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Alzheimer: neuer immunotherapeutischer Ansatz

Forscher des französischen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung (INSERM) und der Universität Pierre und Marie Curie (UPMC) haben einen neuen immunotherapeutischen Ansatz zur Behandlung von Alzheimer entdeckt. Dieser besteht darin, eine bestimmte Population von T-Lymphozyten (Regulierung der Immunabwehr), die sich während der Krankheit herausbildet, zu vergrößern.


Forscher des französischen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung (INSERM) und der Universität Pierre und Marie Curie (UPMC) haben einen neuen immunotherapeutischen Ansatz zur Behandlung von Alzheimer entdeckt. Dieser besteht darin, eine bestimmte Population von T-Lymphozyten (Regulierung der Immunabwehr), die sich während der Krankheit herausbildet, zu vergrößern.

 

Die Forscher konnten an Mausmodellen nachweisen, dass eine bestimmte Population von T-Lymphozyten – die sogenannten regulatorischen T-Zellen (Treg) [1] – spezifische T-Lymphozyten des Beta-Amyloid-Peptids kontrolliert, das sich im Gehirn der Kranken anhäuft. Bei ihren Forschungen konzentrierten sich die Wissenschaftler auf den Einfluss dieser Treg auf den Krankheitsverlauf.

 

Zu diesem Zweck haben sie im Anfangsstadium der Krankheit diese Treg-Zellen depletiert (ausgeschaltet) bzw. deren Anzahl erhöht. So konnten sie feststellen, dass ein Treg-Defizit das Auftreten kognitiver Störungen beschleunigt und sich die Anzahl der Mikrogliazellen verringert [2].

 

Im Gegensatz dazu verstärkt eine anhaltende Erhöhung der Treg durch die Verabreichung geringer Dosen von Interleukin-2 (durch intraperitoneale Injektionen) die Effektivität der Mikrogliazellen und verzögert so das Auftreten von Gedächtnisstörungen.

 

Dieser immunotherapeutische Ansatz, der bereits in zahlreichen klinischen Protokollen zur Transplantation von Knochenmark bzw. zur Diabetes Typ 1 getestet wurde, könnte den Weg für die Behandlung von Alzheimer ebnen. Die Forscher planen bereits eine klinische Pilot-Studie am Menschen und wollen parallel dazu die Möglichkeit untersuchen, bestimmte T-Zellen-Populationen spezifischer zu verändern, um die Reaktion zu verbessern.

 

[1] Regulatorische T-Zellen unterdrücken in bestimmten Situationen die Aktivierung des Immunsystems. So regulieren sie dessen Selbsttoleranz und senken das Risiko für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen und Allergien. Außerdem verhindern sie die Abstoßung eines Organs nach einer Transplantation und die Abstoßung des Fötus durch die Mutter.

[2] Lagern sich im Gehirn von Alzheimer-Erkrankten Beta-Amyloid-Peptide ab, werden die Mikrogliazellen aktiviert und bauen einen Teil der Ablagerungen ab.

 

 

Quelle:

« Maladie d’Alzheimer: vers une nouvelle approche d‘immunothérapie », Pressemitteilung des INSERM, 02.02.2016 – http://presse.inserm.fr/maladie-dalzheimer-vers-une-nouvelle-approche-dimmunotherapie/22210/

 

Übersetzerin: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr