Wissenschaft Frankreich #170 – 23/09/2009
Wissenschaft-Frankreich Nr. 170 [PDF]
- Kultur & Internet
Die Nationalversammlung verabschiedet den Gesetzentwurf "Création et Internet" - Informations -und Kommunikationstechnik
Ergebnisse der Projektausschreibungen anlässlich des digitalen Konjunkturprogramms - Energie
Futurol: Projekt zur Erforschung und Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten Generation
Endgültige Stilllegung des Kernreaktors Phönix
Der Umweltminister Jean-Louis Borloo veröffentlicht das "Bordbuch Windenergie-Sonnenenergie" - Umwelt
Die Auswirkungen der Ozeanversauerung auf Schlüsselorganismen im Meer - Transport
Die Zukunft des Automobils
Kultur & Internet
Die Nationalversammlung verabschiedet den Gesetzentwurf "Création et Internet"
Die Nationalversammlung stimmte am 15. September 2009 über das umstrittene Antipirateriegesetz "Hadopi II" (gegen illegales Herunterladen aus dem Internet) ab. Das Gesetz wurde mit 285 gegen 225 Stimmen angenommen. Kurz darauf wurde der Text unverändert vom paritätischen Ausschuss (sieben Senatoren und sieben Abgeordnete) angenommen.
Frederic Mitterrand, französischer Minister für Kultur und Kommunikation, sagte, dass dieses Gesetz "die Rechte der Internetnutzer schützen wird, und zwar gegenüber denen, die das Internet zum Versuchsfeld für ihre anarchistischen Utopien machen wollen". Der Minister kündigte weiterhin an, dass er dem Präsidenten der Republik und dem Premierminister noch vor Ende des Jahres Vorschläge unterbreiten möchte, sobald die Gesetze Hadopi I und Hadopi II in Kraft getreten sind.
Das neue Gesetz. In Anbetracht der Entscheidung des französischen Verfassungsgerichts vom 10. Juni 2009 bekräftigt das neu verabschiedete Gesetz den Wunsch der Regierung, die Plünderung von Werken im Internet zu verhindern. Es bietet eine geeignete rechtliche Grundlage, um die Täter von illegalen Downloads zu bestrafen. Das Gesetz:
- ermächtigt Mitarbeiter der Hohen Behörden für die Verbreitung von Werken und für den Schutz von Online-Rechten (Hadopi) Verstöße gegen den Schutz von Werken über das Internet festzustellen und die Beobachtungen betroffener Menschen zu sammeln;
- ermöglicht es den Justizbehörden, vereinfachte Verfahren zu nutzen, um Sanktionen gegen die Täter illegaler Downloads zu verhängen;
- sieht angemessene Sanktionen vor. Verletzungen des Urheberrechts im Internet könnten mit einer Sperrung des Internet-Zugangs bestraft werden.
Quelle: Ministerium für Kultur
und Kommunikation - 15.09.2009
http://www.culture.gouv.fr/mcc/Actualites/A-la-une/L-Assemblee-nationale-adopte-le-projet-de-loi-Creation-et-internet
Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr
Informations -und Kommunikationstechnik
Ergebnisse der Projektausschreibungen anlässlich des digitalen Konjunkturprogramms
Die Staatssekretärin für die Evaluierung der öffentlichen Politik und die Entwicklung der digitalen Wirtschaft, Nathalie Kosciusko-Morizet, hat am 15. September 2009 die 92 Projekte vorgestellt, die im Rahmen der Projektausschreibungen "Serious Gaming" und "Web 2.0", die im Frühjahr anlässlich des digitalen Konjunkturprogramms gestartet sind, ausgewählt wurden. Die Projekte werden über ein Budget von 35 Millionen Euro verfügen.
Insgesamt wurden im Rahmen des "Serious Gaming" 166 Projekte, überwiegend von KMU und Kleinstunternehmen, mit einem Gesamtvolumen von rund 145 Millionen Euro und einem Volumen für Zuschussanträge von knapp 67 Millionen Euro eingereicht. Zu den Bewerbern zählen unter anderem Experten auf diesem Gebiet, Unternehmen für Video-Spiele (die, um der Krise zu entgehen, ihr Angebot ausweiten möchten), Verbände zur Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit sowie EDF, RATP und die Tageszeitung "Le Monde".
Die am häufigsten gewählten Themen sind: Bildung und Ausbildung, Gesundheit und Medizin und schließlich Unternehmen. Der Auswahlausschuss, der von der Generaldirektion für Wettbewerbsfähigkeit, Industrie und Dienstleistungen (DGCIS) geleitet wird, hat 48 Projekte der Ausschreibung "Serious Gaming" ausgewählt. Die Anträge auf Unterstützungen reichen von 184.000 bis 577.000 Euro.
Im Rahmen der Projektausschreibung "Web 2.0" wurden 340 Dossiers eingereicht. Das Gesamtbudget dieser Projekte beläuft sich auf rund 250 Millionen Euro und die Anträge auf Unterstützungen auf 110 Millionen Euro. Die Ausschreibung stellte zwei Themen in den Vordergrund: die Entwicklung innovativer Web-Dienstleistungen in den Informationssystemen von Unternehmen und clevere Ideen für die Nutzung öffentlicher Daten. Es wurden jedoch auch andere Themen behandelt, vor allem soziale Netzwerke für die breite Öffentlichkeit, das Semantic Web, die digitale Identität, das städtische Leben, Musik oder Einstellungsverfahren. 44 Projekte wurden ausgewählt, deren Anträge auf Unterstützung von 75.000 bis 800.000 Euro reichen.
Kontakte: Die Liste der
ausgewählten Projekte finden Sie auf Französisch
unter folgender Adresse:
- Serious Games:
http://www.telecom.gouv.fr/rubriques-menu/soutiens-financements/programmes-nationaux/volet-numerique-du-plan-relance/resultats-deux-appels-projets/liste-projets-retenus-serious-game-2217.html
- Web 2.0:
http://www.telecom.gouv.fr/rubriques-menu/soutiens-financements/programmes-nationaux/volet-numerique-du-plan-relance/resultats-deux-appels-projets/liste-projets-retenus-web-innovant-2218.html
Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr
Energie
Futurol: Projekt zur Erforschung und Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten Generation
Das französische Erdölinstitut (IFP [1]), das französische Institut für Agrarforschung (Inra [2]), die Struktur Agrarforschung für Entwicklung (ARD [3]) und ihre 8 anderen Partner [4] haben am 11. September 2009 den Start des Projekts Futurol angekündigt. Das Ziel dieses Projektes ist es, bis 2015 ein Produktionsverfahren für Ethanol der "zweiten Generation" auf den Markt zu bringen.
Vor dem Hintergrund einer Erdölverknappung, der Erderwärmung und dem aktuellen Rückgang der Entwicklung von Biokraftstoffen der "ersten Generation" (Bioethanol und Biodiesel) aufgrund zu geringer Energieeffizienz, mangelnder Nachhaltigkeit und der Nutzung von Nahrungsmitteln als Rohstoffgrundlage, stellt die Entwicklung dieser Biokraftstoffe der Zukunft (die die Biomasse ernährungsfremder Stoffe nutzen, wie Stroh, Holz oder Waldreststoffe) eine der größten Herausforderungen der heutigen Zeit dar. Es gibt zwei Möglichkeiten zur Herstellung des Biokraftstoffes: die biochemische Variante zur Herstellung von Zellulose-Ethanol [5] und die thermochemische Variante für den synthetischen Dieselkraftstoff BtL (Biomass to Liquid) [6]. Das IPF führt Forschungsarbeiten in beiden Bereichen durch.
Bis 2015 soll im Rahmen von Futurol ein französisches Industrieverfahren für die Produktion von Zellulose-Ethanol auf den Markt gebracht werden. Dieses Projekt mobilisiert sämtliche F&E-Kompetenzen Frankreichs in diesem Bereich: das Inra für die Ressource und alkoholische Gärung, die ARD für die Vorbehandlung und Coproduktverwaltung und das IFP für die Enzymhydrolyse und die Verfahrensintegration. Die verschiedenen Partner arbeiten im Konsortium "Procethol 2G" zusammen, um die gesamte Branche voranzutreiben und die Verfahren und Produkte (Enzyme und Hefen) patentieren zu lassen, deren Markteinführung Axens, eine Tochtergesellschaft des IFP, sichern wird. Nach Angaben von Jean-Pierre Burzynski, Leiter der petrochemischen Aufbereitungsanlage im IFP, soll bis 2010 eine Pilotanlage (Verarbeitung von 1 Tonne Biomasse pro Tag) in der Marne entstehen, bevor 3 Jahre später ein industrieller Prototyp (100 Tonnen Biomasse pro Tag) errichtet wird. Das Ziel besteht darin, ein Produktionsverfahren zu entwickeln, dass, vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen, mit dem europäischen Ethanol der ersten Generation vergleichbar ist.
Ziel der europäischen Union ist es, dass bis 2020 10 % des gesamten Kraftstoffverbrauchs auf Biokraftstoffe entfallen sollen. Die EU plant ebenfalls die Einführung einer Zertifizierung mit Kriterien für die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen. Zunächst könnte eine Senkung der Treibhausgasemissionen um mindestens 35 % gefordert werden.
Noch nie wurde weltweit so viel in die F&E im Bereich der Produktion von Biokraftstoffen investiert. Während die USA und Brasilien auf das Zellulose-Ethanol setzen, interessiert sich Europa für beide Möglichkeiten (Zellulose-Ethanol und BtL). Mehrere Pilotanlagen sind bereits in Betrieb und andere befinden sich derzeit in der Planung. Die größte Herausforderung besteht darin, diese Biokraftstoffe zu wettbewerbsfähigen Preisen und mit den besten Umweltbilanzen zu erzeugen. Angesichts der noch zu überwindenden wirtschaftlichen und technologischen Hindernisse werden die ersten Industrieanlagen erst 2015/2020 entstehen.
Kontakte:
-[1] IFP: http://www.ifp.fr
-[2] Inra: http://www.inra.fr
-[3] ARD: http://www.a-r-d.fr/
-[4] Partner des Projekts Futurol: IFP, Inra, ARD,
Verband der Zuckerrübenbauern (CGB), Champagne
céréales, Lesaffre Group, Landesamt für Wälder (ONF),
Tereos, Total, Unigrains und die Crédit agricole du
Nord-Est.
-[5] Extraktion der Zellulose, Umwandlung der
Zellulose in Glucose durch Hydrolyse mit Enzymen,
Gärung der Glucose mit Hefen zu Ethanol und Säuberung
des Ethanols durch Destillierung und Trocknung.
-[6] Aufbereitung der Biomasse durch Pyrolyse oder
Röstung, anschließende Umwandlung in gasförmigen
Zustand mit Hilfe von Wasserdampf oder Wasserstoff,
gefolgt vom Fischer-Tropsch-Verfahren: chemische
Umwandlung des Synthesegases in flüssige und feste
paraffinische Kohlenwasserstoffe.
Quellen:
-"Quel avenir pour les biocarburants dits de deuxième
génération?" - Pressemitteilung des IFP -
http://www.ifp.fr/espace-decouverte-mieux-comprendre-les-enjeux-energetiques/tous-les-zooms/quel-avenir-pour-les-biocarburants-dits-de-2e-generation
- 09.2009
-"L'IFP, acteur majeur du PROJET FUTUROL" -
Pressemitteilung des IFP -
http://www.ifp.fr/actualites/dossiers/l-ifp-acteur-majeur-du-projet-futurol
- 11.09.2009
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Energie
Endgültige Stilllegung des Kernreaktors Phönix
Im Herbst 2009 wird das Kernkraftwerk Phönix endgültig abgeschaltet. Durch den 1974 in Marcoule (Gard) in Betrieb genommenen Reaktor des französischen Zentrums für Atomenergie (CEA [1]) war es nicht nur möglich Schnellbrüter-Kernkraftwerke [2] auf industrieller Ebene zu testen, sondern auch zahlreiche Fakten für die Forschung über die Reaktoren der Zukunft zu sammeln. Während der 35-jährigen Betriebsdauer konnten die Kenntnisse in zahlreichen Bereichen des Kernenergiesektors ausgebaut werden: Materialen, Brennstoffe, Abfallbewirtschaftung.
Als Prototyp für Schnellbrüter-Kernkraftwerke hat der ans Stromnetz des EDF angeschlossene Phönix-Reaktor die industrielle Durchführbarkeit dieser Technologie bewiesen: seine Stromleistung erreichte 140 MW (im Vergleich zu 1.450 MW Leistung der leistungsstärksten Druckwasserreaktoren) und die Verfügbarkeitsrate lag bei über 80 % (vergleichbar mit den derzeit weltweit betriebenen Industrieanlagen).
Als Forschungsreaktor wurde Phönix, dank eines 10 bis 20 Mal höheren Neutronenflusses als der klassischer Reaktoren (DWR), insbesondere als Bestrahlungsgerät eingesetzt. Mehr als 200 Bestrahlungsexperimente wurden dort durchgeführt, um Kenntnisse in zahlreichen Bereichen zu sammeln: Materialbeständigkeit unter Bestrahlung und Verbesserung der Brennstoffleistung, Tests zur Kernumwandlung niedriger Aktinide, Experimente zur Natriumtechnologie und zum Betrieb im "Schnellbrüter"-Modus.
Nach seiner Abkopplung vom Stromnetz am 6. März 2009, wurde Phönix im Frühjahr und Sommer 2009 für das Programm "allerletzte Versuche" genutzt. Bis November 2009 werden Physiker dort Experimente zum Neutronenfluss, der Thermohydraulik und Sicherheitsexperimente durchführen, die nur geringe Leistungen von einigen kWe benötigen. Anschließend werden nach und nach die 300 Brennelemente abgebaut und für einen Weitertransport in die Wiederaufbereitungsanlage La Hague zwischengelagert. Die Stilllegung soll Ende 2011 beginnen und sich auf etwa 15 Jahre erstrecken.
Nach der Stilllegung von Phönix werden die Bestrahlungsexperimente in Versuchreaktoren im Ausland und am Forschungsreaktor Jules Horowitz (RJH [3]), der 2014 auf dem CEA-Gelände in Cadarache in Betrieb genommen wird, weitergeführt. Schnellbrüter-Kraftwerke sind für Frankreich die Referenzreaktoren für die Entwicklung von Reaktoren der 4. Generation. Der für 2020 erwartete französische Prototyp könnte demzufolge die Nachfolge von Phönix antreten.
Kontakte:
-[1] CEA - Weitere Informationen (auf Englisch):
http://www.cea.fr/english_portal
-[2] Im Gegensatz zu den DWR, die den weltweit
größten Anteil ausmachen, werden die für die
Kernfusionsreaktion in den Schnellbrütern genutzten
Neutronen nicht abgebremst, was einer besonderen
Kühlflüssigkeit (Natrium) bedarf. Dennoch kann der
Reaktor mehr Brennstoff erzeugen, als er verbraucht.
Die aus der gleichen Uranmenge gewonnene Energiemenge
ist etwa 50 Mal so hoch.
-[3] Am 19. März 2007 wurde der Grundstein für den
RJH gelegt. Der Reaktor der 3. Generation wird
zusammen mit 8 anderen europäischen Staaten gebaut
und soll 2014 in Betrieb gehen. Er soll 100 MW
Leistung generieren und ist für Materialtests
vorgesehen. Die Kosten für das Projekt werden auf 500
Millionen € geschätzt und werden vom CEA (50 %),
Électricité de France (20 %),
EU-Forschungseinrichtungen (20 %) und Areva (10 %)
getragen. Weitere Informationen über Cadarache:
http://de.wikipedia.org/wiki/Cadarache
Quelle: "Mise à l'arrêt définitive du réacteur Phénix" - Pressemitteilung des CEA - http://www.cea.fr/le_cea/actualites/arret_definitif_du_reacteur_phenix-22415 - 17.09.2009
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Energie
Der Umweltminister Jean-Louis Borloo veröffentlicht das "Bordbuch Windenergie-Sonnenenergie"
Das vom Umweltministerium erarbeitete und am 10. September 2009 ins Netz gestellte "Bordbuch Windenergie-Sonnenenergie" gibt den Stand der installierten Wind- und Sonnenenergiekapazität vom 30. Juni 2009 auf nationaler und regionaler Ebene wieder. Das Bordbuch dient der zeitnahen Orientierung aller beteiligten Akteure und wird künftig vierteljährlich aktualisiert.
Die Windenergie [1] überschritt im ersten Halbjahr 2009 die Schwelle von 4.000 (4.003) MW mit 465 MW neuen Anschlüssen an das Verteilernetz, was einer Steigerung von 36 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2008 entspricht. Dennoch wird ein deutlicher Rückgang der Anschlüsse an das Stromnetz während des zweiten Vierteljahrs festgestellt: 195 MW neue Anschlüsse gegenüber 270 MW im ersten Vierteljahr 2009 und 215 MW im zweiten Vierteljahr 2008. Mit 3,3 TWh im ersten Halbjahr 2009 erzeugter Elektrizität nahm die Elektrizitätserzeugung mittels Windkraftanlagen bis zum 30. Juni 2009 gegenüber dem ersten Halbjahr 2008 um 22 % zu. Zum Vergleich wären mehr als 1 Million Tonnen Kohle erforderlich gewesen, um die gleiche Menge an Elektrizität in einem thermischen Kraftwerk zu erzeugen.
Dank der vom "Grenelle de l'Environnement" (Abkommen für Umweltschutz, Herbst 2007) beschlossenen Maßnahmen setzte die Photovoltaik [2] ihr sehr starkes Wachstum fort. 54 MW wurden im ersten Halbjahr 2009 an das Verteilernetz angeschlossen, was gegenüber dem ersten Quartal des Jahres 2008 einer Steigerung von 265 % entspricht. Am 30. Juni 2009 umfasste der einschlägige französische Solaranlagenpark rund 25.000 Anlagen, was einer Leistung von 135 MW entspricht. Die Zahl der Anlagen hat sich binnen 6 Monaten verdoppelt.
Das "Bordbuch Windenergie-Sonnenenergie" nach dem Stand vom 30. Juni 2009 enthält graphische Darstellungen, die insbesondere die geographische Verteilung der Windkraft- und Photovoltaikanlagen über das französische Staatsgebiet veranschaulichen: die Hälfte der neuen Windanlagen liegt in Champagne-Ardenne und in der Picardie, was diese Region mit fast 14 % der Windleistung auf den ersten Platz katapultiert. Im Solarbereich erzielen die Regionen Provence-Alpes-Côte d'Azur, Languedoc-Roussillon und Pays de la Loire fast 50 % der am Stromnetz angeschlossenen Gesamtleistung des französischen Staatsgebiets. Die starke Entwicklung in diesem Bereich ist auch auf der Île de la Réunion sehr bemerkenswert.
Kontakte:
-[1] Weitere Informationen über die Lage der
Windbranche in Frankreich: "Windenergie-Projekte in
Frankreich im Aufwind", WF 167
-[2] Weitere Informationen über die Lage der
Solarbranche in Frankreich: "Frankreich investiert in
die Solarbranche", WF 167
-Büro von Jean-Louis BORLOO - Tel.: +33 1 40 81 72
36
Quellen:
-"Publication du premier tableau de bord
"éolien-solaire" : une forte croissance", -
Pressemitteilung des französischen Umweltministeriums
-
http://www.developpement-durable.gouv.fr/article.php3?id_article=5802
- 10.09.2009
-Bordbuch Windenergie-Sonnenenergie des Umwelt- und
Energieministeriums -
http://www.developpement-durable.gouv.fr/IMG/pdf/tableau_de_bord_eolien_cle7fe853.pdf
- 09.2009
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Umwelt
Die Auswirkungen der Ozeanversauerung auf Schlüsselorganismen im Meer
Neben der globalen Erwärmung tragen die CO2-Emissionen zu einem zwar weniger bekannten, aber dennoch ernst zu nehmenden chemischen Phänomen bei: der sogenannten Ozeanversauerung. Im Rahmen einer europäischen Zusammenarbeit [1] mit Forschern des Royal Netherlands Institute for Sea Research haben nun Wissenschaftler des Instituts für Ozeanographie (LOV) in Villefranche-sur-Mer gezeigt, dass im Meer lebende Schlüsselorganismen, wie z. B. Tiefseekorallen und Pteropoden, in den kommenden Jahren stark von der Ozeanversauerung betroffen sein werden. Ihre Arbeiten wurden in zwei Artikeln im Fachjournal Biogeosciences veröffentlicht [2,3].
Titel: Der arktische
Pteropode Limacina helicina
© S. Comeau, LOV - CNRS
Titel: Die
Kaltwasserkoralle Lophelia pertusa
© C. Maier, LOV - CNRS
Seit 1800 haben die Weltmeere ein Drittel der anthropogenen CO2-Ausstöße absorbiert, wodurch die globale Erwärmung begrenzt werden konnte. Dadurch hat sich jedoch auch die chemische Zusammensetzung des Meerwassers verändert. Die Ablagerung von atmosphärischem Kohlendioxid in den Tiefen des Meeres hatte u.a. die Versauerung der Ozeane zur Folge. Bleiben die CO2-Emissionen auf dem aktuellen Niveau, wird der durchschnittliche pH-Wert der Weltmeere um 0,4 pH-Einheiten abnehmen. Dies würde einer Verdreifachung des Säuregehalts der Meere entsprechen.
Die LOV-Forscher um Jean-Pierre Gattuso untersuchten die Auswirkungen einer derartigen Abnahme der pH-Werte auf zwei wichtige Bewohner des arktischen Meeresökosystems: der Pteropode (planktonische Meeresschnecke) und die Lophelia pertusa (Kaltwasserkoralle). Die planktonische Meeresschnecke ist ein wichtiger Bestandteil der ozeanischen Nahrungskette, da sie zu den Lieblingsspeisen von Zooplankton, Heringen, Walen und anderen Raubtieren zählt. Der andere untersuchte Meeresbewohner ist die Lophelia pertusa, deren Riffe in der Tiefsee einen Zufluchtsort für viele andere Tierarten bietet.
Die Ozeanelogen fanden heraus, dass eine um 0,4 pH-Einheiten erhöhte Wasserversauerung bei beiden Arten ein verlangsamtes Wachstum zur Folge hat. Unter diesen Bedingungen brauchen die Pteropoden 30 Mal so lange, um ihr Schneckenhaus aufzubauen. Bei den Kaltwasserkorallen Lophelia pertusa sinkt die Wachstumsrate um 50 Prozent. Im Gegensatz zu tropischen Korallen werden Kaltwasserkorallenriffe jedoch nur von einer oder zwei Korallenarten gebildet. Eine durch die Ozeanversauerung verlangsamte Wachstumsrate könnte demzufolge die arktischen Meeresökosysteme dramatisch verändern.
Die einzige bislang bekannte Möglichkeit die Versauerung der Ozeane zu beeinflussen, besteht darin, die künftigen CO2-Konzentrationen in der Erdatmosphäre zu beschränken. Die nächsten Verhandlungen zur Verminderung der CO2-Emissionen, anlässlich der im Dezember 2009 stattfindenden United Nations Climate Change Conference in Kopenhagen, müssen neben den Folgen steigender Temperaturen auch die Auswirkungen der zunehmenden Ozeanversauerung auf die Ökosysteme berücksichtigen.
-[1] European Project on Ocean Acidification
(EPOCA): http://www.epoca-project.eu/
-[2] Impact of ocean acidification on a key Arctic
pelagic mollusc (Limacina helicina). Comeau S.,
Gorsky G., Jeffree R., Teyssié J. L., Gattuso J.-P.
-[3] Calcification of the cold-water coral Lophelia
pertusa under ambient and reduced pH. Maier C.,
Hegeman J., Weinbauer M. G., Gattuso J.-P.
Kontakt: Jean-Pierre Gattuso - Tel: +33 493 763 859 -E-Mail: gattuso@obs-vlfr.fr
Quellen:
- Pressemitteilung des Französischen Zentrums für
wissenschaftliche Forschung (CNRS) - 07.09.2009
- Pressemitteilung des Portals zur europäischen
Forschung und Entwicklung (CORDIS) - 16.09.2009
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
Transport
Die Zukunft des Automobils
Derzeit fahren noch mehr als 80 Prozent des gesamten Automobilparks mit Benzin: eine Tatsache, die voraussichtlich noch ein paar Jahrzehnte Bestand haben könnte. Die Einsparpotentiale werden auf 30 bis 40 Prozent geschätzt. Sie beruhen auf einer Verbesserung der Effizienz verschiedener Komponenten, wie z. B. Getriebe, Räder, Gewicht oder Motor.
Das französische Verkehrsforschungs- und Innovationsprogramm Predit, das 2008 sein 4. Ausgabe startete, widmet einen großen Teil seines Budgets der Optimierung von konventionellen Motoren. Dazu zählen unter anderem Hybridantriebe, deren Entwicklung sogar noch schneller vorangetrieben werden soll, als die der reinen Elektroantriebe. Die Forschungsarbeiten zielen ferner auf die Leistungselektronik, Batterien und Energiespeicher ab.
Das Projekt Flower, das aus Mitteln des Predit 3 finanziert wurde, strebt beispielsweise einen sparsameren Antrieb durch einen variablen Verdichtungsgrad an. Den Verdichtungsgrad an die Betriebsbedingungen des Motors anzupassen, ermöglicht es, den Wirkungsgrad zu erhöhen und den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß zu verringern. Seit Beginn des Automobilzeitalters blieb der Verdichtungsgrad immer konstant. "Heute sind wir auf der Suche nach mehr Variabilität", erklärt Rabhi Vianney, Leiter für Entwicklung und Strategie und Erfinder der MCE-5-Technologie. Mit Hilfe dieser Technologie könnte, je nach Motorleistung, eine Energieeinsparung von bis zu 45 Prozent erreicht werden. Sie wird hauptsächlich bei Benzinmotoren Anwendung finden, bei denen die Verluste viel größer sind als bei Dieselmotoren. Das Verhältnis von Verbrauch/Gewinn ist sehr hoch. Das Projekt Flower geht jetzt in seine Pilotphase. Eine Massenanwendung ist für 2016/2017 geplant.
Das Projekt Fun2 betrifft Diesel-LKW-Antriebe. Es zielt auf eine Verbesserung der Antriebe mit großer Umweltverträglichkeit ab. Die elektro-hydraulische Verbrennung, die im Rahmen dieses Projekts analysiert wurde, könnte einen Verbrauchsgewinn von 1,5 Prozent im Vergleich zu einem klassischen Antrieb ermöglichen, was für einen 40 Tonnen-LKW einer Ersparnis von 450 Liter Kraftstoff pro Jahr entspricht. Der Energiekonsum entspricht 25 Prozent der Betriebskosten eines LKWs. Benoit Lombard, der die Arbeitsgruppe Verbrennung und Simulation bei Renault Trucks leitet, erklärt: "bis 2015 werden alle Fernverkehrsfahrzeuge teilweise die duothermische Verbrennung nutzen".
Das Projekt SGEmac untersucht die den Antrieb hemmenden periodischen Schwankungen, um diese besser umgehen zu können. Durch eine großmaßstäbliche Simulation soll ein virtueller 3D-Antrieb entstehen, mit deren Hilfe die Effizienz geplanter Veränderungen zur Leistungssteigerung von Fremdzündungsmotoren getestet werden könnte, ohne auf aufwendige mechanische Tests oder Prüfstände zurückgreifen zu müssen. Die neuen Benzintechnologien (Direkteinspritzung, Downsizing, usw.) könnten auf diese Weise virtuell getestet werden, was mit den aktuellen Simulationsmethoden derzeit noch nicht realisierbar ist.
Quelle: 4e édition du Predit : préparer la voiture de demain
Redakteurin: Nadia Heshmati, nadia.heshmati@diplomatie.gouv.fr
Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr
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E-Mail: julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
http://www.ambafrance-at.org/spip.php?article989
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