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One Planet Summit: Verpflichtungen zur Förderung der biologischen Vielfalt

Der vierte One Planet Summit am 11. Januar 2021 brachte Entscheidungsträger aus aller Welt zusammen, um den internationalen Naturschutz zu beschleunigen.

One Planet Summit: Verpflichtungen zur Förderung der biologischen Vielfalt

Der vierte One Planet Summit am 11. Januar 2021 brachte Entscheidungsträger aus aller Welt zusammen, um den internationalen Naturschutz zu beschleunigen.

An dem Gipfeltreffen nahmen 11 Staats- und Regierungschefs (Deutschland, Kanada, Costa Rica, Frankreich, Italien, Mauretanien, Monaco, Norwegen, Niederlande, Demokratische Republik Kongo und Vereinigtes Königreich) sowie der Generalsekretär der Vereinten Nationen, der Prinz von Wales, die Präsidentin der Europäischen Kommission und der Präsident des Europäischen Rates teil.

Die wichtigsten Ergebnisse des Gipfels sind:

  1. Schutz der terrestrischen und marinen Ökosysteme

Frankreich und Costa Rica riefen das Naturschutz-Bündnis High Ambition Coalition for Nature and People ins Leben, mit dem die Voraussetzungen dafür geschaffen werden sollen, dass Ende des Jahres bei der Vertragsstaatenkonferenz für biologische Vielfalt ehrgeizige Ziele zum Naturschutz formuliert werden. Diesem Bündnis schlossen sich beim Gipfel 52 Staaten an, die sich dazu verpflichten, bis 2030 weltweit mindestens 30 % der Land- und Meeresflächen zu schützen.

Der französische Staatspräsident kündigte an, dass sich Frankreich verpflichtet, dieses Ziel bereits 2022 für seine Land- und Meeresflächen zu erreichen. Ferner kündigte er die Veröffentlichung der Strategie für Schutzgebiete an, die den beabsichtigten Kurs zur Erreichung dieses Ziels dokumentieren wird. Die personellen Ressourcen der betreffenden öffentlichen Akteure werden in den nächsten drei Jahren aufgestockt, insbesondere durch den staatlich organisierten Freiwilligendienst.

Ferner wurde auf dem Gipfel von Spanien, Frankreich und dem Fürstentum Monaco ein neues Bündnis für das Mittelmeer – „Beispielhaftes Mittelmeer im Jahr 2030“ – ins Leben gerufen, das sich 4 Ziele setzt: (1) Aufbau eines Netzes von Schutzgebieten; (2) Beendigung der Überfischung; (3) Bekämpfung der Meeresverschmutzung und von Einwegkunststoffen; (4) Ökologisierung des Seeverkehrs. Dieser Zusammenschluss wird sich weiterhin darum bemühen, andere Staaten des Mittelmeerraums, aber auch regionale und lokale Akteure sowie die Zivilgesellschaft und den Privatsektor zu mobilisieren. Der „Sommet des deux rives“ (Gipfel der zwei Mittelmeerküsten) und der Kongress der Weltnaturschutzunion IUCN in Marseille werden die Gelegenheit bieten, diese Dynamik zu verstärken.

2. Förderung der Agrarökologie

In der Erkenntnis, dass die Agrarökologie zum Erhalt der biologischen Vielfalt beiträgt und gleichzeitig den Zielen der nachhaltigen Entwicklung und der Schaffung von Arbeitsplätzen gerecht wird, wurde auf dem One Planet Summit beschlossen, sie zu einem internationalen Handlungsschwerpunkt zu machen.

Handlungsbedarf besteht vor allem in Afrika, da hier die Auswirkungen des Klimawandels, des Verlusts von landwirtschaftlich nutzbarem Boden sowie der biologischen Vielfalt besonders spürbar sind und die Ernährungssicherheit vieler Länder bedrohen. Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt der „Großen Grünen Mauer“ ins Leben gerufen. Ziel dieser Multi-Stakeholder-Initiative ist es, die finanziellen Anstrengungen aller Geldgeber zu bündeln und der in den 1980er Jahren initiierten ehrgeizigen afrikanischen Initiative neue Impulse zu verleihen, um die Sahelzone zu begrünen. Die verschiedenen Partner der Initiative haben sich verpflichtet, bis 2025 für die 11 betroffenen Länder etwa 14 Mrd. Euro (16,85 Mrd. USD) an internationalen Finanzierungen bereitzustellen.

14,3 Milliarden Dollar sind bereits geplant. Die Präsidentin der Europäischen Kommission kündigte an, dass sie in ihrer derzeit in Vorbereitung befindlichen Haushaltsplanung finanzielle Mittel von über 2,5 Mrd. Euro für das Projekt bereithalten könnte. Mehr als 100 Unternehmen, die sich unter dem Dach der Charta der IAM AFRICA (International Agroecological Movement for Africa) zusammengeschlossen haben, haben sich ebenfalls dazu verpflichtet, zur Umsetzung der Ziele des agrar-ökologischen Übergangsprozesses in den Ländern der Großen Grünen Mauer beizutragen. Im Rahmen des Übereinkommens der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung wurde ein Sekretariat zur Überwachung der Erfüllung dieser Verpflichtungen eingerichtet. Der französische Staatspräsident will diese Initiative während des nächsten Afrika-Frankreich-Gipfels im kommenden Juli in Montpellier voranbringen.

Zudem kündigte Emmanuel Macron an, dass sich Frankreich an der Pflanzung von Bäumen über eine Fläche von 7000 km bis 2022 beteiligen wird und bekräftigte damit die Neubelebung des agrar-ökologischen Wandels der französischen Landwirtschaft im Rahmen des Wiederaufbauplans.

3. Bereitstellung von Finanzmitteln für die biologische Vielfalt

Auf Initiative des Prince of Wales wurde die Natural Capital Investment Alliance ins Leben gerufen, der bereits die drei Gründungspartner, HSBC Pollination Climate Asset Management, Lombard Odier und Mirova, angehören. Sie bringt Finanzakteure zusammen, die ihre Investitionen in die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt erhöhen wollen. Ihr Ziel ist es, bis 2022 10 Milliarden Dollar für die Natur aufzubringen.

Die amerikanische Gesundheitsorganisation PAHO hat den Grundstein für ein Bündnis zur Konvergenz der für Klima und Biodiversität bereitgestellten Mittel gelegt, mit dem verstärkt Synergien zwischen Klimaschutz und Erhalt der Biosphäre geschaffen werden sollen. Ziel ist es, den Anteil der Finanzierungen für das Klima auch der biologischen Vielfalt zugutekommen zu lassen. Dieser Grundsatz wurde von Kanada, Frankreich, Norwegen und dem Vereinigten Königreich unterstützt.

Der französische Staatspräsident wies darauf hin, dass auf nationaler Ebene mindestens 30 % der Klimaschutzfinanzierungen bis 2030 auch der biologischen Vielfalt zugutekommen werden. Dieses Ziel wird bereits 2025 mit den durch die französische Entwicklungsagentur (AFD) bereitgestellten Finanzmitteln erreicht.

Die PAHO war die Gelegenheit, der Taskforce on Nature-related Financial Disclosure (TNFD) insbesondere durch Kanada, Frankreich und dem Vereinigten Königreich weitere politische Impulse zu geben. Diese Initiative, die von öffentlichen und privaten Akteuren, darunter einige führende Finanzinstitute, unterstützt wird, wird – nach dem Vorbild der Expertenkommission Task Force on Climate-related Financial Disclosures TCFD für den Klimawandel – die Entwicklung eines Rahmens zur Einschätzung von Risiken, Auswirkungen und Vorteilen der Wirtschaftsaktivität auf die biologische Vielfalt ermöglichen.

Ferner kündigte Kanada an, dass es bis zu 55 Mio. C$ (35,3 Mio. Euro) zum Land Degradation Neutrality Fund (LDN) beitragen wird, um nachhaltige Landbewirtschaftung und -sanierung insbesondere in Afrika zu unterstützen. Frankreich hat angekündigt, diese Initiative ebenfalls zu unterstützen. Mit dieser Ankündigung, die zusätzliche Investitionen des Privatsektors bündeln wird, kann es über den LDN-Fonds gelingen, die bei seiner Gründung auf dem One Planet Summit im Dezember 2017 gesetzten Ziele zu erreichen.

4. Schutz von Wäldern, Arten und der menschlichen Gesundheit

Frankreich hat die Initiative PREZODE (PREventing ZOonotic Diseases Emergence) ins Leben gerufen, die mit Unterstützung der Welternährungsorganisation FAO eine beispiellose internationale Zusammenarbeit zwischen Forschungsakteuren und Netzwerken zur Gesundheitsüberwachung einleiten wird, mit dem Ziel, neue Zoonosen (durch Tiere ausgelöste Pandemien) zu verhindern. Sie arbeitet in Abstimmung mit zahlreichen europäischen Forschungsakteuren und wird bereits von über 400 Forschern und Experten für die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt auf internationaler Ebene unterstützt.

Auf dem One Planet Summit wurde eine Zwischenbilanz über die Allianz zur Rettung des Amazonasgebiets gezogen, die 2019 auf dem G7-Gipfel angekündigt wurde. Deutschland und die Demokratische Republik Kongo haben ihren Beitritt zur Allianz angekündigt.

Im Rahmen der Debatte über die „importierte Abholzung“ verpflichteten sich das EU-Parlament und die Europäische Kommission zusätzlich zu den von Frankreich und den Niederlanden entwickelten nationalen Strategien, bereits im Laufe des Jahres 2021 konsequente Entscheidungen zur Bekämpfung der „importierten Abholzung“ zu treffen. Der französische Staatspräsident wies seinerseits darauf hin, dass Frankreich zusätzlich zu diesen Entscheidungen seine vor wenigen Wochen veröffentlichte „Nationale Strategie zu Pflanzenproteinen für die menschliche und tierische Ernährung“ umsetzen werde. In Ergänzung dieser Maßnahme forderte er zudem zur Kooperation zwischen Europa und Afrika auf, um dort die Produktion von Pflanzenproteinen mit Hilfe agrar-ökologischer Methoden zu steigern. Ziel ist es, die Ernährungssicherheit in Afrika zu verbessern und gleichzeitig zur Versorgung der Europäischen Union mit pflanzlichen Proteinen beizutragen.

Der französische Staatspräsident bekräftigte seine Entschlossenheit, all diesen Verpflichtungen nachzukommen, und legte den vom 3. bis 11. September 2021 in Marseille stattfindenden IUCN-Kongress für eine Zwischenbilanz fest.

Quelle: Pressemitteilung des Pressedienstes des Élysée