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Die Europäische Kommission veröffentlicht einen Expertenbericht des Französischen Instituts für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (IRSN) zur Jod-Prophylaxe

Der Bericht informiert detailliert über die Auswirklungen der präventiven Jod-Verabreichung sowie über die praktische Umsetzung im Falle eines Atomunglücks in der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten und Japan. Er schließt mit Empfehlungen für eine Vereinheitlichung der praktischen Anwendungen innerhalb der EU.


Bei einem Kernreaktorunfall kann eine große Menge radioaktiver Stoffe (insbesondere Jod-Isotope) in die Atmosphäre freigesetzt werden. Das radioaktive Jod ist besonders gefährlich, da die Schilddrüse das Jod bindet, das der menschliche Körper aufnimmt oder inhaliert (die Schilddrüse produziert die Schilddrüsenhormone, die Jod enthalten). Das Krebsrisiko steigt dadurch beträchtlich. Um diese Risken zu minimieren, werden in den meisten Ländern im Falle eines Atomunfalls stabile, d.h. nicht radioaktive Jod-Tabletten ausgegeben, durch die das radioaktive Jod nicht mehr gebunden werden kann.

 

Der von der Europäischen Kommission kürzlich im Internet veröffentlichte Bericht informiert detailliert über die Auswirklungen der präventiven Jod-Verabreichung (einschließlich der Nebenwirkungen – die nur unzureichend bekannt sind, da es selten zu einer massiven Jod-Verabreichung kommt) sowie über die praktische Umsetzung im Falle eines Atomunglücks in der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten und Japan. Der Bericht geht insbesondere ein auf: die Verabreichungsform von Jod (als Kaliumiodid KI oder Kaliumiodat KIO3), die Dosierung, die Zielbevölkerung, die Information der Öffentlichkeit vor und während eines Notfalls, die Kommunikation mit den Nachbarländern… Der Bericht schließt mit Empfehlungen für eine Vereinheitlichung der praktischen Anwendungen innerhalb der EU.

 

Das IRSN (Institut für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit) ist eine französische Einrichtung zur Erforschung und Einschätzung der Risken im Bereich nukleare Sicherheit und Strahlenschutz. Sein Tätigkeitsfeld ist umfassend: die Bewertung und Verbesserung der Sicherheit technischer Anlagen, die Weiterentwicklung des Schutzes von Mensch und Umwelt vor Gefahren und Risiken solcher Anlagen, usw. Die vom IRSN verfassten Gutachten und Publikationen sind für die breite Öffentlichkeit auf der Internetseite frei zugänglich.

 

Zu den Geschehnissen in Japan veröffentlicht das IRSN täglich einen aktuellen Bericht über die Lage in Japan, die Situation im Atomkraftwerk Fukushima [1] sowie Karten von Frankreich über den gemessenen Strahlenwert im gesamten Staatsgebiet [2]. Zahlreiche andere Unterlagen sowie ein Überblick über die Ausbreitung der radioaktiven Partikel können ebenfalls abgerufen werden.

 

[1] http://www.irsn.fr/FR/Actualites_presse/Actualites/Pages/actualite.aspx

[2] http://criter.irsn.fr/exercice/acteur/

Weitere Informationen:

– Link zum Bericht (auf Englisch, 68 Seiten)

http://ec.europa.eu/energy/nuclear/radiation_protection/doc/reports/2010_stable_iodine_report.pdf

– Internetseite des IRSN (englische Version verfügbar)

http://www.irsn.fr/FR/Documents/home.htm

Quellen:

“La Lettre de l’IRSN”, Internetseite der Europäischen Kommission – März 2011

http://ec.europa.eu/energy/nuclear/radiation_protection/radiation_protection_en.htm

Redakteur:

Maxime Enderli, maxime.enderli@diplomatie.gouv.fr