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Das INRA beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Trockenheit in Frankreich

Aufgrund der klimatischen Bedingungen in diesem Frühjahr 2011 spricht man bereits in mehreren europäischen Ländern von einer Trockenperiode. In Frankreich waren beispielsweise 60 Departements (von insgesamt 96 auf europäischem Territorium) von einer eingeschränkten Wasserversorgung am 16. Juni 2011 betroffen.


Als Reaktion auf eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2006 (in dem noch immer die Folgeerscheinungen der großen Trockenheit und der Hitzewelle in Frankreich von 2003 spürbar waren) hat das INRA (Institut für agrarwissenschaftliche Forschung) ein Zentrum zur Beobachtung des Agrarklimas eingerichtet und verschiedene neue Forschungsprogramme ins Leben gerufen. Das Zentrum dient insbesondere der Beurteilung von außergewöhnlichen Klimasituationen. Ausgehend von unterschiedlichen Hypothesen und Szenarien ist es so möglich, die Auswirkungen der aktuellen Trockenheit auf die Vegetation und die Kulturen einzuschätzen. Die erzielten Resultate zeigen, dass mit Ausnahme des Szenariums, wo beträchtliche Regenmengen in kurzer Zeit niedergehen, alle Hypothesen darauf hinauslaufen, dass es zu einem bedeutenden Ertragsrückgang bei Getreide und Futtermittel kommen kann, die sogar in vielen Regionen historisch niedrige Niveaus erreichen können. Die Produktion von Obstbäumen und Weinstöcken hängt überwiegend von der Dauer der heißen Trockenperiode ab. Die Wälder bleiben ebenfalls nicht verschont, auch wenn die schwerwiegendsten Folgen erst in mehreren Jahren spürbar sein werden (Waldsterben, Eindringen von Krankheitserregern).
Unter den vom INRA durchgeführten Forschungsprojekten über die Anpassung an außergewöhnliche Klimabedingungen beschäftigt sich das europäische Projekt DROPS (DROught-tolerant yielding PlantS) [1] mit der Erforschung der natürlichen genetischen Variabilität der Pflanzen: es gibt bereits zahlreiche Genvariationen unter den angebauten Arten, jedoch wird nur ein kleiner Teil dieser Variationen eingesetzt. Durch einen effektiveren Einsatz dieser genetischen Ressourcen könnte die Widerstandsfähigkeit der Kulturen gegen die Trockenheit gesteigert werden, ohne auf genveränderte Organismen (GVO) zurückgreifen zu müssen. Dieses Projekt wird mit 8,7 Millionen Euro über 5 Jahre (2010 – 2015) finanziert, wobei 6 Millionen aus dem 7. EU-Rahmenprogramm stammen. An diesem Projekt sind auch 4 französische und 2 deutsche Partner beteiligt.
Das INRA führt ebenfalls Studien über die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Trockenheit auf die Einkommen der Landwirte und auf ihre Strategien durch, um dieser Herausforderung gerecht zu werden. Ebenso wird die Rolle der öffentlichen Hand und der Versicherungen untersucht.
Das aktuelle Klima bestätigt die Prognosen der Klimaforscher für die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts: ein zu trockener Winter, um die Wasserreserven wieder auffüllen zu können, gefolgt von einem heißen, regenarmen Frühling, mit einem Anstieg der Durchschnittstemperatur um 1 bis 2° C.

[1] Beschreibung des Projektes DROPS (in englischer Sprache):
http://cordis.europa.eu/fetch?CALLER=FP7_KBBE_PROJ_EN&ACTION=D&DOC=21&CAT=PROJ&QUERY=0124e4971c8f:19c3:4f3a9335&RCN=95052

Quellen: – Internetseite des INRA (in französischer Sprache): http://www.inra.fr/la_science_et_vous/secheresse_et_agriculture
– Internetseite des Ministeriums für Umwelt, nachhaltige Entwicklung, Transport und Wohnungsbau: http://www.developpement-durable.gouv.fr/Point-situation-secheresse.html

Redakteur: Maxime ENDERLI, maxime.enderli@diplomatie.gouv.fr