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Airseas entwickelt ein riesiges Windsegel zum Abschleppen von Frachtschiffen, um die Meeresverschmutzung zu reduzieren

Das französische Start-up Airseas, das 2016 in Toulouse gegründet wurde und 2020 seinen Firmensitz nach Nantes verlegte, wird riesige Segel zum Abschleppen von Handelsschiffen produzieren und vermarkten. Dadurch sollen 20-40 % Treibstoff eingespart und die Treibhausgasemissionen um den gleichen Betrag reduziert werden. Das von Airseas entwickelte Seawing-System wird 2021 auf den Markt gebracht.


Airseas wird unterstützt durch seinem Aktionär Airbus, die französische Agentur für Umweltschutz und Energie (ADEME), die Regionen Okzitanien und Pays-de-Loire sowie seine Partner LMG Marin France, ENSM, Nervures und MAXSEA. Das Start-up wurde zum Schutz des Planeten und der Ozeane gegründet und hat zum Ziel, alle Schiffe kostenlos und unbegrenzt mit Energie zu versorgen. Es will den maritimen Sektor durch eine bahnbrechende Technologie revolutionieren, die sein aeronautisches Know-how mit maritimen Innovationen kombiniert und in einem innovativen Produkt mündet: Seawing.

Seawing ist ein auf Windkraft basierendes Antriebssystem für Schiffe. Es besteht aus einem flexiblen Segel, mit dem die Windenergie genutzt werden soll. Dieses Segel ist sowohl über ein Seil mit dem Schiff am oberen Vorderdeck als auch mit einem Pod verbunden, das die Technik zur Flugsteuerung und den Antrieb enthält. Das Segel wird bei guten Windverhältnissen und auf Initiative des Schiffskapitäns eingesetzt. Der gesamte Betrieb ist jedoch automatisch: Start, Flug, Landung und Lagerung. Airseas und seine Partner haben eine Methode zur Routenoptimierung entwickelt, um unter bestmöglicher Ausnutzung der Wetterverhältnisse einen maximalen Nutzen für die Leistung des Segels zu bieten. Dadurch werden der Bedarf an mechanischer Antriebsleistung des Schiffes und dessen Verbrauch sowie die Schadstoffemissionen deutlich reduziert.

Die Idee ist nicht neu. Ein deutsches Unternehmen arbeitete bereits seit Anfang der 2000er Jahre an diesem Projekt. Jedoch erwies sich ihr System als zu schwer und erforderte die Mitarbeit zu vieler Besatzungsmitglieder.

Ein durch Software gesteuertes dynamisches Segel

Allein 7 Patente wurden auf das System zum Ein- und Ausfahren des Segels eingereicht.

Das 1.000 m² große Segel wird an der Spitze eines 30 bis 35 Meter hohen Mastes gehisst. Es ist über Seile mit dem Schiff verbunden und bewegt sich in 150 m Höhe und beschreibt Achten, um seine Zugkraft um das 5-10-fache zu erhöhen. Auf diese Weise kann es seine Zugleistung auf bis zu 100 Tonnen erhöhen und somit Schiffe von 200.000 Tonnen und einer Länge von 300 Metern ziehen.

Es handelt sich um ein dynamisches Segel, das über ein von der Luftfahrt inspiriertes Navigationssystem gesteuert wird. Auf dem Schiffsdeck benötigt das System, wenn es eingefahren ist, nicht viel mehr Platz als ein 5 x 5 Meter großer Container und entfaltet sich dank der Informationen der Software zur Entscheidungsfindung, die die besten Wetterbedingungen anzeigt, automatisch in 15 Minuten. Ausgestattet mit Sensoren und Software-Systemen kann das System einen Sturm vorhersagen und schaltet sich automatisch ab. Es wurde für Windgeschwindigkeiten von bis zu 75 Stundenkilometern entwickelt.

Revolutionierung der Schifffahrt

Airseas versichert, dass jedes mit dem Seawing-System ausgestattete Schiff 20-45% Treibstoff einsparen (d.h. mindestens ein bis zwei Millionen Euro pro Schiff) und seine Treibhausgasemissionen reduzieren kann. Dies ist umso wichtiger, da die Internationale Schifffahrtsorganisation 2018 das Ziel ausgegeben hat, die Kohlenstoffemissionen von Schiffen bis 2030 um 40 % zu senken. Die weltweite Schifffahrt ist derzeit für 3 % der CO2-Emissionen verantwortlich. Sollte nichts unternommen werden, werden sich diese Emissionen bis 2050 verdreifachen.

Mit diesem innovativen Schiffsantriebssystem könnte der gesamte weltweite Seeverkehr verändert werden.

Quellen: France-culture (Artikel von Anabelle Grelier) https://www.franceculture.fr/economie/airseas-remet-des-voiles-aux-cargos-pour-reduire-la-pollution-des-oceans

Airseas https://www.airseas.com/