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Grippe: Wissenschaftler des INSERM eröffnen neue Wege für innovative Behandlungsmethoden

Die saisonale Grippe stellt eine große Herausforderung für die öffentliche Gesundheit dar, da sie nach wie vor mit einer hohen Sterblichkeitsrate (zwischen 10 und 15 000 Personen jedes Jahr in Frankreich), insbesondere bei älteren und/oder immungeschwächten Menschen, einhergeht und erhebliche sozioökonomische Kosten (Krankenhausbelastung und Fehlzeiten) verursacht. Während die Impfung und die derzeit verfügbaren Behandlungen nur begrenzt wirksam sind, versuchen Forschungsteams, neue Behandlungsansätze zu entwickeln.

Grippe: Wissenschaftler des INSERM eröffnen neue Wege für innovative Behandlungsmethoden

Während die derzeitigen Behandlungsmethoden auf bestimmte Bestandteile des Virus abzielen, versuchen Mustapha Si-Tahar, Forschungsleiter beim französischen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung INSERM, und seine Kollegen am Centre d’Étude des Pathologies Respiratoires (Zentrum für die Erforschung von Atemwegserkrankungen) stattdessen, die zellulären und molekularen Reaktionen des Wirts auf die Virusinfektion besser zu verstehen, mit dem langfristigen Ziel, neue therapeutische Strategien zu entwickeln, die diese Reaktionen verstärken. Dabei haben sie sich insbesondere auf die Rolle von Metaboliten bei der Immunantwort konzentriert.

Tatsächlich wurde der Stoffwechsel lange Zeit als reiner Energielieferant betrachtet, der für die Zellen unerlässlich ist. Neuere Arbeiten haben jedoch gezeigt, dass bestimmte Metaboliten auch die Immunantwort regulieren können.

Auf der Grundlage dieser Daten hat das Team von Mustapha Si-Tahar untersucht, ob eine Grippeinfektion eine Umprogrammierung des Stoffwechsels der Zielzellen des Virus bewirken kann und ob bestimmte Metaboliten eine besonders aktive Rolle bei der Immunantwort gegen die Grippe spielen.

Bei grippeerkrankten Mäusen beobachteten die Forscher, dass sich ein Metabolit namens “Succinat” in der Lunge ansammelt. Dieses Phänomen wurde anschließend auch beim Menschen bestätigt, indem die Forscher die beim Atmen ausgestoßenen Flüssigkeiten von Intensivpatienten mit und ohne grippebedingter Pneumonie verglichen. Bei den Grippepatienten war der Succinat-Spiegel deutlich erhöht. Sie konnten nachweisen, dass das Molekül eine antivirale Wirkung hat, indem es die Vermehrung des Virus blockiert. Succinat trägt ebenfalls dazu bei, die starke Entzündungsreaktion zu reduzieren, die nach einer Grippeinfektion in der Lunge ausgelöst wird.

Anschließend analysierten sie die Auswirkungen des Succinats auf die verschiedenen Phasen des viralen Replikationszyklus. Sie wiesen nach, dass dieser Metabolit nicht die frühen Stadien dieses Zyklus (Eintritt, Transkription und Translation), sondern erst einen späteren beeinflusst. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieser Metabolit ein wichtiges Strukturprotein des Virus, das sogenannte “Nukleoprotein”, daran hindert, den Kern der infizierten Zellen zu verlassen und so die Zusammensetzung des endgültigen Viruspartikels verhindert. Infolgedessen wird der Vermehrungszyklus des Virus unterbrochen.

In weiteren Studien soll nun das therapeutische Potenzial des Succinats getestet und andere interessante Metaboliten ermittelt werden.

Quelle : INSERM

Host succinate inhibits influenza virus infection through succinylation and nuclear retention of the viral nucleoprotein

EMBO Journal, mai 2022

DOI : https://doi.org/10.15252/embj.2021108306