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Der “Observatoire National de la Fin de vie” legt Jahresbericht 2011 vor – “Das Lebensende: eine erste Darstellung des Sachstandes”

Der Präsident des Observatoriums, Professor Régis Aubry, Facharzt für palliative Medizin des Centre Hospitalier Universitaire (CHU) von Besancon, überreichte am 14.2.2012 dem Premierminister den 268 Seiten umfassenden Bericht. Im Gefolge mehrerer die französische öffentliche Meinung bewegender strafrechtlicher Verfahren wegen aktiver Sterbehilfe handelt es sich um den 1. Jahresbericht des durch Dekret vom 19.2.2010 ins Leben gerufenen Observatoriums.

Der Bericht konstatiert noch erhebliche Defizite in den Fragen der Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals und in der einschlägigen Forschung. Er schildert zunächst den Stand der öffentlichen Debatte in dieser äußerst sensiblen Frage und beschreibt die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte in der Forschung.


Der Präsident des Observatoriums, Professor Régis Aubry, Facharzt für palliative Medizin des Centre Hospitalier Universitaire (CHU) von Besancon, überreichte am 14.2.2012 dem Premierminister den 268 Seiten umfassenden Bericht. Im Gefolge mehrerer die französische öffentliche Meinung bewegender strafrechtlicher Verfahren wegen aktiver Sterbehilfe handelt es sich um den 1. Jahresbericht des durch Dekret vom 19.2.2010 ins Leben gerufenen Observatoriums.

 

Der Bericht konstatiert noch erhebliche Defizite in den Fragen der Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals und in der einschlägigen Forschung. Er schildert zunächst den Stand der öffentlichen Debatte in dieser äußerst sensiblen Frage und beschreibt die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte in der Forschung.

Er geht auf die in der Umsetzung des „Programms der Entwicklung palliativer Pflege 2008 – 2012“ gemachten Fortschritte ein (Bettenzahl: 6.000; 362 mobile Einsatzteams; 22 pädiatrische Teams). Régis Aubry beklagt in diesem Zusammenhang die manchmal übertriebenen Erwartungen an die Medizin, insbesondere in Fällen von Krebserkrankungen. Die Sterbebegleitung müsse gegenüber einer in Frankreich festzustellenden starken Medikalisierung an Boden gewinnen.

 

Der Bericht ist in 3 Teile gegliedert:

  1. Das Lebensende – Gesellschaftliche Frage(n)
  2. Das Lebensende und das Gesundheitssystem
  3. Ausbildung und ForschungSachstand und die Bedürfnisse der in diesem Bereich tätigen Personen
    – Die Aus- und Weiterbildung der Gesundheitsberufe (Kapitel 10)
    – Die französische multidisziplinäre Forschung zu den Fragen des Lebensendes (Kapitel 11)

Dieser erste Jahresbericht des Observatoriums wendet sich zunächst an die politischen Entscheidungsträger und die zuständigen Verwaltungen, um ihnen ein Mittel an die Hand zu geben, das ihnen in der heutigen Gesellschaft in den mit dem Lebensende zusammenhängenden Fragen die notwendigen Orientierungen ermöglicht.

Der Bericht wendet sich weiter an die Personen, die sich beruflich oder ehrenamtlich in der Begleitung von Menschen an ihrem Lebensende engagieren, um ihnen Bezugspunkte zu vermitteln, die sie in Wahrnehmung ihrer verantwortungsvollen Aufgabe benötigen.

Der Bericht wendet sich aber auch an die Bürger ganz allgemein, die in ihrem persönlichen Lebensumfeld mit den Fragen des Lebensendes konfrontiert sind.

Das Observatorium hat nicht nur die Aufgabe, den bereits bestehenden Wissensstand festzuhalten, sondern auch die Entwicklung des Bereichs in der ganzen Spannweite des ihm erteilten Auftrages – Dekret vom 19.2.2010 – zu verfolgen. Unter diesem Gesichtspunkt verdient  im vorliegenden Zusammenhang insbesondere der dritte Teil des Berichts Aufmerksamkeit:

 

  • Das Instrumentarium der ständigen beruflichen Weiterbildung (DPC)
    Hier werden im Kontext der Reform der Ausbildungsgänge im Gesundheitswesen als Folge der bevorstehenden Schaffung eines Ausbildungsblocks „médecine palliative“ neue Möglichkeiten gesehen.
    Der Ausschöpfung des Potenzials der Interdisziplinarität einschließlich der Human- und Sozialwissenschaften wird besondere Bedeutung beigemessen.
    Nur 2,6 % der Allgemeinmediziner kommen bisher in den Genuss einer Aus- bzw. Fortbildung in den Fragen der Sterbebegleitung , nur 15 % der medizinischen Hilfsberufe wurden in den letzten 5 Jahren in den Fragen der Sterbebegleitung aus- bzw. fortgebildet. 
  • Die französische multidisziplinäre Forschung zu den Fragen des Lebensendes
    Der Bericht stellt ein Auseinanderklaffen der auf nationaler Ebene gewünschten Orientierungen und der Wirklichkeit der einschlägigen Forschungsaktivitäten vor Ort fest.
    Das Observatorium war bemüht, durch Gespräche mit etwa 50 im Gesundheitssektor tätigen Personen und / oder Forschern verschiedener Disziplinen, die ein gemeinsames Interesse an den Fragen des Lebensendes haben, diese ortsnahen Informationen zusammenzutragen.
    Der Bericht behandelt mögliche nationale Projekte, die dem Observatorium entwicklungsfähig erscheinen oder seiner Auffassung nach einer Stärkung bedürfen. Die Hindernisse, die einer multidisziplinären noch entgegenstehen, werden dargestellt und die Erwartungen der befragten Forscherteams geschildert.

Die Empfehlungen des Observatoriums (Seiten 252 ff; 256 „Conclusion“) werden dargestellt. Eine besondere Anstrengung von Seiten der Akteure der Forschung sei notwendig, um in den internationalen Forschungsnetzen anerkannt und in sie integriert zu werden.

Aus der „Conclusion générale“ (Seite 266) verdienen die Ausführungen zu „Von überkommenen Ideen zur Wirklichkeit übergehen“ besondere Aufmerksamkeit, insbesondere der Abschnitt „Punkte, die noch in der Schwebe sind“. Darin wird die französische  Forschung zu Fragen des Lebensendes als noch embryonal bezeichnet. Diese besondere Art von Forschung bedürfe einer effektiven Förderung und einer nationalen Strategie.   

 

Weitere Informationen auf französich: https://www.wissenschaft-frankreich.de/de/wp-content/uploads/2012/03/fin-de-vie.pdf

 

Quelle: Observatoire National de la Fin de vie
Redaktion: 02.03.2012 von Dr. Hermann Schmitz-Wenzel, DFGWT – Deutsch-Französische Gesellschaft für Wissenschaft und Technologie e. V.