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MobilAir – das erfolgreiche französische Projekt zur Bekämpfung der Luftverschmutzung

Eine Senkung der auf Feinstaub zurückzuführenden Sterblichkeit in einem Ballungsraum um zwei Drittel kann zu relativ geringen Kosten erreicht werden und bietet viele gesellschaftliche und wirtschaftliche Vorteile. Dies hat ein multidisziplinäres Team des CNRS [1], des Inserm [2], des INRAE [3], der Universität Grenoble Alpes (UGA) und des Instituts für Luftqualität (Atmo Auvergne-Rhône-Alpes) nun nachgewiesen. Im Rahmen der Studie wurden konkrete politische Maßnahmen zur Erreichung eines von den Volksvertretern festgelegten Gesundheitsziels sowie die zu erwartenden positiven Effekte ermittelt. Die Ergebnisse wurden am 15. Januar 2022 in der Fachzeitschrift Environment International veröffentlicht.

MobilAir – das erfolgreiche französische Projekt zur Bekämpfung der Luftverschmutzung

  • Die Feinstaubbelastung, von der die Mehrheit der Weltbevölkerung betroffen ist, ist verantwortlich für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie vorzeitige Todesfälle, und somit für Kosten für die Gesellschaft.
  • Am Beispiel von Grenoble hat ein multidisziplinäres Forschungsteam verschiedene Szenarien entwickelt, bei denen die feinstaubbedingte Sterblichkeit auf Ebene des Ballungsraums um zwei Drittel gesenkt werden könnte, und nachgewiesen, dass die erzielten positiven Effekte die Kosten der umzusetzenden Maßnahmen übersteigen.

In Frankreich führt die Verschmutzung durch Feinstaub (Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometer [4]) jedes Jahr zum vorzeitigen Tod von etwa 40.000 Menschen. Die damit verbundenen Kosten werden auf 100 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Öffentliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Luftverschmutzung werden jedoch in der Regel eingeführt, ohne zuvor ihre künftigen gesundheitlichen oder wirtschaftlichen Auswirkungen zu bewerten.

Das MobilAir-Projekt schließt diese Lücke, indem es konkrete Maßnahmen ermittelt, mit denen die von den Entscheidungsträgern im Großraum Grenoble festgelegten Gesundheitsziele erreicht werden könnten, wie eine Senkung der Sterblichkeitsrate im Zusammenhang mit Feinstaub zwischen 2016 und 2030 um 67 %. Im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen dem Labor für angewandte Wirtschaftswissenschaften in Grenoble (CNRS/INRAE/UGA), dem Institut für Fortschritte in den Biowissenschaften (Inserm/CNRS/UGA), dem Zentrum für angewandte Wirtschaft und Soziologie in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum (AgroSup Dijon/INRAE) und Atmo Auvergne-Rhône-Alpes wurden mehrere Methoden einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen.

Das Team hat sich auf die beiden lokalen Sektoren mit den höchsten Feinstaubemissionen konzentriert: Holzfeuerung und Verkehr. Es zeigt auf, dass das Gesundheitsziel durch die Kombination zweier Maßnahmen erreicht werden kann: den Austausch aller ineffizienten Holzheizungen durch neue Pelletöfen und die Reduzierung des Pkw-Verkehrs innerhalb des Ballungsraums um 36 %. Konkret müssen diese Schritte mit finanziellen Hilfen für Haushalte, dem Ausbau der Infrastruktur (öffentliche Verkehrsmittel und/oder Fahrradwege etc.) und sehr gezielten Aufklärungskampagnen einhergehen.

Die erfolgreiche Umsetzung dieser Maßnahmen würde zu proportional steigenden Gesundheitsvorteilen führen, die über den direkt mit Feinstaub in Verbindung gebrachten Gesundheitsgewinn hinausgehen: sie fördern die körperliche Aktivität und reduzieren den Lärm in der Stadt sowie den Ausstoß von Treibhausgasen. Die Szenarien mit der stärksten Entwicklung der aktiven Fortbewegung (Gehen und Radfahren) führen so zu einem Reingewinn von 8,7 Milliarden Euro im Zeitraum 2016-2045, was einem jährlichen Gewinn von 629 € pro Einwohner der Metropole entspricht.

Es handelt sich hierbei um die erste Studie in Frankreich, die belegt, dass die gesellschaftlichen Vorteile, die mit Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität einhergehen, die Kosten dieser Maßnahmen übersteigen. Den Entscheidungsträgern stehen somit wissenschaftlich fundierte Wege zur Verfügung, um die Gesundheit auf Ebene des Ballungsraums deutlich zu verbessern.

Diese Arbeit wurde von der Idex der Universität Grenoble Alpes und der ADEME [6] finanziert.

[1] CNRS – französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung

[2] INSERM – französisches Institut für Gesundheit und medizinische Forschung

[3] INRAE – französisches Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt

[4] mehr als 30x feiner als ein Haar

[5] Dieser Gewinn wird über die Differenz zwischen den gesundheitlichen Vorteilen der Maßnahmen (seien sie greifbar, wie z. B. niedrigere Gesundheitskosten und weniger Krankschreibungen, oder immateriell, wie z. B. höhere Lebensqualität oder geringere Sterblichkeit) und den privaten und gesellschaftlichen Investitionen und Kosten, die mit diesen Maßnahmen verbunden sind, berechnet. Anders ausgedrückt: Je nach Szenario würde jeder von der Allgemeinheit investierte Euro zwischen 1,1 und 4,7 Euro an gesellschaftlichem Nutzen generieren.

[6] ADEME – französische Agentur für Umweltschutz und Energie

Bibliografie:

Designing local air pollution policies focusing on mobility and heating to avoid a targeted number of pollution-related deaths: Forward and backward approaches combining air pollution modeling, health impact assessment and cost-benefit analysis. Hélène Bouscasse, Stephan Gabet, Glen Kerneis, Ariane Provent, Camille Rieux, Nabil Ben Salem, Harry Dupont, Florence Troude, Sandrine Mathy, Rémy Slama. Environment International, 15. Januar 2022. DOI: 10.1016/j.envint.2021.107030

Kontakte:

Sandrine Mathy

Forscherin CNRS

sandrine.mathy@univ-grenoble-alpes.fr

Rémy Slama

Forscher Inserm

+33 4 76 54 94 02

Remy.slama@inserm.fr

Véronique Etienne

Pressesprecherin CNRS

+33 1 44 96 51 37veronique.etienne@cnrs.fr