Wissenschaft Frankreich #186 – 23/06/2010
Wissenschaft-Frankreich Nr. 186 [PDF]
- FORSCHUNGSPOLITIK
Erste absolute Chronologie des Alten Ägypten
Erste Ergebnisse des Programms zur "Rückkehr" von Nachwuchswissenschaftlern
Chemie-Cluster Bayern und französisches Netzwerk Axelera vereinbaren enge Entwicklungskooperation
Fonds zur Entwicklung von Prototypen: die Zukunft liegt in der Anwendung - MOLEKULARBIOLOGIE
Der 3D-Film zur Transkription - MEDIZINISCHE FORSCHUNG
Entdeckung von "Chamäleon-Zellen" für eine bessere Narbenbildung? - BIOTECHNOLOGIE
Überblick über die florierende Biotech-Branche Frankreichs - ENERGIE Frankreich: "Nationaler
Plan für die Behandlung radioaktiver Stoffe und
Abfälle 2010 -2012" (PNGMDR) vorgelegt
Einweihung der Technologie des "kalten Tiegels" in der Fabrik Areva in La Hague - SICHERHEIT
Fußgängererkennungssystem: das CEA und das Start-up ARcure errichten ein gemeinsames Labor - ASTRONOMIE
HESS-II: eine neue Kamera zur Beobachtung des Weltalls
FORSCHUNGSPOLITIK
Erste absolute Chronologie des Alten Ägypten
Dank der Radiokarbonmethode ist es einem internationalen Forscherteam [1] zum ersten Mal gelungen, eine absolute Chronologie des dynastischen Ägyptens (circa 1100 bis 2700 v. Chr.) zu erstellen. Die Analyse und Datierung kurzlebiger organischer Proben, die archäologisch einer bestimmten ägyptischen Dynastie zugeordnet werden können, ermöglichten die Bestätigung chronologischer Schätzungen, führte jedoch auch dazu, dass einige historische Fakten revidiert werden mussten. Diese Ergebnisse wurden am 17. Juni in der aktuellen Ausgabe von Science veröffentlicht [2].
Seit mehr als 150 Jahren versuchen Forscher und Entdecker aus der ganzen Welt sich immer detailliertere Kenntnisse über eine der faszinierendsten Zivilisationen zu verschaffen: das alte Ägypten. Eine relative Chronologie der Pharaonen und ihrer Herrscherzeiten wurde Schritt für Schritt durch die Untersuchung von epigraphischen, historischen und archäologischen Dokumenten erarbeitet. Im Gegensatz dazu ist die Erstellung einer kompletten absoluten Chronologie sehr komplex und schwierig, da zu Beginn jeder neuen Dynastie der Kalender zurückgesetzt wurde. Durch astronomische Informationen konnten jedoch bereits erste zeitliche Anhaltspunkte festgehalten werden, die aber nicht ausreichten, um den genauen Zeitraum jeder Dynastie zu bestimmen.
Zur Erstellung einer absoluten Chronologie trugen die Forscher insgesamt 211 Proben ägyptischer Objekte aus mehreren Museen Europas und Amerikas zusammen. Mit Hilfe der C-14 Methode untersuchten Forscher des Labors für die C-14 (LMC14) Datierung des CNRS (Französisches Zentrums für wissenschaftliche Forschung), der CEA (Behörde für Atomenergie und alternative Energien) und des Ministeriums für Kultur und Kommunikation Saatgut, Körbe, Stoffe, Pflanzen und Früchte, die archäologisch einer bestimmten Dynastie bzw. einem Herrscher zugeordnet werden konnten, und datierten sie. "Die Abteilung für ägyptische Antiquitäten des Musée du Louvre stellte uns Proben von Korbwaren aus der Zeit des Thutmosis III zur Verfügung, einem der wichtigsten Pharaonen des Alten Ägypten", so Anita Quiles, Doktorandin am LMC14. Ein Teil des Projektes wurde im ARTEMIS [3] realisiert.
Diese Analysen, kombiniert mit der bekannten oder vermuteten Dauer der Regentschaft und deren Nachfolgeregentschaft, liefern die erste komplette und präzise Chronologie der Dynastien des Alten Ägypten. Obwohl die aktuelle Chronologie die meisten bisher erhaltenen Ergebnisse bestätigt, mussten doch einige wichtige Korrekturen vorgenommen werden. So ist zum Beispiel das Alte Reich voraussichtlich älter als bislang angenommen. Die Herrschaft des Pharaonen Djoser (Altes Reich und Gründer der dritten Dynastie) begann bereits zwischen 2691 und 2625 v. Chr. und das neue Reich entstand zwischen 1570 und 1544 v. Chr.. Diese Studie liefert nicht nur wertvolle Informationen für Ägyptologen, sondern auch für die Untersuchung von Nachbarzivilisationen in Nubien oder dem Nahen Osten.
[1] Labor zur C-14 Datierung (CEA / CNRS / IRD /
IRSN / Ministerium für Kultur und Kommunikation),
Universität Paris Diderot, Forschungslabor für
Archäologie und Kunstgeschichte (Research Laboratory
for Archaeology and the History of Art, Universität
Oxford), Labor, Fakultät für Physik,
Isotopenforschung (Universität Wien), Recanati
Institut für Meeresuntersuchungen (Universität Haifa,
Israel), Zentrum für archäologische und forensische
Analyse, Abteilung für Werkstoffe und angewandte
Naturwissenschaften (Centre for Archaeological and
Forensic Analysis, Department of Materials and
Applied Sciences, Universität Cranfield).
[2] Radiocarbon - Based Chronology for Dynastic
Egypt, Christopher Bronk Ramsey, Michael W. Dee,
Joanne M. Rowland, Thomas F. G. Higham, Stephen A.
Harris, Fiona Brock, Anita Quiles, Eva M. Wild, Ezra
S. Marcus, Andrew J. Shortland, Science, 17 Juni 2010
[3] ARTEMIS: Teilchenbeschleuniger für
Geowissenschaften, Umweltwissenschaften und
Museumskunde. Die Einrichtung befindet sich in
Saclay. Der Beschleuniger-Massenspektrometer des
LMC14 ist in Frankreich einzigartig.
Kontakte:
- Presse CNRS Elsa Champion Tel. : 01 44 96 43 90 -
E-Mail : elsa.champion@cnrs-dir.fr
- Presse CEA Céline Lipari Tel. : 01 64 50 14 88 -
E-Mail : celine.lipari@cea.fr
Quellen:
- "Egypte
Ancienne : Etablissement de la première chronologie
absolue de l'Egypte dynastique", Pressemappe des
CNRS - 18.06.2010
-
"Une chronologie précise de l'Egypte ancienne grâce
au carbone 14", Artikel des Zeitschrift Les Echos
- 17.06.2010
Redakteur: Etienne Balli, etienne.balli@diplomatie.gouv.fr
FORSCHUNGSPOLITIK
Erste Ergebnisse des Programms zur "Rückkehr" von Nachwuchswissenschaftlern
Wie kann man französische Jungakademiker dazu bringen, nach Frankreich zurückzukehren? Viele Doktoranden wandern nach ihrer Promotion ins Ausland ab, um dort ihre Karriere weiterzuverfolgen. Einerseits wird den Post-Doc dort eine Förderung angeboten, um ihre Erfahrungen zu vertiefen, und andererseits ist diese Situation für Frankreich problematisch, da viele Post-Doktoranden im Ausland bleiben.
Es gibt verschiedene Gründe für dieses Problem: die besseren Arbeitsbedingungen im Ausland, die Möglichkeit für junge Forscher ihr eigenes Forschungsprojekt leiten zu können, im Gegensatz zu geringen Stellen an französischen Universitäten und Forschungseinrichtungen, den Schwierigkeiten bei den Aufnahmeprüfungen, etc.
Da seit 2008 keine neuen Beamtenstellen mehr geschaffen werden sollen, hat das Ministerium für Hochschulbildung und Forschung das Programm "Rückkehr der Post-Doc" ("retour post-doc") ausgearbeitet, um so die besten Köpfe ins eigene Land zurückzuholen.
Die ANR stellt für dieses Programm ein Budget von 11,5 Mio. € zur Verfügung und gibt 25 französischen und ausländischen Nachwuchswissenschaftlern so die Möglichkeit ihr eigenes Forschungsprojekt zu entwickeln. Mit diesen Mitteln können sie für drei Jahre Doktoranden und Wissenschaftler anwerben. Die Fördersumme konnte im Einzelfall bis zu 700.000 Euro pro Projekt betragen.
Insgesamt bewarben sich 100 Nachwuchsforscher, die am Anfang ihrer wissenschaftlichen Laufbahn stehen und ihre Promotion vor weniger als fünf Jahren abgeschlossen haben. Eine internationale Jury der ANR wählte die Wissenschaftler auf der Grundlage der Exzellenz ihrer Forschungsarbeiten aus.
Von den 25 erfolgreichen Bewerbern kehrten 14 aus den Vereinigten Staaten zurück, wie zum Beispiel Fouad Lafdil, der sich nach zweieinhalbjähriger Forschertätigkeit am National Institute of Health (NIH) in Bethesda (Maryland) für eine Rückkehr nach Frankreich entschied. Er erforscht zurzeit die Entzündungsmechanismen für Leberfibrose am Henri-Mondor Krankenhaus in Créteil. Andere kehrten aus "exotischen" Ländern zurück, wie beispielsweise Jeremy Faye (29). Er kam nach zwei Jahren als Post-Doktorand im Bereich Chemie am National Institute of advanced science and technology (AIST) in Tsubaka (Japan) nach Frankreich zurück, wo er jetzt in der Forschungsabteilung für Katalyse und Festkörperchemie an der Universität Lille-I arbeitet. Nur ein Geisteswissenschaftler profitiert von dem neuen Programm: Alexandre Baralis forschte am französischen Institut für anatolische Studien (IFEA) in Istanbul. Er wird nun seine Arbeit am Mediterranen Haus für Humanwissenschaften (MMSH) in Aix-en-Provence fortführen.
Das Programm "retour post-doc" wird jetzt zum zweiten Mal ausgeschrieben. Bislang haben sich mehr als 150 Kandidaten beworben. Die Gewinner werden Mitte Juli bekanntgegeben und haben anschließend 6 Monate Zeit nach Frankreich zurückzukehren.
Quelle: "Un nouveau programme pour récupérer les meilleures chercheurs français", Le Monde - 15.06.2010
Redakteur: Etienne Balli, etienne.balli@diplomatie.gouv.fr
FORSCHUNGSPOLITIK
Chemie-Cluster Bayern und französisches Netzwerk Axelera vereinbaren enge Entwicklungskooperation
Die beiden Netzwerke Axelera und Chemie-Cluster Bayern haben sich auf eine Zusammenarbeit in den Bereichen nachwachsende Rohstoffe, Bauchemie und "Chemical Assisted Car" geeinigt.
Anlässlich des Chemie-Cluster Bayern-Netzwerktages am 20. Mai 2010 in Nürnberg haben sie einen gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsfahrplan beschlossen. Insbesondere in den Bereichen nachwachsender Rohstoffe und bauchemischer Innovationen sollen in den nächsten Jahren konkrete Projekte mit bayerischen und französischen Partnern initiiert und gefördert werden. Ein dritter Schwerpunkt der Zusammenarbeit bündelt bayerische und französische Kompetenzen im Automobilbereich: das "Chemical Assisted Car" steht hier für gemeinsame Entwicklungsvorhaben bayerischer und französischer Automobilzulieferer. Noch im Jahr 2010 werden dazu themenspezifische Arbeitstreffen von Industrie- und Hochschulvertretern beider Cluster abgehalten.
Das Chemie-Cluster Bayern ist ein Netzwerk von über 200 Unternehmen und Forschungseinrichtungen der bayerischen Chemie. Als Kompetenznetzwerk für "Chemical Assisted Living" unterstützt das Cluster die Entwicklung chemischer Innovationen, die nachhaltig zur Verbesserung der alltäglichen Lebensqualität beitragen. Axelera ist Teil der französischen Spitzencluster-Initative "Pôles de Compétitivité". Das Cluster steht für den zweitgrößten französischen Chemie-Standort Rhône-Alpes und beschäftigt sich thematisch mit der Schnittstelle Chemie und Umwelt. Beide Cluster arbeiten seit 2008 zusammen; unter anderem fand mit finanzieller Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung bereits ein Personalaustausch statt [1].
[1] Das bilaterale Kooperationsprogramm des BMBF ist dazu gedacht, die Zusammenarbeit zwischen ausgewählten, vielversprechenden deutschen und ausländischen Clustern zu fördern, indem ihnen bis zu 30.000 € zur Verfügung gestellt werden, um ihre Reisekosten und weitere Aufwendungen im Zusammenhang mit der Organisation von Treffen mit dem Partner-Cluster abzudecken.
Quelle: Kooperation-international - 08.06.2010
Redakteure:
- Magdalena Appel, appel@chemiecluster-bayern.de
- Sebastian Ritter, sebastian.ritter@diplomatie.gouv.fr
FORSCHUNGSPOLITIK
Fonds zur Entwicklung von Prototypen: die Zukunft liegt in der Anwendung
Frankreich will seine Treibhausgasemissionen bis 2050 um 75% reduzieren. Dafür müssen immer neue, innovativere und saubere Technologien entwickelt werden. Aus diesem Grund schuf die französische Organisation für Umwelt- und Energiewirtschaft (ADEME) im Rahmen des Abkommens für Umweltschutz (grenelle de l'environnement) den Demonstrationsfonds zur Entwicklung von Prototypen. Dieser Fonds unterstützt die Hersteller bei der Verwirklichung von Umweltinitiativen und der Herstellung von Prototypen. Er verfügt über ein Gesamtbudget von 325 Mio. € für den Zeitraum 2009-2012 und dient somit als Impulsgeber für Forschung und Entwicklung. Der Projektleiter des Fonds, Régis le Bars, präzisierte, dass die Forschungsprioritäten, die in der strategischen Roadmap für Aufrufe zur Interessenbekundung (AMI) festgelegt wurden, von Experten bestimmt werden (34 externe Experten und 11 Experten der ADEME werden über die ersten 4 AMI des Fonds zur Entwicklung von Prototypen entscheiden.).
AMI-Bilanz 2008-2010:
Fahrzeuge mit niedrigen Treibhausgasemissionen
- Projekte zu wiederaufladbaren Hybrid- und Elektrofahrzeugen
-
22 Projekte werden mit 109 Mio. € finanziert
Biokraftstoffe der 2. Generation -
Produktionsprozesse auf der Basis von Lignocellulose-Ressourcen
-
2 Projekte werden mit 49 Mio. € finanziert
CO2-Abtrennung und -Speicherung -
Lösungen zur CO2-Abtrennung und experimentelle Studien zur CO2 -Speicherung in salinen Aquiferen
-
4 Projekte werden mit 45 Mio. € finanziert Meeresenergie
-
Entwicklung von Prototypen schwimmender Offshore-Windkraft-Anlagen, durch Wellenenergie und Wind betriebene Maschinen, thermische Meeresenergie
-
21 Projekte sind gerade in Bearbeitung
Intelligente Elektrosysteme und -Netzwerke für erneuerbare Energien -
Anpassung des elektrischen Netzes an die Integration intermittierender erneuerbarer Energien, Erforschung von Lösungen zur besseren Kontrolle des Energiebedarfs und damit verbundene Wirtschaftspläne
- 20 Projekte wurden angemeldet, geplante Bearbeitung für 2010
6 prioritäre Themen für die Roadmap 2008-2010:
- Positiv-Energie-Häuser mit niedriger CO2-Bilanz
- Solar-Thermodynamik
- Photovoltaik-Zellen- und -Anlagen
- Mobilitätssysteme
- Energiespeicherung
- Ladeinfrastruktur
Kontakt:
- Régis Le Bars, Leiter des Demonstrationsfonds zur
Entwicklung von Prototypen bei der ADEME - E-Mail:
regis.lebars@ademe.fr
Quelle: "Ademe & vous" - Magazine N.36 - Juni 2010
Redakteur: Julien Bouasria, julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr
MOLEKULARBIOLOGIE
Der 3D-Film zur Transkription
Forschern des Instituts für Genetik und Molekular- und Zellbiologie (CNRS/ Inserm/ Universität Straßburg) [1] ist es gelungen, "Bild für Bild" die Initiierung der DNA-Transkription [2] zu sequenzieren und dadurch unbekannte Mechanismen zu entschlüsseln. Diese Ergebnisse einer Zusammenarbeit mit einer Forschergruppe der amerikanischen Universität Vanderbilt (Nashville, Tennessee) wurden am 17. Juni 2010 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht [3].
Die Expression der Gene erfolgt in 2 Etappen: die Transkription der DNA in RNA und die Translation der RNA in Proteine. Die Transkription beruht auf der Interaktion von mehr als 50 regulierenden Molekülen, die das Lesen eines Gens "zur richtigen Zeit am richtigen Ort" ermöglicht. Der kleinste Fehler beeinträchtigt den gesamten Transkriptionsprozess. Die Straßburger Forscher um Patrick Schultz interessierten sich dabei besonders für die Struktur der an der Transkription beteiligten Moleküle und versuchten die Mechanismen ihrer Interaktionen zu entschlüsseln.
Titel: Die Struktur des
Transkriptionsfaktors TFIID ist gelb markiert, der
Transkriptionsaktivator Rap1 rot, der
Transkriptionsfaktor TFIIA blau und die DNA-Schleife
grün.
Credit: © G Papai/IGBMC
Bei der Analyse der Transkriptionskomplexe durch elektronische Kryomikroskopie kann ein Molekül in einem hydratisierten Zustand beobachtet werden, der seinem natürlichen Zustand sehr ähnlich ist. Auf jedem mit dem Mikroskop gemachten Bild sind Tausende Ansichten eines einzigen Moleküls unter verschiedenen Blickwinkeln und zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Reaktionszyklus zu sehen. Eine statistische Analyse dieser Bilder ergab unterschiedliche 3D-Konformationen, die spezifisch für die verschiedenen Schritte der Transkriptionsinitiierung sind. So konnten die Forscher "Bild für Bild" sequenzieren und einen Film über die ersten Etappen der Transkription "drehen" [4].
Die Forscher um Patrick Schultz interessierten sich besonders für den Transkriptionsfaktor TFIID, ein komplexes Protein, das als "Zusammenbau-Plattform" bei der Transkriptionsinitiierung dient. Durch den Einfluss des Rap1 Aktivators, der oberhalb des zu transkribierenden Gens fixiert ist, wird der TFIID angezogen und bindet sich an die DNA. In Verbindung mit einem weiteren Transkriptionsfaktor - TFIIA - verändert der TFIID seine Form und ermöglicht die Initiierung der Transkription durch das Enzym RNA-Polymerase. Die Besonderheit dieses Mechanismus beruht auf der Bildung einer DNA-Schleife, mit der es möglich ist, die RNA-Polymerase genau da zu platzieren, wo die zu transkribierende Gen-Sequenz beginnt.
[1] CNRS: Französisches Zentrum für
wissenschaftliche Forschung, INSERM: Französisches
Institut für Gesundheitswesen und medizinische
Forschung
[2] Bei der Transkription wird eine DNA-Sequenz in
eine RNA-Sequenz übertragen.
[3]
"TFIIA and the transactivator Rap1 cooperate to
commit TFIID for transcription initiation",
Papai, Tripathi, Ruhlmann, Layer, Weil & Schultz
- Nature - 17.06.2010
[4] Der Film ist auf folgender Seite zu sehen:
youtube
Kontakt:
- Patrick Schultz, Abteilung für Strukturbiologie und
Genomik - Institut für Genetik und Molekular- und
Zellbiologie (IGBMC), 1 rue Laurent Fries, 67404
Illkirch - Tel: +49 3 88 65 57 50 - E-Mail: patrick.schultz@igbmc.fr
Quelle: "Le film de la transcription en 3 dimensions", Pressemitteilung des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung CNRS - 17.06.2010
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
MEDIZINISCHE FORSCHUNG
Entdeckung von "Chamäleon-Zellen" für eine bessere Narbenbildung?
Forschern des Instituts für Entwicklungs- und Krebsbiologie (IBDC), des CNRS [1] und der Universität Nizza ist es gelungen, Zellen bei der Drosophilia Fliege nachzuweisen, die während der Embryogenese erstaunlicherweise ihre Identität verändern. Die Wissenschaftler haben diese "Chamäleon-Zellen" in einem Narbenbildungs-Modell untersucht und konnten zeigen, wie diese Zellen die Gewebespannung reduzieren und somit ein perfektes Zusammenwachsen der Epidermis (bzw. Oberhaut) fördern. Diese Ergebnisse eröffnen neue Forschungswege in der regenerativen Medizin. Sie wurden am 8. Juni 2010 in der Fachzeitschrift PloS Biology [2] veröffentlicht.
Titel: Verschluss des Rückens beim
Drosophilia Embryo. Die farbig gekennzeichnete Region
zeigt den Bereich, in dem die Epidermis
zusammenwächst. Dort befinden sich auch die
"Chamäleon-Zellen".
Credit: © Fanny Serman &
Stéphane Noselli
Die Forscher haben die sogenannte "Rückenschließung" an Embryonen der Drosophilia Fliege untersucht. Bei diesem wichtigen Schritt der Morphogenese [3] der Drosophilia treffen 2 Epidermen aufeinander und wachsen zusammen. Dieses Zusammenwachsen der beiden Gewebe ist dem Zusammenwachsen einer Schnittwunde sehr ähnlich und ist somit sehr gut als Modell der Narbenbildung geeignet. Bei der Beobachtung der Drosophilia Embryonen während der "Rückenschließung" bemerkten die Forscher, dass manche Zellen die Eigenschaft haben, unter normalen Bedingungen der Embryonalentwicklung ihre Identität (oder differenzierten Typ) und ihren Ort zu wechseln. In der Regel können differenzierte Zellen ihre Identität nicht verändern und vermischen sich nie mit Zellen eines anderen Teilgebiets des Embryos. Dieser Identitätswechsel, auch als zelluläre Plastizität bekannt, ist bereits aus pathologischen Fällen bekannt, bei denen die erneute Differenzierung der Zelle meistens eine oder mehrere Zellteilungen erfordert. Im Fall der Drosophilia Fliege erfolgt die zelluläre Plastizität durch eine genetische Kontrolle, die auch bei der Geweberegeneration der erwachsenen Fliege eine Rolle spielt. Die Forscher konnten beobachten, dass je mehr "Chamäleon-Zellen" wandern, desto geringer wird die Gewebespannung. Nebenzellen schieben sich zwischen die "Chamäleon-Zellen" und schaffen dadurch einen sogenannten "Entspannungs-Abschnitt" für das Gewebe, wodurch ein perfektes Zusammenwachsen bei der Rückenschließung ohne sichtbare Narbenbildung ermöglicht wird.
[1] CNRS: französisches Zentrum für
wissenschaftliche Forschung
[2] "JNK Signalling Controls Remodelling of the
Segment Boundary through Cell Reprogramming during
Drosophila Morphogenesis", Gettings, […], Almeida
& Noselli - PloS Biology - 08.06.2010
[3] Die Morphogenese ist die Etappe der Embryogenese,
bei der sich die Formen und Organe herausbilden.
Kontakt: Stéphane Noselli, CNRS
Forscher - Tel: +33 4 92 07 64 33 - E-Mail:
Quelle: Pressemitteilung
des französischen Zentrums für wissenschaftliche
Forschung CNRS - 08.06.2010
Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr
BIOTECHNOLOGIE
Überblick über die florierende Biotech-Branche Frankreichs
Frankreich verfügt im Bereich der Biotechnologien über eine diversifizierte Industriestruktur. Rund 400 Biotechnologieunternehmen beschäftigen nahezu 6.000 Mitarbeiter. Dabei sind mehr als die Hälfte in der Forschung und Entwicklung tätig. Europaweit rangiert Frankreich in diesem Wirtschaftsbereich hinter Großbritannien und Deutschland auf Platz drei. Gleichzeitig spielen die in der Biotechnologie entwickelten Anwendungen eine immer wichtigere Rolle für Mensch und Umwelt: Fast 50 Prozent aller marktgängigen Medikamente werden im Bereich der Biotechnologie erforscht. Neben dem Gesundheitswesen zählen auch Bereiche wie die Nano-Biotechs, das Zusammenwachsen von Biotech und IT sowie biotechnologische Anwendungen im Dienste des Umweltschutzes zu den zukunftsweisenden Forschungsgebieten.
Dabei bietet Frankreich ein günstiges Umfeld für Kooperationen: acht auf Biotechnologie und Gesundheit spezialisierte Cluster tragen seit 2005 zur Dynamisierung dieses Wirtschaftszweiges bei, indem sie die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Industrieunternehmen und öffentlichen Forschungseinrichtungen fördern. Dazu gehören die Cluster Lyonbiopôle (www.lyonbiopole.com), Medicen (www.medicen.org), Alsace BioValley (www.alsace-biovalley.com), Nutrition Santé Longévité (www.pole-nsl.org), Atlantic Biothérapies (www.atlantic-biotherapies.com), Prod'Innov (www.prodinnov.fr), Eurobiomed (www.eurobiomed.org) und Cancer-Bio-Santé (www.cancerbiosante.fr). Diese als "offene Ökosysteme" ausgelegte Cluster beherbergen rund sechzig ausländische Unternehmen.
Zu den Fördermaßnahmen der Biotechnologieunternehmen zählen die Steuergutschrift auf Forschungsausgaben (CIR) und Finanzierungen für gemeinsame F&E-Projekte innerhalb der Cluster. Zum Maßnahmenkatalog gehören ebenso die Initiative "junges, innovatives Unternehmen" (JEI), Finanzhilfen der französischen Innovationsagentur OSEO und Projektausschreibungen der französischen Agentur für Forschung (ANR). Anfang 2009 wurde die Französische Allianz für Lebenswissenschaften und Gesundheitswesen (AVIESAN) gegründet, deren Aufgabe es ist, die Aktivitäten der verschiedenen französischen Forschungseinrichtungen zu koordinieren [1]. Darüber hinaus dient der mit 140 Millionen Euro dotierte InnoBio-Fonds der Unterstützung innovativer Unternehmen. Seit vergangenem März fördert und entwickelt die "Allianz für Forschung und Innovation von Unternehmen aus dem Gesundheitswesen" (ARIIS) öffentlich-private Partnerschaften.
Innerhalb der vergangenen zehn Jahre wurden bereits 320 ausländische Investitionsprojekte im Bereich der Lebenswissenschaften in Frankreich verzeichnet. 2009 gründete Novartis (Schweiz) weltweit das vierte Krebsforschungszentrum in Frankreich. Neben der Ansiedlung kleinerer Unternehmen wie beispielsweise die Firmen Cellseed (Japan) oder Immunoclin (Großbritannien), entschied sich auch Genzyme im Zuge der Einrichtung eines neuen Bioproduktionszentrums für den Standort Frankreich. Gleiches gilt für Medizintechnik-Unternehmen wie Sysmex (Japan) im Diagnosebereich und Sorin (Italien) auf dem Gebiet der Herzimplantate. Auch die Firmen Daiichi Sankyo (Japan), Novo Nordisk (Dänemark) und Ely Lilly (USA) bestätigen ihr Interesse für den französischen Markt.
[1] "Gründung der nationalen Allianz für Lebens- und Gesundheitswissenschaften" - Wissenschaft Frankreich 161 - 22.04.2009
Quelle: Artikel Kooperation international -
17.06.2010
http://www.kooperation-international.de/countries/themes/nc/info/detail/data/48756/
Redakteurin: Julia Kronberg - Invest in France Agency (IFA) - Tel: +49 211 542 26715 - E-Mail: julia.kronberg@investinfrance.org
ENERGIE
Frankreich: "Nationaler Plan für die Behandlung radioaktiver Stoffe und Abfälle 2010 -2012" (PNGMDR) vorgelegt
Nach Ablauf des vorangegangenen Plans (2007 - 2009) wurde jetzt von der Behörde für nukleare Sicherheit (ASN) die Marschroute für die nächsten drei Jahre festgelegt. Der Plan 2010 - 2012 schließt alle Kategorien radioaktiver Abfälle ein. Die im Zeitraum 2007 - 2009 eingeleiteten Projekte werden fortgeführt und intensiviert.
Mit der Veröffentlichung des PNGMDR für den Zeitraum 2010 - 2012 beginnt für Frankreich eine neue Etappe in der durch ein hohes Maß an Transparenz gekennzeichneten Behandlung dieses für alle betroffenen Länder schwierigen Problems.
Das Dokument wurde in Abstimmung mit den Akteuren der Nuklearwirtschaft einschließlich der gewählten Volksvertreter und Umweltverbänden erarbeitet. Nach dem Stand von Ende 2007 belief sich in Frankreich das Volumen der radioaktiven Abfälle auf:
- 230.000 m3: kurzlebige (weniger als 31 Jahre) sehr schwachradioaktive Abfälle (Schrott, Plastik, Beton); Standort: Morvilliers / Departement Aube; oberirdische Lagerung .
- 790.000 m3: aus nuklearen Anlagen und medizinischen Einrichtungen stammende, kurzlebige schwach- und mittelradioaktive Abfälle (Werkzeuge, Handschuhe, Kleidungsstücke, Flüssigkeiten); Standort: Soulaines / Departement Aube; oberirdische Lagerung.
- 80.000 m3: langlebige (mehr als 31 Jahre) schwach- und mittelradioaktive Abfälle (u. a. aus der Metallurgie stammendes Radium; Graphit aus KKW der 1. Generation); Lagerung in geringer Tiefe (15 - 200 Meter); Standort(e) müssen noch festgelegt werden; in der Zwischenzeit soll eine Zwischenlagerung an 11 KKW-Standorten stattfinden.
- 40.000 m3: langlebige mittelradioaktive Abfälle (Metallreste abgebrannter Brennelemente); Standort muss noch festgelegt werden.
- 2.300 m3: langlebige hochradioaktive Abfälle aus der Wiederaufbereitung bestrahlter Brennelemente (Cäsium 134 und 137, Strontium 90, Curium, Americium); sie sollen nur 0,2 % der insgesamt angefallenen Abfälle, aber 95 % deren Radioaktivität ausmachen; nach ihrer Verglasung ist ihre rückholbare Lagerung in einer 500 Meter tiefen Formation geplant; der Standort (Bure / Meuse) wird seit 2005 auf seine Eignung untersucht. Die Anlage soll 2025 in Betrieb gehen.
Man geht davon aus, dass für fast 90 % der Abfälle bereits endgültige Lösungen verfügbar sind. Solche auch für die restlichen 10 % zu finden, wird von den verantwortlichen Stellen als die wichtigste Aufgabe der nächsten Jahre bezeichnet; zu ihnen gehören u. a. auch die langlebigen schwachradioaktiven Abfälle und insbesondere das aus dem Betrieb der 1. KKW-Generation herrührende Graphit.
Frankreich ist das erste Land, das über einen PNGMDR verfügt. Es arbeitet auf europäischer Ebene aktiv an dem Entwurf einer Richtlinie mit, die das Ziel hat, jeden EU-Mitgliedstaat zur Ausarbeitung eines PNGMDR zu verpflichten.
Quellen:
- Le Figaro (Sciences/Médecine) - 08.06.2010
- Kooperation-International - 15.06.2010
Redakteure: - Dr. Hermann Schmitz-Wenzel, DFGWT - Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr
ENERGIE
Einweihung der Technologie des "kalten Tiegels" in der Fabrik Areva in La Hague
Die aus gemeinsamen Forschungen zwischen der französischen Behörde für Atomenergie und alternative Energien (CEA) und des Energieunternehmens Areva hervorgegangene Technologie des "Kalten Tiegels" [1] wurde am 17. Juni 2010 von Anne Lauvergeon, Präsidentin von Areva, in La Hague (Standort von Areva) eingeweiht. Diese innovative Technologie besteht in der Verglasung von Atommüll und gilt weltweit als einzigartig. Sie ist das Ergebnis einer 25 jährigen Zusammenarbeit zwischen der CEA und Areva im Bereich Forschung.
Die Technik der Verglasung von hochaktiven Atomabfällen, die bei der Verarbeitung von abgebrannten Brennelementen entstehen, wurde über mehr als 30 Jahre industriell getestet: sie wurde von der CEA entwickelt und seit 1978 zunächst in Marcoule und ab 1989 in La Hague eingesetzt. Bei der Verglasung wird der flüssige Atommüll in einem speziellen Schmelzofen bei ca. 1250°C mit Glasteilchen vermischt und verschmolzen. Diese heiße Mischung fließt dann in Edelstahlbehälter ("Kokillen") und erstarrt dann jeweils zu einem gläsernen Block. Das Ergebnis ist ein langfristig hocheffizienter Schutzbehälter für Atommüll, der mit einer eventuellen geologischen Speicherung kompatibel wäre.
Die Technologie des "kalten Tiegels" verschafft Areva einen Wettbewerbsvorteil bei der Verarbeitung von Atomabfällen, denn sie ermöglicht die Verglasung einer größeren Palette von hochaktiven Abfällen und bietet eine höhere Leistungsfähigkeit bei der Verglasung. Die F&E zu dieser Technologie "des kalten Tiegels" wurde von der Direktion für Kernenergie (DEN) der CEA auf dem Standort Marcoule [2] durchgeführt.
[1] Weitere Informationen über die Verglasung:
wikipedia
[2] Das Zentrum Marcoule der CEA ist ein weltweites
Referenzzentrum für die Entwicklung von Technologien
zur Verglasung nuklearer Abfälle. Es unterstützt
Areva in der F&E im Bereich des Brennstoffzyklus.
Aktuell arbeiten mehr als 100 Mitarbeiter der CEA für
den "kalten Tiegel" bei Areva.
Quelle: "Inauguration de la technologie du "creuset froid" à l'usine Areva de La Hague", Pressemitteilung der CEA - 18.06.2010
Redakteurin: Claire Vaille,
SICHERHEIT
Fußgängererkennungssystem: das CEA und das Start-up ARcure errichten ein gemeinsames Labor
Die CEA (französische Behörde für Atomenergie und alternative Energien) und das Start-up-Unternehmen ARcure haben die Gründung eines gemeinsamen Labors für intelligente Visualisierungssysteme (Head-Up-Displays) für Industrie-Fahrzeuge angekündigt. Dies ermöglicht ARcure [1] einen exklusiven Zugang zu den seit 10 Jahren von der CEA entwickelten Technologien für die Fußgängererkennung.
Jährlich kommt es in Europa zu tausenden Unfällen zwischen Industrie-Fahrzeugen und Fußgängern, oft mit verheerenden Folgen, die mitunter sogar tödlich enden. Die bislang auf dem Markt existierenden Lösungen sind unzureichend, da sie Fußgänger zum Beispiel nicht von einem anderen Hindernis unterscheiden können.
Die Abteilung für System- und Technologieintegration des 2009 gegründeten Start-up ARcure des CEA LIST [2] will sich nun dieser Herausforderung widmen. Sie bietet ein embedded system für Head-Up-Displays - Blaxtair - das die Bilder sehr genau analysiert, so die Art des Hindernisses erkennt und den Fahrer im gegebenen Fall warnt. Dieses Zusatz-Gerät kann auf alle Industrie-Fahrzeuge angepasst werden [3].
ARcure hat einen Exklusivlizenzvertrag mit der CEA unterschrieben, um ihre Erkennungsalgorithmen nutzen zu können. Ziel des Start-up ist es, zum Weltmarkführer für embedded Head-Up-Displays für Industriekunden aufzusteigen. Besonders die Sektoren Hoch- und Tiefbau, Logistik, Bergbau und Forstbetrieb haben ein großes Interesse an dieser neuen Technologie bekundet. Die als besonders gefährlich eingestuften Industrie-Fahrzeuge sollen mit Blaxtair ausgestattet werden - allein in Europa würde sich die Zahl der Fahrzeuge auf 200.000 belaufen.
Patrick Mansuy, der Vorstandsvorsitzende von ARcure, erklärt: "CEA LIST bietet einen Erkennungsalgorithmus für Fußgänger mit einer unvergleichlichen Leistungsstärke und Zuverlässigkeit. Parallel dazu entwickelt ARcure Anwendungsmöglichkeiten und öffnet dieser innovativen Technologie einen sehr wichtigen Markt".
[1] Weitere Informationen über ARcure finden Sie
unter dem Link:
[2] Internetwebseite des CEA LIST:
[3] Technische Informationen zu Blaxtair finden Sie
unter dem
Link: (auf Französisch)
Quelle: "Système de détection de piétons : le CEA et la start-up ARcure créent un laboratoire commun", Pressemitteilung des CEA - 07.06.2010
Redakteur: Philippe Rault, philippe.rault@diplomatie.gouv.fr
ASTRONOMIE
HESS-II: eine neue Kamera zur Beobachtung des Weltalls
Das H.E.S.S.-Teleskopsystem befindet sich im Hochgebirge von Namibia und gehört zu den besten und leistungsstärksten Anlagen der Welt. In Kürze wird es in HESS-II umbenannt und mit einem fünften Teleskop ausgestattet, das seine Leistungsfähigkeit verdoppelt. Das neue Teleskop wird über eine Kamera verfügen, die von französischen Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Einrichtungen entwickelt wurde:
- CNRS/IN2P3 (Zentrum für wissenschaftliche Forschung/Nationales Institut für Nuklear- und Teilchen-Physik)
- INSU (Nationales Institut für Weltraumwissenschaften)
- CEA-Irfu (Nationales Institut zur Erforschung der Grundgesetze des Weltraums).
Seit seiner Eröffnung im Jahr 2004 hat H.E.S.S. bereits zahlreiche unbekannte Gammastrahlenquellen entdeckt. Seinen vier Teleskopen von 12m Durchmesser ist es zu verdanken, dass auf H.E.S.S. die Entdeckung von 53 der bis heute 84 gefundenen Quellen zurückgeht. Das neue und zentrale Teleskop von 28m Durchmesser wird das Licht auf die von den Franzosen entwickelte neue Kamera konzentrieren. Diese besitzt eine lichtempfindliche Oberfläche von 2,15m Durchmesser und ihre Granularität (Körnigkeit) ist doppelt so hoch wie bei herkömmlichen Kameras. Sie wird jedes einzelne Gammaphoton in nur wenigen Nanosekunden (10^-9) erkennen.
Die H.E.S.S.-Anlage wird die Grenze des Sichtbaren verschieben und den Schleier über den extremsten Situationen am Himmel lüften, wie Supernovae, schwarze Löcher oder aktive galaktische Kerne.
Quelle: "HESS-II : une nouvelle caméra pour explorer l'Univers violent", Pressemitteilung des CEA - 15.06.2010
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