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Geothermieanlage für den Flughafen Paris-Le Bourget

Nach der erfolgreichen Durchführung von geologischen Erhebungen und Tests hat die Flughafengesellschaft Aéroports de Paris eine oberflächennahe Geothermie-Anlage in Betrieb genommen, die fast 70 % seiner internen Bedürfnisse auf dem Flughafen Paris-Le Bourget abdeckt.


Nach der erfolgreichen Durchführung von geologischen Erhebungen und Tests hat die Flughafengesellschaft Aéroports de Paris eine oberflächennahe Geothermie-Anlage in Betrieb genommen, die fast 70 % seiner internen Bedürfnisse auf dem Flughafen Paris-Le Bourget abdeckt.

 

Geothermie (Erdwärme) ist die unterhalb der festen Oberfläche der Erde gespeicherte Wärmeenergie. Je tiefer man in das Innere der Erde vordringt, desto wärmer wird es. In Mitteleuropa nimmt die Temperatur um etwa 3 °C pro 100 Meter Tiefe zu. Man geht davon aus, dass im Erdkern Temperaturen von etwa 5.000 – 7.000 °C erreicht werden. Aus dem Inneren unseres Planeten steigt ein ständiger Strom von Energie an die Oberfläche. 30 % des an die Erdoberfläche steigenden Energiestroms kommen aus dem heißen Erdkern selbst. 70 % entstehen durch den ständigen Zerfall natürlicher radioaktiver Elemente in Erdmantel und Erdkruste.

 

Je nach Tiefe der Bohrung unterscheidet man zwei Arten der Geothermie: Oberflächennahe Geothermie und tiefe Geothermie. Die oberflächennahe Geothermie nutzt Bohrungen bis ca. 400 Meter Tiefe und Temperaturen bis 25 °C für das Beheizen und Kühlen von Gebäuden, technischen Anlagen oder Infrastruktureinrichtungen. Die Wärme wird also aus dem oberflächennahen Untergrund gewonnen. Dabei wird zunächst meist ein Wärmetauscher eingesetzt. Das bedeutet, Wasser oder eine Wärmeträgerflüssigkeit zirkuliert in einem geschlossenen Rohrsystem im Untergrund und nimmt die Wärme aus dem Boden auf. Diese Wärme wird an der Oberfläche an die Wärmepumpe abgegeben und durch sie auf das zum Heizen notwendige Temperaturniveau gebracht. Der Untergrund kann aber auch direkt als Quelle für Klimakälte genutzt werden, was eine aufwendige Kälteerzeugung in Klimaanlagen spart. Typische Systeme der oberflächennahen Geothermie sind Erdkollektoren, Erdwärmesonden, Grundwasserbrunnen oder auch erdberührte Betonbauteile (“Energiepfähle”).

 

Die Anlage auf dem Flughafen Paris-le Bourget besteht aus Bohrungen in 100 m Tiefe und extrahiert die Wärme mit Hilfe einer elektrischen Wärmepumpe, die durch eine 600 m2 große Photovoltaikfarm betrieben wird. Es können somit 650 MWh Wärme und 400 MWh an Kälte erzeugt werden. Das entspricht dem Äquivalent von 93 Häusern, die mit erneuerbarer Energie beheizt werden. Die Kalorien werden aus dem Boden mit Hilfe von 40 vertikalen Erdwärmesonden (7800 m an installierten Rohren) auf einer Fläche von 2500 m² extrahiert und dienen zum Beheizen von Bürogebäuden und Lagerhallen von fast 13 000 m2. Dank der Geothermieanlage werden etwa 120 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr eingespart.

 

Das System erzeugt ebenfalls Kälte, die in das Kühlernetz eingespeist wird. Durch eine intelligente Steuerung und eine spezielle Software wird die gleichzeitige Erzeugung von Wärme und Kälte somit optimiert.

 

Die Gruppe Aéroports de Paris hat sich verpflichtet, die Auswirkungen ihrer Aktivitäten auf die Umwelt zu verringern. Ziel ist eine Einsparung von 50 % an CO2-Emissionen der Flughafeninfrastruktur pro Passagier in dem Zeitraum von 2009-2020. Der Anteil an erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch soll zudem auf 15 % im Jahr 2020 ansteigen.

 

 

Quelle: “Paris-Le Bourget se lance dans la géothermie”, Artikel aus dem online Magazin Enerzine, 08.01.2016 – http://www.enerzine.com/4/18982+paris-le-bourget-se-lance-dans-la-geothermie+.html

 

Redakteurin: Daniela Niethammer, daniela.niethammer@diplomatie.gouv.fr