Wissenschaft Frankreich #181 – 14/04/2010
Wissenschaft-Frankreich Nr. 181 [PDF]
- FORSCHUNGSPOLITIK
Bildung und Forschung erhalten ihren Anteil aus der großen Staatsanleihe
Die Zukunftsvisionen des neuen Präsidenten des CNRS
Nanoelektronik-Cluster Dresden und Grenoble wollen ihre Kooperation verstärken - ERNEUBARE ENERGIEN
Neue Studie zur Ökobilanz verbrauchter Biokraftstoffe der ersten Generation in Frankreich - BIOLOGIE
Entdeckung eines neuen lichtunabhängigen Weges zur Sauerstoffproduktion - MEDIZIN
Vorschlag von Kriterien zur Gründung nationaler Spitzengesundheitszentren
Innovative Ganzkörperaufnahme durch das Bildgebungssystem EOS: bessere Qualität bei geringerer Strahlung
Neuer Fortschritt bei der Bekämpfung der Mukoviszidose - ENERGIE
Eröffnung der ersten Pilotanlage zur CO? -Abtrennung und -Speicherung in Lacq
Biomasse für die Glasschmelze in Saint-Gobain - INFORMATIK
Bericht zur Langlebigkeit der digitalen Informationsspeicherung Bewegungserkennung von Fußgängern in der Menge
FORSCHUNGSPOLITIK
Bildung und Forschung erhalten ihren Anteil aus der großen Staatsanleihe
Am 1. April 2010 stellte die Ministerin für Hochschulbildung und Forschung, Valérie Pécresse, die Richtlinien zur Vergabe der Mittel aus der großen Staatsanleihe (Grand Emprunt) für die Bildung und Forschung vor. Insgesamt werden 11 Milliarden Euro in die Bildung und 8 Milliarden Euro in die Forschung investiert. Mit Hilfe dieser Mittel soll die französische universitäre Exzellenz ausgebaut werden und auf internationaler Ebene wieder eine Spitzenposition einnehmen. Sie sollen ebenfalls dazu beitragen, eine Annäherung zwischen Unternehmen, Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen zu ermöglichen. Ziel ist es, die Innovationen aus der Grundlagenforschung in nutzbare Ergebnisse für die Wirtschaft umzuwandeln.
Titel: Verteilung der Mittel für die
Bildung (l.) und die Forschung (r.)
Valérie Pécresse kündigte in ihrer Rede den schnellen Start der ersten Projektaufrufe für Ausrüstungen zur Spitzenforschung an. Diese Initiative ist mit 1 Milliarde Euro dotiert. Für die einzelnen Projekte stehen zwischen 1 bis 20 Millionen Euro zur Verfügung. Die verbleibenden Projekte werden entsprechend ihrer Definition der Rahmenbedingungen und der Aufgaben gefördert:
- Einrichtung von Exzellenzeinrichtungen (1 Milliarde Euro)
- Institute für technologische Forschung (IRT) und Gesellschaften für den beschleunigten Technologietransfer (SARTT) (2 Milliarden Euro)
- von Krankenhäusern und Universitäten gemeinsam geführte Institute (IHU) (850 Millionen Euro)
- Gesundheit und Biotechnologie (1,55 Milliarden Euro)
- Exzellenzcampus (7,7 Milliarden Euro)
Die Ministerin betonte weiter, dass kein Exzellenzcampus gefördert würde, der nicht mindestens eine Universität einschließt. So soll ein Zusammenwirken zwischen IRT bzw. IHU, SARTT und Exzellenzeinrichtungen erreicht werden. Darüber hinaus ist eine internationale Ausrichtung notwendig.
Quellen:
-
"Grand emprunt: Valérie Pécresse fixe les
règles", Les Echos - 02.04.2010 -
Rede von Valérie Pécresse - 01.04.2010
Redakteur: Etienne Balli, etienne.balli@diplomatie.gouv.fr
FORSCHUNGSPOLITIK
Die Zukunftsvisionen des neuen Präsidenten des CNRS
Das CNRS hat seit dem 20. Januar 2010 einen neuen Präsidenten, den Chemiker Alain Fuchs. Seine Amtsvorgängerin, Catherine Bréchignac, hatte im vergangenen Jahr die Fortführung der Reform der öffentlichen Einrichtung bestätigt [1]. Das in diesem Prozess umgestaltete CNRS beschäftigt heute 11.517 Forscher und versammelt 1.110 Forschungseinheiten in insgesamt 10 thematischen Instituten.
Zusätzlich zu den drei wichtigsten Zielen des im vergangenen Jahr vorgestellten strategischen Plans für 2020 ("Erweiterung des Kenntnisstandes", "Meistern der großen globalen Herausforderungen" und "Entwicklung neuer Spitzentechnologien") äußerte Alain Fuchs zwei weitere Ziele: "Unterstützung der Universitäten auf ihrem Weg zur Autonomie" und "Ausbau der Verwertung von Forschungsergebnissen" - ein entscheidender Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.
Zu diesem Zweck ist das CNRS in die vier großen Allianzen (AllEnvi, AIVESAN, ALLISTENE und ANCRE) eingebunden. Ihre Aufgabe ist es, die Forschungsarbeit aller öffentlichen Forschungseinrichtungen (INSERM, CNRS, etc.) und öffentlichen Industrieeinrichtungen (CEA, etc.) zu koordinieren.
Der neue Präsident will sich ebenfalls mit den Tabuthemen der starren Löhne und dem Misstrauen gegenüber der Industrie widmen. Trotzdem die Mehrheit der akademischen Forscher an den aktuellen Lohn- und Gehaltstabellen festhält, gibt es jetzt Forscher die eine Reform fordern. Etwa 50 Forscher der Biowissenschaften [2] haben sich zusammengeschlossen, um gegen Überzeugungen, wie die von Vincent Berger, dass der "öffentliche Dienst, die Bereitschaft, die Unabhängigkeit von privaten Interessen und die Stabilität auf dem Arbeitsmarkt" die Grundsteine der französischen Forschung bilden, vorzugehen. Aufgrund ihrer internationalen Erfahrungen fordern sie eine Änderung des Systems.
Des Weiteren betonte Alain Fuchs die Bedeutung der Kooperation zwischen den Universitäten. Seiner Auffassung zufolge sollte das CNRS eine weniger dominante Rolle einnehmen und verstärkt beratend und unterstützend für die Universitäten tätig werden. Die Hochschulen bedürfen des Fachwissens des CNRS, beispielsweise hinsichtlich der Interdisziplinärität und der Internationalisierung.
Zu diesem Zweck wurde Mitte März 2010 ein vierjähriger Partnerschaftsvertrag und ein Abkommen zur Übertragung allgemeiner Verwaltungsaufgaben zwischen der Universität Pierre und Marie Curie (UPMC) in Paris und dem CNRS unterzeichnet. Damit wird die bisherige Doppel-Verwaltung abgeschafft, so dass beispielsweise die Forscherteams jeweils nur von einem der beiden Partner geleitet werden.
Die UPMC kündigte außerdem die Einstellung von acht internationalen Ehrendoktoren an, wie Susan Hochfield, Leiterin des Massachussets Institute of Technology (MIT), Suzan Solomon, Friedensnobelpreisträgerin, Mario Tokoro, CEO von Sony Computer Sciences und Joseph Silk, Professor für Kosmologie in Oxford.
Weitere Artikel zum Thema CNRS:
- [1]
"Grünes Licht für die Fortführung der Reform des
CNRS", WF 166 - 08.07.2009
"Beginn der Neuorganisation des CNRS", WF 150 -
01.10.2008
-
"CNRS-Verwaltungsrat vollzieht entscheidenden Schritt
auf dem Wege zur Reform seiner Organisation", WF
153 - 03.12.2008
- [2] darunter namhafte Wissenschaftler wie Olivier
Pourquié, Jean-Claude Weill, Jean-Laurent Casanova,
Dino Moras, Gérard Karsenty, Pierre Marie Lledo,
Nicole Le Douarin, Genevière Almouzni, Thomas
Lecuit.
Quellen:
-
"Le CNRS adopte la culture du partage avec
l'université", Les Echos - 02.04.2010 -
Interview mit Alain Fuchs "Je suis là pour pacifier
le CNRS", les Echos - 02.04.2010 -
"Un labyrinthe d'objectifs, de priorités et de
structures", Les Echos - 02.04.2010
Redakteur: Etienne Balli, etienne.balli@diplomatie.gouv.fr
FORSCHUNGSPOLITIK
Nanoelektronik-Cluster Dresden und Grenoble wollen ihre Kooperation verstärken
Dresden (Sachsen) und Grenoble (Rhône-Alpes) haben die Grundlagen für eine strukturierte und engere Kooperation in den Bereichen der Forschung und Entwicklung, der Ausbildung, der Industrie und der Einrichtungen auf dem Gebiet der Nanotechnologien und -elektronik gelegt.
Bei einem ersten Treffen der Delegationen beider Cluster wurde aufgezeigt, welche Vorteile es bringt, Anstrengungen und Erfahrungen zu teilen sowie Kompetenzen und Ressourcen zu bündeln. Durch ihre Kooperation wächst die Bedeutung der Cluster als wichtige Akteure für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Halbleiterindustrie, für den sozialen Fortschritt und die soziale Akzeptanz.
Dresden und Grenoble sind bereits die beiden wichtigsten europäischen Cluster im Bereich Nanoelektronik und Nanotechnologien und haben sich auf internationaler Ebene einen hohen Bekanntheitsgrad und eine starke Wettbewerbsfähigkeit erworben. Alle schon bestehenden Kontakte zwischen beiden Clustern werden noch weiter ausgebaut, um die Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Stützen der europäischen Nanoelektronik zu verstärken.
Während des Treffens wurde die Bildung gemeinsamer Expertengruppen zu folgenden Themen beschlossen: Bildung, Forschung und Entwicklung, wirtschaftliche Zusammenarbeit, Koordinierung der KMU und Umweltschutz, um einen gemeinsamen Aktionsplan auszuarbeiten und die Aktionen in den einzelnen Bereichen zu priorisieren.
Geneviève Fioraso, Mitglied des französischen Parlamentes und stellvertretende Bürgermeisterin von Grenoble, erklärt, dass "die Mikroelektronik eine Schlüsseltechnologie für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie ist. Dresden und Grenoble, die beiden wichtigsten Standorte in Europa, haben beschlossen zusammenzuarbeiten, um gegenüber Asien und den USA wettbewerbsfähig zu sein".
Der "Pôle de compétitivité" MINALOGIC [1] aus dem Großraum Grenoble/Isère ist ein Kompetenznetz, dass in der Nanotechnologie forscht und intelligente miniaturisierte Systeme mit mikroelektronischen Komponenten und Software entwickelt. Die entwickelten Technologien werden in allen Geschäftsfeldern eingesetzt, auch in sehr traditionsreichen Industriebranchen. MINALOGIC will Unternehmen dabei unterstützen, neue Dienstleistungen mit Mehrwert zu identifizieren, die in bestehende Produkte integriert werden können. Besonders angesprochen sind die Bereiche Gesundheit, Umwelt, Mobilität, Medien und die Textilindustrie. 122 Projekte erhielten bereits das Label MINALOGIC und werden mit insgesamt 419,7 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln finanziert, davon sind 81% KMU.
[1] Mehr Informationen über MINALOGIC unter dem Link: www.minalogic.com
Kontakte: - Heinz-Martin Hesser,
Silicon Saxony - Tel: +49 351 888 61 25, heinz-martin.hesser@roth-rau.com
- Nicolas Leterrier, Minalogic - Tel: +33(0)4 38 78
19 47, nicolas.leterrier@minalogic.com
Quelle: "Les clusters de nanoélectronique de Dresde et Grenoble ouvrent la voie à une coopération renforcée", Pressemitteilung des MINALOGIC - 05.03.2010
Redakteur: Philippe Rault, philippe.rault@diplomatie.gouv.fr
ERNEUERBARE ENERGIEN
Neue Studie zur Ökobilanz verbrauchter Biokraftstoffe der ersten Generation in Frankreich
Im Jahr 2009 haben das Umweltministerium (MEEDDM [1]) und das Landwirtschaftsministerium (MAAP [2]), gemeinsam mit der Französischen Organisation für Umwelt- und Energiewirtschaft (ADEME) und die französische Agrarbehörde (FranceAgriMer) eine Studie ins Leben gerufen, deren Ziel es war, die Ökobilanz [3] für die in Frankreich verbrauchten Biokraftstoffe der ersten Generation zu untersuchen. Die Ergebnisse dieser vom Beratungsunternehmen Bio Intelligence Service (BioIS) durchgeführten Studie wurden Anfang April 2010 eingereicht.
Die Studie entspricht den Empfehlungen des Abkommens für Umweltschutz (Grenelle de l'environnement), in dem die Erstellung eines umfassenden Gutachtens zur ökologischen und energetischen Bilanz der Biokraftstoffe der ersten Generation empfohlen wird (Verpflichtung Nr. 58). So konnte die Studie zwei grundsätzliche Aspekte der Biokraftstoffe der ersten Generation hervorheben: ihr Einfluss auf den Klimawandel (Treibhausgasemissionen) und ihre Energieeffizienz (Verbrauch von nicht erneuerbaren Energien).
Die in Frankreich produzierten Biokraftstoffe zeigen folgende Bilanz (Bodenkohlenstoff nicht berücksichtigt): im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen werden mit Biodiesel 60% bis 70% weniger Treibhausgase in die Atmosphäre freigesetzt. Mit Bioethanol sinken die Treibhausgasemissionen um 50-65%.
Des Weiteren unterstrich die Studie, dass es schwierig sei, die gesamte Ökobilanz von Biokraftstoffen zu bewerten. Auf die Frage nach der Umwidmung wurde in der Studie nicht eingegangen. Dem für die Studie zuständigen Sachverständigenausschuss zufolge müssten in diesem Bereich weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um eine adäquate Methode zu finden.
Die Minister begrüßten den technischen Ansatz dieser Studie und wünschen sich, dass das im Rahmen der Studie ausgearbeitete Gutachten zu Gesprächen bezüglich der Umsetzung der EU-Richtlinie 2009/28/CE anrege, die die Energienutzung aus erneuerbaren Quellen fördert. Außerdem soll die Studie bei der Europäischen Kommission als Grundlage des französischen Beitrags zur Ausarbeitung einer Methodik der internationalen Zertifizierung dienen.
Weitere Informationen zu dieser Studie unter
folgendem Link (auf Französisch):
http://www.developpement-durable.gouv.fr/08-04-10-Remise-de-l-etude-sur-l.html
[1] Ministerium für Ökologie, Energie, nachhaltige Entwicklung und Meeresfragen [2] Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Fischereiwesen [3] Unter einer Ökobilanz (engl. LCA für Life Cycle Assessment) versteht man eine systematische Analyse der Umweltauswirkungen von Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen während ihres gesamten Lebensweges. Mehr über die Ökobilanz unter folgendem Link: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kobilanz
Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt - 08.04.2010
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
BIOLOGIE
Entdeckung eines neuen lichtunabhängigen Weges zur Sauerstoffproduktion
Methan ist ein sehr reaktionsträges Molekül. Bis 2006 galt der Abbau dieses Moleküls ohne Einsatz von Sauerstoff oder Sulfat als unmöglich. 2006 entdeckten Wissenschaftler jedoch anaerobe Bakterien, Methylomirabilis oxyfera, die in der Lage sind, das stabile Treibhausgas ohne Sauerstoff abzubauen. Die Forscher bewiesen, dass die Bakterien dafür Nitrite statt Sauerstoff verwenden. Nun konnte ein internationales Forscherteam [1] jedoch aufzeigen, dass diese Bakterien doch auf Sauerstoff zurückgreifen. Die Methylomirabilis oxyfera produziert den dafür notwendigen Sauerstoff selbst, aus Nitriten. Somit fanden die Wissenschaftler einen neuen Mechanismus zur Sauerstoffherstellung. Die Ergebnisse dieser Studie wurden Ende März in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht [2].
Titel: Der neu entdeckte
Mikroorganismus Methylomirabilis oxyfera unter dem
Fluoreszenz-Mikroskop
Credit: Marc Strous
(Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie,
Bremen) / Informationsdienst Wissenschaft
Es war schwierig für die Forscher diesen neuen Weg zur Sauerstoffproduktion nachzuvollziehen, da die verantwortliche Bakterie extrem langsam wächst und in einem anaeroben Milieu und einer komplexen mikrobiellen Gemeinschaft lebt. Für die Studie nutzten die Biologen vom Genoscope-Institut [3] einen ganzheitlichen Ansatz, indem sie die gesamte DNA dieser mikrobiellen Gemeinschaft sequenzierten. Wie bei einem Puzzle konnten die französischen Wissenschaftler anschließend das Genom des Zielmikroorganismus Methylomirabilis oxyfera rekonstruieren. Somit konnten die Forscher zeigen, dass die normalerweise für die Nitritreduktion verantwortlichen Gene fehlten und, dass das Bakterium doch auf Sauerstoff angewiesen ist. Infolgedessen ging das Forscherteam davon aus, dass dieses Bakterium auf einen anderen Weg zur Nitritreduktion zurückgreifen müsse. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Methylomirabilis oxyfera Nitritmoleküle nutzt, um daraus Stickstoffmonoxid (NO) und Sauerstoff (O2) freizusetzen. Auf diese Weise kann schließlich das Methan oxidiert werden.
Nun nehmen die Forscher an, dass dieser neu entdeckte Weg zur Sauerstoffproduktion bereits vor Milliarden von Jahren, schon vor der Photosynthese, dagewesen sein könnte und so die Existenz aerober Metaboliten in einer sauerstofffreien Atmosphäre ermöglicht hätte.
[1] Die Studie wurde von Forschern aus den
Niederlanden (Radboud University Nijmegen) und
Frankreich (CEA, CNRS und der
Evry-Val-d'Essonne-Universität), unter Beteiligung
deutscher Wissenschaftler (Max-Planck-Institut für
Marine Mikrobiologie, Bremen), durchgeführt.
[2] Nitrite-driven anaerobic methane oxidation by
oxygenic bacteria - Nature: Veröffentlichung vom 25.
März 2010 - doi: 10.1038/nature08883
[3] Das Genoscope-Institut ist das Institut für
Genomik am CEA. Der Leiter des Instituts, Jean
Weissenbach, wurde 2008 mit der Goldmedaille des CNRS
gewürdigt.
Kontakte:
- Priscilla Dacher (CNRS - Presse) - Tel: +33 1 44 96
46 06 - priscilla.dacher@cnrs-dir.fr
- Damien Larroque (CEA) - Tel: +33 1 64 50 20 97 -
damien.larroque@cea.fr
- Denis Le Paslier (CNRS) - Tel: +33 1 60 87 25 98 -
denis@genoscope.cns.fr
Quellen:
- Pressemitteilung des CNRS - 25.03.2010
- Bulletin Electronique France 240 - 30.03.2010
- Pressemitteilung des MPI-Bremen - 24.03.2010
Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr
MEDIZIN
Vorschlag von Kriterien zur Gründung nationaler Spitzengesundheitszentren
Im Rahmen der "Grossen Staatsanleihe" [1] kündigte der französische Präsident Nicolas Sarkozy am 18. September 2009 die Gründung von 5 IHU (von Krankenhäusern und Universitäten gemeinsam geführte Institute) an [2]. Im Mai 2009 hatte die Kommission Marescaux I (benannt nach ihrem Vorsitzenden Jacques Marescaux, Leiter des Instituts für Magen- und Darmchirurgie in Strassburg) das Konzept dieser IHU vorgeschlagen. Das Budget für die Gründung dieser 5 IHU wurde auf 850 Millionen Euro festgelegt. Die Kommission Marescaux II hat der Regierung nun einen Entwurf des "IHU-Lastenheftes" überreicht. Die offizielle Ausschreibung für diese IHU soll noch vor dem Sommer gestartet werden. Im Anschluss wird ein internationaler Ausschuss bis Dezember die 5 besten Projekte auswählen.
Nach Angaben der Kommission Marescaux II sollen die IHU-Kandidaten "über ein internationales Spitzenniveau im Bereich Versorgung, Forschung und Bildung verfügen" und "um Talente von weltweitem Ruf aufgebaut sein". Spezialisiert auf eine einzige Thematik (Immunologie, Hämatologie, etc.) sollte ihre Priorität auf der Verstärkung des Technologietransfers liegen. Dies erfordert enge Beziehungen zu industriellen Partner und die Planung einer systematischen Co-Finanzierung durch den privaten Sektor. Bislang wurde jedoch noch nicht festgelegt, welche Fachgebiete davon besonders profitieren werden (zum Beispiel Genetik, Chirurgie, Neurologie, Immunologie oder medizinische Bildgebung).
Diese Spitzengesundheitszentren sollen mehr als 100 staatliche und private Forscher, Ingenieure und lehrbeauftragte Forscher sowie mindestens 200 weitere im medizinischen Bereich tätige Personen beschäftigen. Das IHU soll an einem einzigen Forschungsstandort liegen, auch wenn die "Beteiligung von Forschergruppen anderer Standorte" möglich sein wird.
Die Kommission schlägt auch vor, dass die IHU den rechtlichen Status einer Stiftung für wissenschaftliche Kooperation annehmen, deren Kapital sich zu 80% aus Fördermitteln zusammensetzt, die im Rahmen von Ausschreibungen erworben werden. Davon dürfen nur maximal 20% für Material, technische Plattformen oder Gebäude ausgegeben werden, so das Forschungsministerium. Das Führungspersonal dieser Stiftungen wird begrenzt, um bei der Anwerbung der besten internationalen Köpfe flexibel zu bleiben und diese auch halten zu können.
Angesichts der kleinen Anzahl von IHU und der Höhe des Budgets wird viel über die Ergebnisse spekuliert. Da fast die Hälfte der französischen biomedizinischen Forschung in der Region der Hauptstadt stattfindet, wird angenommen, dass 2 der 5 IHU in Paris angesiedelt sein werden (das eine an die Universität Paris-VI, das zweite an die Universitäten Paris-V und Paris-VII angebunden). Aus diesem Grund empfiehlt die Marescaux -Kommission, dass exzellente, jedoch nicht als IHU ausgewählte Kandidaten eine alternative Förderung erhalten, die ebenfalls aus der "großen Staatsanleihe" finanziert wird.
[1]
"Aktueller Stand zur großen Staatsanleihe" -
Wissenschaft Frankreich 173 - 2/12/2009
[2]
"Die Einrichtung eines Pensionsfonds für die
Biotechnologien durch den Strategischen Rat der
Gesundheitsindustrien" - Wissenschaft Frankreich
172 - 3/11/2009
Quelle: "Excellence et talents au programme des instituts hospitalo-universitaires" - Le Monde - 06.04.2010
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
MEDIZIN
Innovative Ganzkörperaufnahme durch das Bildgebungssystem EOS: bessere Qualität bei geringerer Strahlung
Das digitale Röntgensystem EOS [1] ist eine Revolution in den Bereichen Diagnostik, Therapiebegleitung und Behandlung von Knochen- und Gelenkerkrankungen. Das System ermöglicht Aufnahmen, die mit den aktuellen Systemen unmöglich sind. Ein weiterer Vorteil von EOS ist die geringere Strahlendosis, die seit langer Zeit von den Medizinern angestrebt wird. Sie erhoffen sich dadurch eine Limitierung der in den letzten 20 Jahren um 600% erhöhten Strahlenbelastung bei radiologischen Untersuchungen.
Titel: EOS-3D-Aufnahme eines
64-jährigen Patienten
mit schwerer Skoliose, Wirbeltorsion, Arthrose und
Zeichen einer Osteoporose
Credit: biospace med / Prof. Tamas
Illes (Pecs-Universität, Ungarn)
Das EOS Bildgebungssystem wurde von Georges Charpak (Physik-Nobelpreisträger 1992), Prof. Jean Debousset (Mitglied der Medizinischen Akademie und orthopädischer Chirurg), Dr. Gabriel Kalifa (Saint-Vincent-de-Paul-Krankenhaus in Paris) und dem Labor für Biomechanik in Paris (CNRS - ENSAM [2]) entwickelt. Sie sahen sich zwei Herausforderungen gegenüber: einer Reduzierung der Röntgenstrahlenbelastung bei den Untersuchungen und einer 3D-Aufnahme der Deformierung der Wirbelsäule in aufrechter Position, um so die Belastung der Knochen durch das Gewicht und den Druck zu beurteilen und die Auswirkungen einer Gelenkpathologie auf das gesamte Skelett zu analysieren.
Innerhalb von 20 Sekunden werden gleichzeitig 2 digitale Röntgenbilder des ganzen Körpers (von vorn und von der Seite) aufgenommen. Wenige Minuten später erhält man ein 3D-Bild des kompletten Skelettes. Da der Patient bei der Aufnahme steht, kann auch der Einfluss der Gravität auf die Knochenstruktur beobachtet werden. Im Vergleich zur Röntgenaufnahme und zum Scannen zeigt das EOS-System sehr gute Ergebnisse in der Bildauflösung und eine bis zu 10 Mal geringere Strahlendosis gegenüber dem traditionellen Röntgen und sogar bis zu 1.000 Mal geringer als beim Scannen. Dieser Vorteil ist besonders wichtig bei Kindern, die regelmäßig untersucht werden müssen, da ihre Organe viel empfindlicher auf ionisierende Strahlung reagieren als die der Erwachsenen. Vergleichende Analysen der EOS-Bilder mit klassischen Röntgenbildern zeigen bei bestimmten Untersuchungen eine Verringerung der Strahlung um 85% und eine verbesserte Bildqualität.
Titel: EOS-3D-Aufnahme eines
13-jährigen Patienten
mit schwerer Skoliose und Kniegelenken in
Valgusstellung (X-Bein)
Credit: biospace med / Prof. Tamas
Illes (Pecs-Universität, Ungarn)
EOS wurde vom Unternehmen Biospace Med bereits in mehreren Krankenhäusern in Frankreich (u.a. im Universitätsklinikum in Brest und in Bordeaux, im Robert-Debré-Krankenhaus in Paris und im Timone-Krankenhaus in Marseille), in Europa, Kanada und den USA aufgestellt. Zu den häufigsten Anwendungen zählen die Untersuchung vor der Implantation einer Hüftprothese und die Frühdiagnose einer Kniearthritis, Vorstadium einer Prothesenimplantation.
[1] http://www.biospacemed.com/index.php
[2] CNRS: Nationales Zentrum für wissenschaftliche
Forschung, ENSAM: Hochschule für
Ingenieurwissenschaften
Quellen: -
"La France à la pointe de l'innovation
radiologique" - Le Point - 31.03.2010
-
"Une révolution dans l'imagerie orthopédique" -
Le Figaro - 10.03.2010
-
"EOS : Lumière sur la radiologie douce" -
Innovation Canada - 24.09. 2008
- "EOS :
Tout le corps en 3D" - CNRS Zeitschrift - 10.2003
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
MEDIZIN
Neuer Fortschritt bei der Bekämpfung der Mukoviszidose
Im langen Kampf gegen die genetische Krankheit Mukoviszidose, eine Atemwegserkrankung von der mehr als 70 000 Personen weltweit (6 000 in Frankreich) betroffen sind, ist jeder noch so kleine Fortschritt - selbst in der Grundlagenforschung - von großer Bedeutung. Dies gilt auch für das Ergebnis von Isabelle Callebaut und Jean-Paul Mornon, Forscher am Institut für Mineralogie und Physik der kondensierten Materie [1], in Zusammenarbeit mit Pierre Lehn vom Institut für Gesundheits- und Bio-Wissenschaften und -Technologien [2] in Brest, mit der Unterstützung des Vereines zur Bekämpfung der Mukoviszidose. Sie entwickelten ein dreidimensionales Modell des Proteins CFTR (Cystic fibrosis transmembrane conductance regulator), einer der wichtigsten Faktoren bei Mukoviszidose [3].
Titel: Dreidimensionales Modell des
Proteins CFTR. Die Aminosäure F508 (in der Bildmitte)
ist verantwortlich für 70% der Mukoviszidose-Fälle
Credit: I. Callebaut/IMPMC
Ein kleiner struktureller Defekt (ein winziger Fehler in der Faltung) bei diesem Protein, das in der Zellmembran liegt und für die korrekte Bildung eines Ionenkanals zuständig ist, reicht aus, dass die Lungenzellen den Schleim in den Atemwegen nicht mehr richtig verflüssigen können. In der Folge füllen sich die Lungen mit zähflüssigen Sekreten und verschleimen. Die Rolle des Proteins dabei ist vergleichbar mit der eines Wasserhahns: es kontrolliert den Ein- und Ausfluss von Chlorid-Ionen durch den Ionenkanal. Ist das Gen, das dieses Protein kodiert jedoch defekt, wird der Ionenkanal nicht oder nur fehlerhaft gebildet, was zu einer massiven Beeinträchtigung des Austauschs von Chlorid-Ionen führt. Diese Ionen beeinflussen den Wassertransport und somit die Verflüssigung des Schleimes.
Soweit waren die Fakten bereits bekannt. Das Neuartige an dem von den Forschern präsentierten Modell ist, dass es zeigt, wie das Protein den Chloridwasserhahn außer Betrieb setzt. "Durch unser Modell können wir die Funktionsweise des CFTR Proteins im molekularen Maßstab verstehen, was bisher unmöglich war", erklärt Isabelle Callebaut. "Dies ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit". Um ihr Modell zu bauen, bestand die erste Herausforderung darin, eine Art Modellform zu finden. Zu diesem Zweck mussten sie bakterielle Proteine selektieren, deren bereits bekannte Struktur jener des CFTR Proteins ähnlich ist. "Ausgehend davon konnten wir eine allgemeine dreidimensionale Struktur des CFTR ableiten, die wir, durch die Integration experimenteller Daten von Mukoviszidose-Patienten, noch verfeinern und bestätigen konnten". Ist dieses Modell Grund zur Hoffnung auf eine Behandlung der Mukoviszidose? "Mit seiner Hilfe könnten Moleküle entwickelt werden, die es dem Protein ermöglichen, seine normale Form wiederzuerlangen. Es liegt jedoch noch ein langer Weg vor uns, bevor wir auf der Grundlage dieses Ergebnisses eine effektive Behandlungsmethode entwickeln können", so Isabelle Callebaut.
[1] Unité CNRS / Universités Paris-VI et VII / IPG
PARIS / IRD
[2] Unité CNRS /Université de Brest / Inserm /
Ifremer / Eni Brest / CHU Brest / ENST Bretagne
[3] Cellular and Molecular Life Sciences
Kontakt:
- Isabelle Callebaut, Institut de minéralogie et de
physique des milieux condensés (IMPMC) - Paris -
isabelle.callebaut@impmc.jussieu.fr
Quelle: Le journal du CNRS Nr. 242 - März 2010
Redakteure:
- Román Ikonicoff
- Julien Bouasria, julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
ENERGIE
Eröffnung der ersten Pilotanlage zur CO? -Abtrennung und -Speicherung in Lacq
Am 11. Januar 2010 wurde das erste industrielle Pilotprojekt zur CO?-Abtrennung, -Speicherung und zum CO?-Transport von der Total-Gruppe [1] in Lacq (Pyrenäen), in Anwesenheit der Staatssekretärin beim Minister für Ökologie, Energie, nachhaltige Entwicklung und Meeresfragen, Valérie Létard, eröffnet. Das Ziel der Pilotanlage besteht darin, in den nächsten 2 Jahren eine CO?-Menge abzutrennen und zu speichern, die der CO?-Emission von 40.000 Autos, d.h. 120.000 Tonnen CO?, entspricht. Dies ist die erste Anlage in Europa, die den gesamten CCS-Prozess [2], von der CO?-Abscheidung an der Emissionsquelle bis hin zur unterirdischen Lagerung umfasst. Ziel dieser Anlage ist es, zur Senkung der Treibhausgasemissionen großer Industrieanlagen, die fossile Brennstoffe verwenden (Stahl- und Zementwerke, Kohle- und Gaskraftwerke, Raffinerien), beizutragen. Die Tests sollen in 5 Jahren die notwendigen Daten für einen optimalen Übergang in die industrielle Anwendung liefern.
Für die CO?-Abtrennung wird ein von Air Liquide entwickeltes Oxyfuel-Verfahren [3] angewandt: die Luft wird in einem Verbrennungsprozess durch reinen Sauerstoff ersetzt, was eine Reduzierung der Rauchentwicklung und der CO?-Konzentration bewirkt. Das CO? wird komprimiert, über eine 27 km lange Gaspipeline in die geologische Lagerstätte in Rousse geleitet und anschließend in einem leeren Erdgaslager in 4.500 Meter Tiefe gespeichert. In dieser geologischen extrem dichten Struktur lagerte über 35 Millionen Jahre ein giftiges und brennbares Gas. Auf Wunsch der Behörden wird ein Umweltzustandsbericht bezüglich der Flora und Fauna, der Gewässer, des Bodens und Mikroseismik erstellt. Es wurde ebenfalls ein Überwachungsnetz im Umkreis von 10 km angelegt, um sicherzugehen, dass auf dieser Fläche keine Veränderungen auftreten. Im Hinblick auf die Mikroseismik wurden in den Schachtböden extrem sensible Sonden installiert. Ferner wurden Gefahrenstudien durchgeführt.
Vor allem im Umweltschutzbereich werden an die CO?-Abtrennung und -Speicherung hohe Erwartungen geknüpft. Die interministerielle Arbeitsgruppe zum Klimawandel (GIEC) und die internationale Energieagentur (IEA) schätzen, dass bis zum Jahr 2050 auf diese Weise Treibhausgasemissionen weltweit um 20% reduziert werden können. Laut Valérie Létard wäre "die Halbierung unserer Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2050 ohne den CCS-Prozess bis zu 70% teuerer, was sich abschreckend bzw. bremsend auf Initiativen auswirken würde." Natürlich werden in diesen Bereich auch wirtschaftliche Hoffnungen gesetzt. Es gehe darum, "einen bedeutenden potenziellen Markt für unser Land mit mehr Arbeitsplätzen, Wirtschaftstätigkeit, Mehrwert und Wachstum zu schaffen", so die Staatssekretärin. Insbesondere dank der Nachfrage aus den Schwellenländern wird bis zum Jahr 2030 mit einem potenziellen Markt von 600 Milliarden Euro gerechnet. Valérie Létard erinnert daran, dass diese Technologie nicht nur "eine wichtige Antwort auf die Herausforderungen im Kampf gegen den Klimawandel sind" und "eine Technologie darstellt, auf die wir vernünftigerweise nicht verzichten sollten", sondern auch, dass die "absolute Priorität in der Forschung im Bereich der Energieeffizienz und der Weiterentwicklung der nachhaltigen Energien liegt."
Zusätzliche Informationen unter: "Die erste Pilotanlage von Total für die Kohlendioxid-Abscheidung und -Speicherung", WF 166 - 08.07.2009
[1] Total ist der weltweit viertgrößte,
internationale Öl- und Gaslieferant - http://www.total.com
[2] CCS: Carbon Capture and Storage [3] Es gibt 3
Verfahren: Nach-, Vor- und Sauerstoffverbrennung.
Weitere Informationen über die CCS-Technik:
http://de.wikipedia.org/wiki/CO%E2%82%82-Abscheidung_und_-Speicherung
Quellen:
-
Pressemitteilung des Umweltministeriums -
13.01.2010
-
Rede von Valérie Létard - 11.01.2010
-
Pressemitteilung des Außenministeriums -
03.2010
Redakteurin: Claire Vaille,
ENERGIE
Biomasse für die Glasschmelze in Saint-Gobain
Saint-Gobain, ein auf Materialherstellung, -verarbeitung und -vertrieb spezialisiertes französisches Unternehmen, versucht im Rahmen seines Strategieforschungsprogramms für energieeffiziente und umweltfreundliche Verfahren seine Energiequellen zu diversifizieren, indem es für die Glasschmelze teilweise Erdgas durch Biomasse ersetzt.
Durch diese neue Technologie ist es der Fabrik Saint-Gobain Glass aus Renedo (Spanien) gelungen, in einem speziellen Verfahren Ornamentglas herzustellen, welches für die Verbrennung teilweise Holzabfälle aus der umliegenden Forstwirtschaft verwendet. Diese Tests wurden in einem extrem kompakten Ofen durchgeführt, der speziell für dieses Verfahren von den Forscherteams der Forschungszentren Avilès und Saint-Gobain Recherche (Paris) konzipiert wurde.
"Es liegt noch viel Arbeit vor uns, bis wir dieses Verfahren zur industriellen Anwendung bringen können", so Manuel Pimentel, Leiter der Fertigung in Saint-Gobain Glass in Spanien, "aber wir konnten bereits zeigen, dass Biomasse sich für das Schmelzen von Ornamentglas eignet und dass sie gleichzeitig zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen beiträgt und somit zur Verbesserung der Energiebilanz der Öfen".
Quelle: "Saint Gobain : de la biomasse pour fondre du verre", Actu-Environnement - 06.04/2010
Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr
INFORMATIK
Bericht zur Langlebigkeit der digitalen Informationsspeicherung
Die Akademie der Wissenschaften und die Akademie der Technologie haben am 29. März 2010 gemeinsam einen Bericht über die "Langlebigkeit der digitalen Informationsspeicherung - Werden sich die Daten, die wir aufbewahren möchten, verflüchtigen?" veröffentlicht.
Diese Frage gewinnt immer mehr an Bedeutung, da unsere Gesellschaften immer größere Datenmengen produzieren, wohingegen die Lebensdauer von digitalen Datenträgern immer weiter abnimmt. Die aktuellen digitalen Speicher verfügen nur über eine Lebensdauer von 5 bis 10 Jahren, wodurch die langfristige Speicherung ein Problem bleibt, insbesondere für Kleine und Mittlere Unternehmen, medizinische Praxen und die Verwaltungen, die z.B. Personaldaten oder Informationen zu medizinischen, wissenschaftlichen, technischen oder administrativen Aktivitäten speichern möchten.
Um einem derartigen "Gedächtnisverlust"
vorzubeugen, empfiehlt die Arbeitsgruppe der beiden
Akademien die Sicherungsmaßnahmen zu vervielfachen.
Die Arbeitsgruppe spricht eine Reihe von Empfehlungen
mit dem Schwerpunkt aus, vertiefte Studien auf den
Weg zu bringen und eine "Politik der digitalen
Archivierung" zu initiieren: hierzu sei es notwendig,
innovative Techniken zu fördern.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt:
1. den Studien für die hier einschlägigen Themen
"Grünes Licht" zu geben; mit Vorrang auf Projekte,
die in Zusammenarbeit mit Japan und den USA
verwirklicht werden;
2. den drohenden Kompetenzverlust im privaten und
öffentlichen Sektor zu vermeiden: Bestandsaufnahme
und Ergreifen von Eilmaßnahmen zur Konservierung des
einschlägigen Fachwissens noch vor Ende 2010, bevor
dies ganz aus Europa verschwunden sei;
3. das Entstehen eines neuen innovativen
technologischen und industriellen Angebots zu
unterstützen, insbesondere durch die Förderung der
wenigen Unternehmen, die bereits Fortschritte bei der
Herstellung von digitalen optischen Trägern mit
Speicherqualitäten hoher Langlebigkeit vorweisen
können;
4. eine "Politik digitaler Archivierung"
auszuarbeiten, die diesen Namen verdient.
Diese Initiativen müssten - so die Arbeitsgruppe -
durch öffentliche Fördermaßnahmen seitens
Frankreichs, Deutschlands und der Niederlande
unterstützt werden; in diesen Ländern seien in erster
Linie die Schlüsselkompetenzen lokalisiert. Aber auch
die Europäische Union müsse zur Finanzierung der
Initiativen beitragen.
Quellen:
-
"Frankreich: Die Académie des sciences und die
Académie des technologies legen einen Bericht zur
Langlebigkeit der digitalen Informationsspeicherung
vor", Artikel aus Kooperation International -
30.03.2010
-
"Longévité de l'information numérique - Les données
que nous voulons garder vont-elles s'effacer?",
Veröffentlichung der Akademie der Wissenschaften -
29.03.2010
Redakteur: Philippe Rault, philippe.rault@diplomatie.gouv.fr
INFORMATIK
Bewegungserkennung von Fußgängern in der Menge
Wie bewegen sich Fußgänger auf der Straße? Wie interagieren sie miteinander? Wissenschaftler des Forschungszentrums für animalische Kognition [1] der Universität 3 von Toulouse und des Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) in Kooperation mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich haben eine Reihe von Untersuchungen zum kollektiven Verhalten von Fußgängern in Städten durchgeführt, um das Phänomen besser zu verstehen. Die Ergebnisse wurden am 7. April 2010 in der Fachzeitschrift PLoS One veröffentlicht und liefern realistische Modelle zur Bewegung von Menschenmengen. Diese sollen dazu beitragen, den "Fußgängerverkehr" optimaler zu gestalten.
Titel: Bewegungserkennung von
Fußgängern in der Menge
Credit: © CRCA - CNRS /Université
Toulouse 3
Die Mechanismen, die die Bewegung der Menschenmenge lenken, sind noch weitgehend unbekannt. Jedoch sind diese Kenntnisse in einer städtischen Umgebung notwendig, um den Fußgängerfluss zu verbessern. Das Problem besteht darin, dass es besonders schwierig ist, dieses Phänomen in zuverlässigen, quantitativen Modellen darzustellen.
Aus Gründen der Vereinfachung gehen die aktuellen Modelle davon aus, dass die Fußgänger sich unabhängig voneinander bewegen, in dem Bestreben ihr Ziel zu erreichen und dabei Kollisionen mit anderen zu vermeiden. Anhand von Video-Aufnahmen konnte das Team um Guy Theraulaz aufzeigen, dass je nach Situation, 50% bis 70% der Fußgänger nicht allein unterwegs sind, sondern in kleinen Gruppen von 2 bis 4 Personen. Die Untersuchung der räumlichen Anordnung zeigt, dass, wenn Fußgängern genügend Raum zur Verfügung steht, sie unbewusst nebeneinander gehen. Wird die Menschenmenge jedoch dichter, so dass die Gruppe weniger Platz hat, lassen sich die Fußgänger in der Mitte ein wenig zurückfallen und die beiden äußeren Personen rücken enger zusammen. Sie bilden so eine konkave Struktur. Eine Gruppe von 3 Personen bildet eine "V" Form und eine Gruppe von 4 Personen eine "U" Form. Diese Konfigurationen erleichtern die Kommunikation zwischen den Mitgliedern, reduzieren jedoch drastisch die Fortbewegungsgeschwindigkeit. Digitale Simulationen zeigen, dass Fußgängergruppen die globale Effizienz des Verkehrsflusses im Vergleich zu isolierten Fußgängern um ungefähr 17% reduzieren.
Diese Arbeit zeigt, dass es wichtig ist, Fußgängergruppen in Bewegungsmodellen zu berücksichtigen, da ihnen ihre sozialen Aktivitäten wichtiger sind, als die Geschwindigkeit ihrer Fortbewegung. Diese neuen Erkenntnisse ermöglichen zuverlässigere Vorhersagen über den Fußgängerverkehr in städtischen Umgebungen.
[1] Weitere Informationen über das Forschungszentrum für animalische Kognition(auf Englisch)
Quelle: "Décrypter le mouvement des piétons dans une foule", Artikel des CNRS - 08.04.2010
Redakteur: Philippe Rault, philippe.rault@diplomatie.gouv.fr
Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr
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