Wissenschaft Frankreich #180 – 31/03/2010

Wissenschaft-Frankreich Nr. 180 [PDF]

 


 

FORSCHUNGSPOLITIK

Ergebnisse des 9. Forschungsprojektaufrufes für die "Pôles de compétitivité"

75 Forschungsprojekte werden mit 91 Millionen Euro vom Staat finanziert. Insgesamt haben 51 "Pôles de compétitivités" -Kompetenznetze - 206 Projekte eingereicht. Mehrere Ministerien sind an der Finanzierung beteiligt: das Ministerium für Wirtschaft, Industrie und Beschäftigung; das Verteidigungsministerium; das Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei; das Ministerium für Umwelt, Energie, nachhaltige Entwicklung und Meeresfragen; das Ministerium für den ländlichen Raum und Raumordnung und das Ministerium für Gesundheit und Sport.

Die verschiedenen Gebietskörperschaften haben sich dazu verpflichtet, einen Teil der Finanzierung zu übernehmen - 58 Millionen Euro.
Die KMU werden ungefähr 30 Millionen Euro direkt aus diesem interministeriellen Einheitsfond erhalten.
Seit 2005 wurden bereits 4,6 Milliarden Euro in 813 Projekte investiert, davon 1,6 Milliarden Euro als öffentliche Mittel (ein Milliarde Euro direkt vom Staat).
Der zehnte Projektaufruf wird in den nächsten Monaten angekündigt.

Quellen:
- "75 nouveaux projets de R&D financés par l'État", Newsletter der Pôles de compétitivité - 23.03.2010
- "Les résultats du 9e appel à projets de R&D du FUI" - 09.03.2010

Redakteur: Etienne Balli, etienne.balli@diplomatie.gouv.fr [Zurück zum Inhalt]

 


 

FORSCHUNGSPOLITIK

Rangliste der Patentanmeldungen

Das französische Patentamt (INPI) hat am 24. März 2010 die Rangliste der Patentanmeldungen veröffentlicht. An der Spitze befindet sich der Autokonzern PSA (Peugeot-Citroën), gefolgt von Renault und l'Oreal. Unter den besten 10 befinden sich auch drei öffentliche Forschungseinrichtungen: das Zentrum für Atomenergie und alternative Energien (CEA), das Französische Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) und das französische Erdölinstitut (IFP).

Nach Informationen von Benoît Battistelli, Direktor des INPI, blieb die Zahl der Patentanmeldungen im letzten Jahr stabil. Des Weiteren gibt diese Rangliste einen guten Überblick über die stärksten französischen Industriezweige: so zählen die Automobil-, die Kosmetik-, die Luftfahrt-, die Elektronik- und die Chemieindustrie zu den Kernkompetenzfeldern in Frankreich. 40% der Patentanmeldungen werden allein von den 20 Besten dieser Liste eingereicht.
Der Auswirkungen der Krise werden in dieser Liste dagegen nicht sichtbar, da die Studie nur Anmeldungen im Zeitraum vom 1. Juli 2007 - 30. Juni 2008 berücksichtigt (aufgrund der legalen Veröffentlichungsfrist). Das Trio an der Spitze konnte seine Position seit 3 Jahren halten. PSA (1265 Anmeldungen) konnte seine Spitzenposition am deutlichsten ausbauen (+ 304 Patentanmeldungen). Renault fällt zwar leicht zurück (mit 906 Patentanmeldungen), liegt aber noch weit vor L'Oreal (467 Anmeldungen).

Auf die Frage wie das Unternehmen mit dem Löwen-Logo solche Ergebnisse erzielen konnte, erklärte es, dass es seit ein paar Jahren eine interne Politik entwickelt hätte, um Innovationen stärker zu fördern. Ziel sei es, das Niveau der deutschen Automobilindustrie zu erreichen. Eine solche innovationsfördernde Politik wird jetzt auch von vielen anderen französischen Unternehmen angestrebt, wie beispielsweise von EADS.

Auch die staatlichen Einrichtungen zeigen sehr gute Ergebnisse. Das CEA (416 Patente) ist auf den fünften Platz vorgerückt, das CNRS (277 Patente) liegt an neunter und das IFP (173 Patente) an zehnter Position. Dies ist eine positive Auswirkung der Regierungspolitik der letzen Jahre. Der deutliche Anstieg an Patentanmeldungen (+93) des CEA geht ebenfalls auf eine seit 3 Jahren neue Politik des CEA zurück, die das geistige Eigentum besser schützen will.

Quellen:
- "Palmarès 2009 des brevets : PSA creuse l'écart", Les Echos - 23.03.2010
- "Les technologies les plus brevetées", Les Echos - 23.03.2010 - Rangliste des INPI

Redakteur: Etienne Balli, etienne.balli@diplomatie.gouv.fr

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CHEMIE

Gründung zwei neuer Forschungslaboratorien

Das IRSN (Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit) und das CNRS (nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung) haben am 16. März 2010 zwei neue gemeinsame Forschungslaboratorien eröffnet: das C3R (Reaktionskinetik, Verbrennung und Reaktivität) in Kooperation mit der Universität Lille 1 und das ETIC (Branduntersuchungen im geschlossenen System) in Kooperation mit den Universitäten von Aix-Marseille I und II. Zu diesem Anlass wurde ein Tag der wissenschaftlichen Zusammenarbeit organisiert, auf dem die gemeinsamen Forschungsaktionen vorgestellt wurden, deren Ziel darin besteht, die Reaktorsicherheit zu verbessern.

Im C3R arbeiten das IRSN und das Labor für physikalische Chemie der atmosphärischen und der Verbrennungsprozesse zusammen (CNRS/Universität Lille 1). Die in diesem Labor behandelten Forschungsthemen betreffen die Reaktionskinetik in den Gasphasen und in heterogenen Phasen, die Strahlenchemie und die Verbrennung. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Modellbildung der Jodchemie unter Strahlungseinwirkung und unter unbeständigen thermodynamischen Bedingungen gelegt, ein wichtiges Forschungsthema der Direktion zur Bekämpfung von Störfällen (DPAM) des IRSN.

Das ETIC vereint das IRSN und das Hochschulinstitut für industrielle Wärmesysteme (CNRS/Universitäten von Aix-Marseille I und II). Die Modellbildung eines Brandes im geschlossenen und belüfteten System soll verbessert werden durch eine eingehende Untersuchung der Verbrennung von festen Brennstoffen unter sauerstoffarmen Bedingungen sowie durch verbesserte Maßnahmen bei Versuchen im großen Maßstab, die von der DPA durchführt werden.

Durch diese Laboratorien, die das Ergebnis einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem IRSN, dem CNRS und den Universitäten sind, können die notwendigen Forschungen durchgeführt werden, die zur Einschätzung der Risken bei nuklearen Tätigkeiten notwendig sind. Sie ermöglichen ebenfalls die Erlangung umfassender Kenntnisse, die zur Behandlung sehr komplexer Themen und zur Umsetzung der fortschrittlichsten Simulations- und Versuchstechniken zur Verbesserung der Sicherheit nötig sind. Darüber hinaus trägt diese vorbildhafte Zusammenarbeit der Forscherteams zu einer engeren Verbindung zwischen den Forschungseinrichtungen und Einrichtungen, die durch Forschung ausbilden bei. Folgende Methoden haben sich bei der Anwendung von Grundlagenkenntnissen bei praktischen Problemen bewährt: Zusammenführung komplementärer Kompetenzen, gemeinsamer Aufbau und Umgang mit Modell- und Simulationsinstrumenten, Weitergabe von erworbenen Kenntnissen und Können in speziellen Fällen, Aufbau eines interdisziplinären Dialogs.

Kontakte:
- Pascale Portes - IRSN - Tel.: +33 1 58 35 70 33 - pascale.portes@irsn.fr
- Cécile Pérol - CNRS - Tel.: +33 1 44 96 43 90 - cecile.perol@cnrs-dir.fr

Quelle: Pressemitteilung des IRSN - März 2010

Redakteur: IRSN

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ENERGIE

Franzosen bekennen sich zu den erneuerbaren Energien

Laut einer von der Französischen Organisation für Umwelt- und Energiewirtschaft (ADEME) veröffentlichen Studie [1] sind fast 97% der Franzosen für die Entwicklung der erneuerbaren Energien. 85% der Befragten konnten spontan eine Form von erneuerbarer Energie nennen (im Vergleich zu 68% im Jahr 2005). Die Explosion der Ölpreise und die Mediatisierung des "Grenelle de l'Environnement" (Umweltabkommen) könnten eine Erklärung für die veränderte Wahrnehmung, die umfassenderen Kenntnisse und den bewussteren Umgang der Franzosen mit Energie sein. Wurden sie spontan nach bekannten erneuerbaren Energien gefragt, nannten die meisten Franzosen zuerst die Solar- (68%) und dann die Windenergie (57%). Beide Energieformen gelten als umweltfreundlich und für den Menschen unschädlich, weshalb die Franzosen fordern, dass diese vorrangig ausgebaut werden (jeweils 68 % und 43%).

  • Die Solarenergie genießt zweifellos den besten Ruf. Sie gilt als die umweltfreundlichste, wirtschaftlichste, schadstoffärmste, ungefährlichste, modernste und bei der Reduzierung der Treibhausgase effizienteste Energieform. Sie wird von der Bevölkerung besonders gut akzeptiert, sei es bei öffentlichen Gebäuden (von 96% der Befragten befürwortet), auf Nachbardächern (88%) oder auf dem eigenen Dach (97%).

  • Die Windenergie genießt ebenfalls eine hohe Akzeptanz, mit einem geringen Rückgang von 6% gegenüber 2008: 77% der Franzosen sind für die Errichtung von Windkraftanlagen in Frankreich.
    Die Geothermie (31%), die Wasserkraft (22%) und die Biomasse (18%) wurden weitaus seltener spontan mit den erneuerbaren Energien in Verbindung gebracht.

96% der Franzosen geben mindestens eine erneuerbare Energie als "zu Hause erzeugbar " an, wobei 90% der befragten Personen die Solarenergie und 51% die Geothermie nannten. 2009 erklärten 21% der Franzosen, dass sie über eine Ausrüstung zur Erzeugung erneuerbarer Energien für ihren Energieverbrauch verfügen, was einer Steigerung von 4% im Vergleich zu 2008 entspricht. Dieses Ergebnis lässt sich insbesondere auf den Zuwachs an Holzheizungsanlagen und Solarzellenpaneelen zurückführen. 9% der Franzosen gaben an, dass sie die Anschaffung einer Anlage zur Nutzung erneuerbarer Energien für ihren privaten Energieverbrauch in den nächsten 12 Monaten planen: 60% der Befragten sprachen sich für eine Solaranlage aus.

[1] Die Studie über die Franzosen und ihre Einstellung gegenüber erneuerbaren Energien wurde im Auftrag der ADEME vom Beratungsunternehmen BVA durchgeführt. Innerhalb von 2,5 Wochen wurden im Juni 2009 insgesamt 1.001 Personen im Rahmen der repräsentativen Untersuchung telefonisch befragt. Die gleiche Studie wurde bereits 2004, 2005 und 2006 realisiert.
Zusätzliche Informationen unter: "Bilanz der erneuerbaren Energien in Frankreich für 2009", WF 177 - 17.02.2010

Quelle: "Les Français sont favorables aux énergies renouvelables" - 03.03/2010

Redakteurin: Claire Vaille,

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ENERGIE

Energieforschung: erste Ergebnisse zur Arbeit der ANCRE

Auf der ersten Hauptversammlung der ANCRE (nationale Allianz zur Koordinierung der Energieforschung, [1]) am 17. März 2010 präsentierten die 9 thematischen Arbeitsgruppen [2] ihre ersten Überlegungen und Vorschläge für gemeinsame F&E-Projekte. Das Ziel besteht darin, bis zum Juni 2010 prioritäre mehrjährige Programme auszuwählen, die den Finanzierungsträgern (ADEME, ANR, OSEO [3]) vorgelegt werden.

In dieser ersten Arbeitsphase wurden für jeden Bereich die aktuellen F&E-Kompetenzen und -Leistungen und die wissenschaftlichen, technologischen, industriellen, gesellschaftlichen, umweltbedingten und wirtschaftlichen Hürden ermittelt. Eine erste Reihe von Forschungsprogrammen mit geistes- und gesellschaftswissenschaftlichem Bezug zur Überwindung dieser Hürden wurde ebenfalls bereits ermittelt. Zu den wichtigsten Themen zählen hierbei die wirtschaftlich-technische und die umweltbezogene Evaluierung der "Algen"-Branchen, die innovativen Materialen für die Kernenergie und Querschnittsthemen, wie die Speicherung der Energie in Verbindung mit intelligenten Netzwerken oder die Verflechtung zwischen Gebäude/Energie/Transport.

Über 150 Fachleute sind an diesen Arbeitsgruppen beteiligt, die die verschiedenen Forschungseinrichtungen des gesamten Energiesektors [4] und der Industrie, insbesondere durch Wettbewerbcluster [5], abdecken. Auf der Grundlage der von diesen Experten erarbeiteten Empfehlungen werden die Mitglieder von ANCRE bereits im Juni 2010 die ersten Vorschläge für wissenschaftliche Programme unterbreiten können. Diese sollen dazu beitragen, die ermittelten Hürden zu überwinden und Innovationen für die aktuellen und künftigen Industriesektoren in so verschiedenen Bereichen wie Biomasse, Meeresenergien, Windenergie, Wasserkraft, Solarenergie, Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge, Wasserstoff, fossile Energien und Kernenergie zu präsentieren.

Die Arbeitsgruppen haben auch die Synergien zwischen den verschiedenen Projekten untersucht, um gemeinsame Vorschläge vorlegen zu können. So schlugen sie beispielsweise die Gründung verschiedener partnerschaftlicher Strukturen vor, wie ein unterirdisches Labor für die CO?-Speicherung, eine F&E-Plattform zur Dünnschicht-Photovoltaik der zweiten Generation in Palaiseau, ein Projekt für die Entwicklung des nationalen Instituts für Solarenergie in Chambery (INES 2), ein Institut in Satory zur technologischen Erforschung intelligenter, CO?-armer Fahrzeug in Kooperation mit dem Industriepartner Mov'eo oder eine Beobachtungsstelle zur gesellschaftlichen Akzeptanz aller Sektoren im Bereich Energieeffizienz bzw. Netzwerke.

[1] Zusätzliche Informationen unter: "Gründung einer Allianz im Energiebereich", WF 167 - 12.08.2009.
Der Allianz ANCRE gehören, neben den drei Gründungsmitgliedern (CEA, CNRS und IFP), alle französischen öffentlichen Forschungseinrichtungen des Energiesektors (ANDRA, BRGM, CDEFI, CEMAGREF, CIRAD, CPU, CSTB, IFREMER, INERIS, INRA, INRETS, INRIA, IRD, IRSN, ONERA), und die industriellen Partner an.
[2] Fünf thematische Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit den Energiequellen (Biomasse, fossile Energien, Kernenergie, Solarenergie, Geothermie, Meeresenergien, Wasserkraft und Windenergie), drei mit den Anwendungen (Transport, Gebäude, Industrie, Landwirtschaft) und eine Gruppe mit der Zukunftsforschung und der Synthese der Ergebnisse.
[3] ADEME: Französische Organisation für Umwelt- und Energiewirtschaft ANR: staatliche Agentur für Forschung
OSEO: Förderagentur für Innovation
[4] Fachleute des CEA, CNRS, CPU, CSTB, IFP, IFREMER, INRA und des INRETS.
[5] Axelera, CapEnergies, DERBI, Industrie et Agro-Ressources, Mer de Bretagne und Mer PACA, Tenerrdis, Trimatec, usw.

Quelle: "Recherche pour l'énergie : premiers résultats des travaux de l'ANCRE" - 24.03.2010

Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr

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GESUNDHEIT

Neue Online-Karte der zugelassenen Krebsbehandlungszentren in Frankreich

Das Nationale Krebsforschungsinstitut (INCA) hat auf seiner Internet-Seite [1] eine Karte Online gestellt, die das Behandlungsangebot für Krebserkrankungen der Krankenhäuser in jeder Region beschreibt. Nach Angaben des INCA soll diese Kartierung ermöglichen, für jede Region die Daten aller Gesundheitszentren zu bekommen, die die Zulassung für eine Krebsbehandlung mit Chemotherapie, Chirurgie oder Radiotherapie haben.

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Titel: Interaktive Online-Karte der zugelassenen Krebsbehandlungszentren
Credit: INCA

Seit Ende 2009 müssen Gesundheitszentren über eine von deren regionaler Krankenhausagentur ausgestellte Zulassung verfügen, um Krebspatienten behandeln zu dürfen. Von den insgesamt 868 zugelassenen Gesundheitszentren haben 754 eine Zulassung für Krebschirurgie, 468 dürfen Patienten mit Chemotherapie behandeln und 176 mit externer Radiotherapie.

Mit einem einfachen Mouse-Klick findet man die Anschriften und Telefonnummern der zugelassenen Krankenhäuser, ihr Behandlungsangebot und die Krebstypen, die behandelt werden. Die Polyklinik der Südalpen in Gap bietet zum Beispiel eine urologische Chirurgie-Behandlung. Das Henri-Mondor-Krankenhaus in Aurillac (Cantal) ist für Behandlungen mit Chemotherapie und Chirurgie bei Brust-, Darm-, HNO-, Mund- und Gesichtskrebs zugelassen. Das Krankenhaus in Arras (Pas-de-Calais) erhielt eine Zulassung für die Chemotherapie und Chirurgie zur Behandlung von Brust-, Darm-, Lungen- und Genitalkrebs und urologischen Krebserkrankungen.

[1] http://www.e-cancer.fr/les-soins/offre-de-soins-hospitaliere-en-cancerologie/cartographie

Quelle: "La carte des établissements hospitaliers qui traitent le cancer" - Le Monde - 16.03.2010

Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr

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Gesundheit

Ein vielversprechendes Molekül im Kampf gegen AIDS

Trotz der zahlreichen Fortschritte im Kampf gegen AIDS ist diese Infektion noch immer für den Tod von Millionen Menschen jährlich verantwortlich. Ein wichtiger Schwerpunkt der Forschung bleibt die Suche nach neuen zellulären Zielen, auf die die neuen antiviralen Therapien ausgerichtet werden. Forscher des Jean-Pierre-Ebel-Instituts für Strukturbiologie [1] haben ein Molekül entwickelt, das den Sprung des AIDS-Virus von einer Zelle zur anderen verhindert. Dieses Ergebnis wurde zum Patent angemeldet und in der Fachzeitschrift ASC Chemical Biology vom 19. März 2010 veröffentlicht [2].

In Zusammenarbeit mit Forschern aus Italien und Spanien (im Rahmen des europäischen Netzwerkes CARMUSYS) haben sich die französischen Forscher mit dem Rezeptor DC-SIGN beschäftigt, der in den ersten Phasen der AIDS-Infektion eine Rolle spielt, jedoch als therapeutisches Ziel bisher wenig erforscht wurde. Dieser Rezeptor befindet sich an der Oberfläche der dendritischen Zellen, Zellen des Immunsystems, die insbesondere im Oberflächengewebe des Körpers zu finden sind, z.B. in der Epidermis oder in den Schleimhäuten.

Der Rezeptor DC-SIGN erkennt Pathogene und fängt diese ein, so dass sie von den dentritischen Zellen aufgenommen, zerstört und die Reste an der Oberfläche exponiert werden können. Anschließend wandern die Zellen zu den Lymphoidorganen, um eine Immunantwort auszulösen, d.h. es werden Immunzellen gebildet - so genannte T-Lymphozyten-, die zielgerichtet die Pathogene bekämpfen. Das AIDS-Virus wird jedoch nicht zerstört, sondern nutzt den Rezeptor DC-SIGN, um zu den T-Lymphozyten zu gelangen und sie zu infizieren. Es greift insbesondere die T-Lymphozyten mit Oberflächenantigenen CD4 an (auch CD4+), mit deren Hilfe sich das Virus im ganzen Körper ausbreiten kann.

Das von den Forschern entwickelte Molekül bindet sich an den Rezeptor DC-SIGN und verhindert so den Sprung des AIDS-Virus auf die CD4+-T-Lymphozyten. Das Molekül weist besonders interessante Eigenschaften auf, wie zum Beispiel eine hohe Löslichkeit im physiologischen Milieu, eine geringe Zytotoxizität [3], einen Langzeiteffekt und eine für die Massenproduktion geeignete Struktur. Darüber hinaus könnte es auch bei anderen Pathogenen eingesetzt werden, wie beispielsweise bei Hepatitis C, Dengue-Fieber, Ebola, SARS (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom). Die Wirksamkeit des Moleküls beim interzellulären Transfer des AIDS-Virus wurde in vitro nachgewiesen. Das Molekül selbst ist durch eine gemeinsame Patentanmeldung des CNRS und der Joseph-Fourier-Universität geschützt. Für den nächsten Schritt der vorklinischen Studien in Tiermodellen suchen die Forscher noch Partner.

[1] CNRS (Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung) / Joseph-Fourier-Universität / CEA (Behörde für Atomenergie und alternative Energien)
[2] "Inhibition of DC-SIGN Mediated HIV infection by a linear trimannoside mimic in tetravalent presentation", Sattin, Daghetti, Thépaut, Berzi, Sanchez-Navarro, Tabarani, Rojo, Fieschi, Clerici & Bernardi - ACS Chemical Biology - 19/03/2010
[3] Fähigkeit einiger chemischer Substanzen (Arzneistoffe, Antikörper, Viren) Gewebezellen zu schädigen

Kontakt: Franck Fieschi, Forscher - Labor für Membranproteine, Institut für Strukturbiologie, Joseph-Fourier-Universität / CEA, 41 rue Jules Horowitz, 38027 Grenoble - Tel: +33 4 38 78 91 77 - E-Mail: franck.fieschi@ibs.fr

Quelle: "Lutte contre le VIH : un composé très prometteur" - Pressemitteilung des CNRS - 18.03.2010

Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr

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PHYSIK

Einen Lichtstrahl durch Materie steuern

Durch Haut, eine Farbschicht, ein Glas Milch oder ein anderes lichtstreuendes Material sehen? Wissenschaftler kommen diesem Ziel immer näher. Einem französischen Physiker-Team des Langevin Instituts (CNRS [1], ESPCI [2], Universitäten Paris 6 und 7) ist es gelungen, die optischen Eigenschaften stark streuender Medien zu messen. Daraus konnten sie eine Methode ableiten, die es ihnen ermöglicht, den Lichtstrahl in diesem Medium zu kontrollieren, um ihn zum Beispiel auf einen oder mehrere Punkte auf der anderen Seite des Mediums zu fokalisieren.

Dringt ein Lichtstrahl in ein inhomogenes Medium ein, so wird er durch jede einzelne Unregelmäßigkeit (Tropfen, Körner, usw.) in alle Richtungen gestreut. Daraus entsteht eine sehr komplexe Streuung, die alle Eigenschaften des Strahls zu beeinträchtigen scheint. Diese scheinbare Störung ist jedoch kontrollierbar: sind die Parameter des einfallenden Strahls vollständig bekannt (Wellenlänge, Phase, Richtung, usw.), so ist es prinzipiell möglich, den ausfallenden Strahl zu bestimmen, da die Streuung ein deterministischer Prozess ist.

Hierfür muss die sogenannte Transmissionsmatrix des Mediums gemessen werden. Sie besteht aus vielen Zahlenangaben, die beschreiben, wie das Medium den Lichtstrahl beeinflusst. Bei einer einfachen durchsichtigen Glaslinse setzt sie sich beispielsweise aus 4 Zahlen zusammen (für eine bestimmte Wellenlänge). Bei einem gewöhnlichen, streuenden Medium jedoch besteht sie aus extrem vielen Elementen (ca. 1012 Elemente für eine 1 mm◊ große angestrahlte Fläche).

Am Langevin Institut konnten nun Sylvain Gigan und seine Kollegen eine Approximation der Transmissionsmatrix einer mehrere Mikrometer dicken, auf einer Glaslamelle aufgetragenen Zinkoxid-Schicht erstellen. Als Lichtquelle benutzten sie dazu einen Laser. Der Strahl wurde durch einen räumlichen Lichtmodulator mit einer Auflösung von 16x16 Pixel geleitet. Durch diesen Modulator kann die Phase der einfallenden Laserwelle Pixel für Pixel per Computer reguliert werden. Auf der anderen Seite der Probe wurden mit einem interferometrischen Verfahren die Phase und die Amplitude der durchgeleiteten Welle gemessen. Dazu wurde ein CCD-Sensor mit 16x16 Pixel benutzt. Mit Hilfe des Modulators ließen die Wissenschaftler den Lichtstrahl variieren, und konnten durch Messung der ausfallenden Welle innerhalb von 3 Minuten die 164 Elemente der (vereinfachten) Transmissionsmatrix bestimmen.

Unter Berücksichtigung dieser Matrix konnten die Forscher nun ihr verfolgtes Ziel umsetzen. Sie waren somit in der Lage, den Laserstrahl gezielt zu modulieren, so dass er durch die Probe hindurch einen vorbestimmten Pixel des CCD-Sensors anstrahlte. Anders ausgedrückt: es ist ihnen gelungen, einen Strahl nach Belieben zu steuern, obwohl er ein stark streuendes Medium durchstrahlen muss.

[1] Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung
[2] Ecole Supérieure de Physique et de Chimie Industrielles de la ville de Paris - Hochschule für industrielle Physik und Chemie der Stadt Paris

Kontakt: Sylvain Gigan - Institut Langevin - Tel: +33 1 40 79 45 90, Fax: +33 1 40 79 44 68 -

Quelle: "Guider la lumière à travers le désordre", Pour la Science - 24.03.2010

Redakteur: Sebastian Ritter, sebastian.ritter@diplomatie.gouv.fr

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NANOTECHNOLOGIE

Die französische Agentur Afsset empfiehlt Vorsichtsmaßnahmen bei der Nanotechnologie

Die französische Agentur für die gesundheitliche Sicherheit in der Umwelt und am Arbeitsplatz (Affset) hat am 24. März 2010 die Ergebnisse einer Studie zur Bewertung der mit Nanomaterialien verbundenen Risiken für die Bevölkerung und die Umwelt veröffentlicht.

Im Rahmen dieser Studie wurden einige hundert Konsumgüter untersucht, die Nanopartikel enthalten. Darunter Produkte des täglichen Bedarfs, wie Textilien, Kosmetika, Lebensmittel, Sportartikel oder Baumaterialien. Zur Erarbeitung einer neuen Methode zur Einschätzung von Gesundheitsrisiken hat sich die Agentur dabei auf die nachfolgenden 4 Produkte konzentriert, die häufig verwendet werden und verschiedene Expositionswege bieten: über die Haut, die Atmung und die Nahrungsaufnahme.

  • Antibakterielle Socken: Diese enthalten in den Textilfasern Silber-Nanopartikel, um so schlechte Gerüche zu vermeiden. Im Rahmen der Studie konnte festgestellt werden, dass diese Partikel "oxidativen Stress" verursachen können, was zu einer Schädigung der Zellen führen kann. Die Risiken für die Gesundheit sind also nicht unerheblich. Beim Waschen dieser Socken werden schätzungsweise 18 Tonnen Nano-Silber in die Gewässer gespült (vorausgesetzt jeder 10. Franzose würde 10 Paar Socken pro Jahr kaufen). Eine solche Verbreitung sollte nicht außer Acht gelassen werden, da diese Silber-Nanopartikel für bestimmte Tierarten nachgewiesenermaßen gefährlich sind, so die Wissenschaftler.

  • Selbstreinigender Zement: Dieser enthält Nano-Titandioxid, wodurch der Zement selbstreinigend wird, da er organische Ablagerungen abbaut. Bei Versuchen mit Ratten führte eine hohe Konzentration dieser Verbindungen zur Bildung von Krebszellen und zu Lungenentzündungen. Die Auswirkungen auf die Umwelt (durch die Freisetzung von Titandioxid bei der Nutzung von Gebäuden) sind noch weitgehend unerkannt.

  • Sonnencremes: Auch diese enthalten Titandioxid-Nanopartikel als Filtermittel für die UV-Strahlung. Die Hersteller haben immer wieder beteuert, dass Sonnencremes die Hautschicht nicht durchdringen. Afsset konnte jedoch durch jüngste Studien belegen, dass die Titandioxid-Nanopartikel auch in die tieferen Schichten der Epidermis eindringen. Die Abgabe an die Umwelt wird für Frankreich auf 230 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt. Jedoch müssen die Auswirkungen dieser in Kosmetikartikeln enthaltenen Substanzen noch untersucht werden.

  • Puderzucker (Tafelsalz): dieser kann Nanosiliziumdioxid enthalten, um die Verklumpung der Kristalle zu verhindern. Eventuelle Gefahren für die Gesundheit des Menschen und für die Ökosysteme sind derzeit nicht bekannt.

Mit dieser Studie zeigt die Affset auf, dass einige Produkte möglicherweise gefährlich für die Gesundheit und die Umwelt sein können. Angesichts dieser Unsicherheiten ist das oberste Prinzip der Agentur: "Sofortiges Handeln im Namen des Vorsorge-Prinzips". Zu diesem Zweck empfiehlt sie folgende Maßnahmen:

  • Die Absicherung der Rückverfolgbarkeit von Nanomaterialien. Dies wird über die Verpflichtung der Industrie zur Anzeigepflicht erreicht.

  • Eine klare Etikettierung, auf der das Vorhandensein von Nanomaterialien in den Produkten und deren mögliche Freisetzung bei der Benutzung vermerkt sein müssen.

  • Das Anwendungsverbot für bestimmte Nanomaterialien, bei denen die Gefährdung höher eingestuft wird als der Nutzen.

  • Stärkere Harmonisierung der französischen und europäischen Rechtsgrundlagen, mit dem Ziel der Vereinheitlichung der bewährtesten Praktiken: Deklarierung, Autorisierung und gegebenenfalls Ersetzung.

Ein weiteres Ziel der Afsset ist die Erarbeitung einer neuen Methode zur Bewertung der Risiken von Nanomaterialien für die Gesundheit. Mit der Unterstützung seiner Arbeitsgruppe will sie in 2 Jahren ein vereinfachtes Bewertungssystem vorstellen. Aktuell gehen nur 2% der veröffentlichten Studien auf die Gesundheits- und Umweltsrisiken von Produkten ein.

Die Agentur empfiehlt ebenfalls eine Normung der Eigenschaften von Nanomaterialien. Der Schwerpunkt sollte dabei auf der Untersuchung der Toxikologie, der Ökotoxikologie und der Messung der Exposition liegen. Vor diesem Hintergrund koordiniert die Afsset das auf 3 Jahre angelegte europäische Programm "Nanogenotox", dessen Ziel darin besteht, die toxische Wirkung von 14 Nanomaterialien auf die Gene und die DNA zu untersuchen. 18 Einrichtungen aus 13 Ländern arbeiten bei diesem Projekt zusammen, u. a. Frankreich und Deutschland. Die französischen Akteure sind:

  • Afssa - nationale Agentur für Lebensmittelsicherheit
  • INRS - nationales Institut für Forschung und Sicherheit
  • CEA - Zentrum für Atomenergie und alternative Energien
  • Pasteur Institut in Lille
  • CNRS - nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung
  • Afssaps - nationale Agentur für die Sicherheit von Gesundheitsprodukten
  • LNE - nationale Verpackungsprüf- und Forschungsstelle
  • Ineris - nationales Institut für Industrie und Umweltrisiken

Das Gesamtbudget des Programms "Nanogenotox" beläuft sich auf 6,2 Millionen Euro und wird zu 45% von der EU-Kommission und zu 55 % von den Ländern selbst finanziert. Das französische Ministerium für Sport und Gesundheit übernimmt den Beitrag für Frankreich.

Quellen: - "NANOGENOTOX : Lancement par l'Afsset d'une action conjointe européenne pour la caractérisation du potentiel génotoxique des nanomatériaux", Artikel von der Afsset - 18.03.2010
- ("Nanomatériaux: le principe de précaution réaffirmé")[http://www.science.gouv.fr/fr/actualites/bdd/res/3572/nanomateriaux-le-principe-de-precaution-reaffirme/], Artikel des französischen Ministeriums für Forschung und Hochschulbildung - 24.03.2010
- ("Nanoproduits : le principe de précaution préconisé")[ http://www.lemonde.fr/planete/article/2010/03/24/nanoproduits-le-principe-de-precaution-preconise13236063244.html], Artikel aus Le Monde - 24.03.2010

Redakteur: Philippe Rault, philippe.rault@diplomatie.gouv.fr

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Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr

 


 

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