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Entdeckung einer außergewöhnlich strahlungstoleranten Mikroalge

Aus einem Abkühlbecken für Kernbrennstoffe wurde eine neue, sehr strahlungstolerante Mikroalge isoliert. Forscher der französischen Behörde für Atomenergie und alternative Energien (CEA) analysierten die Eigenschaften dieser einzigartigen Spezies und hoffen auf der Grundlage dieser Entdeckung neue Strategien für die Biosanierung entwickeln zu können.


Aus einem Abkühlbecken für Kernbrennstoffe wurde eine neue, sehr strahlungstolerante Mikroalge isoliert. Forscher der französischen Behörde für Atomenergie und alternative Energien (CEA) analysierten die Eigenschaften dieser einzigartigen Spezies und hoffen auf der Grundlage dieser Entdeckung neue Strategien für die Biosanierung [1] entwickeln zu können.

 

Diese kleine einzellige Alge – Coccomyxa actinabiotis – kann eine Strahlendosis von 20.000 Gy problemlos überstehen (das entspricht der 2.000-fachen Menge der für den Menschen letalen Dosis) und ist somit der erste bekannte eukaryotische Organismus [2], der eine so hohe Strahlung absorbieren kann. Bisher waren nur Bakterien wie das Deinococcus radiodurans dazu fähig. Die Forscher der CEA-iRTSV in Grenoble (Isère) konnten beobachten, dass die Coccomyxa actinabiotis, nachdem sie einer Strahlendosis von 10.000 Gy ausgesetzt war, nur zwei Wochen benötigte, um zu einem normalen Wachstum zurückzufinden. Ein weiterer Vorteil dieser Mikroalge besteht darin, dass sie Radionuklide aufnehmen kann. Sie ist somit 10.000 Mal radioaktiver als das Wasser des Abkühlbeckens, da sie die meisten der im Wasser enthaltenen Radionuklide speichern kann; das heißt zwischen 80 und 100% des Silbers, Cäsiums, Zinks, Kobalts, Urans und Kohlenstoffs-14. Dieser Wirkungsgrad ist mit dem der üblicherweise zur Dekontamination eingesetzten physikalisch-chemischen Prozesse vergleichbar.

 

Die CEA und das Institut Laue-Langevin haben einen Pilot-Bioreaktor entwickelt, um einen Konzeptnachweis zu erbringen und die Biosanierungsstrategie zu optimieren. Darüber hinaus wollen die Forscher die biochemischen und genetischen Mechanismen entschlüsseln, die es der Coccomyxa actinabiotis ermöglichen, resistent gegen Strahlung zu werden und Radionuklide zu konzentrieren.

 

[1] Anlegen von Kulturen verschiedener Lebewesen (Pflanzen, Bakterien) zur Sanierung kontaminierter Standorte.

[2] Im Gegensatz zu prokaryotischen Zellen besitzen eukaryotische Zellen einen Zellkern, der von einer Membran umgeben ist. Der abgegrenzte Zellkern trägt die DNS in Form von Chromosomen in sich.

 

 

Quelle: Pressemitteilung der Behörde für Atomenergie und alternative Energien (CEA) – 03.04.2013 – http://le-fil-science.cea.fr/index.php/decouverte-dune-microalgue-la-radiotolerance-exceptionnelle

 

Redakteurin: Hélène Benveniste, helene.benveniste@diplomatie.gouv.fr