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Frankreich: Unterzeichnung eines Nachtrags zur strategischen Vereinbarung für Gesundheitswirtschaft und -technologien

Am 08. Juni 2021 unterzeichneten Olivier Véran, Minister für Solidarität und Gesundheit, Frédérique Vidal, Ministerin für Hochschulwesen, Forschung und Innovation, Agnès Pannier-Runacher, Industrieministerin, und Olivier Bogillot, Vorsitzender des Strategischen Ausschusses der Gesundheitswirtschaft und -technologien einen Nachtrag zur 2019 beschlossenen Vereinbarung für Gesundheitsindustrien und -technologien.

Frankreich: Unterzeichnung eines Nachtrags zur strategischen Vereinbarung für Gesundheitswirtschaft und -technologien

Der Bereich der Gesundheitsindustrien und -technologien umfasst in Frankreich mehr als 3.100 Unternehmen, in denen 450.000 Menschen beschäftigt sind. Er erwirtschaftet einen Jahresumsatz von fast 90 Milliarden Euro, davon 35,6 Milliarden Euro im Export. Für diesen strategisch wichtigen Bereich wurde am 4. Februar 2019 zwischen dem Staat und den Produzenten des Sektors eine strategische Vereinbarung unterzeichnet mit dem Ziel, Kompetenzen und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.  

Vor dem Hintergrund der starken Veränderungen in der Gesundheitsbranche in den letzten 2 Jahren und der strategischen Bedeutung des Sektors, unterstreicht der Nachtrag die Notwendigkeit, die Innovationsfähigkeit des Sektors zu stärken, um die Wettbewerbsfähigkeit und den internationalen Einfluss Frankreichs in dem Bereich zu steigern. Die unterschriebene Zusatzvereinbarung steht im Einklang mit den Zielen des Konjunkturprogramms France Relance, die sich in vielen Strukturierungsprojekten des Strategischen Branchenausschusses widerspiegeln, beispielsweise bezüglich der Unterstützung von Innovation und der Entwicklung von Beschäftigung, Ausbildung und KMU in der Gesundheitsbranche.

Die Zusatzvereinbarung setzt die 2019 begonnenen Bemühungen fort und umfasst drei Komponenten:  

Die erste Komponente ist die Fortsetzung und Stärkung der 2019 beschlossenen ersten Schwerpunktprojekte Produktion von Biomolekülen, Kampf gegen Antibiotikaresistenzen, künstliche Intelligenz und Gesundheit, sowie Ausbildung / Kompetenzen, Entwicklung und Stärkung von KMU und internationale Öffnung des Angebots an Gesundheitsprodukten. Dabei sollen insbesondere zwei Projekte erweitert werden:  

  • Im Schwerpunktprojekt Produktion von Biomolekülen sollen die Herausforderung Biotherapie/Bioarzneimittel gemeistert und die Produktionskosten von Biotherapien erheblich gesenkt werden. Die Gründung der Allianz France Bioproduction soll dabei helfen, nationale und regionale Prioritäten in der Bioproduktion aufeinander abzustimmen. Darüber hinaus werden durch den Einsatz des Campus Biotech Digital innovative Ausbildungsansätze entwickelt, die für die zukünftige Entwicklung des Sektors unerlässlich sind.  
  • Im Schwerpunktprojekt KI & Gesundheit soll – zusätzlich zur Fortsetzung der begonnenen Anstrengungen bezüglich der Themen KI & Krebs, Valorisierung/Wirtschaftsmodell der gemeinsam genutzten Daten des Health Data Hub und Verwendung von Daten aus dem wirklichen Leben bei der Entscheidungsfindung über Behandlung und Therapie – ein neuer Aktionspfad “Gesundheitsversorgung” eingerichtet werden, der auf die Steigerung von Effizienz und Koordination zwischen allen Akteuren abzielt. In ähnlicher Weise soll im Anwendungsfall “KI & Seltene Krankheiten” daran gearbeitet werden, diagnostische Irrtümer und therapeutische Sackgassen durch einen leichteren Zugang zu Daten, den Einsatz von Algorithmen und die Identifizierung neuer therapeutischer Ziele zu reduzieren.

Der Start neuer Schwerpunktprojekte stellt die zweite Komponente der Zusatzvereinbarung dar, und zwar:  

  • Rückverlagerung von Wirkstoffen, Zwischenprodukten oder essenziellen Medikamenten: Ziel hierbei ist es, die Abhängigkeit und Vulnerabilität Frankreichs und der Europäischen Union bei der Versorgung mit essentiellen Wirkstoffen und Zwischenprodukten zu verringern, indem man sich auf die bestehende europäische Industriestruktur stützt und ihr ermöglicht, nachhaltig in ihre Vermögenswerte, Kompetenzen und ihr Know-how zu investieren. Es sollen insbesondere kritische Moleküle identifiziert und aufgelistet werden, für die Lieferketten auf europäischer Ebene gesichert werden müssen.
  • Medizinische Bildgebung: Hier sollen der entsprechende Industriesektor in Frankreich gestärkt und die Rolle der Bildgebung in der Patientenversorgung gesteigert werden.  
  • In-vitro-Diagnostik: Die Entwicklung und Industrietauglichkeit wichtiger technologischer Innovationen, die für den französischen Markt und seine Entwicklung wesentlich sind, soll unterstützt werden. Ziel ist es auch, die Produktion in Frankreich zu erhalten und zu fördern und die Versorgung des französischen Marktes zu sichern.
  • Digitale Transformation: Ziel hierbei ist es, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen der Branche durch die Beschleunigung ihrer digitalen Transformation zu fördern.  

Schließlich stellt die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswirtschaft und -technologien einerseits und anderen Sektoren andererseits die dritte Komponente der soeben unterzeichneten Zusatzvereinbarung dar. Das erklärte Ziel ist dabei, eine Antwort auf bereichsübergreifende Fragen bezüglich technologischer Hürden oder Souveränitätsanforderungen zu entwickeln. Hierfür werden Kooperationen mit den Branchen Chemie, Elektronik, Sicherheit, Lösungen für die Industrie der Zukunft sowie auch Photonik angestoßen.

Quelle: MESRI (08.06.2021): Signature d’un avenant au Contrat stratégique de la filière des Industries et Technologies de Santé durch Kooperation International

Redaktion: Sylvie Rijkers-Defrasne, VDI Technologiezentrum GmbH