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Grünalgen – ein ökologisches und gesundheitliches Problem

Im August 2009 erstickte ein Pferd an der Stränden des bretonischen Departements Côtes-d’Armor in einem Algenteppich, während sein Halter nur knapp dem Tod entkam. Ein tragisches Schicksal, welches ein 50 Jahre altes Problem wieder ins Licht gerückt hat.


Im August 2009 erstickte ein Pferd an der Stränden des bretonischen Departements Côtes-d’Armor in einem Algenteppich, während sein Halter nur knapp dem Tod entkam. Ein tragisches Schicksal, welches ein 50 Jahre altes Problem wieder ins Licht gerückt hat. Die für das Unglück verantwortlichen Algen sind zwei Arten der Gattung Ulva (U. rotundata und U. armoricana). Sie ernähren sich vorwiegend von Nitraten, die in diesem Fall von Schweinegülle stammen. In dieser auf die intensive Schweinezucht spezialisierten Region ist die Güllemenge, die als Dünger eingesetzt wird, so groß, dass der Boden sie nicht aufnehmen kann. Nitrate gelangen somit insbesondere durch Regenfälle ins Meer. Des Weiteren wird das Algenwachstum im Sommer von der Sonne und der Hitze begünstigt. Neben dem ästhetischen Aspekt stellen Algen auch ein gesundheitliches Problem dar, da die Zersetzungsgase (Schwefelwasserstoff) sehr giftig sind.

Zwei Jahre später versuchen Bagger auch weiterhin die Algen an den betroffenen Stränden zu beseitigen. In den letzten sechs Monaten wurden insgesamt 20.000 m3 Algen entfernt, im Vergleich zu 13.000 m3 im Vorjahr. Welche Maßnahmen wurden bereits eingeleitet und welche sind noch notwendig, um diesem Problem Herr zu werden? Für Umweltorganisationen liegt die Lösung klar auf der Hand: Der Tierbestand an Schweinen muss reduziert werden, um das Problem der Grünalge in den Griff zu bekommen. Den Landwirten zufolge ist diese radikale Umstellung jedoch nicht ohne erhebliche finanzielle Unterstützung vom Staat möglich.

Wie von Premierminister François Fillon versprochen, wurde ein interministerieller Ausschuss ins Leben gerufen, der sich diesem Fall angenommen hat. Er brachte alle Beteiligten (Landwirte, Politiker, Verbände), zusammen und gemeinsam wurden zwei Aktionspläne erarbeitet – einer für jede betroffene Region in der Bretagne: die Buchten von Lannion und Saint-Brieuc. In diesen Aktionsplänen (der erste wurde am 30. Juni 2011 angenommen, der zweite wird in den kommenden Wochen verabschiedet) ist eine drastische Senkung des Nitratflusses (30-40%) vorgesehen. Auch wenn diese Aktionspläne hinsichtlich der Menge des zu reduzierenden Algenbestandes als sehr effektiv eingestuft werden (zehn Millionen Euro sind für die Beseitigung von Algen geplant), so sind sie nach Meinung des wissenschaftlichen Ausschusses [1] was die Vorsorge betrifft, nicht ausreichend.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Methanisierung. Dieser Prozess wird in Deutschland sehr häufig zum Abbau organischer Substanzen eingesetzt und dient der Erzeugung von Biogas durch die Zersetzung von Biomasse. In landwirtschaftlichen Biogasanlagen werden meist tierische Exkremente (Gülle, Festmist) und Energiepflanzen als Substrat eingesetzt. Aber auch dieses Projekt ist sehr kostspielig, weil es den Bau von Anlagen erfordert.

[1] Weitere Informationen (auf Französisch) unter: http://www.eau-et-rivieres.asso.fr/media/user/File/Actu2011/Avis_Conseil_scientifique_PlanAV_fev2011.pdf?bcsi_scan_1fe59ba8c561fa18=0&bcsi_scan_filename=Avis_Conseil_scientifique_PlanAV_fev2011.pdf

Quelle:
Artikel aus futura-sciences – 07.07.2011 –
http://www.futura-sciences.com/fr/news/t/developpement-durable-1/d/algues-vertes-le-point-sur-un-probleme-ecologique-inquietant_31236/#xtor=RSS-8

Redakteurin:
Myrina Meunier, myrina.meunier@diplomatie.gouv.fr