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Französischer Klimaforscher Hervé Le Treut erwartet stärkere Auswirkungen auf den Klimawandel durch El Niño

Dieses alle drei bis sieben Jahre an der Meeresoberfläche des tropischen Südpazifik auftretende Klimaphänomen hat häufig katastrophale Auswirkungen auf den ganzen Planeten.
Das „National Oceanic Atmospheric Administration“ (NOAA; USA) hat die Wiederkehr von El Niño für den Herbst 2012 angekündigt.
In einem Gespräch mit Le Monde vom 18.8.2012 äußert sich der Klimaforscher Hervé Le Treut, Professor an der Universität Pierre-et-Marie Curie (Paris) und Direktor des Institut Pierre-Simon-Laplace zu der Frage, wie El Niño zu den extremen Klimabedingungen beiträgt, die durch die Klimaerwärmung ausgelöst werden.


Dieses alle drei bis sieben Jahre an der Meeresoberfläche des tropischen Südpazifik auftretende Klimaphänomen hat häufig katastrophale Auswirkungen auf den ganzen Planeten.

Das „National Oceanic Atmospheric  Administration“  (NOAA; USA) hat die Wiederkehr von El Niño für den Herbst 2012 angekündigt.

In einem Gespräch mit Le Monde vom 18.8.2012 äußert sich der Klimaforscher Hervé Le Treut, Professor an der Universität Pierre-et-Marie Curie (Paris) und Direktor des Institut Pierre-Simon-Laplace zu der Frage, wie El Niño zu den extremen Klimabedingungen beiträgt, die durch die Klimaerwärmung ausgelöst werden.

Für Hervé Le Treut bleiben die Einflüsse zwischen den beiden Klimaphänomenen immer noch unzureichend bekannt – die durch außergewöhnliche Trockenheit und durch Ernteausfälle in den USA zu Beginn des Jahres 2012 einerseits und durch extreme Hitzewellen insbesondere in Südwest-Frankreich gekennzeichneten Perioden andererseits. Hervé Le Treut verneint die Frage, ob in den vorerwähnten Trocken- bzw. Hitzeperioden eine Bestätigung für die derzeitige Erwärmung gesehen werden kann. Die Klimaforscher – so  Hervé Le Treut – liebten es nicht, Schlussfolgerungen aus punktuellen Phänomenen zu ziehen. Sie stellten vielmehr ihre Überlegungen auf der Grundlage von Zehnjahreszeiträumen an. Die natürliche Variabilität des Klimas mache die Sache sehr komplex. Was man seit zwanzig oder dreißig Jahren beobachte sei kohärent mit dem, was man vom Klimawandel erwarten könne. Die globale Erwärmung sei eine gut messbare Tatsache. Es sei natürlich, dass die Erwärmung in häufigeren und intensiveren Hitzewellen ihren Ausdruck finde. Die Menge an Wasserdampf, die in der Atmosphäre ihren Niederschlag finde, führe auch zu stärkeren Regenfällen, vielleicht auch zur Ausbildung heftigerer Zyklone.

 

Frage von Le Monde an Hervé Le Treut:
Das Abschmelzen der Grönland-Gletscher und des Packeises erreicht zur Zeit Rekorde. Sind die Vorhersagen des IPCC überholt?

Hervé Le Treut:
Ja, das scheint schneller vor sich zu gehen als die erwarteten Entwicklungen als Antwort auf die Erhöhung des Pegels der Treibhausgase. Was die Erhöhung des Meeresspiegels betrifft, spricht der letzte IPCC-Bericht (20007) von einer Spanne zwischen 50 cm und 1 m für das Ende dieses Jahrhunderts. Wenn man sieht, dass die Auswirkungen der Erwärmung des hohen Nordens schneller vor sich geht als gedacht, muss man davon ausgehen, dass man dem höheren Wert näher ist. Aber das bleibt eine ungenaue Schätzung.

Frage von Le Monde an Hervé Le Treut:
Und was den Zeitraum nach dem Jahre 2100 betrifft ?

Hervé Le Treut:
Die Vorhersagen hängen in hohem Maße von der Zunahme der Emissionen der Treibhausgase ab. Wenn die Zunahme massiv bleibt, kann man von einem bedeutenden Abschmelzen des Grönland-Eises mit den damit verbundenen Auswirkungen ausgehen.

Das Gespräch zwischen Le Monde vom 18.8.2012 und Hervé Le Treut trägt die Überschrift „Les vagues de chaleur von être  plus intenses“. Das Gespräch wird durch zwei Sachdarstellungen ergänzt: „Rekordabschmelzen des arktischen Eises und des Grönland-Eises“ sowie „Die amerikanischen Farmer sind immer noch Klimaskeptiker“.

 

Quelle: Le Monde (“Planète”) vom 18.8.2012

 

Redaktion: Dr. Hermann Schmitz-Wenzel, DFGWT – Deutsch-Französische Gesellschaft für Wissenschaft und Technologie e. V.