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Französische Strategie für Künstliche Intelligenz tritt in eine neue Phase ein: Fokus auf Talentförderung

Am Montag, den 8. November 2021, stellten die Ministerin für Hochschulwesen, Forschung und Innovation, Frédérique Vidal, und der Staatssekretär für den digitalen Wandel und die elektronische Kommunikation, Cédric O, die neue Phase der nationalen Strategie für Künstliche Intelligenz (KI) vor, die 2 Milliarden Euro an öffentlich-privater Kofinanzierung mobilisieren wird, um insbesondere Ausbildung und Gewinnung internationaler Talente im Bereich KI zu stärken.

Französische Strategie für Künstliche Intelligenz tritt in eine neue Phase ein: Fokus auf Talentförderung

Die im März 2018 vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf Basis des Berichts des Abgeordneten Cédric Villani verkündete nationale Strategie für Künstliche Intelligenz (KI) zielt darauf, Frankreich zu einem der Weltmarktführer im Bereich KI zu machen. In der ersten Phase wurden 1,5 Milliarden Euro bereitgestellt, und zwar insbesondere zur Schaffung und Entwicklung eines Netzes von interdisziplinären Instituten für künstliche Intelligenz (3IA), zur Unterstützung von Exzellenzlehrstühlen für KI, zur Finanzierung von Doktorandenprogrammen sowie zu Investitionen in öffentliche Forschungskapazitäten für die Datenverarbeitung (Supercomputer „Jean Zay“ am CERN).

Ein weiterer Höhepunkt der ersten Phase war die Zunahme der wirtschaftlichen Unterstützung für Innovationen im Bereich KI – insbesondere durch die öffentliche Investitionsbank (Banque publique d’investissement) Bpifrance. So sind die nationalen und regionalen Beihilfen für KI-Projekte von 170 Mio. EUR im Jahr 2018 auf über 1 Mrd. EUR im Jahr 2021 gesteigert worden. Entsprechend gewachsen ist die Zahl der Unternehmensgründungen in dem Bereich: 502 Start-ups werden im Jahr 2021 dem Bereich KI zugeordnet – 11 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Darüber hinaus zählt Frankreich mit ContentSquare, Dental Monitoring, Shift Technology, Alan, Mirakl sowie Meero gleich sechs erfolgreiche sogenannte „Einhörner“ im Bereich KI.

Die neu eingeleitete zweite Phase der nationalen KI-Strategie erfolgt vor dem Hintergrund der Ankündigungen im Rahmen des Plans France 2030: Vertrauenswürdige und effiziente digitale Lösungen werden als notwendig angesehen, um gleichwohl Innovationen hervorzubringen und die technologische Souveränität Frankreichs in den meisten Wirtschaftsbereichen aufrechtzuerhalten. Ziel ist es, französische und europäische KI-Champions zu schaffen, die Wettbewerbsfähigkeit französischer Unternehmen durch die Verbreitung konkreter Anwendungen von Technologien der künstlichen Intelligenz zu verbessern und Frankreich als Vorreiter in aufstrebenden Märkten zu positionieren, beispielsweise eingebettete künstliche Intelligenz, Edge Computing, Vertrauenstechnologien für die Erklärbarkeit und Zuverlässigkeit von Algorithmen (insbesondere für die Luftfahrt, den Energiesektor, autonome Fahrzeuge oder die Industrie 4.0) und die Entwicklung energieeffizienter KI.

Voraussetzung für die Erreichung dieser ehrgeizigen Ziele und gleichzeitig Schwerpunkt der zweiten Phase der nationalen KI-Strategie ist es deshalb, die besten internationalen Talente im Bereich KI auszubilden und anzuziehen. Aus Sicht der Regierung ist dies der entscheidende Punkt, um Frankreich in die Lage zu versetzen, sich in die globale KI-Landschaft einzubringen und deren Attraktivität für künftige Champions des Sektors, vor allem angesichts des Fachkräftemangels im digitalen Bereich, zu stärken.

Mehr als die Hälfte der für die zweite Phase bereitgestellten öffentlichen Mittel wird daher in ein ambitioniertes Programm zur Schaffung eines Netzes von Exzellenzeinrichtungen von Weltrang und eines umfassenden Ausbildungsplans für KI an Universitäten und Hochschulen (781 Mio. EUR) einfließen. Zudem sollen bereits etablierte interdisziplinäre Institute für künstliche Intelligenz (3IA) sowie andere Spitzenforschungszentren wie das Data AI Institute (Universität Paris Saclay), SCAI (Universität Sorbonne) und Hi! Paris (Institut Polytechnique de Paris) weiter gestärkt werden.

Darüber hinaus sollen bis 2025 folgende zusätzliche Maßnahmen im Rahmen der zweiten Phase umgesetzt werden:

  • Massive Investitionen in neue Generationen eingebetteter KI, verantwortungsvolle und vertrauenswürdige KI und Entwicklungsplattformen für KI-Software, -Modelle und -Anwendungen, einschließlich Open-Source (1,22 Mrd. EUR);
  • Unterstützung von 500 kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) bei der Einführung und Nutzung von KI-Lösungen bis 2025 (25 Mio. EUR);
  • Aufstockung bestehender Start-up-Beschleuniger, um die Zahl der aus einem Grundlagenforschungskonzept hervorgegangenen KI-Start-ups bis 2025 zu verdreifachen (40 Mio. EUR);
  • Start von Demonstrationsprojekten zur Nutzung energieeffizienter KI in Sektoren, die für die Erreichung der Klimaziele wichtig sind: nachhaltige Städte, intelligente Gebäude, Mobilität, Präzisionslandwirtschaft (120 Mio. EUR).

Zudem sollen über einen Zeitraum von 5 Jahren und mit einer Gesamtfördersumme von 134 Mio. EUR bahnbrechende KI-Technologien im Rahmen eines von CEA, INRIA und CNRS geleiteten Forschungsprogramms erforscht werden.

Der öffentliche Beitrag zur nationalen KI-Strategie wird hauptsächlich aus dem Programm für Zukunftsinvestitionen (557 Mio. EUR) und aus France 2030 (700 Mio. EUR) finanziert.

Zum Nachlesen

Quelle: MESRI Redaktion: 12.11.2021 von Sylvie Rijkers-Defrasne, VDI Technologiezentrum GmbH