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Französische Studie „ComPaRe Long Covid“: wissenschaftliche Erfassung der Krankheitsschwere und ihrer Auswirkungen auf das Leben der Patienten

Forscher der ComPaRe-Kohorte (Communité des Patients pour la Recherche, compare.aphp.fr – Patientenvereinigung für Forschungszwecke) unter der Leitung von Prof. Philippe Ravaud, AP-HP / Universität Paris / Inserm, haben eine neue Methode zur Entwicklung und Validierung des ersten wissenschaftlichen Verfahrens zur Ermittlung des Schweregrads der Krankheit und ihrer Auswirkungen auf das Leben der Patienten angewandt. Diese Studie mit 1022 Patienten, die an den Langzeitfolgen der Coronavirus-Erkrankung leiden, wurde am 29. April 2021 in der Zeitschrift Clinical Infectious Diseases veröffentlicht.

Französische Studie „ComPaRe Long Covid“: wissenschaftliche Erfassung der Krankheitsschwere und ihrer Auswirkungen auf das Leben der Patienten

“Long Covid” beschreibt die Langzeitfolgen nach einer SARS-CoV-2-Infektion. Nach Angaben des britischen Amts für Statistik weist etwa jeder 10. Infizierte auch 12 Wochen nach Beginn der Infektion noch Symptome auf. Die Gründe dafür sind vielfältig. So konnten beispielsweise Folgeerkrankungen an den Organen nach der akuten Phase der Erkrankung (Vernarbung der Lunge, Komplikationen bei der Wiederbelebung usw.), posttraumatischer Stress im Zusammenhang mit der Erkrankung oder ihrer Bewältigung, persistente Virusinfektionen oder das postvirale Erschöpfungssyndrom festgestellt werden. Bei einem einzigen Patienten sind häufig mehrere Ursachen für komplexe Krankheitsbilder verantwortlich.

Bislang haben wissenschaftliche Studien zur Schätzung der Anzahl der an Langzeitfolgen leidenden Patienten jeweils eine andere Definition der Krankheit zugrunde gelegt. Die Heterogenität der verwendeten Erfassungsmethoden könnte deshalb zu den Diskrepanzen zwischen den Ergebnissen der Studien beigetragen haben.

Zur Lösung dieses Problem hat das Zentrum für klinische Epidemiologie der öffentlich-rechtlichen Krankenhauseinrichtung (AP-HP) unter der Leitung von Prof. Philippe Ravaud Ende 2020 im Rahmen der ComPaRe-Kohorte eine Studie zu den Langzeitfolgen gestartet. Ziel war es, ein wissenschaftliches Erhebungsverfahren für die Ermittlung des Schweregrades der Krankheit und ihrer Auswirkungen auf das Leben der Patienten mit einer zweistufigen Methode zu entwickeln.

In der ersten Phase (Oktober – November 2020) befragten die Forscher 492 Patienten (Durchschnittsalter 45 Jahre, 84 % Frauen, 43 % mit einer durch den PCR-Test bestätigten Infektion) mit Long Covid-Symptomen (anhaltende Symptome, die mindestens 3 Wochen nach der Infektion mit SARS CoV2 auftreten). Die Patienten wurden gebeten, alle Symptome sowie deren Auslöser und Behandlungen anzugeben. Sie wurden ebenso nach den Auswirkungen der Krankheit auf ihr Leben befragt. Die Antworten der Teilnehmer wurden von Forschern und erfahrenen Patienten ausgewertet. Sie erstellten eine Liste mit 53 Krankheitssymptomen (Müdigkeit, Brustschmerzen, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen usw.) und sechs Lebensbereichen der Patienten, die durch die Krankheit beeinflusst sind (Familienleben, Arbeit usw.).

In der zweiten Phase (November 2020 – Februar 2021) nutzten die Forscher diese Ergebnisse, um einen Fragebogen zu erstellen, der direkt von den Patienten ausgefüllt wurde, um die Schwere der Krankheit und ihre Auswirkungen auf ihr Leben zu ermitteln. Sie bewerteten die Gültigkeit, Zuverlässigkeit und Relevanz dieses Fragebogens in einer zweiten Stichprobe mit 1022 Patienten mit Long Covid (Durchschnittsalter 45 Jahre, 79 % Frauen, 55 % mit einer durch den PCR-Test bestätigten Infektion, 12 % wurden im Krankenhaus behandelt). Diese zweite Phase zeigte die großen Auswirkungen von Long Covid auf die Lebensqualität der Patienten, die schätzungsweise 40 % geringer ist als die der restlichen Bevölkerung. So empfanden 77 % der Patienten die Auswirkungen ihrer Erkrankung als “unerträglich” und 48 % erklärten, dass sie bestimmte Tätigkeiten zu Hause oder am Arbeitsplatz nicht mehr ausüben könnten.

Dank dieser Studie konnte eine fundierte wissenschaftliche Grundlage zur Ermittlung von Long Covid geschaffen werden. Durch die Standardisierung von Erhebungsverfahren in wissenschaftlichen Studien werden ein Vergleich und die Kombination von Ergebnissen ermöglicht.

Das entwickelte Erfassungsverfahren wird derzeit angewandt, um die Entwicklung der Symptome der Patienten der ComPaRe-Studie über einen gewissen Zeitraum zu beurteilen. Dadurch wird es möglich, die im Laufe der Zeit auftretenden verschiedenen Krankheitssymptome zu verstehen und die Frage nach der Dauer der Krankheit zu beantworten.

Zur Fortführung ihrer Studie startet ComPaRe einen zweiten Aufruf zur Teilnahme an Forschungsprojekten zu Long Covid, die innerhalb der Kohorte durchgeführt werden. Bewerbungen unter: https://compare.aphp.fr.

ComPaRe : In der 2017 von der AP-HP ins Leben gerufenen ComPaRe sind heute über 45.000 freiwillige Patienten aus ganz Frankreich vertreten. Sie tragen dazu bei, die Forschung über ihre chronischen Krankheiten voranzutreiben, indem sie regelmäßig die Online-Fragebögen der Forscher auf der sicheren Plattform https://compare.aphp.fr beantworten.

Bis heute wurden 36 spezifische Projekte im Rahmen von ComPaRe durchgeführt. Neben den Erhebungen zu Long Covid gab es bereits mehrere Studien zu: Diabetes, der Verneuil-Krankheit, der Weißfleckenkrankheit, chronischen Rückenschmerzen, Nierenerkrankungen, Vaskulitis, arterieller Hypertonie, Endometriose, Neurofibromatose und zum Marfan-Syndrom. In Kürze werden weitere Studien und spezifische Kohorten gestartet.

Quelle: Pressemitteilung INSERM