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Sojaproduktion: Klima in Europa günstig für die Selbstversorgung

Die Anbauflächen für Sojabohnen in Europa nehmen seit 20 Jahren kontinuierlich zu, aber der Verbrauch des Kontinents wird nach wie vor überwiegend durch Importe gedeckt. AgroParisTech und INRAE interessierten sich für die Frage, ob der europäische Kontinent unter Berücksichtigung der klimatischen Entwicklungen in der Lage sein wird, sich bei Soja selbst zu versorgen. Die Wissenschaftler entwickelten daher Projektionsmodelle, die sich auf weltweite agronomische und klimatische Datenbanken stützten. Ihre Ergebnisse, die am 7. April 2022 in Nature food veröffentlicht wurden, zeigen, dass Europa eine Selbstversorgung von 50% bis 100% erreichen kann, wenn 4% bis 11% der europäischen Anbauflächen für Sojabohnen genutzt würden. Eine solche Ausweitung würde erhebliche wirtschaftliche und ökologische Vorteile mit sich bringen und den Einsatz von Stickstoffdünger reduzieren.

Sojaproduktion: Klima in Europa günstig für die Selbstversorgung

Derzeit importiert Europa fast 90% seines Sojakonsums aus den USA und Brasilien, von denen ein Großteil hauptsächlich als Tierfutter verwendet wird. Auch wenn sich die Anbaufläche von Soja innerhalb von 12 Jahren vervierfacht hat und 2016 5 Mha erreichte, macht sie insgesamt nur 1,7% der Anbauflächen aus.

Dennoch bietet der lokale Sojaanbau zahlreiche Vorteile sowohl für die Wirtschaft als auch für die Umwelt. Wie andere Hülsenfrüchte kann Soja durch symbiotische Bakterien, die in seinen Wurzeln leben, Stickstoff im Boden binden, was sich positiv auf die nachfolgende Kultur auswirkt und den Einsatz von Stickstoffdüngern und damit deren Auswirkungen auf die Umwelt reduziert. Außerdem würde eine Verringerung der Importe die damit verbundenen Kosten und die Umweltverschmutzung senken. Aus diesem Grund haben sich die Forscher von AgroParisTech und INRAE die Frage gestellt, ob der europäische Kontinent sich selbst mit Soja versorgen könnte und welche Auswirkungen die globale Erwärmung auf diese Kultur hat.

Dazu entwickelten sie einen Modellierungsansatz, der auf der gemeinsamen Nutzung globaler agronomischer und klimatischer Datenbanken und maschineller Lernalgorithmen beruht. Auf diese Weise konnten sie direkt aus den verfügbaren Daten kontinentweite Ertragsprognosen für Sojabohnen erstellen, die sich auf verschiedene Szenarien für die Anbauflächen und auf die Projektionen der gegenwärtigen und zukünftigen Klimabedingungen stützen.

Selbstversorgung erreichbar, wenn 11% der europäischen Anbauflächen für Sojabohnen genutzt werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die für den Sojaanbau günstigen landwirtschaftlichen Flächen in Europa wesentlich höher sind als die derzeit geerntete Fläche. Die Projektionen zeigen einen durchschnittlichen Ertrag von 2 Tonnen pro Hektar unter den derzeitigen Klimabedingungen, auch ohne Bewässerung und Düngung, und er würde unter den zukünftigen Klimabedingungen um +0,4 bis +0,6 Tonnen pro Hektar in den Jahren 2050 und 2090 steigen.

Bei gleichbleibendem Sojabedarf legen die Ergebnisse nahe, dass eine Selbstversorgung in Europa unter den gegenwärtigen und zukünftigen Klimabedingungen erreichbar ist, wenn 4-11% der Anbaufläche für Sojabohnen genutzt werden. Unter der Annahme, dass Soja nicht gedüngt wird, würde diese Steigerung den Einsatz von Stickstoffdünger auf dem europäischen Kontinent um 4-17% reduzieren.

Quelle : INRAE

Guilpart, N., Iizumi, T. & Makowski, D. Data-driven projections suggest large opportunities to improve Europe’s soybean self-sufficiency under climate change. Nat Food (2022). DOI : https://doi.org/10.1038/s43016-022-00481-3