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Das Carmat-Kunstherz kommt im zweiten Quartal 2021 in Frankreich und Deutschland auf den Markt.

Die autonome Bioprothese wurde von der europäischen Aufsichtsbehörde zugelassen und als sicher und effektiv für Patienten eingestuft, die auf eine Herztransplantation warten. Dieses von Professor Alain Carpentier* und dem Technologieunternehmen Matra entwickelte Kunstherz könnte die Lösung für Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz werden, indem es eine Transplantation hinauszögert oder sogar unnötig macht.

Das Carmat-Kunstherz kommt im zweiten Quartal 2021 in Frankreich und Deutschland auf den Markt.

Beim CARMAT-Herz handelt es sich um eine Totalherzprothese (im Gegensatz zu den heute häufig verwendeten Herzunterstützungssystemen) für Menschen mit bi-ventrikulärer Herzinsuffizienz im Endstadium. Diese hochmoderne Prothese – die technologisch fortschrittlichste, die sich aber noch in der Entwicklung befindet – bietet unbestreitbare Vorteile für den Patienten und verbessert seine Lebensqualität: Sie ist geräuscharm, pulsierend und selbstregulierend, d.h. in der Lage, ihre Leistung zu steigern, um sie an die Erfordernisse und das tägliche Leben anzupassen. Zudem verfügt sie über eine gute Autonomie (5 Stunden). Darüber hinaus besitzt sie eine Biomembran (biologische Rinderzellenhaut, “bioprothetisches” Herz), wodurch die Einnahme von Immunsuppressiva vermieden wird, und reduziert das Risiko von Blutungskomplikationen, wodurch langfristig die Einnahme von Gerinnungshemmern reduziert bzw. sogar unnötig werden könnte. Ferner ist diese Prothese chirurgisch relativ einfach zu implantieren.

Abhilfe für Mangel an Transplantaten

Der Mangel an Transplantaten (derzeit gibt es nur halb so viele Transplantate wie nötig wären) hat den Weg für Kunstherzen geebnet, meist um die Wartezeit auf ein verfügbares Herz-Transplantat zu überbrücken. Einige sind bereits auf dem Markt: So z.B. das monoventrikuläre Linksherzunterstützungssystem vom Typ Heartmate (von Abbott) oder HeartWare (von Medtronic), das am häufigsten langfristig implantiert wurde (20.000 Patienten weltweit). Es ist robust, ersetzt jedoch, wie der Name schon sagt, nur die linke Herzkammer. Ferner wird SynCardia implantiert, eine Totalherzprothese (bi-ventrikulär), die jedoch nur eine vorübergehende Lösung ist, da sie sehr laut ist, nur über eine geringe Autonomie verfügt (45 min) und ein erhöhtes Risiko für Blutungen und Thrombosen darstellt.

Aus diesen Gründen werden mit dem CARMAT-Herz große Hoffnungen verbunden, dessen Entwickler hoffen, dass es als dauerhafte Lösung implantiert werden kann. Eine erste Machbarkeitsstudie mit dem Titel PIVOT wurde 2016 gestartet. Erste positive Ergebnisse wurden im Januar 2019 bekanntgegeben: 70 % der Patienten (10 erhielten seit August 2016 das Implantat) überlebten sechs Monate mit der Prothese oder einer erfolgreichen Transplantation innerhalb von sechs Monaten nach der Implantation.

Die Prothese der Zukunft?

Obwohl die Ergebnisse sehr ermutigend sind, ist das Implantat für den Einsatz im großen Maßstab noch nicht ausgereift genug. Zum einen auf technischer Ebene: Über ein Stromkabel (das einen Austritt über den Bauch erfordert) ist das batteriebetriebene Herz mit Akkus verbunden, die am Körper getragen werden. Dies erfordert einen Bauchverband, die Infektionsgefahr wird erhöht und das Baden verhindert. Zum anderen verbraucht die Prothese viel Energie. Zudem ist sie für bestimmte Thoraxe noch nicht ausreichend miniaturisiert und kann derzeit fast ausschließlich Männern implantiert werden (aufgrund ihrer Größe kann sie nur bei einer von vier Frauen eingesetzt werden). Auch wenn wir für die Zukunft hoffen können, dass die Wirksamkeit dieses Geräts vielen Herzinsuffizienz-Patienten das Leben retten wird, so sind Transplantationen derzeit noch immer lebensnotwendig.

Quelle: Fédération française de Cardiologie Französischer Verband für Kardiologie

Redaktion: Dr. Céline Goeminne-Boulé, Kardiologin am Universitätsklinikum Lille

*Professor Alain Carpentier ist ein auf Transplantationen spezialisierter Herzchirurg. Die Gesellschaft CARMAT (“Car” für Carpentier und “Mat” für Matra) entwickelt sein 1988 mit der Universität Pierre und Marie Curie angemeldetes Patent auf diese biokompatible Prothese weiter.

Weitere Informationen unter: www.carmatsa.com