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Hundertjährige Rebstöcke sind denkmalgeschützt

Das ist eine Premiere für Frankreich: Im Dorf Sarragachies (Gers) wurde gerade eine Parzelle mit über 150 Jahre alten Rebstöcken in die Liste der Naturdenkmäler aufgenommen. Dies ist den außergewöhnlichen Eigenschaften der Rebstöcke und den altüberlieferten Anbaumethoden zu verdanken, von denen noch heute dieses Stück Land zeugt.


Das ist eine Premiere für Frankreich: Im Dorf Sarragachies (Gers) wurde gerade eine Parzelle mit über 150 Jahre alten Rebstöcken in die Liste der Naturdenkmäler aufgenommen. Dies ist den außergewöhnlichen Eigenschaften der Rebstöcke und den altüberlieferten Anbaumethoden zu verdanken, von denen noch heute dieses Stück Land zeugt.

Diese 0,4 Hektar große Parzelle umfasst 600 wurzelechte Rebstöcke, die in 12 Reihen angepflanzt wurden. Sie werden noch immer bewirtschaftet und das ist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich: Zunächst einmal aufgrund ihres ehrwürdigen Alters. “Wir denken, dass diese Parzelle aus dem frühen 19. Jahrhundert stammt, so um 1830. Auf jeden Fall ist sie älter als 150 Jahre, denn die Art, wie die Reben angebaut wurden, findet man heute nicht mehr”, erklärt Olivier Bourdet-Pees, geschäftsführender Direktor von Plaimont Producteurs.

Die Reben haben eine besonders lange Lebensdauer, die sie dem sandigen Boden zu verdanken haben, der sie vor der Reblaus schützt. Die Parzelle blieb bis heute von diesem Insekt, das die Weinrebe befällt und sie durch die Beschädigung ihrer Wurzeln tötet, verschont. Im späten 19. Jahrhundert zerstörte eine Reblausplage nahezu den gesamten französischen Weinanbau.

Ein weiterer Grund diese Weinreben zu schützen, war für die Regionaldirektion für kulturelle Angelegenheiten (DRAC) die Biodiversität der Parzelle. “Viele Rebsorten, die auch in anderen Gebieten Frankreichs angebaut werden, wie der Cabernet und der Sauvignon, stammen von hier”, sagt Olivier Bourdet-Pees. “Einige Rebsorten haben überlebt und sind aufgelistet, andere wiederum sind in Vergessenheit geraten, und wir wissen nichts über sie”. Von 20 Rebsorten sind 7 unbekannt.

Das Interesse der DRAC bezog sich auch auf die Art des Pflanzenanbaus dieser Parzelle. Sie zeugt von der heute bereits in Vergessenheit geratenen Praxis des Weinbaus des 19. Jahrhunderts. Damals wurden immer zwei Rebstöcke nebeneinander angepflanzt und an einer Stange befestigt, durch die die Rebe getragen wurde. Es gab keine Rebstockreihen und die Reben wurden nicht durch Drähte gehalten. So konnten die Rinder ungehindert zwischen den Pflanzen hindurchlaufen.

Olivier Bourdet-Pees steht jedoch nach wie vor der Idee skeptisch gegenüber, aus den Reben dieser Parzelle einen Jahrgangswein zu produzieren. Seiner Meinung nach würde der Wein, der allein aus den Trauben dieser Parzelle gewonnen würde, dieser nicht gerecht werden. “Es gibt dort Rebsorten für Weiß- und Rotwein, einige Trauben sind schon Ende August, andere erst Ende September reif. Es gibt ganz unterschiedliche Traubensorten. Alles in allem eine faszinierende Vielfältigkeit, aber nicht, um einen Wein herzustellen.”

 

 

Quelle: Artikel aus LeMonde – 20.06.2012 –

http://www.lemonde.fr/style/article/2012/06/20/des-vignes-centenaires-classees-monument-historique_1721662_1575563.html

Redakteurin: Myrina Meunier, myrina.meunier@diplomatie.gouv.fr