3. April 2017

Stolperstein für den berühmten Mathematiker Alexander Grothendieck

Anlass für das "mathematische Café" am 22. März in Berlin war die Verlegung dreier Stolpersteine in Erinnerung an den Mathematiker Alexander Grothendieck und an seine Eltern Sascha Schapiro (auch als Alexander Tanaroff bekannt) und Johanna (Hanka) Grothendieck.

Alexander Grothendieck, der am 28. März 1928 in Berlin geboren wurde und 1939 noch als Kind seine Pflegeeltern Heydorn in Hamburg verlassen musste, um dem Nazi-Regime Richtung Frankreich zu entfliehen, blieb mehr als dreißig Jahre heimatlos. Als überzeugter Antimilitarist verweigerte er den Militärdienst, der für die Annahme der französischen Staatsangehörigkeit eine Voraussetzung gewesen wäre. Erst als diese Gefahr vorüber war und trotz der Erinnerungen an die furchtbaren ersten Jahre (1942-44) in Frankreich (die Familie wurde 1940 durch die Vichy-Regierung in einem Konzentrationslager interniert) nahm Alexander Grothendieck 1971 die französische  Staatsangehörigkeit an.

Er zählt zu den bedeutendsten Mathematikern des 20. Jahrhunderts und hat insbesondere die algebraische Geometrie revolutioniert. Er starb am 13. November 2014.

Es war eine Herausforderung, im Rahmen des „mathematischen Cafés“ Berufs-Mathematiker und „Nicht-Mathematiker“ gemeinsam über das Erbe von Alexander Grothendieck ins Gespräch zu bringen. Zu diesem ungewöhnlichen Gespräch waren auch Kinder aus der Notunterkunft für Flüchtlinge in Moabit, rund dreißig Schüler des Heinrich-Hertz-Gymnasiums, Mathematik-Studenten sowie Freunde und Verwandte eingeladen. Insgesamt kamen rund siebzig Gäste. In Anlehnung an die Schriften von Alexander Grothendieck, der viele Grenzen überschritt, sowohl territoriale als auch wissenschaftliche, haben wir uns zugemutet, dies auszuprobieren.

Die Verlegung der drei Stolpersteine war eine einmalige, sehr berührende Veranstaltung und hoffentlich erst der Auftakt für weitere zukünftige „mathematische Cafés“.

Quelle : Wissenschaftsabteilung der  französischen Botschaft

Redaktion : Prof. Dr. Sylvie Paycha, Institut für Mathematik, Universität Potsdam