Hustensirup gegen Alzheimer

Der Arterienverschluss durch ein Blutgerinnsel ist die häufigste Todesursache weltweit. Die sogenannte Thrombose führt zu ischämischen Schlaganfällen (unzureichende Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen), Herzinfarkten und zur Ischämie der Extremitäten. Bei einer Thrombose gilt es schnell zu handeln: das Blutgerinnsel muss schnellstmöglich aufgelöst werden, um den Blutfluss wiederherzustellen und irreversible Schäden zu vermeiden.

N-Acetylcystein wird häufig als schleimlösendes Medikament verabreicht, da es das Verflüssigen des Bronchialsekrets und das Abhusten ermöglicht. Sein Wirkmechanismus ist einfach: Es spaltet die Molekularverbindungen zwischen den Schleimproteinen auf (wichtigster Bestandteil des Schleims), wodurch die Schleimmakromoleküle in kleinere Fragmente aufgespalten werden, was den Schleim verflüssigt und er so leichter abgehustet werden kann.

Der Schleim der verschleimten Atemwege ist nicht das einzige Protein im menschlichen Körper, das molekulare Verbindungen aufbaut. In den Blutgefäßen kommt es zu den gleichen Verbindungen, was zur Thrombose-Bildung führt. In diesem Fall ist es nicht der Schleim, sondern der von-Willebrand-Faktor (ein Protein), der zur Thrombozytenaggregation (Verklumpung von Blutplättchen) und zur Bildung von Blutgerinnseln führt.

 Die Forscher haben gezeigt, dass die intravenöse Verabreichung von N-Acetylcystein die Blutgerinnsel aufspaltet und so die Arterien frei macht. In mehreren Fällen von ischämischen Schlaganfällen erwies sich die Behandlung mit NAC sogar als wirksamer als mit anderen derzeit verfügbaren Behandlungsmethoden. N-Acetylcystein ist ein kostengünstiges Medikament, das bereits weltweit gegen Husten eingenommen wird. Seine nachgewiesene thrombolytische Wirkung ebnet den Weg für weitere Anwendungen bei ischämischen Schlaganfällen oder Myokardinfarkten.

Die Forschungsarbeiten erfolgten mit Unterstützung der Stiftung für Schlaganfallforschung.

 

Quelle: Pressemitteilung des INSERM, 08/06/2017 – http://presse.inserm.fr/le-sirop-contre-la-toux-efficace-en-cas-davc/28621/

 

Übersetzerin: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr