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Infektionen, die vor Krebs schützen

Weniger bekannt hingegen ist, dass andere Viren das Immunsystem stärken und das Krebsrisiko senken können. Diese sogenannten onkolytischen Viren infizieren eine Krebszelle und vermehren sich in ihr, bis zu platzt. Es gibt Viren, die eine natürliche Präferenz für Krebszellen haben, wie das Mumps-Virus oder das der Newcastle-Krankheit. Dank der Fortschritte in der Gentechnologie ist es auch möglich, andere Viren (Herpes- oder Masernviren) künstlich so zu verändern, dass sie ebenfalls diese Präferenz aufweisen. Zudem wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts das therapeutische Potential von Bakterien untersucht, mit dem Ziel, dass diese die Immunantwort stimulieren, um Krebszellen zu zerstören.


Bekannt ist, dass zahlreiche Infektionen das Krebsrisiko erhöhen können. Etwa 20 % der weltweiten Krebserkrankungen gehen Infektionserkrankungen voraus. Viele krebsauslösende Viren (sie transformieren gesunde Zellen in Tumorzellen) sind heute schon bekannt: das humane Papillomavirus (Gebärmutterhalskrebs), Hepatitis B- und C-Viren (Leberkrebs), Epstein-Barr-Virus, ebenso wie bestimmte karzinogene Bakterien und Darmwürmer.

 

Im Laufe unseres Lebens sind wir zahlreichen Krankheitserregern und den oft daraus resultierenden Infektionen ausgesetzt. Zahlreiche Beispiele haben bereits gezeigt, dass diese persönliche Krankengeschichte das Krebsrisiko erhöhen bzw. senken könnte. So könnte Mumps im Kleinkindalter im Erwachsenenalter vor Eierstockkrebs schützen. Atemwegserkrankungen hingegen würden das Risiko für bestimmte Formen der Leukämie erhöhen. Es ist nachgewiesen worden, dass Infektionen für die Ausbildung unseres Immunsystems, insbesondere für das immunologische Gedächtnis, wichtig sind, da Krankheitserreger und Krebszellen mitunter ähnliche Moleküle haben: Das durch Erstere erworbene Gedächtnis könnte sich somit auch gegen Zweitere als wirksam erweisen.

 

Im Gegensatz dazu schwächen immunsuppressive Infektionen die Immunabwehr und somit ihre Fähigkeit, die Entstehung und das Wachstum von Krebs zu kontrollieren. So steigt beispielsweise das Krebsrisiko bei AIDS-Infizierten.

 

Die Vertiefung der Kenntnisse über den Einfluss der persönlichen Infektionsgeschichte auf das Krebsrisiko eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung (z.B. mit abgeschwächten Krankheitserregern oder mit Molekülen, die ihre Auswirkungen nachahmen), die Prävention (Krebsfrüherkennung) und für Therapien (Immuntherapien zur Stimulierung des Immunsystems, damit es selbst die Krebszellen bekämpft).

 

 

Quelle: Artikel aus La Tribune, 17/08/2017 – http://www.latribune.fr/opinions/tribunes/certaines-infections-joueraient-un-role-protecteur-vis-a-vis-du-cancer-747208.html

 

Redakteurin: Jana Ulbricht, jana.ulbricht@diplomatie.gouv.fr