therapie ermöglichen. Darüber hinaus erlauben sie eine präzise Lokalisation des Tumors und seiner eventuellen Metastasen.
Claire Corot, Forschungsdirektorin bei Guerbet erklärt, dass diese Tracer eine verbesserte Einschätzung der Patienten ermöglichen werden, so dass dank der Bildgebung jeweils die effizienteste und angepassteste Therapie bestimmt werden kann. Die Erfahrung von Guerbet im Bereich von Bildgebungsprodukten und Technologien wird eine wesentliche Rolle bei der klinischen Entwicklung und der Vermarktung der Tracer spielen.
Oncodesign kann sich seinerseits auf große Erfahrungen im Bereich der Pharmakologie von Anti-Krebs-Therapien und deren konkrete Umsetzungen im Rahmen der Programme CReMEC (Medicen, Paris) und PharmImage (Dijon) berufen.
Für Mohammad Afshar, Geschäftsführer von Ariana Pharma, bietet das Programm IMAkinib dem Unternehmen Ariana die Möglichkeit, seine Potentiale deutlich auszubauen und eröffnet neue Anwendungsfelder für ihre Datenanalyse-Technologie KEM zur in vivo Entwicklung von Biomarkern.
Die Finanzierung des Projekts IMAkinib ist Teil des Programms ISI (strategische industrielle Innovation) der OSEO, deren Ziel es ist, zukünftige europäische Weltmarktführer zu fördern.
[1] Die OSEO ist eine französische staatliche
Einrichtung, die die Innovation und die Entwicklung
kleiner und mittlerer Unternehmen fördert. http://www.oseo.fr/
http://www.oncodesign.fr/
http://www.guerbet.com
http://www.arianapharma.com/
Beschreibung des Projekts CReMEC (auf Französisch):
http://www.medicen.org/fr/les-projets-du-p-le/synth-se-des-projets-labellis-s-en-2005.html
http://www.pharmimage.fr/
Quelle: Pressemitteilung von Oncodesign - 06.08.2009
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Medizinische Forschung
Woher kommen die Stimmen, die Schizophrene hören?
Forscher des Instituts für biomedizinische Bildgebung I◊BM [1] (CEA-Inserm), in Zusammenarbeit mit den Psychiatrie-Abteilungen der Krankhäuser Chenevier-Henri Mondor und Cochin-St-Vincent de Paul (AP-HP) und Sainte-Anne, haben herausgefunden, warum die Stimmen, die Schizophrene hören, manchmal als von innen und manchmal als von außen kommend wahrgenommen werden. Den Forschern zufolge ist ein anatomischer Unterschied in einer bestimmten Gehirnregion, die eine Rolle bei der örtlichen Zuordnung des Geräusches spielt, dafür verantwortlich.
Der WHO zufolge leidet 1 % der Weltbevölkerung an Schizophrenie. Mündliche Gehörhalluzinationen sind bei 70 % der Patienten zu beobachten. In 20 % der Fälle zeigen sie eine Resistenz gegen jede Form von therapeutischer Behandlung. Seit den Ergebnissen von Bleuler und Kraepelin werden für die Schizophrenie 2 Typen von Gehörhalluzinationen unterschieden: die, die die Patienten in ihrem Kopf selbst hören, und die, die sie als von außen kommend wahrnehmen. Die klinische Unterscheidung hat die Forscher dazu veranlasst, die Gehirnmechanismen der örtlichen Zuordnung von Gehörhalluzinationen zu erforschen, die sich als therapieresistent erwiesen hatten.
Titel: Ergebnisse der MRT-Analyse
von unterschiedlichen Patienten
Credit: I◊BM (CEA-Inserm)
Die Forscher haben mittels MRT (Magnetresonanztomographie, [2]) die Gehirnanatomie von unterschiedlichen Patienten verglichen: 20 gesunde Patienten, 12 Schizophrene, die ausschließlich von außen kommende Stimmen hörten, und 15 Schizophrene, die ausschließlich von innen kommende Stimmen wahrnahmen. Die Ergebnisse zeigen einen Unterschied in der Region des Gehirnes, die eine Rolle bei der örtlichen Zuordnung von Geräuschen spielt (temporo-parietal Cortex der rechten Hemisphäre). Mit Hilfe der vom NeuroSpin-Zentrum [3] entwickelten Methoden zur Analyse von 3D-Bildern untersuchten die Forscher die Anatomie dieser Gehirnregion und konnten eine Anomalie der Verbindung zweier Furchen des Cortex (siehe Abbildung) aufzeigen. Bei den Schizophrenen, die von außen kommende Stimmen hörten, war die Verbindung nach vorne verschoben (in rosa auf der Abbildung rechts), während sie bei den Schizophrenen, die von innen kommende Stimmen wahrnahmen, nach hinten verschoben war (in blau).
Dieser Unterschied in der Position der Furchenverbindung könnte auf mögliche Abweichungen während des Gehirnreifungsprozesses im letzten Drittel der Schwangerschaft deuten. Diesen Ergebnissen zufolge wäre also die Gehirnanatomie entscheidend für die örtliche Zuordnung der Stimmen bei Schizophrenen.
[1] Weitere Informationen zum Institut für
biomedizinische Bildgebung I◊BM (institut d'imagerie
biomédicale) unter:
http://www-dsv.cea.fr/instituts/institut-d-imagerie-biomedicale-i2bm
[2] Weitere Informationen über die
Magnetresonanztomographie unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Magnetresonanztomographie
[3] Weitere Informationen über NeuroSpin: http://www-dsv.cea.fr/neurospin/
"Where do auditory hallucinations come from ? A Brain
Morphometry Study of Schizophrenia Patients With
Inner or Outer Space Hallucinations", Plaze,
Paillère-Martinot, Penttilä, Januel, de Beaurepaire,
Bellivier, Andoh, Galinowski, Gallarda, Artiges,
Olié, Mangin, Martinot & Cachia - Schizophrenia
Bulletin - 2009
Quelle: Pressemitteilung des CEA - 20.08.2009
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
KONTAKT
Französische Botschaft in Deutschland
Abteilung für Wissenschaft und Technologie
Adresse: Pariser Platz 5
D-10117 BERLIN
Tel: +49 30 590 03 92 50
Fax: +49 30 590 03 92 65
E-Mail: sciencetech@botschaft-frankreich.de
http://ww.wissenschaft-frankreich.de
Französische Botschaft in Österreich
Abteilung für Wissenschaft und Technologie
Adresse: Währinger Strasse 30
A-1090 Wien
Tel: +43 15 027 5324
E-Mail: julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
http://www.ambafrance-at.org/spip.php?article989
ANMELDUNG
Sie können das Informationsblatt Wissenschaft-Frankreich ganz einfach abonnieren, indem Sie eine E-Mail an folgende Adresse senden: sciencetech@botschaft-frankreich.de