7. Juni 2017

Bio-Isobuten-Pilotanlage der Firma Global Bioenergies im Industriepark Leuna

Am 11. Mai 2017 haben die Mitgründer des Unternehmens Global Bioenergies, Marc Delcourt und Philippe Marlière, eine Pilotanlage im Industriepark Leuna eröffnet, die Biomasse durch biologische Fermentation in Isobuten umwandelt. Isobuten ist ein Vorläufermolekül, das in mehreren Verfahren der Petrochemie Anwendung findet.

2008 wurde die Firma Global Bioenergies auf dem Gelände des Kompetenzzentrums Généthon in Evry (Pariser Umgebung) gegründet. Seit fast 10 Jahren arbeitet sie an einem Fermentationsverfahren zur Umwandlung von Biomasse (Zucker, Getreide, land- und forstwirtschaftliche Abfälle) in Isobuten (ein Kohlenwasserstoff, der normalerweise aus Erdöl gewonnen wird). Dieses Molekül ist ein zentraler Baustein der Petrochemie, der zur Umwandlung in Benzin, Plastik, organisches Glas oder Elastomere verwendet werden kann. Ein Teil dieses mehrstufigen Umwandlungsverfahrens beruht auf einem künstlich herbeigeführten Stoffwechsel, der in einen Mikroorganismus (E. Coli-Bakterie) übertragen wird.

Ziel dieser bereits im Dezember 2016 in Betrieb genommenen Pilotanlage ist die Überprüfung dieser neuen Technologie und die Weiterentwicklung bis hin zur industriellen Nutzung. Aus diesem Grund ist Global Bioenergies eine Partnerschaft mit dem Fraunhofer-Zentrum für chemisch-biologische Prozesse (CBP) eingegangen. Dieses 2012 gegründete Fraunhofer-Zentrum ist Teil des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IBG in Stuttgart. Das Gesamtbudget für dieses Projekt beläuft sich auf 15 Millionen Euro, davon 10 Millionen Euro allein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Der Vorteil der veränderten Bakterien ist, dass sie ein Gas metabolisieren, das oberhalb des Bioreaktors abgegeben wird und somit nicht den eigenen Nährboden kontaminiert. Durch konventionelle Reinigungsverfahren aus der Petrochemie wird das filtrierte Isobuten produziert. Derzeit erzeugt der Bioreaktor einige Gramm Isobuten pro Liter Bakterien/Stunde. Dieser Ertrag soll durch eine verbesserte Resistenz der Mikroorganismen erhöht werden, damit die Partnerbetriebe (Audi, L’Oréal, Butagaz, Arkema, Clariant, INEAOS) ausreichend Isobuten (einige Tonnen) für ihre Tests erhalten.

Die nächste Etappe für Global Bioenergies ist der Aufbau einer Produktionsanlage in Frankreich (in der Umgebung von Troyes oder Reims). Dafür sucht Global Bioenergies neue Partner, mit denen dieses 115 Millionen Euro Projekt umgesetzt werden kann.

 

Quellen:

– ꞌꞌLeuna: Bio-Isobuten-Anlage läuftꞌꞌ, Artikel aus bioökonomie.de, 15.05.2017 –

– ꞌꞌLes premiers pas du carburant bactérienꞌꞌ, Artikel aus Le Figaro, 15.05.2017 –  http://www.lefigaro.fr/sciences/2017/05/15/01008-20170515ARTFIG00253-les-premiers-pas-du-carburant-bacterien.php

– Teilnahme des Redakteurs an der Eröffnung

Redakteur: Luc Massat, luc.massat@diplomatie.gouv.fr