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Die französische Aufsichtsbehörde für nukleare Sicherheit beurteilt in ihrem Jahresbericht 2010 die Unterhaltung der von EDF betriebenen KKW kritisch

Der vierte Jahresbericht der “Autorité de sûreté nucléaire” seit deren Gründung im Jahre 2006 wurde durch das starke Erdbeben und den nachfolgenden Tsunami ausgelösten schweren Reaktorunfall von Fukushima überlagert. Er hat aber in seinen Aussagen gleichwohl nicht an Aktualität eingebüßt.


Der vierte Jahresbericht der französischen Behörde für nukleare Sicherheit (ASN) seit deren Gründung im Jahre 2006 wurde durch das starke Erdbeben und den nachfolgenden Tsunami ausgelösten schweren Reaktorunfall von Fukushima überlagert. Er hat aber in seinen Aussagen gleichwohl nicht an Aktualität eingebüßt.

 

Der 468 Seiten umfassende Bericht “Der Stand der nuklearen Sicherheit und des Strahlenschutzes in Frankreich“, der die durch den Reaktorunfall von Fukushima (11.3.2011) aufgeworfenen Fragen nicht mehr berücksichtigen konnte, war am 30.3.2011 Gegenstand einer Anhörung durch das Parlamentarische Amt für die Bewertung der wissenschaftlichen und technologischen Entscheidungen (OPECST). OPECST seinerseits wird sich unter dem Arbeitstitel “Die nukleare Sicherheit: die Kernenergieanlagen und ihre Zukunft” mit den durch den Reaktorunfall von Fukushima aufgeworfenen grundsätzlichen Fragen befassen. Ein Zwischenbericht von OPECST wird Ende Juni 2011 erwartet. Der endgültige OPECST-Bericht ist für Ende des Jahres 2011 in Aussicht gestellt worden.

 

Premierminister Fillon hat parallel dazu in einem Schreiben vom 23.3.2011 an den Präsidenten die von der Regierung unabhängige Behörde ASN gebeten, im Lichte des Reaktorunfalls von Fukushima eine Studie über die Sicherheit von Kernenergieanlagen, mit Vorrang der Kernkraftwerke, zu erstellen. Die Prüfung soll sich auf folgende fünf Punkte erstrecken:

 

  • die Risiken infolge von Überschwemmungen
  • die Risiken von Erdbeben
  • den Ausfall der ein KKW versorgenden Elektrizität
  • den Ausfall des Kühlsytems
  • die operationelle Beherrschung von Notfallsituationen

 

Die Studie soll für jeden einzelnen Punkt prüfen, ob im Lichte des Reaktorunfalls von Fukushima Verbesserungen notwendig sind. Die ASN soll binnen Monatsfrist eine Problemliste und einen Ablaufplan zur Durchführung der Evaluierung erstellen. Auf die Kohärenz mit den auf europäischer Ebene (ENSREG) laufenden Arbeiten soll geachtet werden. Von der französischen Regierung werden erste Schlußfolgerungn für Ende 2011 erwartet.

 

Zum ASN-Jahresbericht 2010 u.a.:

 

Die ASN hat im Jahre 2010 vor Ort 1964 Inspektionen durchgeführt, davon 25% unangemeldet. Die Behörde beurteilte die nukleare Sicherheit und den Strahlenschutz in Frankreich im Jahre 2010 als “von einem ziemlich befriedigenden Niveau”; das gelte trotz 1107 Störfällen – davon drei des “Niveaus 2”. Die Kritik der ASN an der Unterhaltung der von EDF an 19 Standorten betriebenen Kernkraftwerke richtet sich hauptsächlich gegen die zögerliche Durchführung einer Anzahl von Unterhaltungsmaßnahmen bzw. das Hinausschieben des Austauschs von Komponenten.

 

Der Einsatz radioaktiver Techniken im medizinischen Bereich ist für die ASN wegen des noch nicht behobenen Mangels an einschlägig ausgebildeten praktizierenden Ärzten Gegenstand von Besorgnissen. Die ASN ist über die wachsende Strahlenbelastung als Folge medizinischer Behandlungen, die in den USA und in Japan schon Gegenstand starker Kritik geworden sei, beunruhigt.

 

In Frankreich gehe es darum, einer Entwicklung in Richtung eines stärkeren Einsatzes bildgebender Verfahren mittels elektromagnetischer Resonanz (IRM / MRT / MRI) gegenüber dem Einsatz von Scannern den Vorzug zu geben; letztere seien mit Dosen von bis zu 20 mSv verbunden. Die Fachgesellschaften seien gefordert, die praktizierenden Ärzte stärker zu sensibilisieren. Es müssten mehr Mittel für eine stärkere Verfügbarkeit von IRM zur Verfügung gestellt werden.

 

In seinen Ausführungen vor den Mitgliedern des OPECST bemerkte der ASN-Präsident André-Claude Lacoste zu der in letzter Zeit geführten Diskussion um die Sicherheitsanforderungen der Reaktoren der dritten Generation (EPR), die von bestimmter Seite  für den Verlust des Exportauftrages in Abou Dhabi zugunsten eines südkoreanischen Herstellers verantwortlich gemacht werden, diese Argumente seien künftig “einer anderen Welt zuzurechnen”. In diesem Zusammenhang wies er auf die offensichtlichen Hindernisse hin, die einer Kontrolle des eventuellen Verkaufs von “low cost”-Reaktoren entgegenstehen.

Weitere Informationen:

http://rapport-annuel2010.asn.fr/telechargements/rapport-annuel-2010.html (auf Französisch)

Webseite der ASN (auf Englisch): http://www.french-nuclear-safety.fr/

 

Quelle:

http://www.kooperation-international.de/frankreich/themes/info/detail/data/55126/

www.senat.fr

Redakteur:

Dr. Hermann Schmitz-Wenzel, DFGWT