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Erste Etappe der Zusammenarbeit zwischen den Naturkundemuseen in Berlin und Paris

Gilles Boeuf, Präsident des Nationalen Museums für Naturkunde (MNHN) in Paris, war zu einem 5-tägigen Besuch in Berlin, um sich mit den wichtigsten Akteuren der deutschen Forschung im Bereich Biodiversität und Artenerhalt zu treffen. Dieser Besuch war auch die Gelegenheit, mit Johannes Vogel, Generaldirektor des Naturkundemuseums in Berlin, über die Rolle einer solchen Institution im 21. Jahrhundert zu sprechen.


Gilles Boeuf, Präsident des Nationalen Museums für Naturkunde (MNHN) in Paris, war zu einem 5-tägigen Besuch in Berlin, um sich mit den wichtigsten Akteuren der deutschen Forschung im Bereich Biodiversität und Artenerhalt zu treffen. Dieser Besuch war auch die Gelegenheit, mit Johannes Vogel, Generaldirektor des Naturkundemuseums in Berlin, über die Rolle einer solchen Institution im 21. Jahrhundert zu sprechen.

 

Mit 30 Millionen Sammlungsobjekten (1% der weltweit existierenden Sammlungen; Paris besitzt 2%) ist das Naturkundemuseum Berlin das wichtigste Naturkundemuseum in ganz Deutschland und liegt weltweit an 5. Stelle.

 

Museen dienen der wissenschaftlichen Forschung und der Bildung. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehören:

 

1)      Der Erhalt und die Vervollständigung ihrer Sammlungen

2)      Die Durchführung von wissenschaftlichen Untersuchungen anhand der Sammlungen

3)      Begeisterung der Öffentlichkeit für eine aktive Teilnahme durch Ausstellungen, die eng mit laufenden wissenschaftlichen Untersuchungen zusammenhängen

 

Sie sind für politische Entscheidungsträger eine wichtige Informationsquelle, auch wenn sich die Mehrheit bislang nur wenig des Nutzens ihrer Sammlungen für heutige wissenschaftliche Studien bewusst ist. Die Sammlungen sind wahre DNA-Quellen und oft genug der Ausgangspunkt für neue Entdeckungen. Es gibt einen regen Austausch und beachtliche finanzielle Mittel wurden für die digitale Archivierung der Sammlungsobjekte aufgewendet (z.B. Vergabe eines Codes zur schnelleren Auffindung eines Exemplars). Die der Öffentlichkeit zugänglichen Ausstellungen sind gewissermaßen die ″sichtbare Spitze″ des Eisbergs der wissenschaftlichen Arbeit der Museen.

 

Neue Wege der Zusammenarbeit: ″Wir haben eine gemeinsame Geschichte, wir brauchen auch eine gemeinsame Zukunft″

 

Das wichtigste Ergebnis des Treffens zwischen den beiden Museumsdirektoren ist die Festlegung eines gemeinsamen Protokolls zwischen Berlin, Paris und London (Prof. Vogel war 25 Jahre am Natural History Museum in London tätig, bevor er im Februar 2012 nach Berlin zurückkehrte). In diesem Protokoll soll die Rolle eines Naturkundemuseums des 21. Jahrhundert auf wissenschaftlicher, sozialer und politischer Ebene festgelegt werden. ″Museen repräsentieren die Wissenschaft im Zentrum der Gesellschaft″, so Johannes Vogel. Diese Institutionen fungieren tatsächlich wie eine Art Schnittstelle zwischen der Wissenschaft und der zivilen Gesellschaft. Sie sind wesentlich leichter zugänglich und bekannter als andere Einrichtungen der Grundlagen- und angewandten Forschung (Privatlabore, Universitäten).

 

Des Weiteren wollen sich beide Direktoren dafür einsetzen, dass ihre Museen als vollwertige wissenschaftliche Akteure anerkannt werden:

 

1) Durch die Integration ihrer Sammlungen in die Kategorie ″Großgeräte″: wissenschaftliche Geräte von großer Bedeutung, ebenso wie bestimmte Infrastrukturen (Teleskope, Unterwasserfahrzeuge, etc.)

2) Mithilfe der Durchführung großer Expeditionen, die bereits heute regelmäßig stattfinden

3) Indem die bereits gestarteten Bürgerwissenschaftsprojekte (z.B. ″Frühlingsforscher″) weiter ausgebaut werden. Durch diesen Beitrag erfahrener Bürger, die jedes Jahr viele Stunden natürliche Ereignisse/Lebewesen beobachten, können nicht nur die Ergebnisse um ein Vielfaches erhöht werden, sondern sie werden durch diese Beobachtungen noch untermauert.

 

Beide Direktoren möchten überdies jährliche Treffen organisieren. Sie sollen in Form von Workshops stattfinden, an denen rund 10 Forscher jeder Einrichtung teilnehmen, um gemeinsam an den laufenden Programmen zu arbeiten und künftige gemeinsame Projekte zu planen. Außerdem sei die Durchführung einer Konferenz angedacht, wo Politiker, Journalisten, Wissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler und Bürger gemeinsam über die Rolle des Naturkundemuseums des 21. Jahrhundert diskutieren könnten.

 

Schließlich bekräftigten beide Direktoren ihren Wunsch, auch weiterhin eine wichtige politische Rolle bei der Entscheidungsfindung zu bedeutenden sozialen Herausforderungen spielen zu wollen. “Teilen ist eine Sache der Überzeugung”, so Gilles Boeuf. “Die Kooperationen und die sich daraus ergebende Sichtbarkeit wären ein deutliches Zeichen für die Positionierung innerhalb der Gesellschaft.”

 

Kontakte:

–          Dr. Andreas Kunkel – Wissenschaftlicher Geschäftsführer und Assistent des Direktors des Naturkundemuseums in Berlin – Tel.: +49 30 20 93 8690 – E-Mail: andreas.kunkel@mfn-berlin.de

–          Prof. Johannes Vogel – Generaldirektor des Naturkundemuseums in Berlin – Tel.: +49 30 20 93 8544 – E-Mail: johannes.vogel@mfn-berlin.de

–          Prof. Gilles Boeuf – Président du Muséum national d’Histoire naturelle de Paris – tél. : +33 1 40 79 37 77

 

Redakteur: Clément Guyot, clement.guyot@diplomatie.gouv.fr – http://www.science-allemagne.fr

 

Übersetzung: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr