Wissenschaft Frankreich #172 – 3/11/2009
Wissenschaft-Frankreich Nr. 172 [PDF]
- Veranstaltung
Antriebstechnologien für die nachhaltige Mobilität: Deutsch-französische Expertentagung am 7. Dezember 2009 in der französischen Botschaft in Berlin - Wissenschaftspolitik
Die ursprünglich für den Zeitraum 2008 - 2012 geplanten Ausgaben für Umweltforschung werden um 50% übertroffen - Energie
Frankreich investiert in die Biokraftstoffe der zweiten Generation
Flughafen Orly: die Bauarbeiten zum Erdwärmeprojekt werden im Herbst 2009 beginnen - Pharmaindustrie
Die Einrichtung eines Pensionsfonds für die Biotechnologien durch den Strategischen Rat der Gesundheitsindustrien - Medizin
In Straßburg soll die erste Biobank für Volkskrankheiten "Biomax" aufgebaut werden
Der Reaktor Osiris zur Herstellung medizinischer Isotope ist wieder in Betrieb - Informations -und Kommunikationstechnik
Neue administrative Schritte auch Online realisierbar - Paläontologie
Forscher des CNRS entdecken riesige Abdrücke von Diosauriern
Veranstaltung
Antriebstechnologien für die nachhaltige Mobilität: Deutsch-französische Expertentagung am 7. Dezember 2009 in der französischen Botschaft in Berlin
Die Französische Botschaft in Deutschland und die TSB Innovationsagentur Berlin - FAV organisieren gemeinsam am 07. Dezember 2009 eine deutsch-französische Expertentagung zum Thema der Antriebstechnologien für die nachhaltige Mobilität.
Klimawandel und Ressourcenknappheit markieren die globalen Herausforderungen für die nachhaltige Gestaltung von Verkehr und Mobilität. Hinzu kommt für eine Reihe von Ländern die herausragende Bedeutung der Automobilindustrie im Wirtschaftsgefüge. Vor diesem Hintergrund genießen die Erforschung und Entwicklung neuer Antriebssysteme und Kraftstoffe, die konventionelle Otto- und Dieselmotoren zunächst ergänzen und auf lange Sicht ablösen sollen, höchste Priorität für die Autobranche. Der (batterie-) elektrische Antrieb zählt ebenso wie Wasserstoff in Kombination mit Brennstoffzellen zu den aussichtsreichen Alternativen zum herkömmlichen Verbrennungsmotor.
Frankreich und Deutschland als die beiden größten Autonationen Europas und weltweit in der Spitzengruppe unternehmen besondere Anstrengungen, Entwicklung und Erprobung zukunftsgerechter Fahrzeugantriebe zu fördern. Nachdem in den letzten zwei Jahren vor allem die Aktionen rund um die Elektromobilität eine hohe Dynamik entfaltet haben, ist es an der Zeit, die Strategien und Maßnahmen, die in beiden Ländern verfolgt werden, gegenüberzustellen.
Die deutsch-französische Expertentagung "Antriebstechnologien für die Nachhaltige Mobilität" am 07. Dezember 2009 in der Französischen Botschaft in Berlin soll dazu dienen, Erfahrungen, Programme und Best practise Lösungen in der Förderung neuer Fahrzeugantriebe auszutauschen:
- Einführung neuer Technologien bei Fahrzeugantrieben - die nationalen und europäischen Strategien (Green Cars Initiative, Programm "Véhicules Décarbonés" zur Entwicklung kohlenstofffreier Fahrzeuge in Frankreich, Energiestrategie Deutschlands für die Elektromobilität);
- Elektromobilität (Modellregion für die Elektromobilität, Lithium-Ionen-Batterien - CNRS, Forschung im Bereich Elektromobilität - Fraunhofer, Elektrifizierung der Fahrzeuge - IFP, Elektromobilität - CEA, Fahrzeugkonzepte zur Integration des Elektroantriebs, Valeo: e-traction systems);
- Wasserstoff und Brennstoffzellen (Joint Technology Initiative: Brennstoffzellen und Wasserstoff in Europa, Clean Energy Partnership Berlin, CEA - Forschung im Bereich Brennstoffzellen und Wasserstoff, Advanced Research in Deutschland). Diese Expertentreffen werden seit 3 Jahren in der Botschaft veranstaltet. Insgesamt fanden bereits 10 Veranstaltungen dieser Art statt. Auf diesen Treffen werden Thematiken behandelt, die in den Bereichen Wissenschaft und Technologie die größten Kooperationsmöglichkeiten zwischen Frankreich und Deutschland bieten. Zu jedem Expertentreffen wird ein Wissenschaftsblatt "Science Allemagne" veröffentlicht, das Ihnen kostenlos auf unserer Webseite zur Verfügung steht.
Das Anmeldeformular und das ausführliche Programm finden Sie unter: http://www.wissenschaft-frankreich.de
Kontakt: Marie de Chalup - Ambassade de France, Service pour la Science et la Technologie, Pariser Platz 5, D10117 Berlin - Tel: +49 305 900 39262, Fax: +49 305 900 39265 - E-Mail: - http://www.wissenschaft-frankreich.de
Redakteur: Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr
Wissenschaftspolitik
Die ursprünglich für den Zeitraum 2008 - 2012 geplanten Ausgaben für Umweltforschung werden um 50% übertroffen
Am 30. September 2008 veröffentlichte der im Rahmen des Abkommens für Umweltschutz ins Leben gerufene Lenkungsausschuss für Forschung (COMOP [1]) einen Bericht [2], der Vorschläge für Forschungsmaßnahmen zum Thema "Umwelt und Nachhaltigkeit" vorlegte. Ein Jahr später, am 20. Oktober 2009, ziehen nun die Forschungsministerin Valérie Pécresse und die Umweltstaatssekretärin Chantal Jouanno eine positive Zwischenbilanz: statt der ursprünglich bis zum Jahr 2012 geplanten 1 Milliarde Euro werden mehr als 1,5 Milliarden zur Verfügung stehen.
"Die Anforderungen wurden zu 150 Prozent erfüllt", freut sich Forschungsministerin Pécresse. Während der Bericht eine Unterstützung in Höhe von einer Milliarde Euro empfahl, um für den Zeitraum 2008-2012 alle Maßnahmen des Lenkungsausschusses umsetzen zu können, werden sich die bereitgestellten finanziellen Mittel für den im Abkommen für Umweltschutz festgelegten Schwerpunkt Forschung bis 2012 sogar auf 1,5 Milliarden Euro belaufen.
Frau Pécresse wies darauf hin, dass das Ziel, die Ausgaben für neue Energietechnologien [3] denen für die Kernenergieforschung anzupassen, bereits 2009 erreicht wird. Dieses Ziel entspricht somit der kürzlich von Staatpräsident Sarkozy geäußerten Forderung, dass "für jeden Euro, der in die Kernenergieforschung fließt, ebenfalls ein Euro in die Erforschung der Erneuerbaren Energien gesteckt werden muss".
Valérie Pécresse und Chantal Jouanno wiesen ebenfalls darauf hin, dass von den 29 Forschungsvorhaben, die dem Ausschuss für die "Große Anleihe" (Grand emprunt) am 7. Oktober 2009 vorgeschlagen wurden, sich 13 Projekte genau mit den vom COMOP identifizierten Aktionsschwerpunkten beschäftigen.
-[1] COMOP: Comité opérationnel
-[2] Der Bericht untersuchte folgende
Aktionsschwerpunkte:
- Bekämpfung des Klimawandels (zu denen die Vorhaben im Transportwesen, dem Energiesektor und der Bauwirtschaft gehören)
- Zusammenhang zwischen Umwelt und Gesundheit, für die eine bessere Kenntnis der Auswirkungen menschlichen Handelns erforderlich ist
- Biodiversität, Landwirtschaft und Analyse der Umwelt
- Bereichsübergreifende Maßnahmen
-[3] Unter dem Begriff "neue Energietechnologien" versteht die Forschungsministerin folgende Bereiche: Bau von Positivhäusern, Energie-Effizienz, Elektromobilität, CO2-Abscheidung und -Speicherung, Energiespeicherung, CO2-arme Verbrennungsmotoren, Wasserstoff-Energie, Solarenergie, Meeresenergie, Windenergie, Biomasse und sonstige grüne Energien. - Weitere Informationen sind auf folgender Webseite verfügbar (auf Französisch): http://www.enseignementsup-recherche.gouv.fr/cid49292/recherche-et-grenelle-de-l-environnement-engagements-depasses.html
Quellen:
- Pressemitteilung des Ministeriums für Forschung und
Hochschulwesen - 20.10.2009
- Pressemitteilung von Kooperation International -
22.10.2009
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
Energie
Frankreich investiert in die Biokraftstoffe der zweiten Generation
Nach dem Start (2008) des Projekts Futurol für die Produktion von Bioethanol der zweiten Generation [1] (ab 2015) befasst sich das Projekt Bio-T-Fuel mit der Produktion von Biodiesel, mit dem Ziel, bis 2020 ein Produktionsverfahren auf den Markt bringen zu können. "Frankreich wird bei der zweiten Generation von Biokraftstoffen keine Kosten scheuen", erklärte die Staatssekretärin für Ökologie, Chantal Jouanno, während eines Besuchs im französischen Erdölinstitut (IFP) in Hauts-de-Seine.
Die neuen Biomasseumwandlungsverfahren bedürfen einer Optimierung und Validierung in Pilotanlagen, bevor sie in der industriellen Produktion Anwendung finden können. Die Verfahren und Produktionsbedingungen müssen mittel- und langfristig vorbereitet werden.
Es gibt zwei Möglichkeiten zur Herstellung von
Biokraftstoffen: die biochemische Variante zur
Herstellung von Zellulose- Ethanol [2] und die
thermochemische Variante für den synthetischen
Dieselkraftstoff BtL (Biomass to Liquid) [3]. Die
biochemische Methode wird vom Projekt Futurol
entwickelt, und soll Frankreich mit einer Plattform
zur Erforschung und Demonstration der biochemischen
Variante ausstatten.
Aufgrund der hohen Investitionskosten gibt es für die
thermochemische Variante noch kein
Forschungsdemonstrationssystem - im Gegensatz zu
Deutschland beispielsweise. Dennoch wurde das Projekt
Bio-T-Fuel am 7. Oktober 2009 vom Aufsichtsrat der
Französischen Organisation für Umwelt- und
Energiewirtschaft (Ademe) ausgewählt. Das Konsortium
verfügt über einen Gesamthaushalt von 112 Millionen
Euro und vereint das Finanzinstitut mit Aktivitäten
im Bereich Pflanzenöl und Proteine (SOFIPROTEOL), das
Zentrum für Atomenergie (CEA), das IFP und die
Energiegruppe Total [4]. Das Projekt widmet sich der
Produktion von flüssigem Biodiesel aus
ligno-cellulosehaltiger Biomasse. Eine Ökobilanz wird
ebenfalls durchgeführt, um zu analysieren, wie sich
diese Biokraftstoffe der zweiten Generation auf die
Umwelt auswirken. Im Rahmen dieses Projektes ist der
Bau von zwei Industriestandorten vorgesehen, davon
einer in Compiègne (Oise) und der andere auf einem
bereits existierenden Industriestandort von Total.
Die Energiegruppe wird 30% der geplanten finanziellen
Unterstützung übernehmen. Die Entwicklungsphase soll
2015 abgeschlossen sein, und die industrielle
Produktion ist für 2020 geplant.
Die französische Umweltorganisation France Nature Environnement (FNE) vertritt die Meinung, das dieses Projekt zu früh in Angriff genommen worden sei, denn Frankreich hätte noch nicht genug Abstand zu den Biokraftstoffen der ersten Generation gewonnen: die FNE fordert ein Einfrieren der industriellen Entwicklung der Biokraftstoffe, solange ihre Umwelt- und Energievorteile nicht nachgewiesen sind.
-[1] WF 170: "Futurol: Projekt zur Erforschung und
Entwicklung von Biokraftstoffen der zweiten
Generation"
-[2] Extraktion der Zellulose, Umwandlung der
Zellulose in Glucose durch Hydrolyse mit Enzymen,
Gärung
der Glucose mit Hefen zu Ethanol und Säuberung des
Ethanols durch Destillation und Trocknung.
-[3] Aufbereitung der Biomasse durch Pyrolyse oder
Röstung, anschließende Umwandlung in gasförmigen
Zustand mit Hilfe von Wasserdampf oder Wasserstoff,
gefolgt vom Fischer-Tropsch-Verfahren: chemische
Umwandlung des Synthesegases in flüssige und feste
paraffinische Kohlenwasserstoffe. -[4] Total ist der
weltweit viertgrößte, internationale Öl- und
Gaslieferant und gehört zu den wichtigsten Akteuren
im Bereich Chemie - http://www.total.com
Quelle: Biocarburants de 2e génération : la France veut mettre "le paquet" - http://www.actu-environnement.com/ae/news/fonds_demonstrateur_agrocarburant_2e_generation_8614.php4 - 19.10.2009
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Energie
Flughafen Orly: die Bauarbeiten zum Erdwärmeprojekt werden im Herbst 2009 beginnen
Die Region Ile-de-France kündigte am 23. Oktober 2009 ihre finanzielle Beteiligung in Höhe von 576.000 Euro am Erdwärmeprojekt für den Flughafen von Orly an.
Das Wärmenetz des Flughafens Orly verfügt derzeit über ein zentrales Wärmekraftwerk, das die Versorgung der Gebäude mit Wärme und Brauchwarmwasser absichert. Das Erdwärmeprojekt wurde vom Flughafenbetreiber ADP (Aéroport de Paris) ins Leben gerufen. Es besteht darin, zwei Bohrlöcher von mehr als 1.700 Metern zu graben, um so das etwa 74°C warme Grundwasser nutzen zu können. Dieses soll in den Heizkreis des Flughafengeländes eingespeist werden, bevor es über das zweite Bohrloch, mit einer Temperatur von 45°C, wieder in das tiefe Erdreich zurücktransportiert wird.
Nach Angaben der Region Ile-de-France wird die durch Geothermie gewonnene Wärme in die Wärmeversorgungsnetze, die 3.200 Wohnungen beliefern, eingespeist. Das Ziel des Projekts besteht darin, bis 2020 30% des gesamten Energieverbrauchs des Flughafengeländes Orly abzusichern, um so "den Ausstoß von ungefähr 10.300 Tonnen CO2 in die Atmosphäre zu verhindern". Die Bauarbeiten sollen im Herbst 2009 beginnen und etwa 9 Monate - davon 4 Monate für die Bohrung der Löcher - andauern, mit dem Ziel einer Inbetriebnahme Ende 2010. Dem Projekt steht ein Budget von 11 Millionen Euro zur Verfügung.
Quelle: "Aéroport d'Orly : les travaux du projet de géothermie débutent cet automne" - http://www.actu-environnement.com/ae/news/aeroport_orly_projet-geothermie-financement-ile-de-france_debut_travaux_8673.php4 - 26.10.2009
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Pharmaindustrie
Die Einrichtung eines Pensionsfonds für die Biotechnologien durch den Strategischen Rat der Gesundheitsindustrien
Nach nunmehr 3 Jahren seit seiner letzten Sitzung wurden die Geschäftsführer der Pharmaindustrie im Rahmen des Strategischen Rates der Gesundheitsindustrien (CSIS) vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, gemeinsam mit 5 Ministern [1], am 26. Oktober 2009 zusammengerufen. Ziel dieses Treffens war es, "die Anziehungskraft des Landes für die weltgrößten Arzneimittel- und Medizingeräte-Hersteller" zu verstärken.
Folgende Themen wurden in diesem Zusammenhang besprochen: die Finanzierung der Forschung in den Lebenswissenschaften durch die künftige "große nationale Anleihe", die Entwicklung der Bioproduktion, die Organisation der staatlichen Forschung, der Pensionsfonds für Biotechnologien, die Politik der Epidemiologie, öffentlich-private Partnerschaften, die Vereinfachung administrativer Vorgänge und die Schaffung von Anreizen für die Herstellung von Generika in Frankreich.
Zur Erhöhung der Attraktivität Frankreichs im Gesundheitsbereich wurden 11 Maßnahmen getroffen, die den Staatshaushalt nicht belasten sollen. "Es gibt keinerlei finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite. Die Industrie selbst verpflichtet sich zu Investitionen. Und es handelt sich dabei nicht nur um leere Versprechungen, sondern um schriftliche Verpflichtungen und unterschriebene Verträge" erklärte Christian Lajoux, Präsident des Pharmaverbandes LEEM (Les Entreprises du Médicament).
Die Einrichtung eines Pensionsfonds im Bereich der Biotechnologien wurde während der Sitzung bestätigt. Der mit 140 Millionen Euro dotierte Pensionsfonds soll Investitionen "in Höhe von 5 bis 10 Millionen Euro" in kleinere französische Unternehmen ermöglichen, unter der Voraussetzung, dass er Minderheitsaktionär im Kapital bleibt. Der Fonds wird gemeinsam vom Strategischen Investitionsfonds (dem Staatsfonds, gemeinsam gehalten von der "Caisse des Dépôts" und dem Staat) und 9 großen Pharmaunternehmen [2] co-finanziert.
Des Weiteren plant die Industrie ihre Investitionen in Partnerschaften mit akademischen oder privaten Forschungslaboratorien im Bereich der Gesundheit zu verdoppeln. Zum Zeitpunkt der nächsten Sitzung des CSIS, im Jahr 2012, sollen die Investitionen 62,5 Millionen pro Jahr erreichen. Bei Sanofi-Aventis ist sogar bereits von einer 50 Millionen Euro hohen Investition im Rahmen von gemeinsamen Forschungsprojekten mit dem INSERM die Rede.
Im Bereich der Arzneimittelherstellung hat die Regierung einer alten Forderung der Industrie nachgegeben: sie darf künftig in Frankreich Generika auf der Basis von Molekülen herstellen, deren Patente noch nicht abgelaufen sind.
In seinem Schlusswort wies Nicolas Sarkozy darauf hin, dass die "große nationale Anleihe" auch zur Finanzierung der künftigen von Krankenhäusern und Universitäten gemeinsam geführten Institute (IHU) dienen könnte. Die IHU sollen auf internationaler Ebene als Plattformen für Pflege, Forschung und Bildung dienen und sich um ein kohärentes wissenschaftliches Projekt organisieren. Eine Ausschreibung soll 2010 erfolgen, bei der maximal 5 Zentren mit dem Label IHU gekennzeichnet werden.
-[1] Christine Lagarde (Wirtschaftsministerin),
Eric Woerth (Haushaltsminister), Roselyne Bachelot
(Gesundheitsministerin), Valérie Pécresse
(Forschungsministerin) und Christian Estrosi
(Industrieminister)
- [2] Sanofi-Aventis, GlaxoSmithKline, Pfizer, Roche,
Lilly, Novartis, Ipsen, Boehringer Ingelheim und
Takeda
Quelle: Artikel aus Les Echos - 26.10.2009 und 27.10.2009
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Medizin
In Straßburg soll die erste Biobank für Volkskrankheiten "Biomax" aufgebaut werden
Im Straßburger Universitätsklinikum werden jeden Tag zwischen 3.000 bis 4.000 Blutproben analysiert, die anschließend im Müll landen. Die bei dieser Analyse gemessenen rund 10 Parameter, die wertvolle klinische Informationen über die Patienten liefern, gehen auf diese Weise ebenfalls verloren. Aus diesem Grund hat der Immungenetiker Siamak Bahram in Straßburg das Projekt Biomax ins Leben gerufen, um einen Teil dieser Proben zu archivieren und so eine Biobank aufzubauen.
Es existieren bereits zahlreiche Banken mit menschlichem Gewebe. Einige sind auf Organe (Gehirn, Muskeln), andere auf bestimmte Pathologien (Tumore, seltene Krankheiten) spezialisiert. Das Ziel von Biomax besteht darin, komplexe Volkskrankheiten, wie Diabetes, Fettleibigkeit, Asthma und Bluthochdruck zu untersuchen. Diese Krankheiten sind nicht von einem einzigen Gen, sondern von mehreren Faktoren abhängig.
Biomax orientiert sich an der sich im Aufbau befindenden luxemburgischen Biobank und der japanischen Biobank, die bereits mehr als 200.000 Proben gesammelt hat. Biomax will in den kommenden 5 Jahren 100.000 Proben zusammentragen, um mit Hilfe moderner Computerverfahren genetische und molekulare Marker zu untersuchen. In einem zweiten Schritt will Siamak Bahram Biomax für die personalisierte Medizin nutzen und versuchen, Patientenprofile zu erstellen. Zunächst müssen jedoch noch 15 Millionen Euro für die nächsten 5 Jahre zusammengetragen werden, und die Vorschriften für eine öffentlich-private Partnerschaft müssen ebenfalls noch definiert werden.
Quelle: Artikel aus Le Monde - 23.10.2009
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Medizin
Der Reaktor Osiris zur Herstellung medizinischer Isotope ist wieder in Betrieb
Nach einer viermonatigen Wartungsunterbrechung zur Verbesserung der Sicherheit, wurde der Reaktor Osiris vom Zentrum für Atomenergie (CEA) in Saclay wie geplant am 16. Oktober 2009 wieder in Betrieb genommen. Neben den experimentellen Bestrahlungen soll die Produktion medizinischer Radioisotope wieder aufgenommen werden. Medizinische Radioisotope sind für Radiotherapien und bei der medizinischen Bildgebung unentbehrlich.
Osiris ist ein Forschungsreaktor, dessen Hauptfunktion in der Durchführung experimenteller Bestrahlungen besteht. Diese Experimente dienen dem Einblick in die Evolution mechanischer Eigenschaften von Brennstoffen und Kernmaterialien, die in den aktuellen oder zukünftigen Atomreaktoren eingesetzt werden. Die zweite Funktion des Reaktors Osiris, die Herstellung medizinischer Radioisotope, wird ebenfalls immer wichtiger. Osiris deckt 7% der weltweiten Produktion von Technetium-99m ab, das bei Szintigraphien zur Diagnose von Knochen- und Herzpathologien eingesetzt wird. Zirka 1,5 Millionen Verfahren werden pro Jahr in Frankreich in den 220 Versorgungseinrichtungen für Nuklearmedizin mit Technetium durchgeführt. Das sind 10 Millionen Verfahren pro Jahr in ganz Europa.
Für die Nuklearmedizin ist die Wiederinbetriebnahme des Reaktors besonders wichtig, da weltweit ein großer Mangel an Technetium 99m herrscht, seitdem der kanadische Reaktor NRU abgeschaltet wurde, der 45% der weltweiten Produktion sicherte.
Quelle: Pressemitteilung des Zentrums für Atomenergie CEA - 16.10.2009
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Informations -und Kommunikationstechnik
Neue administrative Schritte auch Online realisierbar
Die Mehrheit der Franzosen vertritt die Meinung, dass die Verwaltungsverfahren in Frankreich oftmals zu kompliziert und aufwendig sind. Die Regierung möchte nun die Erledigung der notwendigen administrativen Schritte mit der Entwicklung von Online-Diensten erleichtern. Der Minister für Haushalt, öffentliche Finanzen und den öffentlichen Dienst, Eric Woerth, und Nathalie Kosciusko-Morizet, Staatssekretärin für die Evaluierung der öffentlichen Politik und die Entwicklung der digitalen Wirtschaft, haben am 19. Oktober 2009 15 administrative Schritte vorgestellt, die jetzt auch Online unternommen werden können. Privatpersonen können eine Vielzahl dieser Schritte nun elektronisch über ein persönliches Konto auf der Webseite mon.service-public.fr [1] abwickeln. Mit "Mon service Public" (Mein öffentlicher Dienst) erhält der Bürger einen einheitlichen und einfachen Zugang zu den Nutzerseiten, um alle notwendigen administrativen Schritte in individueller und vertraulicher Form abwickeln zu können. 150.000 Franzosen haben sich bereits ein Konto auf mon.service-public.fr eingerichtet.
Maßnahmen, um das Leben der Bürger zu vereinfachen:
- Für Privatpersonen: Eintragung ins Wählerverzeichnis via Internet - allen Franzosen im Alter von 16 Jahren die Möglichkeit geben, per Internet die zur Volkszählung notwendigen Schritte zu unternehmen - Anzeige des Verlusts von Ausweispapieren und deren Neubeantragung in einem einzigen Schritt - im Todesfall eines Verwandten verhindern, dass die Angehörigen mehrmals die gleichen Informationen bei verschiedenen Stellen einreichen müssen - Vereinfachung der Beantragung und Verlängerung von Rechten für Behinderte.
- Für Unternehmen: Unternehmen, die im Rahmen eines öffentlichen Beschaffungsauftrags ausgewählt wurden, einen "entmaterialiserten" Steuerbescheid ermöglichen - Vereinfachung der Steuererklärung im Voraus und Versuch einer vereinfachten Steuerklärung per Telefon - Vereinfachung des Umzugs eines Firmensitzes durch weniger umfangreiche Unterlagen und eine Online-Abwicklung - Erleichterung des Lebens eines Unternehmers, von der Gründung seines Unternehmens bis hin zu den ersten Monaten der Aufnahme seiner Tätigkeit, durch einen 10 Maßnahmen umfassenden Aktionsplan -Vermeiden, dass Unternehmen den Verwaltungsbehörden mehrmals die gleichen Informationen (Umsatz, Mitarbeiter, etc.) liefern müssen.
- Für Gemeinden: Streichung der Anfragen für Kopien oder Auszüge aus der Personenstandsurkunde - Kompensierung durch einen gesicherten Informationsaustausch zwischen den Kommunen und Verwaltungsbehörden - Entmaterialisierung von städtebaulichen Verfahren, z. B. der Absichtserklärungen für Veräußerungen zur Vereinfachung der administrativen Schritte bei Immobilientransaktionen.
- Für Vereine: Vermeiden, dass Vereine bei jedem Zulassungsantrag mehrmals die gleichen Informationen liefern müssen - Ermöglichen, dass Vereine ihre Subventionsanträge per Internet einreichen können. Stichwort: öffentlicher Internetservice.
[1] http://mon.service-public.fr
Quelle: Portail du Gouvernement - 19.10.2009 http://www.gouvernement.fr/gouvernement/de-nouvelles-demarches-administratives-en-ligne-simplifient-la-vie-de-tous-les-usagers
Redakteure:
- Romain Collignon, romain.collignon@diplomatie.gouv.fr
- Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr
Paläontologie
Forscher des CNRS entdecken riesige Abdrücke von Dinosauriern
Es ist in der Tat eine "kolossale" paläontologische Entdeckung. Riesengroße Fußabdrücke von Dinosauriern wurden in der Gemeinde Plagne, im Département Ain (Südosten Frankreichs), entdeckt. Die Abdrücke der Reptilien, die sich über ein Gebiet von ca. 10 Hektar erstrecken, messen im Durchmesser an die zwei Meter.
Die Paläontologen ordnen sie den Sauropoden zu, einer Dinosaurierfamilie, zu der z.B. der Diplodocus oder der Brontosaurus gehören. "Die Tiere sind riesig. Wir haben den Durchmesser der Abdrücke zwar noch nicht gemessen, aber wir schätzen ihn auf 1,20m bis 1,50m", erklärt Jean-Michel Mazin, Paläontologe aus Lyon, der, gemeinsam mit Pierre Hantzpergue, ebenfalls Forscher am CNRS und der Universität Claude Bernard (Lyon 1), die Spuren untersucht hat. Diese Tiere könnten somit zwischen 30-40 Tonnen gewogen haben und mehr als 25m lang gewesen sein.
Internationale Bedeutung
Diese Fußabdrücke von Sauropoden wurden am 5. April 2009 von Mitgliedern der Gesellschaft für Naturfreunde in Oyonnax entdeckt. Diese benachrichtigten die beiden Paläontologen Jean-Michel Mazin und Pierre Hantzpergue, welche 48 Stunden später dort eintrafen. Die beiden Wissenschaftler untersuchten die Spuren und bestätigten die Entdeckung. Die Qualität der Fußabdrücke, ihre Größe, aber auch die Länge der Spur, auf der sich der Pfad der Reptilien beobachten lässt, könnten aus dieser Stätte die weltweit bedeutendste Fundstätte machen. "Es ist großartig. So etwas hat man bislang noch nie gesehen! Diese Entdeckung ist von internationaler Bedeutung", bestätigt Jean-Michel Mazin.
Diese gigantischen Saurierspuren in Plagne könnten mehrere bereits für ihre Dinosaurierspuren sehr berühmten Fundorte vom Thron stoßen, wie z.B. die Morrison-Formation, die sich von Montana südwärts bis New Mexiko erstreckt, die portugiesische Fundstätte in der Nähe von Fátima, oder auch den Fundort in Frankreich, im Jura. "Dort sind die Fußabdrücke wesentlich kleiner", merkt der Forscher des CNRS an. Jetzt müssen die Paläontologen ihre Ausgrabungen noch weiter verfolgen und das Gebiet akribisch untersuchen.
Kontakt: Jonathan Rangapanaiken - Presseabteilung des CNRS - E-Mail: jonathan.rangapanaiken@cnrs-dir.fr - Tel. : +33 (0) 144 965 137
Quelle: Pressemitteilung des CNRS - 08.10.2009
Redakteur: Julien Bouasria, julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr
KONTAKT
Französische Botschaft in Deutschland
Abteilung für Wissenschaft und Technologie
Adresse: Pariser Platz 5
D-10117 BERLIN
Tel: +49 30 590 03 92 50
Fax: +49 30 590 03 92 65
E-Mail: sciencetech@botschaft-frankreich.de
http://ww.wissenschaft-frankreich.de
Französische Botschaft in Österreich
Abteilung für Wissenschaft und Technologie
Adresse: Währinger Strasse 30
A-1090 Wien
Tel: +43 15 027 5324
E-Mail: julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
http://www.ambafrance-at.org/spip.php?article989
ANMELDUNG
Sie können das Informationsblatt Wissenschaft-Frankreich ganz einfach abonnieren, indem Sie eine E-Mail an folgende Adresse senden: sciencetech@botschaft-frankreich.de