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Das Agrarforschungsinstitut: vom einheimischen zum universellen Erzeugnis

Die Weichheit eines Kaninchenfells, der säuerliche Geschmack eines Apfels oder die Lebensmittelsicherheit sind Forschungsthemen des INRA, des nationalen Agrarforschungsinstituts Frankreichs. Auch wenn sich die Labore zunächst auf die in Frankreich bestehenden Problematiken konzentrieren, dienen ihre erarbeiteten Lösungen auf der ganzen Welt als Beispiel und zwar für ein maßgebliches und immer dringlicher werdendes Problem: die Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren und dabei die Umwelt zu schützen.


Die Weichheit eines Kaninchenfells, der säuerliche Geschmack eines Apfels oder die Lebensmittelsicherheit sind Forschungsthemen des INRA, des nationalen Agrarforschungsinstituts Frankreichs. Auch wenn sich die Labore zunächst auf die in Frankreich bestehenden Problematiken konzentrieren, dienen ihre erarbeiteten Lösungen auf der ganzen Welt als Beispiel und zwar für ein maßgebliches und immer dringlicher werdendes Problem: die Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren und dabei die Umwelt zu schützen.

Das INRA ist nicht nur ein Pariser Institut, das sich auf dem sehr schicken linken Seineufer befindet. Seine Spezifität liegt in einer extrem dichten und variierten Vernetzung des französischen Hoheitsgebietes, der Metropole sowie der Überseegebiete. 19 Zentren, in denen 8500 Forscher, Ingenieure und Techniker arbeiten, sind in allen Regionen Frankreichs angesiedelt. Von den wildreichen Wäldern der Ardennen bis zu den Sumpfgebieten des Berry, von den bergigen Gebieten der Alpen bis zu den zerklüfteten Küsten der Bretagne gibt es vom INRA mehr als 200 Forschungseinheiten und 50 Einheiten an Versuchsplattformen. Der Forschungsbereich des INRA ist nicht nur ein Land mit mehr als 675 417 km2, sondern vor allem eine Aufreihung vieler sehr kontrastreicher Landschaften mit unterschiedlichen Klimata; dies ist zwar ein sehr reiches Naturerbe mit einer großen Vielfalt, das aber auch genauso viele Komplexitäten für die Landwirtschaft, die Viehzucht und die Forstwirtschaft mit sich bringt. Das Ziel des INRA ist es, dafür zu sorgen, dass diese Komplexitäten zu keinen unlösbaren Problemen werden. Die Multiplizität dieses Netzwerkes, das in Europa ohnegleichen ist, platziert das INRA auf den ersten Rang unter den europäischen Agrarforschungsinstituten und auf den zweiten Rang im weltweiten Vergleich.

 

Apfel und Kaninchen

 

Die Probleme, mit denen sich das INRA befasst, gehen weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. Das Klima, natürliche Zwänge oder auch der Bodenzustand sind keine nationalen Aufgaben, sondern betreffen alle. Für oftmals allgemeine Schwierigkeiten bieten die Forscher teils sehr konkrete Lösungen an. So hat das INRA nach 24 Jahren Forschungsarbeit durch viele Kreuzungen eine neue Variation des auf den Namen Ariane getauften Apfels entwickelt. Er ist zwar auch ein neues deliziöses Geschmacksvergnügen, aber vor allem eine „Superfrucht“, die gegenüber Apfelschorf resistent ist, der ein auf dem gesamten europäischen Kontinent sehr weit verbreiteter Parasit ist. Ein weiteres Beispiel: In den 80er Jahren gelang es dem INRA, die Produktion einer neuen Kaninchen-Rasse zu initiieren, die aufgrund ihres schmackhaften Fleisches Rex du Poitou und aufgrund der ungewöhnlichen Weichheit ihres Fells Orylag genannt wird. Diese neue Art der Hasentiere stellte nicht nur eine wirtschaftliche Chance für zahlreiche Landwirte dar, sondern die Zucht der Orylag-Kaninchen ist ebenfalls eine interessante Alternative, um die Chinchilla-Pelze auf dem Markt zu ersetzen und damit diese in Lateinamerika bedrohte Tierart zu schützen. Dies ist eine der Aufgaben des INRA: sich bemühen, Lösungen zu finden, die die Effizienz des Anbaus und der Viehzucht fördern und gleichzeitig den Einfluss auf die Umwelt minimieren.

 

Das Kaninchen aus Poitou, das dem südamerikanischen Nager zu Hilfe eilt, zeigt, dass die Globalisierung der Herausforderungen im Bereich der Umwelt und Landwirtschaft Realität geworden ist. Da sich das INRA der Beschleunigung dieser Veränderungen bewusst ist, hat es sich mit Partnern, insbesondere in China, Indien oder auch Brasilien zusammengeschlossen, um „Labore ohne Mauer“ zu entwickeln, in denen ein Team des INRA mit einem ausländischen Forschungsinstitut zusammen an einem gemeinsamen Projekt arbeitet. Dieser Wille vonseiten der französischen Institution, sich zu öffnen und sich durch in anderen Ländern geführten Forschungen zu verbessern, drückt sich bis in die Einstellung seiner Forscher aus, denn von den letztlich ungefähr 50 eingestellten Wissenschaftlern waren etwa 10 davon keine Franzosen. Die internationalen Partnerschaften wurden besonders mit den anderen europäischen Ländern entwickelt, aber auch auf der anderen Seite des Atlantiks mit nordamerikanischen Forschungsinstituten.

 

Das INRA, das unter der Schirmherrschaft des französischen Landwirtschaftsministeriums und des Forschungsministeriums steht, kann sich auf zwei Stärken stützen. Einerseits kann es aus seiner langen Erfahrung schöpfen. Das Institut wurde nämlich 1946, direkt nach dem Zweiten Weltkrieg, zu einer Zeit gegründet, in der Frankreich, das am Boden lag, ein maßgebliches Bedürfnis hatte, seine Bevölkerung zu ernähren. Ein anderer Stützpfeiler ist die Vielfalt seiner Forschungsbereiche: von der menschlichen Ernährung über die Pflanzenbiologie bis hin zur Tiergesundheit – keine Problematik ist dem Institut fremd. Seine Forscher arbeiten insbesondere an der nachhaltigen Entwicklung, indem es die Verknappung der fossilen Energien vorhersieht und tragfähige Alternativen privilegiert. Wenn im Jahre 2050 mehr als 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben, kann nur so die Ernährungssicherheit gewährleistet werden. Mit seinem Partner, dem Kooperationszentrum für Agrarforschung (CIRAD), das sich um die großen agronomischen Herausforderungen der südlichen Länder kümmert, verfolgt das INRA das Ziel, die Menschheit gesund und dauerhaft zu ernähren.

 

Priorität des G20

 

Dies ist eine wahrhaftige Herausforderung, die übrigens eine der Prioritäten der französischen Präsidentschaft des nächsten G20-Gipfels ist. Man muss nämlich in Zukunft mehr produzieren und gleichzeitig die Umwelt und ihre natürlichen Ressourcen schützen; ein unerlässlicher Zwang, der außerdem mit dem Umgang mit Naturkatastrophen und mit den durch die Klimaerwärmung hervorgerufenen Klimaveränderungen einhergeht. Der Weizen zum Beispiel, der eines der drei Grundnahrungsmittel ist, ist Gegenstand einer von Frankreich 2011 initiierten Initiative. Es wird in Zukunft notwendig sein, einen Weizen zu produzieren, der gegenüber den Klimarisiken resistenter ist, wobei die Umwelt und die wirtschaftlichen Zwänge geachtet werden. Das INRA hat die Absicht, seine Kräfte zu bündeln, um diese globalen Herausforderungen zu bewältigen, wobei es sich bewusst ist, dass dieser Kampf nicht nur jener der Landwirtschaft ist; die Experten der Bereiche Energie, Klima, Geografie, Städtebau… sind ebenfalls dazu aufgerufen, aktiv zu werden, um einen nicht nur von natürlichen Elementen, sondern auch durch das Handeln des Menschen erschütterten Raum bestmöglich zu bewirtschaften.

 

Redaktion: Pascale Bernard

 

Internetseite:

http://www.inra.fr/