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Frankreich in zehn Jahren – Mehr Innovation und Exzellenzuniversitäten

Der Generalkommissar für Strategie und Vorausschau, Jean Pisani-Ferry, überreichte Staatspräsident François Hollande und Premierminister Manuel Valls am 25. Juni 2014 in Form eines Berichts die Ergebnisse und Empfehlungen zu den großen “Baustellen”, denen sich Frankreich in den kommenden zehn Jahren stellen sollte. Unter anderem empfiehlt der Bericht “Welches Frankreich in zehn Jahren?” den Aufbau von zehn Exzellenzuniversitäten und eine Umgestaltung des Innovationssystems.


Der Generalkommissar für Strategie und Vorausschau, Jean Pisani-Ferry, überreichte Staatspräsident François Hollande und Premierminister Manuel Valls am 25. Juni 2014 in Form eines Berichts die Ergebnisse und Empfehlungen zu den großen “Baustellen”, denen sich Frankreich in den kommenden zehn Jahren stellen sollte. Unter anderem empfiehlt der Bericht “Welches Frankreich in zehn Jahren?” den Aufbau von zehn Exzellenzuniversitäten und eine Umgestaltung des Innovationssystems.

 

Wie Pisani-Ferry mitteilte, sei das Ziel des Berichts (“Quelle France dans dix ans? – Les chantiers de la décennie”), dass Frankreich “wieder Schule macht, weltweit zur Referenz wird und zu den zehn Ländern zählt, in denen man am besten lebt.” Im Auftrag der Regierung wurde hierfür eine breite, landesweite Konsultation durchgeführt. In einem ersten Schritt versuchte das Generalkommissariat, die Erwartungen und Bedürfnisse der Bürger zu verstehen und verglich die Entwicklung Frankreichs in den letzten 25 Jahren mit der anderer Länder. Schließlich wurden acht Ziele entwickelt, die als prioritär eingeschätzt werden, um die erfolgreiche Zukunft des Landes zu sichern. Für jedes Ziel nennt der Bericht mehrere messbare Indikatoren anhand derer die Umsetzung gemessen werden kann. Die Studie wird von fünf thematischen Einzelberichten untermauert: die Zukunft des französischen Produktionsmodells, die Reform des Sozialmodells, die Nachhaltigkeit des französischen Wachstums, das « Miteinander » in der Republik und das europäische Projekt. Die Autoren geben keine kleinteiligen Reformanweisungen. Vielmehr verstehen sie ihr Werk als eine Art Fahrplan, aus dem nun durch die Politik konkrete Schritte abzuleiten sind.

 

Hochschulbildung, Forschung und Innovation werden in “Quelle France dans dix ans?” unter der Perspektive des alles überragenden Themas des Wirtschaftswachstums betrachtet und sind für die Autoren elementare Bereiche für einen positiven Wandel.

 

Hochschulen

Im Bereich der Hochschulbildung herrsche ein intensiver internationaler Wettbewerb. Um zu bestehen, müssten die Universitäten zu “kohärenten” Einheiten werden, die auch Elitenbildung (“Grandes Écoles”) und Forschungseinrichtungen umfassen. Der Bericht sieht Platz für etwa zehn pluridisziplinäre Exzellenz-Universitäten. Damit die Universitäten ihre wichtige Rolle in der Industriepolitik erfüllen können, müsste zudem ihre Autonomie weiter verstärkt werden. Die Investition in MOOCs (Massive Open Online Courses) sowie allgemein in digitale Lehrinstrumente halten die Autoren für wesentlich um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Neben der Betonung der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung von Hochschulabsolventen werden französische Studierende insbesondere ermutigt, mehr ins Ausland zu gehen, in zehn Jahren sollten es 20 statt 10% sein. Auch die Zahl der ausländischen Studierenden, die nach Frankreich kommen, sollte sich von 270.000 (6,2%) auf 470.000 steigern. Zudem seien diese Studierenden aus anderen Ländern eine Einnahmequelle, die die französischen Hochschulen nutzen müssten (begleitet von einem Stipendiensystem).

 

Forschung und Innovation

Die Kooperation von Wirtschaft und Forschung sei trotz positiver Entwicklungen weiter ausbaufähig und zu sehr durch große nationale Programme mit etablierten Unternehmen geprägt. Der Bericht hält fest, dass kleine innovative Unternehmen Platz zum Wachsen bräuchten, auch wenn das zum Nachteil anderer Firmen und der damit in Zusammenhang stehenden Standortpolitik sei. Um das Wirtschaftswachstum nachhaltig anzukurbeln, müsse unter anderem in Kompetenzen sowie innovative Produkte und Prozesse investiert werden. Die Gleichung hierzu lautet: “Das Wichtigste ist ohne Zweifel unsere Fähigkeit, Ideen in Möglichkeiten zu verwandeln, die Möglichkeiten in Wachstumsfaktoren und das Wachstum in gemeinsamen Wohlstand, (…).” (S. 138) Ziel sollte es demnach sein, den Anteil innovativer KMUs auf 50% zu erhöhen. Unternehmen sollten sich mit 2% am BIP-Aufwand für Forschung und Entwicklung beteiligen (aktuell 1,4%). Die Zahl der Unternehmen mit 250 bis 5.000 Angestellten (“Entreprises de taille intermédiaire”) sollte von 4.300 auf 5.300 steigen. Diese Unternehmen werden als besonders wichtig für das Wirtschaftswachstum eingeschätzt. Auch müsse deutlich mehr in die Weiterbildung der Arbeitnehmer investiert werden und diese sollten sich in ihren Unternehmen aktiv mitbestimmen können. Unternehmen müssten weiterhin ihre Struktur und ihre Produktionsmodelle hinsichtlich der Chancen durch Digitalisierung überdenken. Die Autoren plädieren zudem an mehreren Stellen des Berichts für nachhaltiges Handeln.

 

Das Generalkommissariat für Strategie und Vorausschau wurde anlässlich der Veröfffentlichung von “Quelle France dans dix ans?” in “France Stratégie” umbenannt.

 

Quelle: Commissariat général à la stratégie et à la prospective / France Stratégie www.strategie.gouv.fr/blog/2014/06/rapport-quelle-france-10-ans/

 

Redaktion: Schlütter, Deutsch-Französische Hochschule