Gesundheit, Medizin und Biologie

Die Gesellschaft fordert immer stärkere Forschungsbemühungen im Gesundheitssektor. Dieser Bereich bietet französischen Unternehmen, sowohl im Arzneimittelsektor als auch bei den neuen Gesundheitstechnologien, zahlreiche Möglichkeiten ihr Wirtschaftswachstum zu erhöhen. Des Weiteren gehört der Gesundheitssektor zu den wettbewerbsfähigsten Bereichen Frankreichs: Im internationalen Vergleich liegt Frankreich bei wissenschaftlichen Publikationen im Bereich der Lebenswissenschaften und der Gesundheit auf dem 5. Rang und ist der größte Arzneimittelhersteller der Europäischen Union.

Dieser Forschungsbereich hat somit für die französische Regierung oberste Priorität und verfolgt die nachstehenden Zielsetzungen:

  • Charakterisierung von Lebewesen zur Vervollständigung unserer Kenntnisse von seiner Komplexität (epidemiologische Kohorten-Studien, Modellierung von Lebewesen, etc.)
  • Beschäftigung mit den größten Problemen des Gesundheitswesens (neurodegenerative Erkrankungen und Infektionskrankheiten, Ambient Assisted Living (AAL – Leben in unterstützender Umgebung) für hilfsbedürftige Menschen, etc.)
  • Vorbeugung von Krankheiten durch gesündere Ernährung und Verbesserung der Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln für eine erhöhte Sicherheit
  • Ausweitung der translationalen Forschung zum Aufbau einer effizienten und dauerhaften Zusammenarbeit zwischen akademischen bzw. industriellen Forschern und forschenden Klinikern, mit dem Ziel, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in klinische Anwendungen umzusetzen (personalisierte Medizin, Schnelldiagnose, Telemedizin, „Plan biotech“ für Unternehmen der Biotechnologie und der synthetischen Biologie).

Im Rahmen des Programms Zukunftsinvestitionen hat die französische Regierung 8 Milliarden Euro für die Forschung bereitgestellt. Eines der drei thematischen Projekte beschäftigt sich mit der Gesundheit und den Biotechnologien. 1,55 Milliarden Euro stehen der Schaffung von Kohorten, Hochgeschwindigkeitsplattformen und Infrastrukturen der Biotechnologien und der Bioinformatik zur Verfügung. In die Gründung von fünf IHU (von Krankenhäusern und Universitäten gemeinsam geführte Institute) werden 850 Milliarden Euro investiert. Ziel ist es, weltweit anerkannte Forscherteams um ein kohärentes wissenschaftliches Projekt zu vereinen.

Mit dem Ziel die Gesundheitsforschung in Frankreich besser zu strukturieren und ihr eine größere Sichtbarkeit auf internationaler Ebene zu verleihen, wurde im April 2009 die nationale Allianz der Lebens- und Gesundheitswissenschaften AVIESAN gegründet, die seitdem eine wichtige Rolle bei der Koordinierung der Forschung spielt. Die Allianz setzt sich aus den großen öffentlichen Forschungseinrichtungen sowie den Universitäten und den IHU zusammen: der nationalen Behörde für Atomenergie und alternative Energien (CEA), dem nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS), dem nationalen Institut für Agrarforschung (INRA), dem nationalen Forschungsinstitut für Informatik und Automatik (INRIA), dem nationalen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung (INSERM), dem Institut Pasteur, dem Forschungsinstitut für Entwicklung (IRD), der Hochschulrektorenkonferenz (CPU) und der Direktorenkonferenz der Regional- und Universitätskliniken. AVIESAN ist in 10 einrichtungsübergreifende thematische Institute (ITMO) unterteilt, die sich jeweils mit einem Forschungsthema im Bereich Gesundheit beschäftigen. In der französischen Forschungslandschaft kommt AVIESAN somit die Rolle des Strategen zu. Die nationale Forschungsagentur (ANR) stellt die projektbezogenen finanziellen Mittel zur Verfügung und die Agentur zur Evaluierung von Forschung und Bildung (AERES) ist für die Bewertung der Ergebnisse in Forschung und Lehre verantwortlich.

Die deutsch-französische Zusammenarbeit in der Bereichen Gesundheitsforschung und Biotechnologie wurde auf dem 4. Forum zur Deutsch-Französischen Forschungskooperation am 12./13. Oktober 2011 in Berlin verstärkt. Drei der 12 eingerichteten Arbeitsgruppen widmeten ihre Arbeit folgenden zwei Themengebieten: Lungenerkrankungen, Kohortenstudien und grüne und weiße Biotechnologien. Auf Empfehlungen dieser Arbeitsgruppen und der nach dem Forum gegründeten hochrangigen deutsch-französischen Expertengruppe wurde während des 14. Deutsch-Französischen Ministerrats am 6. Februar 2012 ein Maßnahmenplan beschlossen. Dieser umfasst fünf Schwerpunktbereiche, die mit insgesamt rund 27°Mio. € unterstützt werden.

Der erste Bereich beschäftigt sich mit dem Thema Gesundheit und setzt vier Schwerpunkte: Pneumologie, Diabetes, Kohortenstudien und Gesundheitswesen. Die grüne und weiße Biotechnologie bildet den zweiten Bereich und konzentriert sich auf vier Initiativen: das „Plant KBBE“ Projekt im Bereich Pflanzengenomforschung, die europäische Pflanzen-Phänotypisierungsplattform, Bioraffinerien und das EU-Netzwerk ERA-NET Industrial Biotechnology.

Der Virchow-Villermé Centre for Public Health Paris-Berlin zwischen der Charité – Universitätsmedizin Berlin und den regionalen Forschungs- und Hochschulzentren Sorbonne Paris Cité ist gegründet. Die Prioritäten des neuen Zentrums sind innovative Ausbildungsangebote, fachübergreifende Forschungsprojekte im Bereich Public Health und der Austausch zwischen deutschen und französischen Studenten und Wissenschaftlern. Ziel ist es, gesundheitliche Ungleichheiten zwischen der deutschen und französischen Bevölkerung zu verringern.

Es gibt eines gemeinsamen Zentrums für biomedizinische Forschung zwischen der Universität Straßburg, dem französischen Institut für Gesundheitswesen und medizinische Forschung  (INSERM), dem Unternehmen Sanofi, der Universität Heidelberg, der Medizinischen Fakultät Mannheim und dem deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg . Das Zentrum – “French-German Advanced Translational drug discovery Center” (FGATC) – zielt darauf ab, neue Therapien und Arzneimittel zu entwickeln, indem es die Grundlagen- und klinische Forschung auf beiden Seiten des Rheins verbindet.


Letzte Veränderung: 7 März 2017