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Waldökosysteme und #Infektionskrankheiten: Ein zu wenig verkannter Zusammenhang

Die globale Covid-19-Pandemie wirft neues Licht auf den Zusammenhang zwischen Ökosystemen, ihrer Artenvielfalt und dem Auftreten neuer Infektionskrankheiten. Forscher des INRAE [1], CIRAD [2], IRD [3] und des Institut Pasteur in Französisch-Guayana haben kürzlich eine bibliometrische Syntheseanalyse von 565 Publikationen durchgeführt, die zwischen 1953 und 2018 über die Zusammenhänge zwischen Wäldern, Entwaldung und neu auftretenden Infektionskrankheiten veröffentlicht wurden. Die in der Zeitschrift Environmental Research Letters veröffentlichte Studie zeigt auf, wie wenig bislang über dieses wichtige Thema bekannt ist.

Waldökosysteme und #Infektionskrankheiten: Ein zu wenig verkannter Zusammenhang

Das SARS-Cov2-Virus, das für die aktuelle Covid-19-Pandemie verantwortlich ist, ist vermutlich das Ergebnis einer Rekombination von Viren von zwei verschiedenen Tierarten, von denen eine illegal gejagt oder gehandelt wird. Wie viele neu auftretende Krankheiten, die den Menschen betreffen, handelt es sich daher um eine Zoonose, d.h. um eine Infektion tierischen Ursprungs. Durch die Abholzung von Wäldern zur Schaffung von Flächen für die Landwirtschaft und die Viehzucht in intertropischen Gebieten, die eine große Artenvielfalt beherbergen, kommen die lokalen Bewohner in Kontakt mit mikrobiellen Kreisläufen, die in diesen großen Waldbiomen zu finden sind. Dadurch erhöht sich das Risiko für Infektionen und Epidemien.

Forscher überprüften 565 wissenschaftliche Artikel, die in ihren Titeln und Zusammenfassungen die Worte “Wald”, “Entwaldung” und “neu auftretende Infektionskrankheiten” aufführten. Die Ergebnisse zeigen, dass sich nur 165 dieser Artikel mit dem Zusammenhang zwischen Wäldern, Entwaldung und neu auftretenden Krankheiten befassen und somit Elemente zum Verständnis der aktuellen Debatte liefern. Eine sehr große Anzahl dieser Artikel befasst sich nur mit einem sehr kleinen Teil des Infektionszyklus: mit Insektenvektoren oder Tierreservoiren und nur wenige mit ihren Interaktionen mit Viren, Bakterien oder Protozoen. Darüber hinaus stellt eine sehr große Mehrheit dieser Artikel keine Verbindung zu menschlichen Fällen her. Das Thema Wald, Entwaldung und neu auftretende Krankheiten wird daher letztlich sehr wenig diskutiert, auch wenn dies in einer Vielzahl von Artikeln im Titel oder in der Kurzfassung so angegeben wird.

Diese Art der “Forschung über Forschung”-Analyse ist wichtig, um eine objektive und sachliche Sichtweise zu erhalten und so die Forschung zu lenken. Das hier erörterte Beispiel veranschaulicht die Bedeutung dieser Art von Studien und unterstreicht die Tatsache, dass die meisten Arbeiten zu solch komplexen Themen noch immer zu sektorbezogen sind. Ferner zeigt diese Studie die Notwendigkeit auf, unsere Kenntnisse über die Entstehung menschlicher Infektionskrankheiten und ihre Übertragung zu verbessern, indem wir sowohl ökologische als auch anthropo-soziologische, wirtschaftliche und politische Komponenten stärker berücksichtigen.

Das am 1. Januar 2020 gegründete INRAE ist ein wichtiger Akteur im Bereich Forschung und Innovation. Das INRAE, das aus dem Zusammenschluss von INRA (Nationales Institut für Agronomieforschung) und Irstea (Forschungsinstitut für Agrar- und Umwelttechnik) hervorgegangen ist, vereint 12.000 Mitarbeiter in 268 Forschungs-, Dienstleistungs- und Versuchsabteilungen in 18 Zentren in ganz Frankreich. Das CIRAD und das IRD sind zwei Forschungsinstitute, die sich mit der Frage der internationalen Zusammenarbeit für Entwicklung befassen. Das CIRAD ist auf Agrarforschung spezialisiert, während das IRD multidisziplinär ist.

[1] INRAE – Nationales Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt

[2] CIRAD – Zentrum für internationale Zusammenarbeit in der Agrarforschung

[3] IRD – Forschungsinstitut für Entwicklung

Redaktion: Julien Potier; julien.potier[a]diplomatie.gouv.fr

Quellen: CIRAD, Environmental Research Letters

Weitere Informationen: INRAE, Cirad und IRD