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Frankreich: neue Erkenntnisse zur Alzheimer-Erkrankung

Ein französisch-kanadisches Forscherteam unter der Leitung von Stéphanie Daumas, Forscherin am Institut für Biologie Paris-Seine (IBPS: Sorbonne Universität / CNRS [1] / Inserm [2]), und Salah El Mestikawy vom Universitätsinstitut für psychische Gesundheit Douglas in Montreal stellt die bisherigen Erkenntnisse infrage, nach denen die Alzheimer-Erkrankung mit einem Verlust von Nervenzellen und einem gestörten Signalaustausch zwischen den verbliebenen Nervenzellen einhergeht. Die internationale Studie, in die 170 Alzheimer-Patienten in unterschiedlichen Stadien eingebunden waren, wurde am 17. Januar 2018 in Scientific Report veröffentlicht.


In Frankreich leiden 850 000 Menschen (1 Mio. in Deutschland) an Alzheimer und jährlich kommen etwa 225 000 neue Fälle hinzu. Bis heute gibt es keine wirklich wirksame Behandlungsmethode.

Bislang gingen die Wissenschaftler davon aus, dass diese häufigste Form der Demenz bei älteren Menschen durch einen schrittweisen und massiven Verlust von Nervenzellen und Nervenenden hervorgerufen wird. Die aktuelle Studie lässt jedoch im Gegenteil vermuten, dass bei Alzheimer die Expression neuronaler und synaptischer Marker nur geringfügig abnimmt.

Das Forscherteam hat nun versucht, diese Abnahme der synaptischen Verbindungen mit dem Grad der Demenz in Verbindung zu bringen. Ihren Forschungsergebnissen zufolge hat diese Reduzierung der Biomarker nur einen geringen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten des Patienten. Diese Ergebnisse werfen demzufolge neues Licht auf eine Pathologie, die bislang als neurodegenerative Erkrankung angesehen wurde. Sie legt nahe, dass Alzheimer vielmehr mit einer Fehlfunktion als mit einem Verschwinden der Synapsen einhergeht.

Diese Entdeckung ebnet den Weg für neue Behandlungsmöglichkeiten.

 

[1] CNRS – nationales Institut für wissenschaftliche Forschung

[2] Inserm – Institut für Gesundheit und medizinische Forschung

 

Quelle: Pressemitteilung des CNRS, 29/01/2018 – http://www2.cnrs.fr/presse/communique/5423.htm

 Übersetzerin: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr