Wissenschaft Frankreich #182 – 28/04/2010

Wissenschaft-Frankreich Nr. 182 [PDF]

 


 

HOCHSCHULEN

Neue Allianz für Bildung und Forschung in Paris

Nach der Gründung des Netzwerkes für Forschung und Hochschulbildung (PRES) im Februar dieses Jahres, haben sich jetzt fünf namhafte Einrichtungen der Hauptstadt zusammengeschlossen:

  • die Ecole Normale Supérieure (ENS - Elitehochschule zur Ausbildung von Forschern und Lehrern an höheren Schulen)
  • das Collège de France (öffentliche Hochschuleinrichtung für Forschung und Lehre)
  • das Observatoire de Paris
  • die Ecole Supérieure de Physique et de Chimie Industrielles de la Ville de Paris (ESPCI ParisTech - Ingenieurhochschule für angewandte Physik und Chemie)
  • die Ecole de chimie Paris Tech (Ingenieurhochschule für Chemie)

Am 16. April gaben sie die Gründung ihrer Stiftung für wissenschaftliche Zusammenarbeit (FCS) bekannt. Unter dem Namen "campus Paris sciences et lettre Quartier latin" (PSL Quartier latin) wird sie insgesamt 5000 Studenten, darunter 3000 Doktoranden vereinigen.

Das wichtigste Ziel dieser Allianz ist eine Koordinierung der Investitionen in Grundstücke, Dokumentenbestände und in die digitale Ausrüstung. Es geht weiterhin darum, die Aktivitäten in der Forschung und Lehre zu optimieren und verstärkt zu bündeln und die internationale Transparenz zu erhöhen. Nach dem Vorbild des College de France soll ein interaktiver digitaler Campus geschaffen werden. Für 2011 ist die Einrichtung eines Exzellenz-Bachelor in Geisteswissenschaften mit 30 Studenten vorgesehen. Einige Forschergruppen haben bereits ihre Arbeit aufgenommen. Aus einer der vielversprechendsten wird in Kürze ein internationales Institut für Nano- und Mikrofluide ausgegründet, das von Total und Schlumberger unterstützt wird.

Die 5 Einrichtungen hoffen auf Fördermittel aus dem Plan Campus [1] (sie haben bereits 170 Millionen Euro erhalten) und aus der Großen Staatsanleihe [2]. Im Rahmen der "Operation Campus" für Paris intra-muros sind noch 500 Millionen Euro der geplanten 700 Millionen Euro zu vergeben.

[1] der "Plan Campus" ist eine 2009 gestartete Fördermaßnahme, der ein Haushalt von 5 Milliarden Euro zur Verfügung steht.
[2] "Bildung und Forschung erhalten ihren Anteil aus der großen Staatsanleihe", Wissenschaft-Frankreich 181 - 14.04.2010

Quelle: "Cinq écoles prestigieuses de la capitale regroupe leurs forces", Les Echos - 19.04.2010

Redakteur: Etienne Balli, etienne.balli@diplomatie.gouv.fr

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UMWELT

Das erste Internetportal für alle umweltbezogenen Fragen in Frankreich

Angeregt durch das Abkommen für Umweltschutz (Grenelle de l'environnement) und in Übereinstimmung mit dem Aarhus-Abkommen [1] eröffnet das Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung nun das Internetportal http://www.toutsurlenvironnement.fr/, das einen kostenlosen Zugang zu öffentlichen umweltbezogenen Informationen bietet. Die Nutzer können bereits auf mehr als 20.000 Quellen zurückgreifen. Die Informationen werden kostenlos von beigeordneten öffentlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt.

Ziel des Portals ist es, maßgeschneiderte Navigationslösungen anzubieten, die sich den Bedürfnissen und dem Kenntnisstand des Nutzers bei Umweltthemen anpassen. Die Informationen sind nach Zielgruppen gegliedert: "Schüler", "interessierte Bürger", "Berufskundige" und "Fachleute". Das Informationsmaterial ist ebenfalls nach Kategorien geordnet: "Milieux et Environnement" (Umgebung und Umwelt), "Vos préoccupations" (Ihre Anliegen) und "Les secteurs d'activité" (Tätigkeitsfelder). Das Portal umfasst eine Vielzahl von Dokumenten, Webseiten, geographischen Daten, Karten, Tabellen, Datenbanken, juristischen Quellen und Software.

In den kommenden Monaten soll das Portal ausgeweitet und die Zahl der Mitwirkenden erhöht werden. Diese Webseite soll zum zentralen Punkt der öffentlichen Informationsquellen zu Umweltfragen avancieren.

Bislang zählt die Informationsplattform mehr als 150 öffentliche Mitwirkende, darunter staatliche Dienststellen (z.B. Ministerien), Körperschaften (Kommunen, Departements, Regionen, usw.) und andere öffentliche Einrichtungen, deren Tätigkeitsfeld im Umweltbereich liegt.

Weitere Informationen zum Internetportal (auf Französisch)

[1] Die Aarhus-Konvention ist ein völkerrechtliches Übereinkommen, das den Bürgern der ratifizierenden Staaten den Zugang zu Informationen, die Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren sowie den Zugang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten gewährleistet. Weitere Informationen zur Aarhus-Konvention

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt - 19.04.2010

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

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BIOLOGIE

Entschlüsselung des Genoms des schwarzen Périgord-Trüffels

2010-04-29-18-58-39
Titel: Der schwarze Périgord-Trüffel
Credit: Bildillustration frei von Rechten

Nach 5-jähriger Arbeit ist es einem französisch-italienischen Konsortium von 50 Wissenschaftlern - koordiniert von einem Team des INRA, unter Mitwirkung des Genominstituts Genoscope, des CNRS, des CEA, der Universitäten Lothringen und des Mittelmeers für die französische Seite sowie ihrer italienischen Kollegen aus Turin, Parma, Perugia, Urbino, Rom und Aquila - gelungen, das Genom [1] eines sehr berühmten essbaren Pilzes zu entschlüsseln (der seit Jahrtausenden gegessen wird) - des schwarzen Périgord-Trüffels -, der aufgrund seiner agronomischen und kulturellen Bedeutung [2] ausgewählt wurde.

Das Genom des Trüffels ist das bekannteste unter den Pilzen: es enthält 7500 Gene, wobei ca. 6000 den Genen anderer Pilze ähnlich sind. Mehrere hundert Gene sind jedoch bei diesem Trüffel einzigartig und spielen bei der Entwicklung des Pilzes und der Symbiose mit der Wirtspflanze eine entscheidende Rolle. Dieser Fortschritt ermöglicht es, die Biologie dieser Art, die Entstehung dieses kostbaren Pilzes und die Evolution der Symbiose zwischen Bäumen und Pilzen besser zu verstehen.

Diese Ergebnisse verhelfen zu einem besseren Verständnis der Evolution der Mykorrhiza-Symbiose und der aromatischen Merkmale des Trüffels sowie zur Erstellung einer genetischen Datenbank zur "Typisierung" der geographischen Herkunft.

[1] Die komplette Trüffel-Sequenz ist auf folgenden Internet-Seiten abrufbar:
Genoscope
INRA (französisches Institut für Agrarforschung)

[2] "Périgord black truffle genome uncovers evolutionary origins and mechanisms of symbiosis", NATURE, 28-03-2010 - DOI: 10.1038/nature08867,

Kontakte: - Francis Martin, INRA - Tel: +33-(0) 383 394 080, E-Mail: fmartin@nancy.inra.fr
- Claude Murat, INRA - Tel: +33-(0) 383 394 040, E-Mail: claude.murat@nancy.inra.fr

Quelle: Pressemitteilung des INRA - 28.03.2010

Redakteurinnen:
- Mathilde Maufras - Tel: +33-(0) 142 759 169 - E-Mail: presse@inra.fr - Ana Poletto, INRA Nancy - Tel: +33-(0) 383 397 341 - E-Mail: ana.poletto@nancy.inra.fr

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ENERGIE

Die Strategie der CEA im Bereich erneuerbare Energien

Frankreich deckt gegenwärtig rund 50% des Energieverbrauchs durch fossile Ressourcen ab, was eine Ausnahme im Vergleich zum weltweiten Durchschnitt darstellt (über 80%). Diese besondere Situation ist durch die historische Förderung der Kernenergie zu erklären, wobei 78% des französischen Stroms von Kernkraftwerken geliefert wird. Die starke Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wird in gewissen Bereichen, wie z.B. dem Transportwesen, bestehen bleiben.

Angesichts der wachsenden Probleme im geopolitischen und technischen Bereich stößt die Nutzung fossiler Energie auf immer größere Hindernisse (Anstieg des Energieverbrauchs, drohende Erschöpfung der fossilen Brennstoffe, ungewisse Preisentwicklung, nationale und internationale Klimaschutzpolitik). Aus diesem Grund hat die französische Regierung 2009 die Entwicklung der erneuerbaren Energien angeregt, um so die Energieunabhängigkeit zu verstärken und den Anteil an erneuerbaren Energien in der Energiebilanz zu erhöhen.

Um dieser Forderung der Regierung zu entsprechen, arbeitet die Behörde für Atomenergie und alternative Energien (CEA) seit etwa 10 Jahren an der Erarbeitung eines Forschungsprogramms für neue Energietechnologien (NTE), das 3 verschiedene Ziele verfolgt:

  • Unterbreitung zusätzlicher Lösungen zur Stromerzeugung durch erneuerbaren Energien, zur Speicherung und zur Netzwerkverwaltung, in Ergänzung zur Kernenergieerzeugung
  • Fokussierung auf energiefressende Bereiche: Gebäude und Verkehr
  • Entwicklung wirtschaftlich tragfähiger technologischer Lösungen

Der CEA konzentriert seine Forschung auf die Erzeugung, Verwaltung und Anwendung CO?-armer Elektrizität. Im Bereich der erneuerbaren Energien arbeiten die Forscher der CEA insbesondere an 3 Problemen:

  • Stromerzeugung aus Solarenergie: Photovoltaik und solarthermische Kraftwerke
  • Stromverwaltung und Steuerung der Stromschwankungen:
    • elektrochemische oder chemische Stromspeicherung (in Form von Wasserstoff, insbesondere für die Synthese von Biokraftstoffen aus Biomasse),
    • intelligente Netzwerke (Smart Grids) für eine höhere Flexibilität und eine bessere Ausgewogenheit zwischen Stromangebot und -nachfrage ;
  • Stromnutzung in zwei traditionell stark CO?-emittierenden Bereichen: Gebäude (Entwurf, Integration der Solarenergie, Energieeffizienz) und Verkehr (Entwicklung von Batterien und Brennstoffzellen für Elektro- und Hybridfahrzeuge)

Das Budget der CEA für erneuerbare Energien wächst sehr mehreren Jahren jährlich um 30-40% und erreicht 2010 156 Millionen Euro. Dieses Budgetwachstum kommt insbesondere folgenden Thematiken zugute:

  • der Solarenergie, deren Haushalt innerhalb von 3 Jahren im Rahmen der Entwicklung des Instituts für Solarenergie (INES, [1]) in Chambéry vervierfacht wurde. 2010 soll sie 40% der erneuerbaren Energien ausmachen.
  • den Elektrofahrzeugen und somit der Entwicklung von Batterien im Rahmen der Partnerschaft mit Renault-Nissan

Das Programm NTE versammelt über 700 Forscher, Techniker und Ingenieure, mit einer jährlichen Steigerung dieses Personalbestands um 50 - 100 Beschäftigte. Die meisten Angestellten arbeiten am Institut Liten (Innovationslabor für erneuerbare Energietechnologien und Nanomaterialien) bei der CEA Grenoble. Die innerhalb des NTE-Programms durchgeführten Forschungen nutzen jedoch das gesamte Können und Wissen der verschiedenen Kompetenznetze der CEA, da das wichtigste Ziel des Programms die Koordinierung dieser Kompetenzen ist.

[1] Gemeinsames Institut der CEA, des CNRS (französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung), des CSTB (wissenschaftliches und technisches Zentrum für Bauwesen) und der Universität von Savoyen; Zusätzliche Informationen zum INES:
- "Frankreich investiert in den Solarenergiebereich", WF 167 - 12.08.2009
- "Zwei neue Laboratorien für den Ausbau der Solarenergie", WF 164 - 10.06.2009

-Zusätzliche Informationen zur Strategie der CEA im Bereich erneuerbare Energien (auf Französisch)

Quellen:
- Pressemitteilung der CEA - 09.04.2010
- "La stratégie du CEA en matière d'énergies alternatives", Enerzine - 13.04/2010

Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr

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ENERGIE

Entdeckung Veranstaltung der Koordinierungsstelle Windenergie und des Bundesverbands Solarwirtschaft e.V.: "Neue Rahmenbedingungen für die Photovoltaik in Frankreich: wohin geht die Reise?"

Aufgrund der lebhaften Diskussionen auf beiden Seiten des Rheins zu den neuen Tarifen für Photovoltaik laden die Koordinierungsstelle Windenergie und der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. [1] am 4. Mai 2010, zwischen 13.00-18.30 Uhr in den Räumen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) zu folgender Veranstaltung ein: "Neue Rahmenbedingungen für die Photovoltaik in Frankreich: wohin geht die Reise?".

Experten berichten über die neuen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche PV-Projektentwicklung in Frankreich und die Finanzierung von PV-Projekten. Ein weiterer Anlass für den Workshop ist die für 2011 vorgesehene Erweiterung der Koordinierungsstelle Windenergie um die Koordinierungsstelle Erneuerbare Energien. Deshalb werden interessierte Mitglieder und die deutsche Solarbranche dazu eingeladen, sich mit den Verantwortlichen der Koordinierungsstelle über mögliche deutsch-französische Aktivitäten im PV-Bereich auszutauschen.

Programm der Veranstaltung

[1] Um Anmeldung bittet die Koordinierungsstelle Windenergie vor Ende April per E-Mail an: celine.kittel@bmu.bund.de. Unkostenbeitrag für Mitglieder des BSW und der KS: 40 Euro zzgl. MwSt. Unkostenbeitrag für Nichtmitglieder der Koordinierungsstelle und des BSW: 100 Euro zzgl. MwSt. Im Unkostenbeitrag sind enthalten: Konferenzmappe mit Übersetzung des französischen Dekretes vom 16. März 2010 und Verpflegung.

Kontakt:
- Celine Kittel, Referentin - Koordinierungsstelle Windenergie e.V. - Alexanderstraße 3, D-10178 Berlin - Tel: +49 (0)30-28550 - 4674 - Fax: +49 (0)1888 305 - 3619 - E-Mail: celine.kittel@bmu.bund.de - http://www.wind-eole.com

Quelle:
Pressemitteilung der Koordinierungsstelle Windenergie - 22.04.2010

Redakteurin: Claire Vaille, claire.vaille@diplomatie.gouv.fr

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AUTOMOBIL

Elektroauto: eine Charta zur erfolgreichen Verbreitung in Frankreich

Am 13. April 2010 unterzeichneten die französische Regierung, 12 Gebietskörperschaften sowie die beiden Automobilhersteller Renault und PSA eine Charta zur Unterstützung der erfolgreichen Markteinführung von Elektroautos. Die wichtigsten Punkte dieser Charta betreffen die Einrichtung von Ladestationen und eine Sammelbestellung von 50.000 Fahrzeugen.

Im Rahmen des Abkommens für Umweltschutz [1] soll sie die Markteinführung der Elektrofahrzeuge vorbereiten und die Etablierung neuer Standards für die Infrastrukturen fördern. Die ersten Modelle von PSA werden Ende 2010 und Anfang 2011 erwartet (Peugeot Ion und Citroën C-Zero), die von Renault ab dem ersten Halbjahr 2011 (Twizzy, Fluence und Kangoo Z.E., Zoé ab 2012).

Die 12 Gebietskörperschaften verpflichten sich, noch in diesem Jahr mit der Installation von standardisierten Ladestationen zu beginnen. Hierbei handelt es sich bevorzugt um "normale" (3 kW) und "halb-schnelle" (24 kW) Stationen. "Schnelle" Stationen (40 bis 50 kW) und Batterie-Austausch-Anlagen sollen jedoch ebenfalls im Angebot enthalten sein. Die Städte, in denen diese Systeme getestet werden sollen, sind: Paris, Bordeaux, Grenoble, Rennes, Nizza, Angoulême, Aix-en-Provence, Orléans, Rouen, Straßburg, Le Havre und Nancy.

Das durch den französischen Plan zur Entwicklung des Elektroautos mittelfristig angelegte Ziel sieht vor, bis 2015 900.000 private und 75.000 öffentliche Ladestationen zu errichten. Bis 2020 soll die Zahl auf 4 Millionen private und 400.000 öffentliche Stationen erhöht werden. Somit sollte in 10 Jahren eine Stadt mit 10.000 Einwohnern über ca. 800 Ladestationen verfügen.

Zu guter Letzt verpflichten sich PSA und Renault 2011-2012 60.000 Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen. Um ihnen genügend Abnehmer zu garantieren, verpflichtet sich eine Gruppe aus 20 Unternehmen zu einer Sammelbestellung von 50.000 Fahrzeugen, darunter La Poste, ADP, Air France, Areva, Bouygues, EDF, Eiffage, France Télécom, GDF-Suez, die RATP und die SNCF.

In diesem Zusammenhang bestätigte Jean-Louis Borloo, französischer Umweltminister, dass die 5.000 Euro Prämie beim Kauf eines Elektroautos bis 2012 beibehalten wird.

[1] "Grenelle de l'Environnement"

Quelle: "Voiture électrique : une charte pour encadrer son déploiement en France", Futura-Sciences - 17.04.2010

Redakteur: Sebastian Ritter, sebastian.ritter@diplomatie.gouv.fr

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PHYSIK

Theorie der unterkühlten Schmelze wurde bestätigt

Forscher der CEA [1], des CNRS [2] und des ESRF [3] haben Schlüsselelemente für die Erklärung der Theorie der unterkühlten Schmelze gefunden. Dieses Phänomen bezeichnet den Zustand, in dem eine Flüssigkeit nicht gefriert, obwohl sie sich unter ihrer Kristallisationstemperatur befindet. Solche Erscheinungen sind beispielsweise bei Wassertropfen in Wolken zu beobachten.

Bei Unterkühlung muss die Flüssigkeit sehr rein sein und darf keine Kristallkeime enthalten. Die extreme Reinheit der Flüssigkeit verhindert die Kristallisation. Das Phänomen der Unterkühlung wurde 1724 von Fahrenheit entdeckt. Die aktuellen Theorien gehen davon aus, dass die innere Struktur von Flüssigkeiten mit der Kristallisation inkompatibel ist. Laut dieser Theorien organisieren sich die Atome in einer Fünfeck-Struktur. Für die Bildung eines Kristalls ist jedoch eine sich periodisch aufbauende Struktur erforderlich, um den Raum auszufüllen, was die fünfeckige Struktur nicht ermöglicht. Für eine Kristallisation muss die fünfeckige Struktur aufgebrochen werden, so dass sich die Atome in einer neuen Struktur anordnen können.

Bei der Untersuchung von Nanodrähten aus Gold und Silizium für die Nanoelektronik konnten die Forscher des ESRF dieses Phänomen beobachten - die Metall/Halbleiter-Legierung blieb auch unter ihrer Kristallisationstemperatur flüssig. Mit Hilfe der Synchrotronstrahlung konnten die Forscher die Fünfeck-Theorie überprüfen. Tobias Schülli, einer der Autoren der Studie, fasste die Versuche wie folgt zusammen: "Wir konnten beobachten, was in einer Flüssigkeit auf eine Oberfläche mit einer 5-Symmetrie-Struktur (wie ein Fünfeck) passiert. In diesem Fall entsteht eine starke Unterkühlung, was auf einer Oberfläche mit einer 3- oder 4-Symmetrie nicht beobachtet werden kann."

Diese Studie eröffnet neue Forschungsfelder in der Mikroelektronik und der Metallurgie.

[1] CEA: Behörde für Atomenergie und alternative Energien
[2] CNRS: Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung
[3] ESRF: European Synchrotron Radiation Facility
Der vollständige im April 2010 in der Zeitschrift Natur veröffentlichte Artikel

Kontakte:
- Priscilla Dacher, CNRS Presse - Tel: 01 44 96 46 06 - E-Mail: priscilla.dacher@cnrs-dir.fr
- Marie Vandermersch, CEA Presse - Tel: 01 64 50 17 16 - E-Mail: marie.vandermersch@cea.fr

Quellen:
- "Pourquoi l'eau peut rester liquide à -10°C", Artikel aus dem Blog {science◊} - 22.04.2010
- "Confirmation expérimentale des théories sur la surfusion ou pourquoi l'eau ne gèle pas dans les nuages", Pressemitteilung des CNRS - 21.04.2010

Redakteur: Etienne Balli, etienne.balli@diplomatie.gouv.fr

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ELEKTRONIK

Eine neue Generation von Transistoren

Forscher aus Clermont-Ferrand erwägen die Möglichkeit, Transistoren auf Basis von quantenphysischen Phänomenen zu entwickeln.

Ist die Spin-Optronik, die neue aufstrebende Disziplin der Werkstoffwissenschaften, der Schlüssel zum Erfolg zukünftiger Transistor? Wissenschaftlern des Französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS-LASMEA) der Universität Clermont-Ferrand zufolge wäre sie der ideale Kandidat. Durch Simulation der Funktionsweise eines solchen Transistors konnten die Wissenschaftler um Robert Johne beweisen, dass es sich um ein tragfähiges und realisierbares Konzept handelt, und dass es für eine Massenproduktion geeignet sei.

Herkömmliche Mikrochips bestehen aus tausenden einzelnen Transistoren, die aus Halbleitern gefertigt werden. Diese sind in bestimmten, beeinflussbaren Situationen leitend, in anderen nicht, was die Darstellung eines binären Systems ermöglicht. Nun ließen sich die Wissenschaftler von der Spintronik inspirieren, bei der nicht die elektrische Ladung, sondern der Spin der einzelnen Elektronen beeinflusst wird, eine quantenmechanische Eigenschaft, die ansatzweise mit der Eigenrotation in der klassischen Mechanik verglichen werden könnte. Der Spin kann nur zwei Werte annehmen, und ist somit auch für ein binäres System geeignet.

Die Schwierigkeit besteht nun darin, diesen Spin zu stabilisieren und zu messen. Um dieses Problem zu umgehen, haben die Wissenschaftler vorgeschlagen, nicht mit dem Spin von Elektronen selbst zu arbeiten, sondern mit dem Spin von Exziton-Polaritonen. Dabei handelt es sich um Quasiteilchen, die aus der Kopplung eines Photons (ein Lichtteilchen) mit einem Paar aus zwei entgegengesetzten Ladungen (ein Elektron und ein "Loch") entstehen. Sie konnten beweisen, dass beide Spins vergleichbare Eigenschaften aufweisen, und dass es möglich wäre, Polaritonen-Transistoren (also auf der Spin-Optronik basierende Transistoren) auf die gleiche Weise wie bereits existierende, aber nicht marktfähige spintronische Transistoren zu bauen.

Der Vorteil der Spin-Optronik liegt darin, dass die Polaritonen bei ausreichend niedrigen Temperaturen ein Bose-Einstein-Kondensat bilden, in dem sie sich in ihrem quantenmechanischen Zustand mit der niedrigsten Energie befinden. Von diesem Kondensat ausgehend entsteht ein magnetisches Feld, das modulierbar ist und den Spin der Polaritonen beeinflusst. So ist es möglich, zwei Zustände zu kontrollieren, und somit einen Transistor herzustellen.

Quelle: "Vers une nouvelle génération de transistors?", Pour la science - 20.04.2010

Redakteur: Sebastian Ritter, sebastian.ritter@diplomatie.gouv.fr

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NANOTECHNOLOGIE

Die Ergebnisse des landesweiten französischen Bürgerdialogs über die Nanotechnologien

In einem gemeinsamen Schreiben vom 23.02.2009 hatten 7 Ministerien die nationale Kommission für öffentliche Debatten (CNDP) um die Durchführung eines landesweiten Dialogs mit der Zivilgesellschaft zu Fragen der Nanotechnologien gebeten. Die CNDP ihrerseits übertrug diese Aufgabe der Sonderkommission für öffentliche Debatten über Nanotechnologien. Der Präsident der CNDP, Philippe Deslandes, zog am 13.04.2010 eine ernüchternde Bilanz des Bürgerdialogs.

Der Bürgerdialog "Nanotechnologien" beruht formell auf dem Planungsgesetz zur Umsetzung des Umweltabkommens vom 03.08.2009. Die Regierung werde in den nächsten Wochen die Bilanz des Bürgerdialogs analysieren, um daraus nützliche Lehren zu ziehen und Schlussfolgerungen zu präzisieren. Die Schlussfolgerungen der Regierung würden die von der CNDP zusammengefassten Fragen und Erwartungen berücksichtigen, insbesondere den Wunsch, die Abstimmung mit den Bürgern fortzusetzen.

Der Dialog fand in der Zeit vom 15.10.2009 bis zum 24.02.2010 statt. Das französische Forschungsministerium begrüßte die von der Kommission geleistete Arbeit. Diese fand praktisch durchgehend unter schwierigen Bedingungen statt, da bestimmte Personen bzw. Personengruppen die Legitimität jeglichen Gedankenaustauschs zu den zu behandelnden Fragen mit der Begründung bestritten, dass "die Entscheidungen bereits gefallen seien"; damit verbunden war von einigen Seiten auch der Vorwurf mangelnder Unabhängigkeit der CNDP. Das führte teilweise zu nachhaltigen Störungen der Veranstaltungen, in einigen Städten sogar dazu, dass diese abgesagt werden mussten.

Gleichwohl gelang es mittels des Bürgerdialogs, das allgemeine Publikum für die Fragen zum Thema Nanotechnologien zu sensibilisieren.

Eine vom Präsidenten der CNDP, Philippe Leslandes, verfasste 12-seitige "Bilanz des Bürgerdialogs zu den Entwicklungen und der Regulierung der Nanotechnologien", ist wie folgt gegliedert:

  1. Die Vorbereitung des Bürgerdialogs

    • Eine flächendeckendere Befragung: Städte auswählen, in denen bereits Unternehmen und Forschungslabore für industrielle Nanoprodukte existieren
    • Umfassendere Information: Vorbereitung einer Präsentation, Klärung ethischer und sozialer Fragen, Entwicklungen und Perspektiven der Nanotechnologien
  2. Der Ablauf der rund fünfmonatigen landesweit durchgeführten Veranstaltungen

    • 149.759 Besuche der entsprechenden Internetseite, 913 Artikel in der Schriftpresse, 3216 Teilnehmer an den durchgeführten Veranstaltungen, 661 Fragen, 252 Stellungnahmen und 75 Beiträge.
    • Die Veranstaltungen in Lille, Grenoble, Rennes, Lyon und Marseille wurden besonders von Demonstranten gestört. Die Veranstaltungen in Orsay, Montpellier und Nantes sind abgesagt und durch Debatten im Internet ersetzen worden.
  3. Gegen die Nanotechnologien kämpfen gleichbedeutend mit Kampf gegen den Bürgerdialog?

    • Die Demonstranten haben ihre Position bekräftigt und äußerten, dass die Debatte gefälscht war und die Entscheidungen der Regierung bereits feststanden.
  4. Was erwartet man Positives von den Nanotechnologien?

    • Verbesserung der Effizienz und der Nachhaltigkeit in der Energieerzeugung
    • Forschritte in der Medizin durch die Miniaturisierung von im Gehirn eingebetteten Elektroden und eine bessere Frühdiagnose.
    • Eine Chance, um die wirtschaftliche Position Frankreichs zu stärken. Der mit Nanotechnologien zu erreichende Umsatz wird für das Jahr 2015 auf 1000 Mrd. Euro geschätzt.
  5. Was befürchtet man von ihrer Entwicklung?

    • Die Frage nach den Risiken blieb während der Debatte allgegenwärtig. Die Nicht-Wahrnehmbarkeit von Nano-Objekten hat die Angst und das Misstrauen besonders verstärkt.
    • Beschädigung der DNS, mangelnde Rückverfolgbarkeit der Produkte.
  6. Was wirft man ihnen vor?

    • Fehlende Durchführung einer ausreichenden Risiko-Analyse
    • Zu wenig Zeit zur Einschätzung der Risiken
  7. Was schlägt man vor?

    • Kennen und bessere Kenntnisse vermitteln
    • Evaluieren: die Forschung ausweiten, um Vorteile und Risiken besser miteinander vergleichen zu können
    • Ausbildung: schreiende Unzulänglichkeiten beheben
    • Schützen: die Sicherheit der betroffenen Arbeitnehmer verstärken
    • Die individuellen und kollektiven Freiheiten gewährleisten
    • Ein ethisches Rahmenwerk für die Entwicklung der Nanotechnologien vorsehen
    • Einführung neuer Lenkungsformen
    • Regulieren: auf nationaler oder europäischer Ebene?
  8. Welche Bilanz ist aus dem Bürgerdialog zu ziehen?

    • Der Dialog fand statt, ist aber nicht beendet
    • Welche Lehren zieht die CNDP daraus?

Im Verlauf des Bürgerdialogs wurden in einigen Punkten Parallelen zu dem rechtlichen Instrumentarium gezogen, das für den Bereich der nuklearen Sicherheit und den Strahlenschutz durch das französische Gesetz vom 25.06.2006 seine heutige Ausformung gefunden hat. Es zeichnete sich der Konsens ab, die EU-REACH-Richtlinie der durch die Nanomaterialien geschaffenen Problemlage anzupassen. Kritik fand die Tatsache, dass z. Zt. nur 3 % der öffentlichen Fördermittel für die Nanotechnologien den Fragen der mit diesen verbundenen Risiken gewidmet seien. Von einigen Seiten wurde wegen möglicher gesundheitlicher Auswirkungen bestimmter Nanomaterialien ein partielles, teilweise sogar umfassendes, Moratorium gefordert.

Philippe Deslandes stellte fest, dass der Bürgerdialog nicht den erhofften Erfolg gebracht habe. Er schließt die Bilanz mit dem Satz: "Ich kann nur die Ungeduld der Öffentlichkeit unterstreichen, die Folgerungen kennenzulernen, die die Regierung sowohl in den Bereichen Wissenschaft und Technik als auch im sozialen und politischen Bereich aus dem Bürgerdialog zieht."

Neben der 12-seitigen Bilanz steht der ebenfalls von Philippe Deslandes verfasste 152 Seiten umfassende Bericht (einschließlich 17 Anlagen) im Internet zur Verfügung.

Quellen:
- "Bilan du débat public sur les Nanotechnologies", Pressemitteilung des Ministeriums für Hochschulbildung und Forschung - 13.04.2010

Redakteur:Philippe Rault,

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Revision der Texte: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr

 


 

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