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Vollständige Remission eines mit HIV geborenen Mädchens

Ein 18 Jahre altes französisches Mädchen, das sich perinatal mit HIV infizierte, ist in Remission, obwohl sie seit 12 Jahren keine Behandlung mehr bekommen hat. Dr. Asier Sáez-Cirión (Institut Pasteur) präsentierte diesen ersten Fall einer so langen Remission bei HIV-infizierten Kindern im Juli 2015 auf der 8. IAS [1] Konferenz zur HIV-Pathogenese, Behandlung und Vorbeugung in Kanada.


Ein 18 Jahre altes französisches Mädchen, das sich perinatal mit HIV infizierte, ist in Remission, obwohl sie seit 12 Jahren keine Behandlung mehr bekommen hat. Dr. Asier Sáez-Cirión (Institut Pasteur) präsentierte diesen ersten Fall einer so langen Remission bei HIV-infizierten Kindern im Juli 2015 auf der 8. IAS [1] Konferenz zur HIV-Pathogenese, Behandlung und Vorbeugung in Kanada.

 

Das 1996 geborene Mädchen wurde im Rahmen der französischen pädiatrischen Kohorte VISCONTI des französischen Instituts für AIDS- und Hepatitisforschung (ANRS) EPF CO10 untersucht. Sie wurde am Ende der Schwangerschaft oder bei der Geburt infiziert und bekam über sechs Wochen eine prophylaktische Behandlung. Im Alter von einem Monat wurde dennoch das HIV detektiert. Sie bekam mit drei Monaten und über sechs Jahre eine Kombinationstherapie aus vier antiretroviralen Medikamenten. Dann entschied ihre Familie, die Behandlung abzubrechen. Ein Jahr später lag die Viruslast unter der Nachweisgrenze (<50 HIV-RNA Kopien/Blut ml), weshalb die Behandlung nicht wieder aufgenommen wurde. Zwölf Jahre später ist die Viruslast noch immer unter der Nachweisgrenze (<4 RNA-Kopien/Blut ml). Diese Remission ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass sie die Kombinationstherapie so früh nach der Infektion bekommen hatte.

 

Dieser Fall ist dem der VISCONTI-Studie des ANRS EP47 bei erwachsenen Patienten klinisch, immunologisch und virologisch sehr ähnlich. Die Patienten erhielten bereits in den ersten Monaten nach der Infizierung eine antiretrovirale Behandlung, die durchschnittlich drei Jahre andauerte. Sie bekämpfen die Infektion seit durchschnittlich 10 Jahren erfolgreich. Der Fall dieses Mädchens hat gezeigt, dass eine langfristige Remission bei Kindern wie bei Erwachsenen möglich (aber noch sehr selten) ist.

 

Es wird jedoch nicht empfohlen, die retrovirale Behandlung abzubrechen: Ein ähnlicher Fall in den USA (das “Mississippi Baby”) war nur 27 Monate nach Beendigung der Behandlung in Remission; im Alter von fast 4 Jahren kam es dann doch wieder zu einer Progression der HIV-Infektion. Außerdem bedeutet die Remission des Mädchens keine vollständige Heilung: Sie ist noch immer HIV-infiziert und die Entwicklung ihres Gesundheitszustands ist nicht vorhersehbar. Es ist dennoch ein bedeutendes klinisches Ereignis, das neue Forschungsperspektiven eröffnet.

 

[1] IAS: International AIDS Society

 

 

Weitere Informationen:

  • Pierre Frange et al., “HIV-1 virological remission for more than 11 years after interruption of early initiated antiretroviral therapy in a perinatally-infected child”, 8th IAS Conference on HIV Pathogenesis, Treatment and Prevention, July 19-22, Vancouver (Canada), abstract n°MOAA0105LB, oral communication, July 20th, 2015.

 

Quelle: “Premier cas de rémission prolongée depuis 12 ans chez une enfant infectée par le VIH” – Pressemitteilung des Instituts Pasteur, 20.07.2015 – http://www.pasteur.fr/fr/institut-pasteur/presse/documents-presse/premier-cas-remission-prolongee-depuis-12-ans-chez-une-enfant-infectee-par-le-vih

 

Redakteurin: Rébecca Grojsman, rebecca.grojsman@diplomatie.gouv.fr