Überblick und Schwerpunkte der Kooperation

Deutschland ist unter den EU-Ländern der wichtigste Partner Frankreichs in den Bereichen Wissenschaft und Technologie und der zweitwichtigste weltweit nach den USA. Die intensive Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich in fast allen wissenschaftlichen Bereichen spiegelt sich in zahlreichen Beispielen wider.

Die deutsch-französische Zusammenarbeit im Bereich Forschung steht seit 2003 im Mittelpunkt der bilateralen Ministerratstreffen. Für die politischen Entscheidungsträger Frankreichs und Deutschlands sind die Forschung und Innovation entscheidend dafür, dass beide Länder auf internationaler Ebene auch weiterhin ihren Platz behaupten. Die bilaterale Zusammenarbeit ist ebenfalls „Motor für eine Europäisierung von Pilotprojekten“, so die Bundesministerin für Forschung Annette Schavan.

In diesem Zusammenhang wurde während des deutsch-französischen Ministerrats am 14. März 2006 die Initiative „deutsch-französischer Beitrag für Forschung und Innovation in Europa“ verabschiedet. Die übergreifenden Zielsetzungen sind die Dynamisierung des europäischen Forschungsraums durch die Zusammenführung der besten Akteure in der deutsch-französischen Forschung, die Förderung der Mobilität der Forscher und die Förderung der Innovation in Europa durch große, mobilisierende Zukunftsprojekte.

Auf dem 12. deutsch-französischen Ministerrat am 4. Februar 2010 in Paris beschlossen die Kabinette beider Regierungen eine „deutsch-französische Agenda 2020“, die die Leitlinien der Zusammenarbeit definiert. Ziel ist es, in den Bereichen Forschung und Entwicklung die Forschungskapazitäten unserer beiden Länder schrittweise anzunähern. Neben den projektbezogenen Zielen lassen sich die Vorschläge der Agenda 2020 in drei Bereiche unterteilen:

  • Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den jeweiligen kompetenten Einrichtungen […], beispielsweise zwischen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Französischen Förderagentur (ANR) und zwischen der Max-Planck-Gesellschaft und dem französischen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS)
  • Start gemeinsamer Forschungsprojekte
  • Schaffung gemeinsamer Fraunhofer-Carnot-Forschungslabore im Rahmen weltweiter Exzellenznetzwerke auf der Grundlage bereits bestehender Partnerschaften zwischen Carnot und Fraunhofer
  • Des Weiteren existiert seit 1958 ein deutsch-französisches Forschungsinstitut – das ISL. Es ist die älteste und einzige binationale integrierte Einrichtung mit eigenem deutsch-französischem Rechtsstatus und Personalstatut.Das ISL ist vor über 50 Jahren als eine gemeinsame Initiative des deutschen und französischen Verteidigungsministeriums gegründet worden. Es erforscht energetische Materialien (Explosivstoffe, energetische Nanomaterialen, Flugmechanik) und neue Technologien (Laser, Mikrowellen, elektromagnetische Beschleunigung). Darüber hinaus befasst sich das ISL mit der Detektion und mit Schutzmaßnahmen vor potentiellen Bedrohungen (z.B. Sprengstoffdetektion, Lokalisierung von Visieranlagen, Sensornetzwerke etc). Im Jahr 2011 hat das ISL – im Forschungsverbund MICA (Materials Institute Carnot Alsace)36 – durch seine Anerkennung als neues Carnot-Institut im Bereich  aterialwissenschaften und Nanowerkstoffe eine wichtige Aufwertung erfahren. Zu den Kompetenzbereichen des ISL gehören u.a.:
    • Detonik und Ballistik
    • Grundlegende Untersuchungen zur IED-Bedrohung und Entwicklung entsprechender Schutzmaßnahmen, Sprengstoffdetektion
    • energetische und inerte Nanomaterialien
    • Forschung zur Entwicklung von Laserquellen (Mittelenergie-Laser)
    • Schutz und Umfeld des Soldaten, Akustik
    • Hochleistungselektronik für Pulsed Power Anwendungen,
    • Aerodynamik und Flugmechanik, „Guided ammunition“
    • Optronik und vernetzte Sensorik.

Die Foren zur deutsch-französischen Forschungskooperation

Seit 2002 finden im Abstand von drei Jahren Foren zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation abwechselnd in Frankreich und Deutschland statt (2002 in Paris, 2005 in Potsdam und 2008 in Paris). Dort treffen sich auf hochrangiger Ebene die wichtigsten Akteure der Forschung, vertreten durch die Vorsitzenden der größten deutschen und französischen Forschungseinrichtungen und –agenturen sowie die Forschungsminister beider Länder.

Auf dem 3. Forum zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation im Jahr 2008, das im Rahmen von zwei Runden Tischen stattfand, verständigten sich die wichtigsten forschungspolitischen Akteure (Forschungseinrichtungen, Universitäten, technologische Einrichtungen, etc.) über die Strategien für Forschung und Technologie in Deutschland und Frankreich. Das Ergebnis dieses Forums waren Partnerschaftsverträge zwischen verschiedenen Forschungseinrichtungen, insbesondere zwischen der Behörde für Atomenergie und alternative Energien (CEA) und dem Helmholtz-Zentrum Jülich zum Thema Höchstleistungsrechner. Den Abschluss des Forums bildete die Verleihung des Gay-Lussac-Humboldt-Preises, der 2010 zum 25. Mal verliehen wurde.

Das 4. Forum zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation findet im Oktober 2011 in Berlin statt und wird die Forschungsminister und die Vorsitzenden der Forschungseinrichtungen beider Länder zusammenführen. Das Forum wird gegenwärtig von den Forschungsministerien beider Länder in Partnerschaft mit den jeweiligen Forschungseinrichtungen vorbereitet. Dieses Forum stellt eine wichtige Etappe für beide Länder dar, insbesondere im Hinblick auf die in der deutsch-französischen Agenda 2020 festgelegten Zielsetzungen.


Letzte Veränderung: 7 März 2017