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Erprobung des ersten Arzneimittels gegen fulminante Hepatitis

Forscher des Inserm und der Universität Paris-Süd 11 haben eine Behandlung entwickelt, die den Prozess der Leberregeneration beeinflusst. Sie wird derzeit im Rahmen der 2. Phase einer klinischen Studie an Patienten getestet.


Forscher des Inserm und der Universität Paris-Süd 11 haben eine Behandlung entwickelt, die den Prozess der Leberregeneration beeinflusst. Sie wird derzeit im Rahmen der 2. Phase einer klinischen Studie an Patienten getestet. Die Ergebnisse der 1. Phase wurden im Februar in der Fachzeitschrift Hepatology veröffentlicht [1].


Die akute fulminante Hepatitis ist ein seltenes Syndrom, bei dem die Leberzellen zerstört werden. Sie kann sowohl toxische (Medikament, Giftpilze, etc.) als auch infektiöse Ursachen (Virushepatitiden) haben und zu einem Leberversagen führen. Die Leber ist das einzige, regenerationsfähige Organ. Dies ermöglicht oft eine spontane Heilung von akuten Hepatitiserkrankungen. Bei der fulminanten Hepatitis schreitet die Krankheit jedoch zu schnell voran und die einzige Lösung zur Rettung eines Patienten ist eine Transplantation. Die Sterblichkeitsrate bei einer solchen Operation liegt allerdings zwischen 45 und 95%.


Das Team der Forschungseinheit “Pathogenese und Behandlung der fulminanten Hepatitis und des primären Lebertumors” untersuchte den Einfluss des körpereigenen HIP/PAP-Proteins auf die Regeneration von Leberzellen. Während der ersten Versuchsreihe konnten die Forscher die Wirkungsweise des Proteins beobachten. Bei einem Leberversagen wird der Leberzelltod immer durch reaktive Sauerstoff-Spezies (ROS) ausgelöst. “Wird das für die Zellen sehr schädliche Hydroxylradikal entfernt, sorgt das HIP/PAP-Protein für das Überleben der Leberzellen und schließlich für die Regeneration der Leber”, so Jamila Faivre, Leiterin der Forschungseinheit des Inserm U785/Universität Paris-Süd 11.
Nach diesen ersten Ergebnissen wurde eine in-vivo-Studie an einem Maus-Modell durchgeführt, um die Heilkraft des Proteins beurteilen zu können. Die Forscher beobachteten, dass die behandelten Mäuse mit fortgeschrittenem Krankheitsstadium eine rund 70% höhere Überlebenschance hatten als die Kontroll-Mäuse. Die Studie zeigt, dass das HIP/PAP-Protein die Zellen vor verschiedenen Stressfaktoren schützt und die Regeneration einer entzündlich-nekrotischen Leber angeregt, selbst in einem fortgeschrittenen Stadium.


Aufgrund dieser sehr positiven Ergebnisse haben die Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit der Biotechnologie-Gesellschaft Alfact innovation GMP klinische Chargen im industriellen Maßstab hergestellt und vorklinische und klinische toxikologische Studien durchgeführt. 2009 wurde in der 1. Phase der Studie bewiesen, dass das Protein für den Menschen nicht giftig ist und seine Pharmakokinetik bestimmt [1].
Die 2. Phase der klinischen Studie wurde im September 2010 gestartet: 60 kranke Patienten erhielten über 3 Tage alle 12 Stunden entweder eine Dosis HIP/PAP oder ein Placebo.



[1] Originalpublikation: „Human hepatocarcinoma-intestine-pancreas/pancreatitis-associated protein cures fas-induced acute liver failure in mice by attenuating free-radical damage in injured livers„ Hepatology – 02.2011



Kontakt:

Jamila FAIVRE, Leiterin der Forschungseinheit des Inserm U785/Universität Paris-Süd 11, Hôpital Paul Brousse,  7 rue Guy Môquet, 94801 Villejuif – Tel: +33 1 45 59 60 89 – E-Mail: jamila.faivre@inserm.fr

Quelle:

Redakteurin:

Claire Cécillon, claire.cecillon@diplomatie.gouv.fr