Wissenschaft Frankreich #176 – 3/02/2010
Wissenschaft-Frankreich Nr. 176 [PDF]
- Forschungspolitik
- Das "weiße Programm" der ANR
- 34 französische Projekte erhalten den "Advanced Grant" des Europäischen Forschungsrates ERC
- "Research in Paris": Forschungsbeihilfe für ausländische Forscher
- ALLISTENE - die neue Allianz zwischen französischen Akteuren der Digitalwissenschaften und -technologien - Universitäten
- Weiterentwicklung der französischen Strategie für die Universitäten - Medizin
- Projekt eines größeren Produktionszentrums für Gentherapie-Vektoren in Evry - Umweltschutz
- Die Studie Ecophyto F&E zur Reduzierung des Pestizideinsatzes - Energie
- Umweltminister Borloo unterstützt 32 Projekte zur Energiegewinnung aus Biomasse
- Eröffnung einer Pilotanlage zur Torrefizierung von Biomasse
- Rückgang des Stromverbrauchs in Frankreich - Verkehr
- Einführung einer Abschnitts-Durchschnittsgeschwindigkeitsmessung auf französischen Straßen - Biotechnologie
- Organischer Transistor ebnet den Weg für neue Generationen von Neuro-Computern
- Intelligente Kapseln setzen ihren Inhalt bei vorher bestimmten Temperaturen frei
Forschungspolitik
Das "weiße Programm" der ANR
Das Ziel des "Weißen Programms" der nationalen Forschungsagentur (ANR) und seiner Abteilung für internationale Angelegenheiten ist die Unterstützung ehrgeiziger wissenschaftlicher Projekte, die sich im internationalen Wettbewerb bereits einen Namen gemacht haben und originelle Ziele verfolgen, die sich von der traditionellen Forschung abheben.
Durch internationale Projektausschreibungen zielt die ANR auf eine Zusammenarbeit mit anderen Ländern in strategischen Bereichen ab. Die ANR ermöglicht es so den französischen Forschern, neue Kooperationen aufzubauen oder bereits existierende zu vertiefen und möchte auf diesem Wege europäische und internationale Exzellenzteams bilden.
Um den Aufbau, die Umsetzung und Finanzierung von internationalen bilateralen Projekten zu erleichtern und zu fördern, hat die ANR spezifische Kooperationsabkommen mit ihrer österreichischen Partnerinstitution, dem Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF), abgeschlossen.
Im Rahmen dieser Projektausschreibung können alle Gebiete der Wissenschaft und Technologie gewählt werden. Die Priorität wird allerdings den Themen Physik, Chemie und Mathematik eingeräumt. Ein wichtiges Auswahlkriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz. Die Forschungsbeihilfe beläuft sich durchschnittlich auf 150.000 bis 400.000 € für 3 Jahre pro Projekt. Einigen Projekten kann sogar eine höhere Finanzierung zugesprochen werden.
Die österreichischen Partner werden gemeinsam mit den französischen Partnern ein wissenschaftliches Dossier vorbereiten, das sie sowohl der ANR (für Frankreich) als auch dem FWF (für Österreich) unterbreiten. Die Bewerbungsfrist endet am 15. April 2010, um 13 Uhr. Die Ergebnisse werden im November 2010 bekannt gegeben und Projektbeginn ist der Januar 2011.
Weitere Informationen zu diesem Programm der
ANR/FWF
- Dr. Reinhard Belocky - Tel.: +43 5056740 8701 -
E-Mail: reinhard.belocky@fwf.ac.at
- Dr. Christoph Bärenreuter - Tel.: +43 5056740 -
E-Mail: christoph.baerenreuter@fwf.ac.at,
Quelle: Pressemitteilung der ANR - Januar 2010
Redakteur: Julien Bouasria, julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
Forschungspolitik
34 französische Projekte erhalten den "Advanced Grant" des Europäischen Forschungsrates ERC
In Europa wurden insgesamt 236 Projekte
ausgewählt. Die ausgezeichneten Forscher 26
verschiedener Nationalitäten stammen aus 18
europäischen Ländern. Das Durchschnittalter liegt bei
53 Jahren und der Anteil der Frauen bei 15%.
Mit 34 Projekten liegt Frankreich an zweiter Stelle,
nach Großbritannien (58) und vor Deutschland (31).
Folgende drei Bereiche wurden vom ERC bewertet:
Biowissenschaften; Physik, Chemie und
Ingenieurwissenschaften und Sozial- und
Geisteswissenschaften. Als Gastland der ausgewählten
Projekte kommt Frankreich im Bereich
Biowissenschaften (15 Projekte) und bei den Geistes-
und Sozialwissenschaften (5 Projekte) auf Platz zwei,
in den Material- und Ingenieurwissenschaften mit 14
Projekten auf Platz vier und bei fachübergreifenden
Projekten kam es sogar auf Platz eins (fünf
Projekte).
Frau Pécresse unterstrich einen weiteren wichtigen
Aspekt: die Mehrheit der französischen Preisträger
führt ihre Projekte in Frankreich selbst durch. Aus
diesem Grund möchte die Ministerin diesen
Wissenschaftlern den höchsten Betrag der
wissenschaftlichen Exzellenzprämie (15.000 € pro
Jahr) zuerkennen.
Quelle:
Valérie Pécresse félicite les lauréats de l'appel à
projets chercheurs confirmés 2 2010 de l'e.r.c. -
Pressemitteilung des Ministeriums für
Hochschulbildung und Forschung - 15.01.2010
Redakteur: Etienne Balli, etienne.balli@diplomatie.gouv.fr
Forschungspolitik
"Research in Paris": Forschungsbeihilfe für ausländische Forscher
Die Aufnahme ausländischer Forscher gehört zu den
Prioritäten der Forschungspolitik der Stadt Paris.
Die Förderung des internationalen Austauschs und der
Mobilität der Forscher ist für die Dynamik und das
Ansehen der Pariser Forschung von großer Bedeutung.
Seit einigen Jahren unterstützt die Stadt Paris ein
Gastprogramm, dass ausländischen Forschern -
Post-Doktoranden und erfahrenen Forschern - die
Möglichkeit bietet, für einen begrenzten Zeitraum in
öffentlichen Forschungslaboratorien der Stadt Paris
zu arbeiten. Ziel dieses Programms ist es, neue
nachhaltige Formen der Zusammenarbeit in der
Forschung zu schaffen und die bestehenden
Kooperationen mit Forschungszentren großer
ausländischer Städte auszubauen.
Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
können bis zum 8. März 2010 ihre
Bewerbungsunterlagen Online unter
nachstehender Adresse einreichen.
Die Projektausschreibung gilt für alle Bereiche der
Wissenschaft und Technologie. Die Ergebnisse werden
Ende Mai 2010 bekannt gegeben. Zwischen dem 1.
September 2010 und dem 28. Februar 2011 soll die
Arbeit im Labor aufgenommen werden. Die
Forschungsbeihilfe beläuft sich für
Junior-Doktoranden (Doktortitel seit bis zu 5 Jahren)
auf 2500 € netto pro Monat für 3 bis 12 Monate und
für Senior-Doktoranden (Doktortitel seit mehr als 5
Jahren) auf 3000 € netto pro Monat für 2 bis 6
Monate.
Jean-Louis Misika, beigeordneter Stadtrat für
Innovation, Forschung und Hochschulen will dieses
Programm im Jahr 2010 fortsetzen und ausbauen, um so
den Bedürfnissen der Forschergruppen der Hauptstadt
besser entsprechen zu können.
Einreichen der Bewerbungsunterlagen
Beispiel einer Bewerbungsmappe (pdf)
Liste der Preisträger 2009 (pdf)
Quelle: Pressmitteilung des Rathauses Paris - janvier 2010
Redakteur: Julien Bouasria, julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
Forschungspolitik
ALLISTENE - die neue Allianz zwischen französischen Akteuren der Digitalwissenschaften und -technologien
Forschungsministerin Valérie Pécresse begrüßt die Gründung einer neuen Allianz zwischen sechs Schlüsselakteuren der französischen Forschung. Zu ihnen gehören:
- die Direktorenkonferenz der Ingenieurhochschulen (CDEFI) [1]
- das Zentrum für Atomenergie (CEA) [2]
- das Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) [3]
- die Konferenz der Hochschulrektoren (CPU) [4]
- das Forschungsinstitut für Informatik und Automatik (INRIA) [5]
- das Institut Télécom [6]
Die Allianz hat zum Ziel, ihre Aktivitäten besser zu koordinieren und Partnerschaften auszubauen.
Die Gründung der ALLISTENE Allianz fügt sich in die Reform des französischen Forschungssystems ein. ALLISTENE ergänzt somit die bereits existierenden Allianzen AVIESAN (Allianz der Lebens- und Gesundheitswissenschaften) und ANCRE (Allianz zur Koordination der Energieforschung) und die unmittelbar vor ihrer Gründung stehende "Allianz für Wasser, Ernährung, Umwelt und Klima".
Valérie Pécresse wies darauf hin, dass die Gründung von ALLISTENE erst durch die Umstrukturierung des CNRS in Institute möglich wurde. Sie erwartet von der Allianz einen entscheidenden Beitrag zur wissenschaftlichen, technologischen und wirtschaftlichen Entwicklung Frankreichs und darüber hinaus der Europäischen Union.
Die Aufgaben der ALLISTENE sind:
" die Programmkoordinierung
" die Ausarbeitung nationaler Programme
" die Stärkung der Partnerschaften und Synergien
zwischen allen Beteiligten (einschließlich der
Industrie) auf der Grundlage der nationalen
Prioritäten und Programme
" das Hineintragen der nationalen Prioritäten und
Programme in die verschiedenen einschlägigen
europäischen Initiativen
" die Koordinierung der Innovationspolitik und der
wirtschaftlichen Verwertung von Forschungsergebnissen
der an einer Partnerschaft beteiligten Akteure
" Erarbeitung eines Vorschlags für eine nationale
IKT-Politik unter Berücksichtigung der Querbezüge zu
anderen Disziplinen, den in Betracht kommenden
Industriezweigen (Software; Elektronik;
Telekommunikation) und den anderen Allianzen.
Die Allianz wird an der Definition der nationalen Forschungsstrategie im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien mitwirken und sie ist mitverantwortlich für die verbesserte Koordinierung zwischen den wichtigsten Einrichtungen dieses Sektors: dem CNRS und dem CEA.
[1] CDEFI - des
Directeurs d' Ecoles et Formations d' Ingénieurs
[2]
CEA - Commissariat à l'Energie Atomique
[3]
CNRS - Centre national de recherche scientifique
[4] CPU - Conférence des
présidents d'universités
[5]
INRIA - Institut National de Recherche en
Informatique et en Automatique
[6] Institut
Télécom
Quelle:
-
Allistene : l'alliance des sciences et technologies
du numérique - Pressemitteilung des MESR -
17.12.2009
-Pressemitteilung von Kooperation International -
22.12.2009
Link
Redakteur: Philippe Rault, philippe.rault@diplomatie.gouv.fr
Universitäten
Weiterentwicklung der französischen Strategie für die Universitäten
Am 26. Januar 2010 überreichte Prof. Philippe Aghion der Forschungsministerin Valérie Pécresse seine Studie "Universitäre Exzellenz - Lehrreiches durch Erfahrungen im Ausland". In dieser ersten Phase seiner Untersuchung präsentiert der Harvard-Ökonom die drei Grundpfeiler für Exzellenz: Autonomie, finanzielle Mittel und Anreize.
Dieser Bericht bestätigt die Orientierung der französischen Hochschulpolitik der letzten drei Jahre. Die Universitäten müssen mehr Autonomie gewinnen, sowohl hinsichtlich ihrer Finanzen, ihrer Lehrmethoden und ihrer Personalpolitik [1]. Einer der ersten Schritte in diese Richtung war die Gründung der Nationalen Evaluierungsagentur für Forschung und Hochschulwesen (AERES) im Rahmen des Forschungsprogrammgesetzes von 2006.
Laut Prof. Aghion "basiert die universitäre
Exzellenz auf dem Gleichgewicht zwischen akademischer
und exekutiver Legitimität". Der Professor betont,
dass in den weltweit besten Universitäten zwei
Ausschüsse zusammenarbeiten :
- der "Rat der Weisen", der über akademische Fragen
entscheidet und
- ein Exekutiveausschuss, der so genannte "board of
trustees", der Mittel eintreibt, den Rektor wählt,
den Haushalt verwaltet, etc.
Die Ausschussmitglieder sind oft außenstehende
Personen. In den USA kommen sie größtenteils aus der
Wirtschaft, während sie in England eher aus dem
akademischen Bereich kommen.
Diese Maßnahme wäre ebenfalls in Frankreich denkbar,
um den "allmächtigen" französischen Rektoren ein
Gegengewicht entgegenzustellen. Trotz der Mitwirkung
Außenstehender an Universitäten hätten diese, dank
des neuen Autonomiegesetzes, keinen Einfluss auf die
Leitung der Hochschule.
Ein weiterer wichtiger Punkt in seinem Bericht war die Interdisziplinarität und das harmonische Zusammenspiel auf den verschiedenen Ebenen - die Ausbildung der Nachwuchses (Bachelor- und Master-Studenten), die Ausbildung der Elite in die Graduate School (Graduiertenkollegs) und die universitäre Forschung - an den weltbesten Universitäten wie Harvard. Aus diesem Grund betonte die Ministerin den Fusionsbedarf von Universitäten, "Grandes Ecoles" und Forschungseinrichtungen. Somit scheint das Campus-Projekt in Saclay in die richtige Richtung zu gehen. Diese Anforderung sollte ein Entscheidungskriterium für die Auswahl der zehn Exzellenzcampus sein, deren Gründung im Rahmen der großen Staatsanleihe (7,7 Milliarden Euros) vorgesehen ist.
Trotz der Krise hat das Ministerium beschlossen, die Mittel für die Universitäten weiter zu erhöhen. Für 2010 ist ein durchschnittlicher Anstieg um 6% geplant, dieser kann jedoch zwischen 3,7% und 13,8% variieren. Ein zusätzlicher Beitrag von 138 Millionen Euro ist in diesem Jahr für den Betrieb der Universitäten vorgesehen. 44 Millionen Euro stehen für die Aufwertung der Karrieren des Hochschulpersonals zur Verfügung.
[1] Wissenschaft-Frankreich 175
Den vollständigen Bericht finden Sie unter:
Mission Aghion Rapport-étape (Pdf)
Quellen:
- Le Monde "Des pistes pour renforcer la
compétitivité des universités françaises" -
26.01.2010
- Les Echos "Universités: les recettes des meilleurs
campus étrangers" - 27.01.2010
-
Autonomie moyens et incitation les trois leviers de
l'excellence universitaire - Bericht des
Ministeriums für Hochschulwesen und Forschung -
26.01.2010
-
Augmentation globale de 6% du budget des universités
en 2010 - Artikel der französischen Regierung -
25.01.2010
-
Budget 2010 des universités une progression moyenne
de 6% - Artikel des Ministeriums für
Hochschulwesen und Forschung - 21.01.2010
Redakteur: Etienne Balli, etienne.balli@diplomatie.gouv.fr
Medizin
Projekt eines größeren Produktionszentrums für Gentherapie-Vektoren in Evry
Das Forschungsinstitut Généthon [1] baut derzeit auf dem Gelände des Wissenschaftsparks Génopole [2] in Evry ein Zentrum zur Produktion von Gentherapie-Vektoren in großem Maßstab. In den nächsten Jahren wird die Gentherapie bei immer mehr Krankheiten und Patienten Anwendung finden, wodurch der Bedarf an Vektoren steigt. Diese Vektoren transportieren die therapeutischen Gene und sorgen dafür, dass sie die fehlerhaften Gene der Zelle ersetzen.
In dem 5.000 m2 großen Gebäude können 5 bis 10 Mal mehr Vektoren hergestellt werden, als es die aktuellen Kapazitäten des Instituts für Gen- und Zelltherapie (Etablissement de thérapie génique et cellulaire - ETGC) von Généthon ermöglichen. Diese Vektoren werden in der Phase II von Gentherapieversuchen angewandt, in der es darum geht, die Wirksamkeit und die Verträglichkeit der Behandlung zu überprüfen, und in einer eventuellen Versuchsreihe der Phase III soll das Verhältnis Nutzen/Risiko eingeschätzt werden.
Das Produktionszentrum wird mit 27,7 Millionen Euro von der Region Ile-de-France, dem Regionalrat der Essonne und Génopole, und mit 4,7 Millionen Euro vom Französischen Verband für Muskelerkrankungen AFM finanziert. Der AFM wird auch die Betriebskosten übernehmen (jährlich mehrere Millionen Euro). Nach einer Kontrollphase und der Qualitätszertifizierung der Einrichtungen soll die Produktion des Zentrums 2011 im Vollzeitbetrieb laufen.
Quelle: Pressemitteilung des Französischen Verbandes für Muskelerkrankungen AFM - 22.01.2010 - Link
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
Umweltschutz
Die Studie Ecophyto F&E zur Reduzierung des Pestizideinsatzes
Die im Auftrag des Landwirtschafts- und des Umweltministeriums durchgeführte und vom französischen Institut für Agrarforschung (INRA) koordinierte Studie Ecophyto F&E wurde am 28. Januar 2010 vorgestellt. Die Studie gibt einen aktuellen Überblick über den Einsatz von Pestiziden in Kontinentalfrankreich sowie über den heutigen Kenntnisstand in Bezug auf die landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen einer Reduzierung des Pestizidverbrauchs. Der Bericht liefert die ersten Aktionsfelder zur Umsetzung von Maßnahmen, die für die Reduzierung der in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide um 50 % bis 2018 erforderlich sind, gemäß der Zielsetzung des Abkommens für Umweltschutz (Grenelle de l'environnement).
Ziel der Studie war es, die folgenden Punkte zu erörtern:
- das agronomische, wirtschaftliche und umweltfreundliche Potenzial von Anbausystemen, die einer geringeren Konzentration von chemischen Pflanzenschutzmitteln bedürfen
- die Auswirkungen einer allgemeinen Umsetzung solcher Anbausysteme auf nationaler Ebene
- die Maßnahmen, die die Entwicklung und Verbreitung solcher Anbausysteme ermöglichen
An der Studie waren mehr als 100 Experten beteiligt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass eine beachtliche Diskrepanz zwischen den Anbauarten und den verschiedenen Regionen besteht. Die Wissenschaftler konnten dennoch nachweisen, dass eine Verringerung des Pestizideinsatzes um 30 % auf nationaler Ebene nur mit weitreichenden Veränderungen bei den Anbaumethoden möglich wäre. Weder die Produktionssysteme noch das Ertragsniveau sollten zu stark davon betroffen sein. Bei den Feldkulturen, die die größte Anbaufläche und den stärksten Pestizidbedarf ausmachen, würden sich zwar die Gewinnmargen (gegenüber den Preisen für 2006) kaum verändern, der Ertrag würde jedoch um 6 Prozent sinken.
Zusammenfassung und die neun Bände der Studie (auf Französisch)
Quelle: Pressemitteilungen des INRA - 28.01.2010
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
Erneuerbare Energie
Umweltminister Borloo unterstützt 32 Projekte zur Energiegewinnung aus Biomasse
Am 22.01.2010 kündigte Umweltminister Borloo an, dass nach der im Januar 2009 gestarteten Ausschreibung "Biomasse 3" [1] 32 Projekte für Biomasse-Kraftwerke zur Stromerzeugung ausgewählt wurden.
Seit Januar 2009 wurden insgesamt 106 Projektvorschläge im Rahmen der Ausschreibung "Biomasse 3" eingereicht. Diese Initiative zielt auf den Bau von Biomasse-Kraftwerken bis 2012 mit einer geplanten Gesamtkapazität von 266 MW ab, was etwa einem Viertel der Kapazität eines Atomreaktors entspricht. Die 32 ausgesuchten Projekte können von einem Vorzugstarif beim Stromeinkauf von durchschnittlich 145 € pro Megawattstunde profitieren. Das gesamte Investitionsvolumen beläuft sich auf 750 Mio. Euro, wobei der Staat das Programm jährlich mit 150 Mio. Euro über 20 Jahre unterstützt.
Die Auswahl der Projekte erfolgte durch die Regulierungsbehörde für Energie (CRE). Die Evaluierung basiert auf folgenden Kriterien: dem Verkaufspreis des erzeugten Stroms, der Energieeffizienz, der Biomasseversorgung und der Standortwahl für die Anlage.
Die meisten Projekte betreffen Gebiete, die hinsichtlich der Raumplanung von der Regierung als vorrangig eingestuft wurden: Nordost-Frankreich (Elsass, Lothringen, Champagne-Ardenne, Nord-Pas-de-Calais, Picardie und das Departement Seine-et-Marne), Gebirgsregionen (Zentralmassiv, Vogesen, Alpen und Pyrenäen) und die Bretagne.
Für die Regionen Auvergne und Lothringen hängt die endgültige Auswahl von der Überprüfung der ausreichenden Verfügbarkeit von Biomasse ab. Es darf ebenso kein Nutzungskonflikt nachzuweisen sein.
Die Biomasse (abgesehen von Biokraftstoffen) stellt mehr als ein Drittel des Entwicklungspotenzials der erneuerbaren Energien in Frankreich dar. 2020 sollen durch diese erneuerbare Energiequelle 7,5 Mio. RÖE (Rohöleinheiten) erzeugt werden.
Der Einkaufspreis für den von mittleren Biomasse-Kraftwerken (5 bis 12 MW) erzeugten Strom wurde Anfang Januar 2010 erhöht, so das Umweltministerium: "Der Grundpreis steigt von 6,4 c€ pro Kilowattstunde auf 12,5 c€ pro Kilowattstunde. Dazu kommt eine Prämie für Energieeffizienz von bis zu 5c€ pro Kilowattstunde."
Um die Zielsetzungen des Abkommens für Umweltschutz (Grenelle de l'environnement) zu erreichen, wird demnächst eine jährliche Ausschreibung für eine Kapazität von 800 MW gestartet. Diese Ausschreibung wird Anlagen von mehr als 12 MW betreffen.
[1] Mehr als 100 Projektvorschläge für die Ausschreibung "Biomasse 3" für den Bau von Biomasse-Kraftwerken - Wissenschaft Frankreich 168 - 27.08.2009
Quellen:
- Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt -
22.01.2010
- Pressemitteilung der Online-Zeitung Journal de
l'environnement - 25.01.2010
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
Energie
Eröffnung einer Pilotanlage zur Torrefizierung von Biomasse
Eine Pilotanlage zur Torrefizierung [1] von
Biomasse wurde am 22. Januar 2010 in Pau im Rahmen
des Projekts "PREBIOM" eröffnet. Das
Forschungskonsortium vereint regionale Akteure, deren
und zielt darauf ab, das Potential des Aufbaus einer
Industrie für die Energienutzung aus
lignocellulosehaltiger Biomasse in der Region
Aquitaine zu analysieren. Diese wandeln die von
Forst- oder Landwirtschaftsbetrieben erzeugte
Biomasse in ein Zwischenprodukt mit höherer
Energiedichte um, das anschließend für die
Energiegewinnung aus Biomasse (Kraft-Wärme-Kopplung
und Wärmeerzeugung durch Verbrennung) oder für die
Herstellung von Biokraftstoffen der zweiten
Generation eingesetzt wird.
Am Projekt PREBIOM, das vom französischen
Erdölinstitut (IFP) geleitet wird, sind 7 Partner
beteiligt: APESA [2), Aquitaine électronique [3],
ARVALIS [4], COFELY [5], CAFSA [6], das LaTEP-UPPA
der Universität von Pau [7] und OCEOL [8]. Insgesamt
stehen dem Programm 1,27 Milliarden Euro für 3 Jahre
zur Verfügung. Das Projekt wird ebenfalls vom
Regionalrat Aquitaine und von der
Gemeinde-Gemeinschaft von Lacq mit jeweils 200.000 €
und 60.000 € unterstützt.
Die Arbeit von PREBIOM bezieht sich auf den sozialökonomischen und den technischen Aspekt:
- Untersuchung der wirtschaftlichen, sozialen und umweltbezüglichen Umsetzbarkeit des Aufbaus einer Industrie zur Energieproduktion aus Biomasse im regionalen Maßstab. Es geht darum, folgende Parameter zu ermitteln: die kurz- und mittelfristige Verfügbarkeit an Biomasse in Aquitanien; die Größe der entsprechenden Sammelbecken sowie die Anzahl und die Größe der zu bauenden Anlagen. Die soziale Akzeptanz dieses Projekts soll ebenfalls analysiert werden, wobei PREBIOM sich auf die Nutzung von nicht für die Ernährung bestimmte Biomasse stützen wird und keine Konkurrenz zu bereits existierenden Agrar- und Frostbetrieben anstrebt.
- Untersuchung der Vorbehandlung der lignocellulosehaltigen Biomasse durch Torrefizierung. Es wurde ein Pilotlabor mit einer Verarbeitungskapazität von 2 kg/h gebaut, um diese Biomasse zu testen. Dort soll sowohl der Einfluss verschiedener Betriebsparameter des Verfahrens analysiert werden, um eine Optimierung zu erreichen, als auch Ausgangsdaten ermittelt werden, die für die Definition eines Lastenheftes für eine künftige halbindustrielle Pilotanlage nötig sind.
-[1] Torrefizierung bezeichnet die thermische
Behandlung von Biomasse unter Luftabschluss bei
relativ niedrigen Temperaturen von 250 bis 300 C.
Ziel ist die Erhöhung der gravimetrischen und
volumetrischen Energiedichte und damit des Heizwerts
des Rohmaterials, eine Steigerung der
Transportwürdigkeit oder eine Reduzierung des
Aufwands bei einem nachfolgenden Zermahlen von
Biomasse.
-[2] APESA - Verband für Umwelt- und
Sicherheitsfragen der Aquitaine.
-[3] Aquitaine électronique - Spezialist im
Elektronik-Bereich.
-[4] ARVALIS - Institut du végétal - ist eine
Einrichtung der angewandten landwirtschaftlichen
Forschung, die von den Erzeugern finanziert und
geleitet wird.
-[5] COFELY ist Teil des Bereichs Energy Services von
GDF SUEZ, einem der führenden Energiekonzerne der
Welt, und verfügt über fundiertes Know-how im Einsatz
von erneuerbaren Energien wie Wärmepumpen,
Sonnenenergie, Erdwärme oder der Nutzung von Biomasse
für die Produktion von Strom und Wärme.
-[6] CAFSA- land- und forstwirtschaftliche
Genossenschaft.
-[7] LaTEP-UPPA- Labor für thermische Energie und
Verfahrenstechnik.
-[8] OCEOL - Grosshandel für Getreide, Rohtabak,
Saatgüter und Viehfutter.
Kontakt: Jean-Pascal Dejean, französisches Erdölinstitut (IFP) - Tel: +33 5 59 84 59 63 - E-Mail: j-pascal.dejean@ifp.fr
Quelle: Inauguration du pilote de torréfaction du projet Prebiom - Pressemitteilung des französischen Erdölinstituts - 22.01.2010
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Energie
Rückgang des Stromverbrauchs in Frankreich
Nach Angaben des französischen Stromnetz-Betreibers (RTE) ist der Stromverbrauch 2009 in Frankreich um 1,6% gesunken, was insbesondere auf die Auswirkungen der Wirtschaftskrise in der Industriebranche zurückzuführen ist, während der Verbrauch der Haushalte jedoch weiter zunimmt. Gleichzeitig hat die französische Stromerzeugung um insgesamt 5,5% abgenommen.
2009 erreichte der französische Stromverbrauch nur 486,4 TWh, wobei das Absinken des Verbrauchs zum Jahresende abnahm: im November und Dezember 2009 wurde mehr Strom verbraucht, als Ende 2008, wo bereits die Auswirkungen der Wirtschaftskrise spürbar waren. Der Verbrauch der Großindustrie sank um 8,6% im Vergleich zu 2008, wobei sich der Trend während der letzten Monate des Jahres verlangsamte. Der Stromverbrauch der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nahm 2009 um 3% ab. Hingegen stieg der Verbrauch der Kunden, die an ein Niederspannungsnetz angeschlossen sind (private Haushalte, Fachleute, öffentliche Dienstleistungsunternehmen, öffentliche Beleuchtung, verschiedene Tertiärsektoren), weiterhin um 2% im Vergleich zum Jahr 2008. Gleichzeitig steigt der Spitzenverbrauch in den Wintermonaten weiterhin stark an.
Insgesamt ist die französische Stromerzeugung 2009 um 5,5% gesunken: die Stromerzeugung durch Kernenergie nahm um 6,8% ab und erreichte somit ihren niedrigsten Wert seit 1999, während die Produktion in den Wasserkraftwerken mit einem Rückgang von 9,2% auf ihr Niveau von 2007 zurückfiel. Die Energieproduktion durch Windkraft hat sich im Vergleich zu 2008 um 40% erhöht: sie hat sich innerhalb von 6 Jahren verzwanzigfacht und erreicht heute in Frankreich eine Gesamtleistung von fast 4.400 MW. Die Stromerzeugung der thermischen Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen stieg um 3,1% und auch die Photovoltaikindustrie manifestiert sich immer weiter auf dem Energiemarkt.
Zwar blieb der Saldo des vertraglich geregelten Energie-Austausches mit dem Ausland exportintensiv, er sank jedoch um 47% im Vergleich zum Vorjahr 2008. Diese Entwicklung ist auf die abnehmende Stromerzeugung in Frankreich zurückzuführen. Importe sind jetzt häufiger nötig und die entsprechenden Zeiträume wurden verlängert. Seit 27 Jahren war Frankreich im Oktober 2009 zum ersten Mal Nettostromimporteur über einen ganzen Monat. RTE gab an, "2009 stiegen die Nettoimporte auf 57 Tage, gegenüber 6 Tagen im Jahr 2008 und 20 im Jahr 2007."
2009 investierte der Betreiber RTE im Rahmen seines Investitionsprogramms 1.030 Milliarden Euro in sein Stromnetz, was einem Anstieg um 23% im Vergleich zum Vorjahr darstellt und damit zum ersten Mal seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2000 die 1 Milliarde Euro-Grenze überschritt. Für 2010 sind Investitionen in Höhe von 1.116 Milliarden Euro vorgesehen.
Quelle: Pointe de consommation électrique : le développement du chauffage électrique en question - Enerzine - 13.01.2010
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
Verkehr
- Einführung einer Abschnitts-Durchschnittsgeschwindigkeitsmessung auf französischen Straßen
Das französische Ministerium für Verkehr plant in Kürze den Einsatz eines neuen Geschwindigkeits-Messverfahrens. Die neuen Radaranlagen sollen dabei die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Fahrzeuges auf einer Teilstrecke ermitteln.
Das seit 2003 auf der Autobahn A10, in der Nähe von Orleans, getestete System ist nun marktreif. Nach Angaben des Ministeriums soll es ab der zweiten Jahreshälfte verstärkt zum Einsatz kommen. Zunächst geht es jedoch eher um eine pädagogische Maßnahme: dem betroffenen Fahrer wird lediglich angezeigt, dass er zu schnell fährt. Jedoch ist nicht ausgeschlossen, dass künftig bei überhöhter Geschwindigkeit auch Strafen fällig werden. Solche Radaranlagen kommen bereits in Großbritannien, Deutschland, Italien und Norwegen zur Anwendung.
Durch diese Maßnahme erhofft sich die Regierung, die Sicherheit auf den französischen Straßen deutlich zu erhöhen. 1998 kamen noch über 9.000 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. 2009 waren es nur noch 4.260. 2012 sollen es weniger als 3.000 sein. "Dieses System scheint genauer zu sein und vor allem nicht so gefährlich wie herkömmliche Anlagen, da zu schnell fahrende Autofahrer nicht mehr dazu verleitet werden, ruckartig vor einem Blitzer abzubremsen", erklärt Georges Mothron, UMP-Abgeordneter des Departements Val-d'Oise.
Die Funktionsweise ist einfach: eine erste Kamera erfasst die Geschwindigkeit des vorbeifahrenden Wagens, und entziffert durch ein spezielles Bildbearbeitungsprogramm dessen Kennzeichen. Dieses wird an eine zweite Kamerastation weitergeleitet, die wenige Kilometer entfernt aufgebaut ist. Sobald das Fahrzeug an ihr vorbeifährt, wird die Durchschnittsgeschwindigkeit errechnet, und dem Fahrer auf einer Anzeigetafel signalisiert. Entwickelt wurde das System vom Zentrum für technische Studien zur Ausstattung des Mittelmeerraums (Centre d'études techniques de l'équipement Méditerranée).
Quellen:
-
Le radar tronçon va bientôt prendre du service -
Artikel aus "Le Monde" - 25.01.2010
-
Artikel aus "Futura-Sciences" - 27.01.2010
Redakteur: Sebastian Ritter, sebastian.ritter@diplomatie.gouv.fr
Biotechnologie
Organischer Transistor ebnet den Weg für neue Generationen von Neuro-Computern
Zum ersten Mal ist es Forschern des CNRS [1] und des CEA [2] gelungen, einen Transistor zu entwickeln, der selbstständig die wichtigsten Funktionen einer Synapse nachahmt. Dieser organische Transistor aus Pentacen und Gold-Nanopartikeln (NOMFET - Nanoparticle- organic Memory Transistor) ist in der Lage, wie das menschliche Gehirn zu arbeiten.
Im Nervensystem verbindet die Synapse zwei Neuronen miteinander. Sie ermöglicht die Weiterleitung elektrischer Informationen zwischen den Neuronen und die Umwandlung der Information in Abhängigkeit von der Art des eintreffenden Signals.
Treffen z.B. sehr kurz aufeinanderfolgende Impulse auf die Synapse, so kommt es zu einer Potentialerhöhung. Ist der Abstand zwischen den Impulsen jedoch hoch, so wird das Signal abgeschwächt. Dieses Phänomen nennt sich Plastizität.
Den Forschern ist es nun gelungen, diesen Effekt der Plastizität mit dem Transistor nachzuahmen. Die Kombination eines organischen Transistors mit Gold-Nanopartikeln ist das eigentlich Innovative von NOMFET. Die eingeschlossenen Nanopartikel sind im Kanal des Transistors befestigt und mit einer Pentacen-Schicht überzogen. Die Leistung von NOMFET ist mit der von sieben CMOS [3] Transistoren vergleichbar. Dieses Gerät wurde so optimiert, dass es auf Nanometer-Ebene eingesetzt werden kann.
Die Neuro-Computer sind somit in der Lage, wie ein menschliches Gehirn zu arbeiten. Im Gegensatz zu Silizium-Rechnern können diese Computer schwierige Probleme lösen, wie beispielsweise die Gesichtserkennung.
[1] CNRS: Französisches Zentrum für
wissenschaftliche Forschung
[2] CEA: Französisches Zentrum für Atomenergie
[3] CMOS: komplementärer Metall-Oxid-Halbleiter
-
Weitere Informationen (Wikipedia)
Quellen:
-
Mise au point d'un transistor organique - Artikel
des CEA (auf Französisch) - 19.01.2010
- Artikel
aus Nanowerk (auf English) - 25.01.2010
Redakteur: Philippe Rault, philippe.rault@diplomatie.gouv.fr
Biotechnologie
Intelligente Kapseln setzen ihren Inhalt bei vorher bestimmten Temperaturen frei
Wie kann ein Wirkstoff kontrolliert freigesetzt werden? Bis heute gab es für diese Problematik nur unzureichende Lösungsansätze. Forscher des Forschungszentrums Paul Pascal in Bordeaux, das zum Französischen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) gehört, haben neue "intelligente" Kapseln entwickelt, die ihren Inhalt durch eine einfache Temperaturerhöhung auf Wunsch freisetzen. Diese Entdeckung wurde vor kurzem patentiert. Viele Anwendungen in den unterschiedlichsten Bereichen sind bereits im Gespräch, wie zum Beispiel in der Ernährung, in der Parfümerie oder in der Landwirtschaft.
Um eine Substanz freizusetzen, beispielsweise einen medizinischen Wirkstoff, wird oft Silizium als Trägersubstanz verwendet. Die Diffusion des Stoffes erfolgt dabei entweder über die Poren, oder durch Auflösung der Siliziumhülle, und ist somit kaum zu kontrollieren. Um dieses Problem zu beheben, haben 3 französische Forscher Kapseln entwickelt, die ihren Inhalt bei einer vorbestimmten Temperatur freigeben.
Sowohl die Idee, als auch die Herstellung der Kapseln ist recht einfach: ein spezifisch ausgewähltes Öl wird in Wasser gegossen. Durch die Zugabe von Silizium-Partikeln stabilisiert sich das Öl in Form von kleinen Tropfen. Anschließend wird auf diese Tropfen eine dünne Siliziumhülle durch Polymerisation aufgebracht, um sie während der Lagerung zu schützen.
Die Besonderheit dieses Verfahrens liegt in der Auswahl des verwendeten Öls: es wird nach seiner Schmelztemperatur ausgewählt, damit diese genau der Temperatur entspricht, bei der der Inhalt freigesetzt werden soll. So wird zum Beispiel in einer Agrar-Anlage, die bei über 40°C ein Pestizid ausschütten soll, ein Öl verwendet, das unter 40°C fest ist und darüber flüssig wird. Die Ausdehnung des Öls während der Verflüssigung wird dabei ausgenutzt, um die Hülle aufzubrechen. Die Auswahl an entsprechenden Ölen reicht derzeit für Temperaturen von 35 bis 56°C.
Zudem kann ein weiterer Parameter angepasst werden: die Entleerung der Kapseln kann wahlweise in Form von Tropfen erfolgen, oder der gesamte Inhalt wird auf einmal freigesetzt. Somit kann insbesondere die Geschwindigkeit des Prozesses reguliert werden.
Dieses einfache Prinzip, das preiswert und unkompliziert umzusetzen ist, ermöglicht eine Fülle von Anwendungen. Es könnte zum Beispiel als Frische-Indikator für Nahrungsmittel eingesetzt werden, oder die Freisetzung eines Duftes in die Luft, auf Textilien oder auf die Haut ermöglichen. Ebenfalls vorstellbar wäre der Einsatz zum Auftragen eines Heilmittels auf die Haut, das durch Reibung erhitzt und somit freigesetzt wird, oder zur Verteilung eines Bakterizids in Wasserleitungen, sobald die Vermehrungstemperatur der Bakterien erreicht wird.
Kontakt: Véronique Schmitt - Centre de recherche CNRS Paul Pascal - Tel.: +33 5 56845667 - Email.: schmitt@crpp-bordeaux.cnrs.fr
Weitere Informationen: "Thermo-stimulabled wax@SiO2 core shell particles" - Mathieu Destribats, Véronique Schmitt und Rénal Backov - Zeitschrift Langmuir - 02/02/2010
Quelle: Pressemitteilung des CNRS - 27.01.2010
Redakteur: Sebastian Ritter, sebastian.ritter@diplomatie.gouv.fr
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